Kartoffel - Kraut- und Knollenfäule, Phytophthora infestans

KartoffelpflanzeWährend verregneter Sommer nimmt das Unheil im Kartoffelbeet seinen Lauf. Auf den Blättern und Stängeln zeigen sich grau-grüne, später braune Flecken. Dieses untrügliche Symptom zeigt an, dass die gefürchtete Kraut- und Knollenfäule zugeschlagen hat. Im weiteren Verlauf greift die Pilzinfektion auf die Kartoffeln über und macht diese ungenießbar. Hier erhalten Sie das gärtnerische Rüstzeug, um den listigen Pilzsporen mit Vehemenz vorzubeugen und im Ernstfall schlagkräftig entgegen zu treten. So verliert Phytophthora infestans seinen Schrecken.

Biologie der Kraut- und Knollenfäule

Der

Erreger Phytophthora infestans wird botanisch den Eipilzen zugeordnet. Die Art hat in erster Linie Nachtschattengewächse im Visier, speziell Kartoffeln und Tomaten. Da die große Gemeinschaft der Hobbygärtner in jedem regenreichen Sommer infolge dieser Krankheit empfindliche Ertragsausfälle erleidet, hat sich ein umfangreicher Erfahrungsschatz angesammelt für die umweltbewusste Bekämpfung. Um die im Folgenden erläuterten Vorgehensweisen optimal nutzen zu können, ist die Kenntnis über die Funktionsweise der Kraut- und Knollenfäule nützlich.
  • Die Erreger überwintern in aufgeschichteten Ernterückständen und infizierten Kartoffeln
  • Temperaturen von 15-25 Grad Celsius im Zusammenwirken mit Nässe initiieren die Pilzsporen
  • Wind und Gießwasser dienen der Verbreitung im Garten
  • Entwicklungsdauer je Sporen-Generation beträgt maximal 3-4 Tage
Die Brisanz von Kraut- und Knollenfäule wird noch erhöht durch den Umstand, dass sich die Pilzsporen mittels Mutation flexibel auf zuvor erfolgreiche Bekämpfungsmethoden einstellen können.

Symptome

Bei Kaiserwetter können Sie sich zurücklehnen und auf eine reiche Kartoffelernte freuen, denn von der Kraut- und Knollenfäule geht keine Gefahr aus. Kommt der Sommer indes mit Dauerregen und zugleich warmen Temperaturen daher, werden die Pflanzen täglich auf folgende Symptome untersucht:
  • Grau-grüne, später braune Schadstellen auf den Blättern und Stängeln
  • Eingerolltes Laub
  • Grau-weißer Schimmelbelag auf den Blattunterseiten
Um auf Nummer sicher zu gehen, graben kundige Gärtner einige Kartoffelknollen aus. Befinden sich auf der Schale eingesunkene Stellen mit rot-braunem Fruchtfleisch darunter, handelt es sich definitiv um Phytophthora infestans.

Tipp: Im Zweifel lagern Sie einige verdächtige Kartoffelblätter über Nacht in einer feuchten Tüte. Unter diesen Bedingungen entwickelt sich der Pilzrasen auf der Blattunterseite so rasend schnell, dass eine eindeutige Diagnose möglich ist.

Bekämpfung

Der Zeitaufwand einer täglichen Kontrolle im Kartoffelbeet lohnt sich, da im frühen Befallsstadium noch Aussichten auf einen Bekämpfungserfolg bestehen. Die folgenden, für den Hausgarten erlaubten Fungizide, gebieten bei den ersten Symptomen der Pilzinfektion Einhalt:
  • Atempo Kupfer Pilz-frei
  • Bayer Garten Infinito Gemüse Pilz-frei
  • Cueva Pilz-frei von Neudorff
KartoffelpflanzenIm naturnah bewirtschafteten Garten werden Hobbygärtner zu einem Kupfer-Präparat greifen, da dieses ebenfalls im gewerblichen Biolandbau angewendet wird. Da der Markt der Pflanzenschutzmittel permanent in Bewegung ist, hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit eine Online-Datenbank eingerichtet. Hier können Sie sich aktuell und kostenlos über sämtliche Mittel informieren, die für den privaten Nutzgarten zugelassen sind.

Schutz von Nachbarpflanzen

Haben Sie
eine infizierte Kartoffelpflanze entdeckt, bieten selbst die zugelassenen Fungizide nur marginale Heilungschancen. So wirkt beispielsweise Kupfer rein protektiv. Sofern bereits ein effektiver Schutzbelag auf dem Laub vorhanden ist, lässt sich die Kraut- und Knollenfäule mit Fungiziden noch eindämmen. Somit geht es bei einer erfolgreichen Bekämpfung in erster Linie darum, der weiteren Ausbreitung im Garten einen Riegel vorzuschieben. Idealerweise entsorgen Sie das befallene Exemplar und

konzentrieren sich mit diesen Mitteln auf die benachbarten Kartoffelpflanzen:
  • Alle Pflanzen im Kartoffelbeet bestäuben mit Gesteinsmehl
  • Zur Stärkung spritzen mit Schachtelhalmbrühe
  • Behandeln mit Milch-Wasser-Lösung im Verhältnis 1:5
Ungeachtet punktueller Teilerfolge mithilfe biologischer Bekämpfungsmittel, kristallisiert sich Kupfer nach wie vor als wirksamste Methode heraus. Sollte in benachbarten Gärten die Kraut- und Knollenfäule zugeschlagen haben, behandeln Sie Ihre Pflanzen nach der Anleitung des Herstellers und Beachtung aller gebotenen Sicherheitsvorkehrungen.

