Fragen zum Tomaten kreuzen

Obi1

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Habe mal mit alten Blüten Probiert zu kreuzen.
das ist gar nicht so einfach.
Habe einen Geiztrieb erstmal im Wasser stehen, und hoffe das sich eine frucht bilden und F1 Samen entstehen.

Habe aber für 2013 noch ein Paar fragen.
Wann muss ich die Blüte an der Pflanze entschärfen??(wenn sie leicht auf+gelb wird?
Wann kann ich die Pollen der Spenderpflanze abmachen und wie und wann dann die andere Pflanze bestäuben???
 
  • Sunfreak

    Sunfreak

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    Hallo Fynn!

    Weist du über den Blütenaufbau von Tomaten bescheid? Also weist du wo die Staubbeutel und wo der Fruchknoten und wo die Narbe sitzt? Und weist du auch über dessen jeweilige Funktion bescheid? Das ist von entscheidenter Wichtigkeit, andernfalls wirst du scheitern.

    Ich hab das schon einmal sehr ausführlich erklärt wie das funktioniert. Vielleicht findest du ja den Post.

    Ganz grob: Tomaten sind ja von Haus aus zwittrig. Beim Kreuzen geht es darum, dass du ihnen ihre Doppelgeschlechtlichkeit nimmst und der einen Pflanze eine weibliche und der anderen Pflanze eine männliche Rolle zuweist. Oder anders formuliert: Du musst entscheiden welche Pflanze das Weiblein und welche Pflanze das Männlein spielt.

    Im Prinzip ist es egal welche Pflanze das Männlein und welche Pflanze das Weiblein spielt. Aber man kann auch 'n gewisses taktisches Denken anwenden. Gerade wenn man das erste Mal etwas kreuzt. Ich mach mal zwei Beispiele:
    1. Du kreuzt eine normalblättrige und eine kartoffelblättrige Tomate miteinander. Die Kartoffelblättrige Pflanze ist dabei das Weibchen. Die normalblättrige Pflanze das Männchen. Das Gen mit dem Namen "c" verursacht die Kartoffelblättrigkeit. Und es ist ein rezessives Gen. Das Gen für Normalblättrigkeit (ich weis den Namen leider nicht) ist dominant. Ob die Kreuzung erfolgreich war lässt sich sehr früh herausfinden und zwar bereits mit den ersten Blättern nach den Keimblättern: Werden die Jungpflanzen alle normalblättrig, dann war die Kreuzung erfolgreich. Werden die Jungpflanzen dagegen alle kartoffelblättrig, dann ging die Kreuzung daneben.
    2. Ähnlich kann man das mit einer kompaktwüchsigen und einer normalblättrigen Tomate machen. Das Gen für Kompaktwüchsigkeit ist auch hier rezessiv. Die kompaktwüchsige Tomate (Minibel, Vilma und so weiter oder eben auch die "Dwarfs") spielt dann das Weibchen. Die normalwüchsige Tomate das Männchen. Wächst dann der Nachwuchs kompaktwüchsig ist die Kreuzung fehlgeschlagen. Wächst der Nachwuchs dagegen normalwüchsig, warst du erfolgreich.
    Sinn der Sache ist es die Eltern nach Möglichkeit so zu definieren, dass man unter Berücksichtigung der Mendelschen Regeln (Regel 1: Uniformitätsregel) ziemlich früh verifizieren kann, ob die Kreuzung erfolgreich war oder nicht.

    In den o.g. Beispielen habe ich das immer so definiert, dass die Mutter immer Träger eines rezessiven Gens ist. Welches man optisch sehr leicht feststellen kann und zusätzlich das auch noch sehr früh (im frühen Jungpflanzen-Alter). Und die dann durch dominante Gene auf väterliche Seite unterdrückt werden.

    Wenn nun die Mutter kompaktwüchsig und/oder kartoffelblättrig ist. Der Nachwuchs aber normalwüchsig und/oder normalblättrig wächst, dann ist das der sichere Beweis, dass die Kreuzung erfolgreich war. Wächst dagegen der Nachwuchs in diesem Fall in der Wuchsform und/oder Blattform wie die Mutter, dann ist die Kreuzung fehlgeschlagen - die Mutter hat sich selbstbestäubt.

    Man kann den Spieß auch rumdrehen. Mithilfe von Dominanten Genen.

