Rasenunkrautfrei - Rasenvernichter & andere

rasenpflege flTräumen Sie von englischem Rasen, haben aber eine bunt bewachsene Fläche vor der Tür, die einem englischen Rasen nicht im Entferntesten ähnelt? Einige Neugärtner träumen dann davon, dass sich dieser Zustand mit Rasenunkrautfrei und anderen Rasenvernichtern schnell und wunschgemäß verändern lässt. Ist das richtig, oder sind doch eher andere Methoden angebracht?

Auch für den Rasen gilt das Gebot zu integriertem Pflanzenschutz

Seit unser aktuelles Pflanzenschutzgesetz Anfang des Jahres in Kraft trat, sind Haus- und Kleingärtner verpflichtet, die Grundsätze des integrierten Pflanzenschutzes

zu beachten: Bevor mit Chemie vorgegangen wird, muss der nicht genehme Zustand mit gärtnerischem Fachwissen und ohne Einsatz von Chemie angegangen werden.

Die erste Stufe ist demnach die händische Bekämpfung des Unkrauts, nach der für den Rasen optimale Bedingungen geschaffen werden sollten, die eine Wiederansiedlung der unerwünschten Pflanzen verhindert. Wenn sich im Rasen viele Unkräuter zeigen, kann das zunächst daran liegen, dass der Boden nicht die Qualität hat, die Rasenpflanzen mögen. Wenn der Boden, auf dem der Rasen wächst, den falschen pH-Wert hat, fördert das die Ansiedlung von Unkräutern, die eben diesen pH-Wert lieben. Die Graspflanze hat dann dieser Ansiedlung nicht viel entgegenzusetzen, sie ist aufgrund des für sie ungünstigen pH-Wertes geschwächt.

Faktoren der Rasenpflege

In einem zu sauren Boden siedeln sich gerne zahlreiche Moose an, die diesen niedrigen pH-Wert lieben. Wenn Sie dann noch zahlreiche Gänseblümchen im Rasen haben, können Sie eigentlich sicher sein, dass der Boden zu sauer ist. Wenn Sie viel Vogelmiere oder Luzerne in Ihrem Rasen sehen, deutet das darauf hin, dass der Boden zu alkalisch ist. Die nächste Maßnahme wäre also ein pH-Test, der pH-Wert Ihres Rasenbodens sollte um 6 liegen. Einen pH-Tester gibt es in jedem Gartencenter oder Baumarkt, ist der Boden zu sauer, können Sie Kalk ausbringen, um den pH-Wert anzuheben. Sollte der Boden zu alkalisch sein, was durch zu viel Kalk oder durch falsche Düngung geschehen kann, muss er gesäuert werden, dazu gibt es verschiede natürliche Hilfsmittel.

Der Dünger ist der nächste Faktor, der einer genaueren Betrachtung unterzogen werden sollte. Rasenpflanzen brauchen Nährstoffe zum Wachsen, und zwar solcherart gemischte Nährstoffe, dass die Bedürfnisse der Graspflanzen optimal erfüllt werden. Es gibt viele Zeigerpflanzen, die Ihnen sagen, welche Nährstoffe Ihrem Boden fehlen oder welche zu viel vorhanden sind:
  • Brennnessel, Franzosenkraut oder Melde deuten ausreichende Stickstoffversorgung an,
  • verschiedene Kleearten lassen dagegen auf Stickstoffmangel schließen.
Andere Zeigerpflanzen weisen auf eine bestimmte Bodenstruktur hin, die auch nicht unbedingt günstig für das Gedeihen von Graspflanzen sein muss:
  • So gedeihen Disteln, Quecken, Löwenzahn und Vogelknöterich besonders gerne in verdichteter Erde. Verdichteter Boden begünstigt Rasenfilz, der durch Vertikutieren gelockert werden muss.
  • Oder
    die Zeigerpflanzen zeigen Staunässe an, wie Ackerschachtelhalm und Ackerminze.
Diese Beispiele zeigen, dass sich jeder Rasen auch ohne Einsatz von Pestiziden so pflegen lässt, dass vor allem Rasenpflanzen optimal gedeihen. Wenn Ihre fremd überwucherte Rasenfläche Unkrautbeseitigung und Bodenkur hinter sich hat, wird es meist angebracht sein, eine Nachsaat einzubringen.