Tipp: Eine 3-prozentige Lösung aus Natriumsilikat (Wasserglas) mit Schachtelhalm- und Zwiebelschalensud ergänzt, hat sich im Biogarten als Pflanzenstärkung gegen Phytophthora infestans einen Namen gemacht.

Präventiv-Maßnahmen

Schenken Sie bereits beim Pflanzplan einer drohenden Kraut- und Knollenfäule Beachtung, nehmen Sie der Pflanzenkrankheit den Stachel. Darüber hinaus können Sie im Vorfeld mit einer Fülle wirksamer Vorbeugungsmaßnahmen dem Gespenst Pilzinfektion den Schrecken nehmen. Die wichtigsten Vorkehrungen im Überblick:
  • Die Beete von Kartoffeln und Tomaten in möglichst weiter Distanz anlegen
  • Gezielt eine Mischung resistenter Sorten pflanzen
  • Auf einen luftigen Pflanzabstand achten
  • Pflanzknollen vorkeimen, um faule Exemplare auszusortieren
  • Saatkartoffeln einige Tage unter Sonnenschein immunisieren
  • Von Beginn an Stärkungspräparate applizieren, wie Ulmasud B
Da die Pilzsporen über das Gießwasser verteilt werden, dient eine Mulchschicht aus Stroh als Puffer für Spritzwasser. Bestäuben Sie nach einem sommerlichen Regenguss die Pflanzen mit Urgesteinsmehl, trocknen diese rascher ab und bieten den Erregern weniger Angriffsfläche. Überdies trägt eine penible Beseitigung von Unkraut zum zügigen Abtrocknen der Blätter bei. Geplagte Hobbygärtner berichten von guten Erfahrungen mit einer Mischkultur aus Kartoffeln, Bohnen, Sellerie und Hanf.

Richtiges Ernten dient der Vorbeugung

Eine sorgenfreie Saison ohne vor sich hinfaulende Kartoffeln mindert nicht die Aufmerksamkeit umsichtiger Hobbygärtner. Ernte und Lagerung können bereits jetzt lauernden Phytophthora infestans im nächsten Jahr das Leben schwer machen. Schenken Sie diesen Tipps Ihre Beachtung:
Kartoffelernte
  • Kartoffeln grundsätzlich ernten bei trockener Witterung
  • 2-3 Wochen vor Erntebeginn alles Kartoffelkraut ausreißen und verbrennen
  • Erntekartoffeln nicht waschen
Die Wartezeit von 2-3 Wochen zwischen Entfernung des Laubs und der Ernte macht aus zwei Gründen Sinn. Die Kartoffeln werden schalenfester und eine bislang unentdeckte Infektion zeigt sich in Form von Dellen. Bereits eine einzige befallene Lagerknolle könnte den gesamten Vorrat vernichten.

Resistente Kartoffelsorten

Züchtern und Wissenschaftlern ist es bislang nicht gelungen, die Eine resistente Kartoffel hervorzubringen. Versuche mit Gen-manipulierten Kartoffeln schlugen fehl infolge mangelnder Akzeptanz. Gleichwohl haben sich folgende Sorten als weitgehend immun herauskristallisiert gegen die Kraut- und Knollenfäule:
  • Adelina: mittelfrüh, vorwiegend festkochend
  • Atika: früh reifend, vorwiegend festkochend
  • Aula: spät reifend, mehlig kochend
  • Christa: früh reifend, festkochend
  • Desirée: spät reifend, vorwiegend mehlig kochend
  • Jelly: mittelspät, vorwiegend festkochend
Darüber hinaus erleben zahlreiche historische Kartoffelsorten eine Renaissance, nicht zuletzt dank ihrer Widerstandsfähigkeit gegenüber der gefürchteten Kartoffelkrankheit. Hierzu gehören Bamberger Hörnchen von 1870, die mehlig kochende Reichskanzler von 1886 oder die Spätsorte Rosa Tannenzapfen von 1850.

Fazit

Der Kampf zwischen Hobbygärtnern und der Kraut- und Braunfäule ist nach wie vor unentschieden. Obwohl sich die listigen Pilzsporen flexibel auf zunächst erfolgreiche Bekämpfungsmethoden einstellen, erzielen die geplagten privaten Kartoffelbauern immerhin Teilerfolge. Wer die ersten Symptome zu deuten versteht, geht mit biologischen Mitteln oder einem Kupfer-Präparat gegen Phytophthora infestans vor. Darüber hinaus wird die Liste mit Präventiv-Maßnahmen immer länger, dank des reichen Erfahrungsschatzes im Hausgarten. Die umsichtige Gestaltung des Pflanzplanes, die Wahl resistenter Kartoffelsorten sowie die fachgerechte Kultivierung und Ernte leisten einen wertvollen Beitrag um der gefürchteten Kartoffelkrankheit die Stirn zu bieten.