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Eine CD für Mutti brennen

Ich wurde ziemlich jung Mutter. Und so kam es, dass ich - selbst noch im fröhlichen, unbeschwerten jugendlichen Alter - meinen kleinen Sohn in meinem alten, klapprigen Auto durch die Weltgeschichte kutschierte: zum Kindergarten, zum Schwimmunterricht, zu Freunden und später auch in die Schule, zum Nachmittagsunterricht - und natürlich wieder zurück. Dass der Wagen kein schicker Flitzer war, machte uns nichts aus, denn drinnen ging es immer fröhlich zu. Ob der Motor noch intakt war, war sekundär, die übergeordnete Rolle spielte das Autoradio! Ein Autoradio mit Cassettenrekorder selbstverständlich!!! Hauptsache, das funktionierte tadellos, denn hier konnte ich all meine selbst vom Radio aufgezeichneten Lieblingslieder abspielen. Kaum eingestiegen, ertönte auch schon "Blue Bayou" oder die Titelmelodie von "Ich heirate eine Familie".

Wahrscheinlich begleitete Peter Alexander mit seinem "letzten Walzer" mein armes Kind zum Schwimmkurs und möglicherweise wurde es von Costa Cordalis mit "Du hast ja Tränen in den Augen" wieder abgeholt. Vermutlich nahm der kleine Kerl in der Früh vor dem Schultor nicht nur von mir, sondern auch von den Bambis ("Nur ein Bild von dir") Abschied um mittags dann von Erika Pluhar ("Es war einmal") in Empfang genommen zu werden. Und wenn mir ein Song besonders gut gefiel, spulte ich die Cassette immer und immer wieder zurück… So kannten wir die Lieder schon bald auswendig und konnten lauthals im Chor mitsingen: ich vorne, hinterm Lenkrad, und mein kleiner Sohn versuchte mich von hinten, von der Rückbank aus, zu überbrüllen…

Mein Erstaunen war gross, als vor ein paar Jahren eine CD namens "Muttis Favoriten" unter dem Weihnachtsbaum lag. Neugierig steckte ich sie sogleich in den CD-Player. "Blue Bayou" erklang da, und "Der letzte Walzer"… Mein Sohn - mittlerweile schon lange erwachsen - hatte mir diese CD in amüsanter, vielleicht auch ein wenig wehmütiger Erinnerung an seine Kindheit zusammengestellt. Ganz offensichtlich hatten sich all jene Lieder durch die ständigen Wiederholungen unwiderruflich in sein Gedächtnis eingebrannt. Immerhin ist sich eine ganze CD, mit exakt einundzwanzig Liedern, ausgegangen. Einundzwanzig kleine Denkmäler, einundzwanzig klangvolle, vollständige Szenen aus der Vergangenheit. Einundzwanzig Brücken zwischen dem Gestern und Heute.

Man sollte die Kraft der Musik und den Stellenwert, den sie einnimmt, niemals unterschätzen: sie hilft Erinnerungen an vergangene Erlebnisse als detailliertes vollständiges Bild mitsamt allen damaligen Gefühlen abzurufen und dadurch bestimmte Eindrücke der Vergangenheit lebendig zu erhalten.

Hinter so manchem Lied steht eine Geschichte, greifbar verknüpft mit Anekdoten, Emotionen und Empfindungen… Das sollte man sich wirklich zunutze machen, für ein Geschenk der ganz besonders persönlichen Weise.

Zu beachten ist natürlich, dass man sich die Musik kaufen muss. Um eine solche CD zu brennen, kann man sich die passenden Titel bei Anbietern wie Musicload günstig kaufen.

von Vilma-Sonja Zugmaier