Pflanzen und Gartentipps

Kartoffelkrankheiten wie Kartoffelschorf & Kartoffelfäule

Kartoffelkrankheiten machen auch vielen Hobbygärtnern zu schaffen

Gehört Ihr auch zu den Gourmets, die auch einfache Lebensmittel nur in hoher Qualität auf Eurem Tisch sehen wollen? Und sich deshalb ihre eigenen Kartoffeln im Garten anbauen, vielleicht die herzhafte, nussige Cilena und als ideale Ergänzung dazu die cremige und milde Bintje – die Kartoffel des Jahres 2012? Diese Kartoffelkrankheiten könnten Euch als Hobby-Kartoffelbauer das Leben schwer machen:

Kartoffelschorf – für den Hobbyanbau ein lösbares Problem

Kartoffelschorf wird durch eine Bakterienart verursacht, diese Streptomyces scabies gibt es in allen Anbaugebieten, vor allem beim Anbau auf leichten Sandböden können sie Eure Kartoffeln befallen. Der Erreger tritt über Wunden und Atemöffnungen, aber auch durch die unverletzte Schale in die heranwachsende Knolle ein, in den ersten zwei Wochen des Knollenansatzes ist die Kartoffel am anfälligsten für einen Befall.

Ungünstig ist es, wenn in dieser Zeit auch noch hohe Temperaturen gegeben sind und Trockenheit herrscht. Die Erreger brauchen sehr viel Sauerstoff, deshalb werden am schnellsten Kartoffeln in gut durchlüfteten Böden befallen. Hat der Boden einen pH-Wert unter 5,5, gibt es selten Schorfbefall, da die Bakterien höhere pH-Werte bevorzugen. Dann entstehen Schorfstellen, die den Geschmack der Kartoffeln aber nicht beeinträchtigen, auch der Ertrag wird nicht merkbar beeinflusst. Durch die Schorfstellen können sich aber andere Parasiten besser Zugang verschaffen. Außerdem verliert die Kartoffel bei der Lagerung mehr Feuchtigkeit und verschrumpelt so schneller.

Kartoffelschorf erkennen – und bekämpfen?

  • Kartoffelschorf zeigt sich nur an den Knollen, nicht an den oberirdischen Teilen der Pflanze.
  • Auf der Kartoffel selbst entstehen braune rissige Flecken, die sich bei starkem Befall zu größeren verschorften Flächen zusammenfließen.
  • Der Schorf kann an der Oberfläche bleiben, kraterförmig in die Knolle eindringen oder neues Gewebe unter den Schorfstellen bilden (Flach- oder Netzschorf, Tiefschorf, Buckelschorf) – die Ausbildung der verschiedenen Formen wird durch die Witterung beeinflusst.

Kartoffelschorf kann direkt nicht bekämpft werden, es gibt auch für den Erwerbsanbau keine Pflanzenschutzmittel gegen diese Krankheit. Also geht es in erster Linie um den Anbau widerstandsfähiger Sorten. Die Sortenliste des Bundessortenamtes führt auf, welche Kartoffeln schorfanfällig sind. Außerdem mindert eine gut abgestimmte Fruchtfolge das Befallsrisiko, wenn Ihr mit Luzerne, Roggen oder Wicken gründüngert, fördert Ihr im Boden lebende Antagonisten, z. B. den Bacillus subtilis. Ihr solltet einen Folgeanbau anderer Pflanzen vermeiden, die ebenfalls zum Wirtskreis des Erregers gehören, z. B. Rüben.

  • Weil die Bakterien so sauerstoffabhängig sind, könnt Ihr den Schorfbefall gerade auf den besonders gefährdeten gut durchlüfteten Standorten sehr effektiv bekämpfen, wenn Ihr die Kartoffeln während der Zeit des Knollenansatzes gezielt beregnet.
  • In dieser Zeit solltet Ihr auch jeglichen Eifer bei der mechanischen Pflege ausbremsen, wenn sie eine Durchlüftung des Bodens zu Folge hätte.
  • Wenn Ihr wisst, dass Ihr an einem Problemstandort anbaut, solltet Ihr auch die Aufkalkung im Jahr vor dem Kartoffelanbau ausfallen lassen.

Kartoffelschorf ist deshalb für den Hobby-Anbauer eher kein sehr schwerwiegendes Problem, weil der fachgerechte Anbau mit den erwähnten Behandlungen hier gut gegensteuern kann. Außerdem können die befallenen Kartoffeln durchaus verzehrt werden. Nur gewerbliche Anbauer, die in den Handel ausschließlich makellose Exemplare liefern dürfen, müssen Verluste hinnehmen, da die verschorften Knollen einen geringeren Markwert haben.

Feuchtigkeit und Schäden an der Kartoffelhaut begünstigen den Befall

Kartoffelfäule – eine ernste Bedrohung

Kartoffelfäule wird durch einen Pilz verursacht, der auch Tomaten befällt (Tomaten Kraut- und Braunfäule). Bei Kartoffelfäule gibt es Kartoffelkrautfäule und Kartoffelknollenfäule, ernst zu nehmende Krankheiten, die schon Hungersnöte ausgelöst haben und in Berlin 1847 zur Kartoffelrevolution führten. Auch heute kann die Kartoffelfäule den Hobby-Gärtner noch über 20 % der Ernte kosten. Das liegt unter anderem daran, dass Mitte der 1980er Jahre aus Mexiko ein neuartiger Typ des Pilzes nach Europa eingeschleppt wurde, der unangenehmer ist als die in Deutschland bis dahin bekannte Kartoffelfäule: Er ist aggressiver, und er vermehrt sich nicht nur durch die Ausbreitung über Sporen, sondern auch sexuell.