    Beispiel: Man kreuzt eine blaufrüchtige Tomate mit einer anderen nicht-blaufrüchtigen Tomate. Das Gen für Anthocyane in Früchten nennt sich "Aft". Es ist dominant. Die Pflanze mit dem fehlenden Gen spielt die Mutter. Die Pflanze mit dem tragenden Gen der Vater. Trägt der Nachwuchs später einmal "blaue Früchte", dann war die Kreuzung erfolgreich.

    Ich würde als absoluter Anfänger Sorten als Kreuzungspartner wählen, auf denen diese drei Beispiele sich anwenden lassen.


    Zu Deiner ersten Frage: So früh wie möglich. Die Blüte sollte noch geschlossen sein und noch einen grünen Touch farben. Die zwei Blüten im roten Rahmen auf o.g. Foto sind genau richtig. Die Blüte im blauen Rahmen ist schon zu gelblich, schon zu weit.

    Hast du 'ne geeignete Blüte gefunden nimmst du 'ne Pinzette oder Fingernägel und öffnest die Blüte von Hand. Dann entfernst du vorsichtig die Staubbeutel. Aber ganz vorsichtig mit sehr, sehr ruhiger Hand. Man beschädigt sonst sehr leicht den Griffel. Wenn das passiert ist die Blüte verloren! Die Blütenblätter lässt man übrigens auch stehen. Sie sind wichtig als Indikator, um zu sehen, wann die Blüte geschlechtsreif, d.h. voll entwickelt ist. Wenn die nämlich richtig entfaltet sind und goldgelb leuchten dann kannst du loslegen! Durch das Entfernen der Staubbeutel, als der männlichen Geschlechtsteile ist die Blüte nun nicht mehr zwittrig sondern ausschließlich weiblich! Dadurch ist die Blüte nun nicht mehr in der Lage sich mit ihrem eigenen Pollen selbst zu bestäuben. Alle anderen Blüten am selben Blütenstand müssen wahlweise entfernt oder die Staubbeutel entfernt werden, um eine Selbstbestäubung ausschließen zu können. Der präparierte Blütenstand wird anschließend in ein Verhüteli verpackt, um eine Fremdbestäubung auszuschließen.

    Zu Deiner zweiten Frage: Tomaten betreiben Protogynie, d.h. Vorweiblichkeit. Die Blüten sind empfangbar für Pollen sobald die Blüten vollständig geöffnet sind. Produzieren selbst aber Pollen erst später im Verlauf der Blühphase. Aus noch jungen Blüten lässt sich daher noch kein Pollen extrahieren. Mit älteren funktioniert das dagegen gut. Einfach ausprobieren aus welchen Blüten beim manuellen Vibrieren der Pollen hinaus rieselt. Mit 'ner elektrischen Zahnbürste, die ausgezeichnete Vibrationen macht, klappt das sehr gut. Man sieht das sehr gut auf diesem YouTube-Video ab 01:06...

    http://www.youtube.com/watch?v=tsAGr5qoQzQ&hd=1&t=1m6s

    Ganz gut bewährt hat sich das "Auffangen" des Pollens mit einem schwarzen Brillenglas einer Sonnenbrille. Mit einem solchen Brillenglas als dunklen Hintergrund erkennt man sehr gut den hellen Pollen im Vordergrund und weis dann ob man Pollen extrahieren konnte.

    Okay, soviel dazu, zur Abwechslung mal kurz & bündig... :grins:

    Grüßle, Michi
     
    S

    Schmid, Anneliese

    Guest
    Hallo Michi,
    den Post find super toll! Vor allem den "neuen" Thread. Wie immer gut erklärt und nicht im Chaosgarten wo de ewig suchen mußt!
    LG Anneliese:p
     
    Obi1

    Obi1

    Foren-Urgestein
    Michi>
    Das ist ganz einfach - ich mach mal ein Beispiel:
    ♀ Blueberry
    ♂ Bicolor

    Ich hab jetzt mal entschieden, dass die Blueberry die weibliche Rolle einnimmt. Die Bicolor-Sorte die männliche Rolle. Das kannst du aber entscheiden wie es Dir halt passt.