Rasen nachsäen

unkraut2Dabei sollten Sie daran denken, dass integrierter Pflanzenschutz auch bedeutet, die richtige Pflanze für den gegebenen Standort auszuwählen. Sollten Sie

bei Neuanlage Ihres Rasens einfach irgendeine Rasenmischung gekauft haben, ist nicht immer gewährleistet, dass Sie wirklich die richtigen Graspflanzen erhalten haben (auch wenn ein schöner Name auf der Packung stand). Die Packungsaufschriften sind reine Werbebezeichnungen ohne verpflichtenden Charakter, die richtige Rasenmischung für Ihre Bedürfnisse erhalten Sie, wenn Sie die richtige Regelsaatgutmischung (RSM) wählen.

Es kann gut sein, dass die Maßnahmen Ihren Rasen schnell so weit stärken, dass Sie in Zukunft auf jedes Rasenunkrautfrei und auf jeden Rasenunkrautvernichter verzichten können. Vielleicht möchte Ihr Rasen aber auch noch einige Zeit “betütelt” werden, mit Unkrautentfernen, Vertikutieren, gezielten Schnittmaßnahmen, Dünger und Nachsaat, alles Maßnahmen, die so selbstverständlich zum integrierten Pflanzenschutz gehören wie das gesamte Wissen um die Gartenpflege, bevor die Chemie in unsere Gärten Einzug hielt.

Wenig Raum für Rasenunkrautfrei

Auch der integrierte Pflanzenschutz arbeitet mit Pflanzenschutzmitteln, wenn alle anderen Mittel versagt haben. Aber erst dann, und wenn man den integrierten Pflanzenschutz wörtlich nimmt, bleibt damit eigentlich kein Anwendungsraum für Rasenunkrautfrei. Denn es geht darum, zum Schutze der Gesundheit aller Bürger die Anwendung von Pestiziden auf ein Minimum herunterzufahren. Wenn ein Rasen am richtigen Standort auf dem richtigen Boden mit dem richtigen Saatgut angelegt wird, und in der Folgezeit richtig gedüngt, bewässert und gepflegt wird, werden Sie auch ohne Anwendung von Rasenunkrautfrei einen schönen Rasen erhalten, der Einsatz von Pestiziden ist also eigentlich nicht als notwendig anzusehen.

Anders kann es aussehen, wenn Ihr Rasen nicht unter Unkräutern, sondern unter Schädlingen leidet. Nach den Grundsätzen des integrierten Pflanzenschutzes sind Sie auch in diesem Fall verpflichtet, zuerst alle nichtchemischen Bekämpfungsmethoden einzusetzen. Das sind hygienische, mechanische und pflanzenstärkende Methoden, auch der gezielte Einsatz von biologischen Nützlingen ist denkbar. Was langfristig den Vorteil hat, dass sich wieder mehr biologische Nützlinge in Ihrem Garten ansiedeln, die Ihnen Arbeit abnehmen.

Wenn Sie allerdings von Schädlingsmassen angegriffen werden, derer Sie ohne Pflanzenschutzmittel nicht Herr werden, könnten Pestizide eingesetzt werden. Ob dann Rasenunkrautfrei das richtige Mittel ist, ist mehr als fraglich, denn Sie sind verpflichtet, zielartspezifische Pflanzenschutzmittel einzusetzen, während Rasenunkrautfrei wie wir es kannten eigentlich darauf ausgelegt ist, alle Pflanzen außer Graspflanzen zu töten - nach den Gedanken, die dem integrierten Pflanzenschutz zugrunde liegen, keine denkbare Vorgehensweise. Deshalb hat der Gesetzgeber aktuell auch sehr viele Unkrautvernichter aus dem Verkehr gezogen, die Anwendung von Altbeständen ist unter Androhung empfindlicher Strafen verboten.

duenger-blaukorn-maFazit zum Thema Pflanzenschutzmittel

Nach dem neuen Pflanzenschutzgesetz dürfen im Haus- und Kleingarten nur noch Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, die vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit geprüft und zur Anwendung im Haus- und Kleingarten zugelassen wurden. Damit wird zugleich bescheinigt, dass diese Mittel bei sachgemäßer Anwendung keine schädlichen Auswirkungen auf Mensch, Tier und Grundwasser haben und nach dem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse keine unvertretbaren Auswirkungen auf den Naturhaushalt bewirken. Solche Mittel haben meist nicht mehr die toxische Kraft, so erheblichen Schaden anzurichten wie die altbekannten Rasenunkrautvernichter, auch unter diesem Gesichtspunkt ist es heute Erfolg versprechender, mit gärtnerischem Fachwissen gegen unerwünschten Fremdwuchs oder Schädlinge vorzugehen. Eine Übersicht über ein zielgerichtetes Vorgehen finden Sie z. B. auf der Website www.rasenkrankheiten.de.