Nematoden im Garten einsetzen

Nematoden im Garten einsetzen

SchneckeDie einen sagen Nematoden, andere kennen sie unter dem Begriff Fadenwürmer. Dieser Name wurde bewusst gewählt, denn es handelt sich um hauchdünne Tierchen, die mit dem bloßen Auge gar nicht zu erkennen sind. Aber auch wenn diese Nematoden sehr klein und unscheinbar sind, können sie dem Gartenbesitzer richtig effektiv unter die Arme greifen.

Der Vorteil: Nematoden vermehren sich sehr schnell und sind deshalb bestens für den Einsatz im Garten gegen Pflanzenschädlinge geeignet. Wie können mir die Nematoden zur Hand gehen? Ganz

einfach. Sie sind bei der Humusbildung maßgeblich beteiligt, fressen außerdem Algen, Pilze und Bakterien. Häufig nutzen sie die zuletzt genannten Bakterien sogar, um gegen Feinde wie Schnecken, die auch als häufigste Schädlinge gelten, vorzugehen.

Neben den Schnecken kann man dank Nematoden auch gegen Dickmaulrüssler vorgehen. Das sind Käfer, die sich vor allem von Knospen und Blättern ernähren und dem Gartenbesitzer deshalb nicht gerade sehr sympathisch sind. Aber keine Angst: die Nematoden machen dem Dickmaulrüssler und seinen Larven den Garaus. Auch gegen Gartenlaubkäfer, Maulwurfsgrillen und Schnaken gehen Nematoden vor. Soweit zu ihrer Funktion. Wo aber bekommen Sie diese Tierchen?

Der Erwerb ist kein Problem, Sie können sich die Nützlinge bequem im Internet bestellen oder Sie gehen zum Gartenfachmarkt Ihres Vertrauens. Nematoden mögen es gerne nass, deshalb sollten sie in Wasser gegeben werden und auf dem Boden des Gartens verteilt werden, wo sie dann mit der Arbeit beginnen.

Die Temperatur sollte bei mindestens 12 Grad sein, wenn Sie die Nützlinge einsetzen, ansonsten können sie nicht überleben. Übrigens können bestimmte Nematodenarten auch als Schädlinge auftreten. Dann saugen sie an Wurzeln oder sie verspeisen Teile von Blättern oder Knospen. Informieren Sie sich deshalb vorab genau, damit es zu keinerlei Fehlfunktionen im Garten kommt und die Nematoden auch zu Ihrem Freund und nicht zu Feinden werden. Lassen Sie sich am besten ausführlich und individuell für Ihren Garten von einem Experten beraten.

Nematoden gegen Dickmaulrüssler

Die Larven des Gefurchten Dickmaulrüsslers (auch „Breitmaulrüssler“) gehören zu den typischen Wurzelschädlingen an Garten- und
Topfpflanzen, während das ausgewachsene Tier verantwortlich für Blattfraß ist. Dickmaulrüssler (Gattung Otiorhynchus) gehören zur Familie der Rüsselkäfer (Curculionidae), der größten heimischen Käferfamilie. Viele Rüsselkäfer treten als Schädlinge auf und werden entsprechend intensiv bekämpft. Sie sind leicht zu erkennen an dem nach vorne verlängerten Kopf, der rüsselartig ausgezogen ist und die Antennen trägt.

Biologie

Die Larven des Gefurchten Dickmaulrüsslers sind beinlos, gelblich-weiß und haben eine braune Kopfkapsel. Allerdings trifft dies auf eine ganze Reihe von Käferlarven zu, sodass die Identifikation nicht ganz einfach ist.
Leichter zu erkennen sind die Tiere an dem Schadbild, das sie an Pflanzen hinterlassen: Während adulte Käfer halbkreisförmige, gezahnte Buchten in Blattränder fressen, befallen die Larven die Wurzeln der Wirtspflanze vom Ansatz ausgehend. Als Resultat bei schwerem Befall welkt die Pflanze oder stirbt ab, leichter Befall schlägt sich in verzögertem oder stockendem Wuchs nieder.
Auch in der Landwirtschaft richtet Otiorhynchus sulcatus enorme Schäden an. Vor allem Weinberge, Erdbeerfelder und Baumschulen sind betroffen.