    Der erste Schritt ist die Blueberry♀ nach einem geeigneten Blütenstand abzusuchen. Ich hab mal in meinen Foto Archiv gekrustelt, hier ein Foto:



    Die zwei rot markierten Blüten sind im idealen Alter. Sie sollten noch blass mit einem leichten grasigem Farbunterton haben. Die blau markierte Blüte ist schon zu weit, sie ist schon zu gelblich.

    Verwende aber keinen Blütenstand, an dem Blüten bereits aufgeblüht sind oder gar Früchte hängen. Auch wenn am Blütenstand geeignete Einzelblüten zu finden wären. Verwende einen Blütenstand der noch ganz jung ist, und die allerersten Blüten in dem genau richtigen Stadium sind, wie die oben rot markierten. Das liegt daran, weil die ersten Blüten eines Blütenstands die vitalsten sind.

    Das Foto ist daher nicht unbedingt das beste Beispiel. Aber ich bin auf dem Sprung in den Urlaub, und habe keine Lust die Festplatte auf und abzuklappern nach nem idealen Foto.

    Hast du einen geeigneten Blütenstand gefunden brauchst du Fingernädel oder eine Pinzette. Und eine ruhige Hand. Tomatenblüten sind bekanntlich zwittrig. Und da du Dich in diesem Beispiel entschieden hast, dass Blueberry die weibliche Rolle annimmt musst den Blüten ihre Männlichkeit nehmen, damit sie sich nicht mit dem eigenen Pollen selbstbestäuben können.

    Der operative Eingriff an der Blüte beginnt so: Als allererstes musst du die Blütenblätter aufklappen. Was sind Blütenblätter? Das hier (das rot markierte) sind die Blütenblätter:



    Anderes Beispiel - ein Verwandte der Tomate: Solanum nigrum:



    Bei dieser Art ist es der weiße Teil einer Blüte. Die Blütenblätter dürfen nicht abgerissen werden. Okay, wenn eins mal versehentlich abgerissen ist, dann ist das nicht schlimm. Aber du brauchst die Blütenblätter als Indikator, um zu wissen, wann der richtige Moment zum Kreuzen ist.

    Hast du die Blütenblätter aufgeklappt kommen die Staubbeutel zum Vorschein. Das ist das röhrenartige Gebilde inmitten der Blüte. Man bezeichnet die Staubbeutel auch als Ganzes als Staubbeutelröhre. Schaust du noch einmal das Foto von Solanum nigrum an, dann ist es der gelbe Teil einer Blüte. Oder hier ein weites Foto:



    Der rot markierte Teil sind die Staubbeutel. Das ist der männliche Teil der Blüte, sie bilden den Pollen aus. Diese Staubbeutel entfernst du vorsichtig aus der Blüte.

    Wenn du fertig bist und hast alle Staubbeutel entfernt, hast du die Blüte ihre Männlichkeit genommen. Sie kann sich fortan nicht mehr mit dem eigenen Pollen selbstbestäuben.

    Das wiederholst du nun mit allen Blüten, welche du für geeignet empfunden hast. Anschließend knipst du das Ende des Blütenstandes ab, sodass der Blütenstand nur noch aus den von Dir behandelten Blüten besteht und sich keine weitere Blüten mehr daran befinden oder ausbilden können.

    Abschließen tust du Deine Arbeit damit, in dem du ein Verhüterli aufsetzt, damit Dir Bestäuberinsekten nicht zuvor kommen.

    Einmal täglich machst du Dein Verhüterli ab und kontrollierst, ob Deine Blüten schon Lust auf Sex haben. Nach der Kontrolle nicht vergessen, dass Verhüterli wieder draufzupacken. Ob der richtige Zeitpunkt gekommen ist erkennst du daran, wenn die Blütenblätter goldgelb (in der typischen Farbe einer Tomatenblüte) sind und sich entfaltet haben. Stell Dir einfach eine blühende Tomatenblüte ohne Staubbeutelröhre vor. Dann ist der richtige Zeitpunkt.

