Was ist integrierter Pflanzenschutz & integrierte Schädlingsbekämpfung

Was ist integrierter Pflanzenschutz & integrierte Schädlingsbekämpfung

Integrierter Pflanzenschutz ist für einige Gartenbesitzer immer noch ein Fremdwort, obwohl bereits 1986 erstmals im deutschen Pflanzenschutzgesetz festgelegt wurde, dass in Gärten Chemikalien nur unter Berücksichtigung des integrierten Pflanzenschutzes angewendet werden sollen.

Wären damals alle dieser Empfehlung gefolgt, müsste es heute nicht zur Pflicht gemacht werden:

pflanzenschutz3 flZiele und Adressaten des integrierten Pflanzenschutzes

Integrierter Pflanzenschutz, zu dem auch die integrierte Schädlingsbekämpfung gehört, hat zum Hauptziel, dass bei der Schädlingsbekämpfung möglichst wenig Pestizide

eingesetzt werden. 2009 hat das europäische Parlament die sogenannte Pflanzenschutz-Richtlinie erlassen, in der die Mitgliedstaaten verpflichtet wurden, alle erforderlichen Maßnahmen zu treffen, um einen Pflanzenschutz mit wenig Pestizideinsatz und vorrangigem Einsatz nichtchemischer Methoden zu fördern.

Eben das ist in der Neufassung des deutschen Pflanzenschutzgesetzes (Gesetz zum Schutz der Kulturpflanzen), das am 14.2.2012 in Kraft trat, erfolgt. Danach sind die Grundsätze des integrierten Pflanzenschutzes von jedermann zu beachten, also nicht nur von Landwirten, sondern auch von Gartenbesitzern.

Dem Pflanzenschutz im Haus- und Kleingarten wird dabei ein anderer Stellenwert als dem Erwerbsanbau zugewiesen,, was sich darin zeigt, dass die Pflanzenschutzmittel, die für den Erwerbsanbau zugelassen sind, für den Haus- und Kleingärtner meist nicht mehr zugänglich sind. Er darf nur Pflanzenschutzmittel verwenden, die ausdrücklich auch für den Haus- und Kleingartenbereich zugelassen sind. Denn der Hobbygärtner sichert nicht seinen Lebensunterhalt durch den Anbau seiner Erzeugnisse, er kann deshalb auf einen Befall mit Schadorganismen gelassener reagieren.

Grundsätze des integrierten Pflanzenschutzes

Eigentlich geht der integrierte Pflanzenschutz von einer Gartenbewirtschaftung aus, die selbstverständlich war, bevor Chemie in Mengen die Arbeit des Gärtners erleichtern sollte. Bis diese Chemie die Gesundheit der Bevölkerung bedrohte. Jetzt wird versucht, diesen vermeintlichen Fortschritt wieder rückgängig zu machen. Zum ordentlichen Anbau gehörte in Vor-Chemie-Zeiten selbstverständlich auch Pflanzenschutz, der bereits damals nach den Grundsätzen des integrierten Pflanzenschutzes erfolgte:

Ein von Wissen und nicht chemischen Hilfsstoffen geprägter Anbau wird zunächst sachkundig vorbereitet:
  • Der Boden wird ständig gepflegt, für den geplanten Anbau korrekt vorbereitet und pflanzenstärkend gedüngt.
  • Wenn das Saatbett gut abgesetzt ist, erfolgt noch vor Saat oder Pflanzung eine Unkrautbekämpfung.
  • Der Anbau wird über längere Zeit unter Berücksichtigung einer möglichst vielseitigen Fruchtfolge oder als Mischkultur geplant.
  • Für jede Pflanze wird ein passender Standort gewählt, der ihren Bedürfnissen optimal entspricht.
  • Innerhalb jeder Pflanzenart wird die Sorte ausgewählt, bei der der geringste Befall mit Schädlingen droht.

Das kann ggf. bedeuten, resistente oder gegen Beeinträchtigungen tolerante Sorten einzusetzen, ansonsten wird Standardsaatgut oder Pflanzgut bzw. zertifiziertes Saatgut oder Pflanzgut ausgebracht.

 

Regeln für die Kultivierung

Auch die folgende Kultivierung unterliegt bestimmten Regeln:
  • pflanzenschutz2 <div align=
fl" style="float: right; margin-bottom: 6px; margin-left: 6px;" height="270" width="180" />Wenn möglich und für die jeweilige Kultur förderlich, wird eine Untersaat eingebracht.
  • Die Aussaat erfolgt zum richtigen Termin, in der richtigen Dichte und mit der richtigen Pflanztechnik.
  • Konservierende Bodenbearbeitung steht im Vordergrund - hier wird auf einen Pflugeinsatz verzichtet, nicht-wendende Bodenbearbeitungsgeräte belassen den Boden weitgehend in seinem eigenen Aufbau.
  • Maßnahmen wie Direktsaat und Schnitt werden eingesetzt.
  • Zur Förderung des Wachstums erfolgt eine ausgewogene organische oder mineralische Düngung bzw. Kalkung, erprobte Verfahren zur Bewässerung und Drainage werden eingesetzt.
  • Gegen die Ausbreitung von Schadorganismen wird überlegt vorgegangen:
    • Zuerst durch Hygienemaßnahmen

