Saatgut & Samen richtig aufbewahren & versenden

Saatgut & Samen richtig aufbewahren & versenden SamenOb zur Weitergabe, zum Sortenerhalt oder zur Züchtung neuer Sorten: Das Ernten von Saatgut gehört sowohl in der landwirtschaftlichen Praxis als auch im Privatgarten zu den wichtigsten Arten der Pflanzenvermehrung. Samen sind platzsparend und können längere Zeiträume ungünstiger Umweltbedingungen überdauern. Ein Extrembeispiel ist der 1983 in einer Grabkammer nahe Tokyo gefundene Same einer Magnolie, der trotz eines geschätzten Alters von rund 2000 Jahren einen Magnolienbaum hervorbrachte.

Natürlich stellt dieser Fund eine Ausnahme dar. Aber bei

richtiger Lagerung können sich Samen durchaus sehr lange aufbewahren lassen.

Die richtige Vorbereitung

Samen sind so verschieden wie die Pflanzen, von denen sie stammen. Je nach Art der Verbreitung reicht die Palette vom staubfeinen Samen der Orchideen bis hin zu den kiloschweren Früchten verschiedener Palmen. Entsprechend gestaltet sich die Lagerung.
Samen, die von viel Fruchtfleisch umgeben sind (z.B. diverse Gemüse- und Obstsorten, Fuchsien, Kakteen), werden von diesem so gut als möglich befreit und zum Trocknen - beispielsweise auf Küchenpapier oder Kaffeefilter – ausgelegt
  • Fruchtfleisch kann im Sieb unter fließendem Wasser abgespült oder über Nacht im Wasserbad abgelöst werden (z.B. Zucchini, Melone)
  • Bei Gurken und Tomaten darf das Fruchtfleisch im Wasserbad zwei bis drei Tage angären, um dann abgespült zu werden
Die meisten Samen lassen sich jedoch gut durch Nachreifen gewinnen. Dazu werden die Früchte (Hülsen, Schoten o.ä.) zum Trocknen auf Zeitungs- oder Löschpapier liegen gelassen. Die Samen fallen dann entweder von selbst aus oder können aus den aufgeplatzten Früchten gelöst werden.
Zur Aufbewahrung müssen die Samen vollständig getrocknet sein. Feuchte Samen schimmeln sehr schnell und werden dadurch unbrauchbar. Sollten die gesammelten Samen aufgrund zu hoher Luftfeuchtigkeit nicht ausreichend trocknen, können beispielsweise
auf Zeitungspapier in der Sonne oder in Nähe einer Heizung aufgelegt werden. Auch Silica-Gel (erhältlich z.B. in Apotheken) kann zur Trocknung verwendet werden.

Behältnisse für die Lagerung

Ist das Saatgut vollständig getrocknet und von Pflanzen- und Erdresten befreit (z.B. durch Sieben), wird es in geeignete Behälter überführt. Diese sollten möglichst luftdicht sein. Geeignet sind Behälter mit fest schließendem Deckel. Sofern diese nicht ohnehin schon im Haushalt angefallen sind (ausgewaschene Brotaufstrich-Dosen, Marmeladengläser o.ä.), kann man im Internet kostengünstige Varianten in allen Größen bestellen. Für sehr feines Saatgut lassen sich z.B. Zentrifugen-Cups (Fassungsvermögen 2ml) verwenden, aus denen das Saatgut praktisch verlustfrei wieder entnommen werden kann. Für etwas gröbere Samen eignen sich Schraubdeckeldöschen, die in der Industrie als Gefäße zur Proben-Aufbewahrung verwendet werden. Ebenso ist es möglich, die Samen in kleinen Tütchen zu verpacken und diese wiederum gesammelt in größeren Behältern (z.B. Tupperdosen) aufzubewahren. Wichtig: nicht vergessen, die Behälter mit Sortenname und Erntejahr zu beschriften. Trotz bester Absichten vergisst man meist sehr schnell, welcher Same zu welcher Pflanze gehört.

Der Lagerort

Der optimale Lagerort ist kühl und trocken. Temperaturschwankungen, z.B. durch direkte Sonneneinstrahlung, sind zu vermeiden. Viele Samen lassen sich auch tiefgekühlt lagern. Dadurch lässt sich die Keimfähigkeit über sehr lange Zeiträume (Jahrzehnte) erhalten. Darüber hinaus benötigen Frostkeimer ohnehin die niedrigen Temperaturen, um später erfolgreich auskeimen zu können. Falls die Lagerung in der Tiefkühltruhe auf sehr lange Zeiträume ausgelegt ist, kann es sinnvoll sein, die Samen zu portionieren, um

ein erneutes Auftauen zu vermeiden.

Versand

Ein wichtiger Vorteil von Samen gegenüber lebenden Pflanzen ist der einfache Versand auf dem Postweg. Vor allem kleine Samen passen – richtig verpackt - in einen gewöhnlichen Standardbrief. Zum Versand eignen sich Papier- oder Plastiktütchen, die im Umschlag am besten so festgeklebt werden, dass sie nicht verrutschen. Größere Samen sollten in Streichholzschachteln oder anderen stabilen Behältnissen verschickt werden, damit sie nicht vom Poststempel zerquetscht werden.
So steht dem Austausch von Saatgut – zumindest solange keine gegensätzlichen Bestrebungen der EU realisiert werden – nichts im Wege.