    Ist der richtige Zeitpunkt gekommen wird es tomatenromantisch. Nun kommt zum ersten Mal das Männlein (die Bicolor) ins Spiel. Du suchst Dir einfach eine schöne, x-beliebige Blüte Deines Männleins raus. Nimmst ein schwarzes Papier her oder besser noch ein Brillenglas von einer Sonnenbrille. Schwarz deshalb, damit man den Pollen gut erkennt. Nun extrahierst du den Pollen aus der Blüte in dem du die Blüte etwas anklopfst, beispielsweise mit einem Bleistift. Der Pollen müsste sich nun von den Staubbeuteln lösen und auf das Schwarze Brillenglas fallen. Wenn nicht, nimm 'ne andere Blüte. So sieht der Pollen dann aus von einer Tomate:



    Hast du genug Pollen gesammelt gehst du damit zu Deiner Dame. Machst das Verhüterli ab. Und beglückst Sie, in dem du ihre Narbe in den Pollen tunkst. Das machst du mit allen Blüten so. Das ist nun die eigentliche Kreuzung. Anschließend machst du das Verhüterli wieder drauf.

    Idealerweise sammelt man Pollen zur Mittagszeit und nimmt auch während der Mittagszeit die Kreuzung vor. Da soll es scheints am Besten klappen.

    Das ganze wiederholst du einmal täglich. Also frischen Pollen sammeln beim Herren. Und bei der Dame den Pollen auf die Narben drücken. Das machst du solange, bis der Fruchtansatz zum Wachsen beginnt. Dann ist auch das Verhüterli nicht mehr notwendig.

    Zum besseren Verständnis der Begrifflichkeiten habe ich ein weiteres Foto:



    So sieht eine Tomatenblüte aus, nachdem Staubbeutel und Blütenblätter entfernt wurden. Die Blütenblätter werden wie eingangs erwähnt nicht entfernt, nur in diesem Foto fehlen sie halt. Musst sie Dir denken.

    Aber man sieht auf dem Foto gut: An der Basis befindet sich der Fruchtansatz. Dieser befindet sich bereits vor einer erfolgten Bestäubung und bevor die Blüte geschlechtsreif ist. Ist eine Bestäubung erfolgt wächst der Fruchtansatz zu einer Frucht heran. Schon vor der Bestäubung ist schon festgelegt, wie die einmalig reife Frucht aussehen wird. Man sieht auf dem Foto deutlich, dass dies mal eine gerippte Fleischtomate wird.

    Am Ende des Fruchtansatzes befindet sich der schmale, längliche Griffel. An dessen Spitze befindet sich die Narbe, welches den Pollen aufnimmt. Fruchtansatz, Griffel und Narbe sind der weibliche Teil einer Blüte.

    Zum Schluss habe ich ein ausgezeichnetes Foto, welches die Teile einer Tomatenblüte noch einmal super erklärt:



    petal = Blütenblätter
    anther = Staubbeutel
    ovary = Fruchtansatz
    style = Griffel
    stigma = Narbe

    Das Ergebnis Deiner Kreuzung reift allerdings ausschließlich in den Samen heran. Die Frucht wird ganz normal wie man es von der Mutterpflanze erwartet aussehen, weil wie ja bereits erwähnt der Fruchtknoten bereits vorbestimmt ist, bereits vor einer Bestäubung. Du wirst also in diesem Beispiel ganz normale Blueberry-Früchte ernten - innendrin aber das Ergebnis Deiner Kreuzung in Form der Samen.

    Noch zwei Fotos - einfach so.

    Normalerweise befindet sich die Narbe und der Griffel zwischen den Staubbeuteln versteckt. Manche Sorten haben aber einen solangen Griffel, dass der Griffel inkl. die Narbe zwischen den Staubbeuteln herausguckst. Das ist häufig bei Fleischtomaten und Wildtomaten so. Aber auch bei der Blueberry habe ich das beobachtet, wie das folgende Foto zeigt:



    Solche Sorten verkreuzen sich leicht, weil die Narbe freiliegt. Und Bestäuberinsekten, welche fremden Pollen anderer Sorten an sich kleben haben, diese Blüten anfliegen. Und so den an sich klebenden Pollen auf die Narbe übertragen.

    Ein ganz extremes Beispiel, wie lang der Griffel einer Tomatenblüte sein kann habe ich bei dieser Wildtomate gefunden:



    Wenn du genau hinschaust siehst du den kleinen Bobbel an der Spitze, das ist die Narbe!

    So genug geschrieben! Nun weist du ja wie man kreuzt, hoffe ich!

    Grüßle, Michi
     
  • Obi1

    Obi1

    Foren-Urgestein
    Michi,
    Ich weiß wie die Blüte aufgebaut ist.
    Ich habe mal gestern eine Blüte entschärft, nur da war das innere schon sehr gelb.

