Tellerhortensie und Rispenhortensie richtig schneiden

HortensieOhne einen alljährlichen Rückschnitt ist sie rasch dahin, die romantische Blütenpracht von Hortensien. Der Umstand, dass die Artzugehörigkeit Zeitpunkt und Schnittführung unterschiedlich definiert, sorgt unter Hobbygärtnern für Unsicherheit. Völlig zu Recht, denn eine Tellerhortensie wird anders geschnitten, als eine Rispenhortensie. Sind die Unterschiede erst einmal verinnerlicht, geht dieser signifikante Pflegeaspekt ab sofort ganz leicht von der Hand. Machen Sie sich hier kundig, wie Tellerhortensie und Rispenhortensie richtig zu schneiden sind.

Tellerhortensie

Mit ihrem filigranen Habitus und den abgeflachten Blüten, setzt sich die

Tellerhortensie visuell deutlich ab von der floralen Wucht anderer Hortensienarten. In kleinen Gärten, vor der Kulisse mächtiger Gehölze oder im Kübel erfreut sie sich daher großer Beliebtheit. Um von den vorteilhaften Attributen des bezaubernden Blütenstrauches über viele Jahre zu profitieren, kommt es in erster Linie auf den artgerechten Rückschnitt zum optimalen Zeitpunkt an. Das Wuchsverhalten einer Tellerhortensie eröffnet Hobbygärtnern dabei Flexibilität hinsichtlich der Terminwahl, abgestimmt auf die individuellen Präferenzen.

Kriterien für die Terminwahl

  • Tellerhortensien legen im Herbst die Knospen für die nächste Saison an
  • Das Laub wird vollständig abgeworfen
  • Die verwelkten Blütenstände fallen nicht ab
Prinzipiell ist demnach im Spätherbst bereits ein Rückschnitt möglich, da die angelegten Knospen gut zu erkennen sind. Kreative Hobbygärtner belassen die pergamentartigen Blüten indes den Winter hindurch am Strauch. Wenn die Kristalle von Frost und Schnee unter der Wintersonne glitzern, schafft dieses Schauspiel im leergefegten Garten ein zauberhaftes Szenario. Darüber hinaus gilt die Tellerhortensie als ein wenig frostempfindlich. Die verdorrten Blüten an den Zweigen zu belassen, minimiert daher die Angriffsfläche für klirrenden Frost.

Schnittführung

Unabhängig vom gewählten Zeitpunkt, gilt beim Rückschnitt einer Tellerhortensie ein gutes Augenmaß als oberstes Gebot. Um den Strauch richtig zu schneiden, müssen die angelegten Knospen unangetastet bleiben. Andernfalls fällt die diesjährige Blüte komplett aus. So machen Sie es richtig:
  • Das Schneidewerkzeug ist frisch geschärft und desinfiziert
  • Die alten Blütenstände 3-5 mm über der ersten jungen Knospe abschneiden
  • Triebspitzen mit offensichtlichen Erfrierungen bis ins gesunde Holz einkürzen
  • Sämtliches Totholz an der Basis kappen
Nicht immer ist auf den ersten Blick zu erkennen, ob ein Trieb abgestorben ist. Geübte Hobbygärtner ritzen im Zweifel mit dem Daumennagel die Rinde ein wenig an. Zeigt sich darunter leuchtend grünes Pflanzengewebe, pulsiert das Leben im Zweig. Präsentiert die Tellerhortensie ein besonders kompaktes Wachstum, wird zusätzlich jedes Jahr der jeweils älteste Trieb bodennah abgeschnitten. Entfernen Sie bei Bedarf auch mehrere alte Triebe vollständig, um Platz zu schaffen. Licht und Luft müssen in alle Regionen des Blütenstrauches vordringen können, damit er nicht von innen her verkahlt.

Tipp: Schützen Sie die jungen Knospen einer Tellerhortensie durch eine Abdeckung vor Erfrierungen, wenn der Winter mit besonders tiefen Temperaturen unter -10 Grad Celsius daherkommt.

Rispenhortensie

Mit ihrer ausladenden Statur verleiht die Rispenhortensie dem Garten Struktur und übernimmt gerne die Funktion des dominierenden Solitärs. Ihre herrliche Blütenpracht entfaltet diese Hortensienart erst spät im Jahr, um bis weit in den Herbst hinein unermüdlich der floralen Vergänglichkeit die Stirn zu bieten. Ein sachgemäßer Rückschnitt wirkt sich hier äußerst förderlich aus auf die Bewahrung der robusten Konstitution. Sowohl die Schnittführung, als auch der ideale Zeitpunkt unterscheiden sich von der
Tellerhortensie.

Kriterien für die Terminwahl

Hortensie
  • Rispenhortensien

    legen erst im Jahr der Blüte ihre Knospen an
  • Mit dem ersten Frost fallen alle Blätter ab
  • Die mächtigen Blüten verwelken, ohne abgeworfen zu werden
Das Zeitfenster für den Rückschnitt ist lange geöffnet. Sind die Blütenstände mit Beginn des Winters verdorrt, kann die Gartenschere zum Einsatz kommen. Alternativ belassen Sie die pergamentzarten Rispen am Strauch, damit sie als Winterschmuck dienen. Spätestens bis Ende Februar sollte der Schnitt erfolgt sein, wenn der junge Austrieb einsetzt. In einem besonders milden Winter ist gleichwohl mit einem noch früheren Austrieb zu rechnen. In diesem Fall ist ein gutes Augenmaß gefragt, damit Sie sich nicht der diesjährigen Blüte berauben durch einen zu späten Termin.

