Bekämpfung der Narren- oder Taschenkrankheit

Bekämpfung der Narren- oder Taschenkrankheit Zwetschgenbaum ist oft befallenDie Bezeichnung Taschen- oder Narrenkrankheit hat ihren Ursprung in der "verrückten" Optik der Früchte ('Narren'). Dabei kommt die Benennung 'Tesche' oder 'Tasche' aus der mittelhochdeutschen Sprache und bedeutet so viel wie 'närrrische Frau'. Die betroffenen Früchte werden des Weiteren auch als Schusterpflaumen oder Hungerzwetschgen bezeichnet.

Gründe für den Befall mit der Narren-/Taschenkrankheit

Die Taschen-/Narrenkrankheit wird innerhalb der Literatur schon im Jahr 1583 erwähnt. Der Erreger ist hierbei der Pilz "Taphrina pruni". Dieser Erreger wurde

allerdings erst 1860 explizit entdeckt. Weitere Varianten der Gattung "Taphrina" sind zum Beispiel der "Taphrina cerasi" (Hexenbesen an Kirschkulturen) und "Taphrina deformans" (Kräuselkrankheit an Pfirsichkulturen). Für die Taschen-/Narrenkrankheit anfällig sind beispielsweise Aprikosen-, Pflaumen- sowie auch Traubenkirschenkulturen (Prunus padus). Als wesentlich widerstandsfähiger gelten dagegen zum Beispiel Mirabellen sowie Renekloden (eine Unterart der Pflaume). Speziell eine milde Witterung in den Winterwochen in Kombination mit erhöhter Feuchtigkeit zur Blütezeit fördert einen deutlichen Befall mit "Taphrina pruni".

Eindeutige Merkmale der Infektion

Das Krankheitsbild zeigt sich auf diese Weise:
  • die jungen Früchte entwickeln sich etwa ab Mai, im Vergleich zum Fruchtwachstum gesunder Früchte, mittels eines vom Pilz produzierten Hormons (Indolylessigsäure) wesentlich schneller
  • das Ergebnis sind gekrümmte, flache schotenähnliche Früchte
  • sie zeigen eine Länge von ungefähr 4 bis 6 Zentimetern und eine Stärke von etwa 1 bis zu 2 Zentimetern
  • die Oberfläche dieser veränderten Früchte ist zu Beginn hellgrün und glatt und bekommt später einen roten Anflug, wird danach warzig, runzelig und erscheint gelblich/grau mattiert
  • das Fruchtfleisch bleibt dabei hart, grün sowie saftlos, wobei die Früchte geschmacklos jedoch ungiftig sind
  • anstatt des Steines im Innern
    befindet sich an seiner Position ein länglicher Hohlraum
  • sind die Sporen ausgeschleudert schrumpfen derartige Fruchtstände, beginnen zu faulen und fallen verfrüht ab
  • die Triebe und Blätter der Kulturen werden wesentlich seltener befallen
  • hieran zeigen sich allerdings Misswuchs, Verkrümmungen sowie Verdickungen.
Gezielte Vorbeugung und Bekämpfung der Narren- oder Taschenkrankheit

Grundsätzlich ist speziell bei vorbeugenden Maßnahmen innerhalb der Nachbarschaft das gemeinschaftliche Vorgehen erforderlich.
  • Ist der Befall eher schwach, werden die betroffenen Früchte so schnell wie möglich (vor einer Pflaumbildung) gepflückt und gründlich entfernt (Biotonne). Es dürfen unter keinen Umständen infizierte Früchte zurückbleiben.
  • Ein regelmäßiger Schnitt des jeweiligen Baumes sowie ein vorsorglicher Schutzanstrich mit Kalkbrühe, in der Zeit von Oktober bis November kann den Infektionsdruck senken.
  • Obstkulturen an geschützten Standorten wie beispielsweise unter einem Dachvorsprung werden von einer Infektion weitgehend verschont, da die Feuchtigkeit, welche eine Infektion begünstigt, hier meistens nicht gegeben ist.
  • Gezielte Spritzungen gegen den Pilz "Taphrina pruni" zur Blütezeit oder zum Zeitpunkt der Knospung sowie dem Austriebsbeginn, können mit Pflanzenstärkungsmitteln wie auch mit Fungiziden erfolgreich sein.
Des Weiteren müssen stark infizierte Früchte und Zweige unverzüglich vernichtet werden. Bei älteren Obstkulturen kann unter Umständen zudem ein ergänzender Verjüngungsschnitt hilfreich sein. Eine natürliche Spritzung der betroffenen Obstkulturen mit einer Brühe aus Rainfarn oder Schachtelhalm sollte unbedingt vormittags und bei Sonnenschein mehrfach hintereinander erfolgen. Eine Ergänzung mit Knoblauchbrühe ist empfehlenswert. Die gefährdeten Kulturen sollten zudem vorsorglich jährlich ausgelichtet und an der Baumscheibe mit Rindenmulch sowie Kompost versorgt werden. Eine Knoblauchpflanzung auf der Baumscheibe ist eine weitere Möglichkeit der Vorsorge/Bekämpfung.

Überwinterungsmöglichkeiten der Infektion

Der Pilz "Taphrina pruni" überdauert so gut wie unsichtbar

'saprophytisch' (sich von organischen abgestorbenen Substanzen ernährend). Zudem befinden sich diverse Sporen des Pilzes innerhalb der Knospenschuppen, sodass sie besser vor der Kälte geschützt sind als die Pilzgeflechte, welche sich auf den Trieben befinden. Somit kann der Pilz die Fruchtknoten witterungsbedingt zur Blütezeit infizieren. Die Oberfläche der betroffenen Früchte zeigt während des späten Frühjahrs einen reifartigen Belag. Dieser platzt auf und liefert dadurch den austretenden Sporen das Material zur Überwinterung.