    CIMG3638.JPG

    CIMG3642.JPG

    Habe die aber entfernt.
    CIMG3643123hg..jpg(Staubbeutel??)
    Am Ende:
    Den Anhang 301869 betrachten.
     
    Zuletzt bearbeitet:
  • Obi1

    Obi1

    Foren-Urgestein
    Michi2>
    Also erstmal folgende Grundregel: Hat einmal eine Kreuzung stattgefunden wird man nie mehr die Ausgangsform erhalten können.

    Aber wie erkläre ich das jetzt am besten?

    Das ist garnicht so einfach...

    Also 'Minibel' und 'Black Cherry' entspricht der sog. Parentalgeneration. Oder zu deutsch: Das sind die Eltern. Kreuzen sich beide Sorten miteinander, kombinieren sich die Erbinformation neu. Das heißt die heranwachsenden Samen tragen Merkmale beider Sorten in sich. Im Prinzip ganz genau so wie beim Menschen: Da hat dann der Nachwuchs die Nase von der Mama und die Ohren vom Papa. Die in der Mutterpflanzen heranwachsenden Samen entsprechen der Filialgeneration 1 (kurz: F1). Würde man mit diesen Samen eine Samentüte beschriften wollen, müsste der Aufdruck so aussehen:

    'Black Cherry' x 'Minibel' F1

    Zieht man nun Pflanzen dieser selbst gewonnenen F1-Samen heran passiert folgendes: Keiner der Pflanzen wird den kompaktwüchsigen Wuchs der Minibel haben. Denn dieses Merkmal ist rezessiv. Es treten nur dominante Merkmale in Erscheinung: Der Wuchs von 'Black Cherry'. Die Rotfrüchtigkeit von 'Minibel'. Und so weiter.

    Aber die rezessiven Merkmale sind nicht verloren. Merkmale wie kompakter Wuchs oder braune Fruchtfarbe sind nach wie vor verankert. Sie treten in der F1 nur nicht in Erscheinung. Man sagt deshalb auch die Generation ist uniform.

    Die F1-Pflanzen produzieren wieder Samen. Diese Samen entsprechen dann der F2-Generation. Die Samentüte sieht dann wie folgt aus:

    'Black Cherry' x 'Minibel' F2

    In der F2 kam es dann zur bekannten Aufspaltung. Zieht man nun Pflanzen dieser selbst gewonnenen F2-Samen heran, sieht man dessen Auswirkungen. Schon während der Anzucht der Jungpflanzen wird man Unterschiede feststellen. Die Pflanzen sind nun nicht mehr uniform. Es kommen Dominante wie Rezessive Merkmale in Erscheinung. Die Dominanten werden aber in der Überzahl sein. Sprich: Die meisten Jungpflanzen werden wie normale Stabtomaten aussehen. Aber es werden auch Jungpflanzen mit dem bekannten kompaktwüchsigen Wuchs der Minibel auftreten. Nun könnte man bereits eine erste Selektion vornehmen: Hat man sich als Züchtungsziel eine kompaktwüchsige Tomate vorgestellt, gießt man nur kompaktwüchsige Pflanzen weiter. Die restlichen lässt man verdursten.

    Am Ende vermehrt man nur eine einzige oder zumindest nur wenige Pflanzen weiter. Dabei selektiert man dann stark nach gewissen allgemeinen Kriterien wie Frühzeitigkeit, Ertragsleistung, Geschmack oder Vitalität/Robustheit (insbesondere gegenüber Braunfäule).

    Hat man ein Züchtungsziel, strebt man z.B. eine kompaktwüchsige Sorte mit braunen, süß-würzigen Früchten an, sollte man natürlich auch nur von solchen Pflanzen Samen nehmen, die diesem Vorhaben entsprechen. Dabei sollte man allerdings die allgemeinen Selektionskritieren (Abschnitt weiter oben) nach wie vor berücksichtigen.

    Von F2-Pflanzen gewonnene Samen entsprechen dann der F3-Generation. Hat man nur eine Pflanze vermehrt sieht die Samentüte wieder wie folgt aus:

    'Black Cherry' x 'Minibel' F3

    Hat man allerdings mehrere Pflanzen vermehrt, sollte man die gewonnenen Samen auch getrennt abtüten. Und auch entsprechend individuell kennzeichnen. Jede Samentüte ist nun als ein separates Projekt zu betrachten, welches fertig gezüchtet werden muss.