Bekämpfung

Adulte Käfer sinanfällig gegen verschiedene Pestizide, können im kleinen Rahmen aber auch von Hand abgesammelt

werden. Das größere Problem stellen die Larven dar, zu deren Bekämpfung inzwischen erfolgreich Fadenwürmer (Nematoden) eingesetzt werden.
Nematoden sind relativ ursprüngliche, einfach gebaute Würmer, die bevorzugt in feuchten bis nassen Böden auftreten und dort extrem hohe Dichte erreichen können. Viele Arten gelten ebenfalls als Wurzelschädlinge, einige jedoch als Nützlinge.

Wichtige Arten

Zur Bekämpfung von Otiorhynchus werden derzeit wenigstens drei Arten von Nematoden angeboten:

Heterorhabditis bacteriophora dringt in die Käferlarve ein und infiziert sie mit einem Bakterium (Gattung Photorhabdus), welches sich binnen kürzester Zeit stark vermehrt. Die Käferlarve stirbt infolge der Infektion innerhalb weniger Tage ab. H. bacteriophora ernährt sich von den Bakterien und vermehrt sich seinerseits in der Wirtslarve. Die jungen Würmer verlassen schließlich den toten Wirt und machen sich auf die Suche nach der nächsten Larve. Voraussetzung für die Anwendung von H. bacteriophora ist eine Bodentemperatur von wenigstens 10-12°C

Bei Bodentemperaturen unter 12°C kann der Nematode Steinerma kraussei eingesetzt werden. Die Lebensweise ist dieselbe wie bei H. bacteriophora, allerdings ist die Art toleranter gegenüber niedrigeren Temperaturen und kann daher bereits ab Februar bis in den November hinein eingesetzt werden.

Zur Bekämpfung adulter Käfer werden Nematoden der Art Steinerma carpocapsae eingesetzt. Diese werden als Köderfalle in einem Gel-Substrat geliefert. Wenn die Käfer die Falle als Versteck aufsuchen, infizieren sie sich mit den Nematoden. Das Prinzip ist wiederum dasselbe wie bei den anderen beiden Arten

Erwerb und Anwendung

Nematoden können wie viele andere Nützlinge auch im Internet bestellt werden. Die Auslieferung erfolgt in der Regel als Pulver, das unmittelbar vor der Verwendung mit Wasser angerührt und dann an den betroffenen Stellen mit der Gießkanne ausgebracht wird.

Die Verpackung sollte erst unmittelbar vor der Anwendung geöffnet werden. Falls dies nicht sofort nach Erhalt möglich sein sollte, kann man die Nematoden bei 8-12°C einige Tage lagern. Wenn man die Nützlinge an sehr trockenen Stellen ausbringen möchte, sollte man den Boden vorbefeuchten und darauf achten, dass während der Wirkungszeit der Boden feucht gehalten wird. Die Tiere ziehen sich sonst in tiefere Bodenschichten zurück oder vertrocknen.

Die Steinerma-Köderfalle besteht aus einem Brett, das unter dem befallenen Strauch oder Baum ausgelegt wird. Auch hier sollte der Boden ausreichend durchfeuchtet sein. Das Brett muss ebenfalls feucht gehalten werden, um ein Austrocknen des Substrats zu verhindern.

Die Wirkung von Nützlingen setzt nicht so schnell ein wie die von Pestiziden, weshalb etwas Geduld vonnöten ist. Zudem sollte man frühzeitig zur Tat schreiten, sobald Schädlingsbefall zu verzeichnen ist, denn ab einem gewissen Punkt können die Nützlinge eine Schädlingsplage nicht mehr effektiv eindämmen.