Schneiden kann man das ganze Jahr, jede Baumart.
Man sollte sich jedoch bewusst sein, dass jeder Aktion eine Reaktion folgt. Wobei ja genau das eben das Ziel des kultivierten Anbaus ist, wir wollen eine bestimmte Reaktion fördern, lenken, anregen.
Ganz grob und ganz verallgemeinert kann man sagen, dass der Winterschnitt Triebfördernd, der Sommerschnitt Triebberuhigend ist. Aber wie gesagt, grob verallgemeinert.
Natürlich kannst Du Apfel jetzt schneiden. Die Vegetationsruhe hat vieler Orts eingesetzt, käme also dem Winterschnitt gleich.
Warum würde ich nicht schneiden?
Das hat einen ganz einfachen Grund. Eben weil der Winter noch vor der Tür steht, und ich nicht weiß, ob ich noch Frostschäden, Schneeschäden durch abbrechende Äste, Verbiss Schaden, etc. zu erwarten habe. Wenn ich dann schon geschnitten hätte, müsste ich nochmals und vor allem viel zu viel schneiden. Ich müsste u.U. gar mein gewünschte Baumform aufgeben und umdisponieren. Daher würde ich kurz vor dem Ende der Vegetationsruhe, so um M/E Februar, schneiden. Wenn ich den Winterschnitt ins Auge gefasst hätte.
Oft wird erzählt, dass der winterschnitt gut sei, da der Laie ohne Laub die Baumform besser erkennen würde. Das ist richtig, aber auch der "Fachmann" sieht besser. Oft ist es aber halt auch eine reine Winterarbeit, da dafür Zeit da ist, welche in den Sommermonaten einfach fehlt. Ich kenne Winzer, die bereits Nikolaus anfangen, ihre Reben zu schneiden. Da hätte ich noch mehr Angst vor Frostschäden. Aber manches Mal ist die Wahl des Schnitt Zeitpunktes ein rein wirtschaftliches Zeit Management.
Beim kleineren Obstanbau würde ich aber schon lieber auf den richtigen Zeitpunkt warten. Aber wann ist der? Wo doch jeder etwas anderes sagt? Ist schwer, ich weiß, manchmal hilft es nur seine eigenen Fehler zu machen.
Trotzdem würde ich immer empfehlen auf jede Sorte einzeln einzugehen, d.h. aber auch, dass man nie an einem Tag alle seine Obstbäume mal so eben rasch durchschnippelt.
Es ist, zumindest für mich, ein schönes, weitreichendes Thema.