    Zu einer großen Aufspaltung wie in der F2 kommt es nun nicht mehr. Mit fertig züchten ist allerdings gemeint, dass die unfertige Züchtung nun stabilisiert werden muss. Das bedeutet man nimmt von Generation zu Generation immer eine Selektion vor und vermehrt jeweils nur eine Pflanze mit den besten/gewünschten Eigenschaften bzw. Merkmale weiter. Starke, unterschiedliche Pflanzen wie in der F2 kommen zwar nicht mehr vor, durchaus aber noch kleinere Unterschiede. Von Generation zu Generation werden die Pflanzen dann aber immer einheitlicher (also stabiler). Durch die Selektionen. Irgendwann ist die Züchtung dann stabil und somit fertig. Als Richtwert dafür gilt die F7. Man spricht dann von Sortenstabilität. Nun hat der Züchter die Ehre seine Sorte zu benennen. Er darf sich also einen tollen Sortennamen ausdenken...

    Zum Schluss noch ein paar Anmerkungen:
    Ein Profizüchter wird niemals eine zufällige, natürliche Kreuzung als Ausgang für eine Züchtung nehmen. Man bezeichnet eine solche Kreuzung deshalb als Verkreuzung.
    #
    Ein Profizüchter hat im Vorfeld schon hunderte Tomatensorten angebaut, um potenzielle Sorten für eine Kreuzung kennenzulernen.
    #
    Ein Profizüchter nimmt bereits eine Selektion bei den Eltern vor. Das bedeutet er baut eine große Anzahl an Pflanzen an. Also z.B. jeweils 50 Pflanzen der Sorte 'Black Cherry' und 50 Pflanzen der Sorte 'Minibel'. Als Kreuzungspartner wählt man dann jeweils die besten Pflanzen.
    #
    Um eine sinnvolle Selektion vorzunehmen benötigt man einen möglichst großen Bestand einer Generation. Also möglichst viele Pflanzen einer Generation. Damit nicht ein ungeahntes Potenzial in der Samentüte schlummert. Damit man die größtmöglichste Auswahl für die bestmöglichste Wahl hat. Perfektion.
    #
    Blüten dürfen nicht unkontrolliert abblühen. Man muss eine Isolation vornehmen, die Blüten also vor Verkreuzung schützen. Eine unkontrollierte Kreuzung (z.B. durch Hummeln bei Tomaten) löst eine Neukombination der Erbinformation aus und zerstört die aufwendige Züchtung.
    #
    Man hat auch die Möglichkeit weitere Sorten einzukreuzen. Zum Beispiel kann man durch Einkreuzen mit der Wildtomate 'Solanum pimpinellifolium' lange Fruchttrauben und Robustheit gegenüber Braunfäule anstreben. Solche Einkreuzungen werden wie folgt gekennzeichnet:

    'S. pimpinellifolium' x ('Black Cherry' x 'Minibel' F3) F1

    Die F-Angabe innerhalb der Klammer friert dann ein. Und am Ende der Kennzeichnung beginnt man wieder mit F1. Schließlich beginnt dann der Prozess der Uniformität (F1) und der Aufspaltung (F2) von erneut (Kreuzung => genetische Neukombination hat stattgefunden)...

    Alternativ kann man sich das ganze auch bildlich darstellen. Der wohl bekannteste Tomatenzüchter Tom Wagner (Züchter von 'Green Zebra') geht dabei so vor:

    http://2.bp.blogspot.com/_wz6KH09KtY...,+2009+126.JPG
    (Ich kann das Gekritzel nur nicht lesen...)
    Zum Schluss: Leider kann ich kein Versprechen auf Richtigkeit für diesen Post geben. Ich bin kein Züchter. Genau genommen Blutiger Anfänger auf diesem Gebiet. Aber in Deinem ganz speziellen Fall, Stupsi, würde ich Deine (Ver)kreuzung weiterziehen. Wenn du Lust & Laune dafür hast. In so weit, wie es im Rahmen Deiner Möglichkeiten liegt. Vielleicht entwickelt sich ja etwas brauchbares daraus...

    Grüßle, Michi ... F1
    So der 2te Post von dir Michi den ich gefunden habe, wo ich dachte der passt hier rein.
     
