Feuerbrandbekämpfung an Obstbäumen

Feuerbrandbekämpfung an Obstbäumen Obstbaum mit BlütenDer Feuerbrand ist eine hoch ansteckende Pflanzenkrankheit, die von dem Bakterium Erwinia amylovora ausgelöst wird. Sie trat vor ungefähr 200 Jahren zum ersten Mal in Amerika auf, hat sich seit den 1990-er Jahren aber auch in Europa ausgebreitet. Seit dem Beginn des Jahrtausends sind die Mehrheit der Obstplantagen in der Schweiz und im Bodensee-Raum von ihr betroffen.
Sie befällt hauptsächlich Kernobst-Bäume, aber auch Sträucher wie z.B. Weißdorn.

Ausbreitung der Feuerbrand-Bakterien

Die Infektion findet hauptsächlich im Frühjahr und Sommer

statt. Die Blüten sind die Hauptinfektionsstellen. Gefördert wird die Infektion durch das zu dieser Zeit normalerweise feucht- warme Wetter. Die Bakterien können aber auch über Blätter, Triebe, Zweige und Wunden in die Pflanze eindringen.

Übertragen werden die Bakterien durch Insekten, Vögel, Menschen, Schnittwerkzeuge, Verpackungsmaterial oder infizierte Pflanzen. Daher sollten befallene Pflanzen möglichst wenig berührt und alles benutzte Werkzeug, inklusive Handschuhen, desinfiziert werden.

Schadbild des Feuerbrands

Apfelbaum mit ÄpfelnBlätter und Blüten der befallenen Bäume welken und färben sich braun oder schwarz ein. Die Triebspitzen krümmen sich hakenförmig nach unten. An den Infektionsstellen tritt Bakterienschleim aus. Die Rinde sinkt ein. Die Pflanze sieht wie verbrannt aus, daher der Krankheitsname „Feuerbrand“. Vorsicht! Verwechselungsgefahr mit Monilia, auch Spitzendürre genannt, einer durch einen Pilz verursachten Krankheit.

Durch Anschneiden des Übergangs zwischen krankem und gesundem Gewebe kann eine erste Unterscheidung vorgenommen werden. Bei einer Pilzinfektion ist dieser Übergang scharf abgegrenzt und trocken. Bei einer akuten Bakterieninfektion ist er unscharf, feucht und leicht fleckig oder streifig. Liegt die Infektion schon länger zurück, kann der Übergang auch scharf abgegrenzt sein. Eine sichere Diagnose ist nur durch eine Laboruntersuchung möglich.

Mit Feuerbrand infizierte
junge Pflanzen sterben innerhalb von zwei bis drei Wochen. In älteren Pflanzen breitet sich die Krankheit über mehrere Jahre aus, führt am Ende aber auch hier meist zum Absterben.
Feuerbrand ist meldepflichtig!

Bekämpfung des Feuerbrandes:
Zur Bekämpfung des Feuerbrandes gibt es leider nicht allzu viele Möglichkeiten.
  • Die betroffenen Äste und Zweige müssen entfernt und am besten an Ort und Stelle verbrannt werden. Wegen der Ausbreitungsgefahr dürfen sie auf keinen Fall auf dem Kompost landen. Bei einem zu großen Befall muss der Baum gefällt werden. Ist ein Verbrennen nicht möglich, können kleinere Mengen Schnittmaterial in verschlossenen Plastiktüten im Restmüll entsorgt werden. Größere Mengen werden, ebenfalls gut verpackt, in der Müllverbrennungsanlage entsorgt. Stämme und Hauptzweige sollten vor dem Verbrennen getrocknet werden. Die benutzten Schnittwerkzeuge müssen unbedingt desinfiziert werden!
  • Chemische Pflanzenschutzmittel sind zur Bekämpfung des Feuerbrandes nicht zugelassen.
  • Gesteinsmehle und Pflanzenextrakte haben sich als ungeeignet erwiesen.
Vorbeugen gegen den Feuerbrand
  • In Deutschland wird seit 2003 das Antibiotikum Streptomycin zur Vorbeugung verwendet. Es reduziert den Befall um 80 %, ist aber nicht unkritisch, da es in Honig nachgewiesen wurde und die Entwicklung von Resitenzen befürchtet werden muss.
  • Als Alternative werden Hefepräparate , z.B. Candida sake, benutzt. Sie werden während der Blütezeit auf die Blüten aufgebracht und verhindern eine Vermehrung der Feuerbrand-Bakterien. Sie reduzieren den Befall um 70 %.
  • Es hat sich gezeigt, dass ältere Apfelbäume die Fähigkeit haben Feuerbrandinfektionen abzuschotten und zu gesunden. Sie bilden hierzu ein rindenartiges Gewebe, das

    phenolische Abwehrsubstanzen enthält. Diese Abwehrreaktion fällt um so stärker aus, je kürzer der Neutrieb ist. Das heißt, dass Schnittmaßnahmen zur Förderung des Neuaustriebs, im Gegensatz zur bisher üblichen Praxis, auf das unbedingt notwendige Mindestmaß reduziert werden sollten. Auch die Entfernung unerwünschter Neutriebe sollte in den Sommer verlegt werden. Die Düngung mit Stickstoff sollte reduziert werden um das Triebwachstum nicht weiter zu fördern.
  • Birnbäume können diese Abwehrreaktionen nicht entwickeln. Bei Neuanpflanzungen sollten sorten bevorzugt werden, die weniger anfällig gegen Feuerbrand sind.
Steckbrief
  • Betroffene Pflanzen: Gehölze aus der Familie der Rosengewächse wie Apfel, Birne und Quitte sowie deren Zierformen.
  • Schadbild: Blüten und Blütenstiele färben sich schwarz, fallen jedoch nicht ab. Blätter braun bis schwarz. Junge Triebe krümmen sich hakenförmig. Befallen Bereiche der Rinde rötlich bis braun verfärbt. Im Verlauf der Krankheit reißt die Rinde auf.
  • Gefährlichste Zeit: Frühjahr und Blütezeit
  • Abwehr: Befallen Gehölze, insbesondere in der Nähe von Obstanbaugebieten, müssen gerodet und vernichtet werden.
Bei Feuerbrand handelt es sich um eine meldepflichtige Pflanzenkrankheit!