Schnittführung

Da zum Zeitpunkt des Form- und Erhaltungsschnitts keine Rücksicht zu nehmen ist auf bereits eingerichtete Knospen, spricht nichts gegen ein beherztes Vorgehen. Wie bei klassischen Sommerblühern üblich, bestimmen die Ziele der Kultivierung das Ausmaß.  
  • Einkürzen der Zweige ist möglich bis auf 2 Augen
  • Den jeweiligen Schnitt 3-5 mm in schräger Haltung über einem Knoten ansetzen
  • Die Triebe keinesfalls quetschen
  • Zusätzlich alle vertrockneten Triebe bodennah kappen
Je konsequenter Sie beim Schnitt vorgehen, desto vitaler treibt die Rispenhortensie wieder aus. Da der jährliche Zuwachs etwa 50 Zentimeter beträgt, ziehen Sie auf diese Weise im Laufe der Zeit einen majestätischen Blütenstrauch heran. Aus jedem alten Zweig treiben im Durchschnitt zwei neue Äste hervor, sodass sich der Umfang der Hortensie in jedem Jahr verdoppelt. Dieses Wachstum resultiert früher oder später in einer sehr dichten Krone. Damit die Hortensie daraufhin nicht im Inneren vergreist, werden ältere Sträucher stets sorgfältig ausgelichtet. Diese Maßnahme kann bei Bedarf auch während des Sommers stattfinden. Handeln Sie dabei nach einer bewährten Bauernregel. Diese besagt, dass ein Strauch dann perfekt geschnitten ist, wenn die hineingeworfene Mütze des Gärtners hindurchfällt bis zum Boden.

Tipp: In Regionen mit milden Wintern findet der Rückschnitt von Rispenhortensien im November oder Dezember statt, da der Zeitpunkt der Knospenanlage schwer einzuschätzen ist.

Erziehung zum Hochstamm

HortensieDie beträchtliche Wuchskraft einer Rispenhortensie qualifiziert diese Art nicht nur zu einem mächtigen Strauch. Zugleich hat sie durchaus das Potenzial, um zu einem Hochstamm oder zu einem Baum erzogen zu werden. In den ersten beiden Standjahren lassen Sie den Blütenstrauch gewähren, damit sich der kräftigste Bodentrieb herauskristallisiert. Im zeitigen Frühjahr des dritten Jahres treffen Sie Ihre Wahl, um alle Konkurrenztriebe bodennah abzuschneiden. Den jungen Stamm stützen Sie zum Schutz vor den Stürmen des Frühjahrs mit einem Pfahl. Dieser wird mit breiten Bast- oder Jutebändern mit dem Stamm verbunden. Eine regelmäßige Kontrolle stellt sicher, dass das Material nicht in die Rinde einwächst. Die Seitentriebe werden bis zur gewünschten Kronenhöhe entfernt. Dieses Aufasten wird in den kommenden Jahren konsequent beibehalten. Darüber hinaus sind Wasserschosser, die aus dem Wurzelbereich sprießen, während des ganzen Jahres sogleich abzureißen. Werden diese naseweisen Triebe nur abgeschnitten, verbleibt so viel Pflanzenmaterial, dass sie innerhalb weniger Tage erneut gedeihen, was die gesamte Pflanze schwächt. Damit sich eine harmonische Krone entwickelt, werden die Zweige zu einer halbrunden Anordnung geformt. Unerfahrene Hobbygärtner behelfen sich mit einer Schablone, um die gewünschte Symmetrie zu schaffen. Wichtig zu beachten ist, dass im Rahmen des alljährlichen Rückschnitts stets auch alle Zweige abgeschnitten werden, die ins Kroneninnere gerichtet sind oder dem Leittrieb zu nahe kommen.

Fazit

Um eine Tellerhortensie und eine Rispenhortensie richtig zu schneiden, ist entscheidend, wann die Blütensträucher ihre Knospen anlegen. Die Tellerhortensie geht bereits mit fertigen Blütenanlagen in den Winter. Daher erfolgt der Rückschnitt im Herbst. Da die verblühten Sträucher ebenfalls von ästhetischem Wert während der kalten Jahreszeit sind, spricht nichts gegen einen alternativen Termin im Frühjahr. Grundsätzlich wird diese Hortensienart sehr zurückhaltend geschnitten, maximal bis knapp über der ersten jungen Knospe. Eine Rispenhortensie eröffnet in dieser Hinsicht eine flexiblere Herangehensweise. Hier werden die Knospen erst im Jahr der Blüte eingerichtet. Somit ist das Zeitfenster für die Pflegemaßnahme nahezu den ganzen Winter hindurch geöffnet. Darüber hinaus sollte eine Rispenhortensie möglichst kräftig eingekürzt werden, weil sie umso vitaler austreibt.