  • Sunfreak

    Sunfreak

    Moderator
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    Jo, Fynn! Du hast du nun alle Posts rausgekrustelt! DANKE! :pa:

    Genau sooooo muss das aussehen:



    Da hast du alles richtig gemacht und die Staubbeutel entfernt.

    Im Moment sind die Blütenblätter Deiner Blüte noch grünlich. Das ist okay so. Wenn die Farbe nun auf richtig goldgelb gewechselt hat, kannst du loslegen.

    Im Inneren Deiner Blüte siehst du den Fruchtknoten. Aus ihr wird mal eine Frucht. Das ist ganz normal dass der Fruchtknoten jetzt schon da ist. Der existiert bereits während die Blüte noch "unreif" ist. Und somit auch bevor eine Bestäubung stattgefunden hat. Der Fruchtknoten trägt bereits vor der Bestäubung alle Informationen, wie die fertige, reife Frucht mal aussehen würde. Deshalb kann man eine Verkreuzung einer Frucht auch nicht ansehen.

    In der Mitte des Fruchtknotens, exakt formuliert: Am Blütenende befindet sich der Griffel. Das ist das lange, dünne Ding da. Am Ende des Griffels befindet sich die Narbe. Wenn du genau hinschaust erkennst du die Narbe. Und genau da muss dann der Pollen hin. Das heißt du tunkst die Narbe in Dein Brillenglas voller Pollen.

    Übrigens: Die Länge des Griffels bestimmt wie Wahrscheinlich eine natürliche Verkreuzung ist. In vielen Fällen ist der Griffel kurz und die Narbe versteckt innerhalb der Staubbeutel. Dann ist die Verkreuzungwahrscheinlichkeit eher gering. In anderen Fällen ist der Griffel länger als die Staubbeutel. Dann ist die Narbe nicht durch die Staubbeutel versteckt. Dann ist die Wahrscheinlichkeit einer Verkreuzung recht hoch. Die Griffel-Länge ist von Sorte zu Sorte unterschiedlich. Statistisch gesehen haben besonders häufig Fleischtomaten und Wildtomaten einen verlängerten Griffel. Diese verkreuzen sich daher besonders gerne. Aber das hab ich eigentlich alles schon geschrieben...

    Irgendwas wollt ich noch schreiben, aber jetzt fällt es mir nicht mehr ein...

    Grüßle, Michi
     
    Obi1

    Obi1

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    so geht es also weiter in der F2 Generation?
    Unbenannt.png
     
    L

    Lauren_

    Guest
    Ja, schaut richtig aus! :)
    Ich hab mich heute auch noch lange mit dem Thema befasst, und bin endlich ganz dahinter gestiegen!

    Hier ist im Prinzip dasselbe was du aufgemalt hast, nur in größerem Umfang dargestellt, und noch weitergedacht:
    http://kdcomm.net/~tomato/gene/genes2.html

    Liebe Grüße :)
    Lauren
     
  • Obi1

    Obi1

    Foren-Urgestein
    Ja, schaut richtig aus! :)
    Ich hab mich heute auch noch lange mit dem Thema befasst, und bin endlich ganz dahinter gestiegen!

    Hier ist im Prinzip dasselbe was du aufgemalt hast, nur in größerem Umfang dargestellt, und noch weitergedacht:
    http://kdcomm.net/~tomato/gene/genes2.html

    Liebe Grüße :)
    Lauren
    Ja aber es ist nicht eine aufspaltung von 1:2:1 sonsdern die roten und gelben müssten bei einem der beiden die Plätze tauschen.
    Also 25% Mutter, 25% Vater und 25% F1 und 25% anders.
     
    L

    Lauren_

    Guest
    Ja aber es ist nicht eine aufspaltung von 1:2:1 sonsdern die roten und gelben müssten bei einem der beiden die Plätze tauschen.
    Also 25% Mutter, 25% Vater und 25% F1 und 25% anders.
    Sorry, da komm ich jetzt nicht ganz mit.. Wie ist das gemeint..? Wer müsste Plätze tauschen..? :confused:

    Ich seh keinen Unterschied zu der von mir verlinkten Grafik: Du hast vom Phänotyp (Erscheinungsbild) her ebenfalls das Verhältnis von 75:25...
     
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