      wie regelmäßiges Reinigen der Gartengeräte und Maschinen.
    • Wichtige Nutzorganismen werden geschützt und gefördert. Das kann wiederum durch geeignete Pflanzenschutzmaßnahmen erfolgen, aber auch durch Nutzung ökologischer Infrastruktur inmitten oder am Rand der Anbaufläche.
    • Wenn sich doch Schädlinge zeigen, werden zunächst alle denkbaren und nachhaltigen biologischen, physikalischen oder sonstig nichtchemischen Methoden eingesetzt, mit denen sich ein zufriedenstellendes Ergebnis bei der Bekämpfung der Schädlinge erzielen lassen könnte.

    Das können zunächst diverse direkt bekämpfende Maßnahmen sein wie Rückschnitt oder Entfernen erkrankter Pflanzenteile. Zu den direkt einwirkenden Maßnahmen gehören auch der Fallenfang und der Einsatz von Kulturschutznetzen, farbigen Leimtafeln oder Lockstofffallen.

    • Die nächste Stufe ist der biologische Pflanzenschutz, also der Einsatz von Nützlingen. Hier können bestimmte Räuber oder Parasiten eines tierischen Schädlings eingesetzt werden oder Antagonisten der Schaderreger, die einen Pilz verbreiten.
    Chemie als letztes Mittel

    Erst wenn alle anderen Mittel versagt haben, sieht auch der integrierte Pflanzenschutz den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln vor. Allerdings sehr zurückhaltend und nicht ohne Fachwissen:
    • Die eingesetzten Pflanzenschutzmittel müssen so zielartspezifisch wie möglich gewählt werden, optimal werden Mittel eingesetzt, die nur dem einzelnen Schädling schaden und auf keinen Fall irgendwelche Nützlinge beeinträchtigen.
    • Es ist immer das Pflanzenschutzmittel vorzuziehen, das Umwelt, menschliche Gesundheit und Naturhaushalt am wenigsten belastet.
    • Vor den chemischen Pflanzenschutzmaßnahmen sollten Prognoseverfahren durchgeführt werden, die bestimmte Bekämpfungsschwellen bzw. Schadensschwellen ermitteln, sodass sich die Menge der eingebrachten Chemie auf das Minimum beschränkt.
    Wenn der Freizeitgärtner sich für integrierten Pflanzenschutz entscheidet, profitiert er gesundheitlich und in Bezug auf den Arbeitsaufwand: Biologische Schädlingsbekämpfung z. B. entlastet nicht nur die Umwelt, sondern siedelt auch Nützlinge dauerhaft im betroffenen Lebensraum an. Das hat auf Dauer eine erhebliche Zeitersparnis für den Gärtner zur Folge, da sich das Verhältnis von Räubern und Beute langfristig gesehen selbsttätig reguliert.

    pflanzenschutz flFazit der Redaktion

    Dass Hausgärtner und Kleingärtner integrierten Pflanzenschutz praktizieren, ist von größerer Bedeutung für alle in Deutschland lebenden Menschen als viele meinen: Die von den Privatgärtnern bewirtschafteten Flächen sind insgesamt unglaubliche 680.000 Hektar groß - alles kleine Flächen mit direkten Anrainern, jeder Fehler bei Düngung und Pflanzenschutz betrifft auch die Nachbarn. Diese schädlichen Einwirkungen potenzieren sich also auf große Flächen, was beträchtliche Auswirkungen auf die Umwelt hat.

    Dabei geht es nicht um den Unwillen einzelner, sich so zu verhalten, dass die Umwelt nicht leidet, sondern viel öfter darum, dass ein Hausgärtner oder Kleingärtner sich eigentlich umweltkonform verhalten möchte, aber im Schadensfall jeglichen guten Vorsatz über Bord wirft und zur Chemiekeule greift - möglichst auch noch mit alten, nicht mehr zugelassenen Mitteln, denen häufig eine größere Wirksamkeit zutraut wird. Das kann nicht nur höchst unangenehme Folgen für die eigene Gesundheit haben, oft haben die alten Bestände im Laufe der Zeit im Gefährdungspotenzial erheblich zugelegt.

    Es ist auch verboten und kann unangenehme Geldstrafen nach sich ziehen, wenn es bei einer Kontrolle auffällt oder wenn ein Nachbar die Giftdusche nicht einfach hinnehmen will. Es könnte in letzter Konsequenz sogar dazu führen, dass überhaupt kein Pflanzenschutz mehr möglich ist, weil die Schädlinge gegen alle chemischen Mittel resistent sind, damit aber auch auf die natürlichen Mittel nicht mehr reagieren.