Der Erreger findet optimale Bedingungen für die Vermehrung vor, wenn Frühjahr und/oder Sommer besonders feucht sind. Der Pilz gelangt über Wunden, Atemöffnungen und Keimanlagen entweder während des Wachstums oder bei der Ernte in die Kartoffeln.

Kartoffelfäule erkennen & bekämpfen

  • Die ersten Symptome der Krankheit zeigen sich meist an den Blättern und Stängeln: Von den Blatträndern aus breiten sich dunkelbraune Flecken aus, die sich bei feuchtem Wetter und Taubildung schnell vergrößern, bis sie an der Blattunterseite einen pilzigen Rasen bilden, der wie Schimmel aussieht.
  • Von den oberirdischen Sporenbehältern breiten sich bei Nässe Sporen aus, die durch ihren Keimschlauch aktiv ins Gewebe eindringen können. Wenn Knollen befallen sind, zeigen sich graublau verfärbte Flecken an der Oberfläche, das Knollenfleisch wird braun und ungenießbar.

Die Bekämpfung der Kartoffelfäule ist nicht ganz einfach: Der Freizeitgärtner ist seit Anfang dieses Jahres nach unserem Pflanzenschutzgesetz dazu verpflichtet, den Gedanken des integrierten Pflanzenschutzes in den Vordergrund zu stellen, für Erwerbsanbauer beginnt die gesetzliche Verpflichtung am 1.1.2014. Danach dürfen erst Pestizide eingesetzt werden, wenn alle nichtchemischen Mittel keinen Erfolg brachten.

  • Nichtchemische Mittel sind zunächst die Auswahl einer resistenten Sorte (wobei zu beachten ist, dass es in Bezug auf Kartoffelfäule Blattresistenz und Knollenresistenz gibt).
  • Die Wahrscheinlichkeit eines Befalls kann auch durch das Vorkeimen der Pflanzkartoffeln reduziert werden.
  • Wenn sich Kartoffelkrautfäule zeigt, muss die Ausbreitung des Erregers auf die Knollen verhindert werden, weshalb das Kraut einige Wochen vor der Ernte vollständig entfernt wird.

Dann erst ist der Einsatz von Fungiziden denkbar – im Hausgarten allerdings nur von Mitteln, die über eine ausdrückliche Zulassung für den Haus- und Kleingarten und für den Schädling in Bezug auf die befallene Pflanze verfügen! Für den Einsatz dieser Mittel ist dann die Erstellung eines Prognosemodells vorgeschrieben, damit die Minimalmenge ausgebracht wird, sonst wird die Resistenzbildung des Erregers gegen die Bekämpfungsmittel gefördert. Diese ist ohnehin bei der Kartoffelfäule ein Problem, vor allem, wenn immer der gleiche Wirkstoff eingesetzt wird. Ist ein Plan zur Anwendung verschiedener Mittel in bestimmten Minimalmengen erstellt, werden diese Mittel bis zur Ernte mehrfach ausgebracht.

Kartoffelfäule vorbeugen

Besonders wichtig ist im nächsten Jahr, möglichst viel alte Erde und jede alte Knolle aus dem Garten zu verbannen, da der Pilz in beiden überwintert. Die neu aufgebrachte Erde kann prophylaktisch mit Knoblauch-Zwiebel-Jauche behandelt werden. Wenn Ihr unter diesen Vorsichtsmaßnahmen die vorhandenen teilresistenten Sorten im Wechsel anbaut, die Kartoffeln gut anhäufelt und befallene Stiele sofort mit einem sehr scharfen Messer abtrennt und verbrennt, hilft das den Kartoffeln der nächsten Generation. Ihr solltet übrigens befallene Kartoffeln nach Verbrennung des befallenen Krauts immer noch mehrere Wochen im Boden lassen, dann besteht die Chance, dass sie nicht mit Sporen in Berührung kommen.

Es gibt neue Ansätze, die Kartoffelfäule zu bekämpfen, z. B. das EU-Projekt Blight-MOP, das sich zum Ziel gesetzt hat, neue Wege zur Kontrolle der Kraut- und Knollenfäule im ökologischen Landbau zu entwickeln. Auch an der Bekämpfung über das Genom wird geforscht.

Andere Kartoffelkrankheiten

Noch ärgerlicher als ein Befall mit den hier behandelten Kartoffelkrankheiten wäre ein Befall mit Kartoffelkrebs oder mit bakterieller Ringfäule (Kartoffelzystennematoden), der zum Totalausfall der Ernte führen würde und anzeigepflichtig ist. Momentan werden jedoch diese beiden Kartoffelkrankheiten bei uns durch gärtnerische Hygiene und Anbau resistenter Sorten gut in Schach gehalten.
(von Halina)

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