Jahreszeiten-Gedichte

Eisenkraut

Eisenkraut

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Jede Jahreszeit hat ihren Reiz,- u. mir fallt immer wieder ein Gedicht ein, wenn das Wetter so t ypisch ist. D arf ich daraus einen Tread machen?!? Also,- los gehts:

Schnee
Weich wie Flaum
ein Wintertraum
locker u. leicht
schwimmend durchweicht
zamgfahrn gleisig
gedeckelt rauhreifig
angetaut schmierseifig
in Schollen brechend
das Auge bestechend
der Sonne trotzend
glitzernd protzend
sternengeformt
statistisch genormt
willensgebeugt
künstlich erzeugt
niedergewalzt
weichgesalzt
weiß u. sauber
ein Winterzauber
windverweht
wächtenverdreht
Lawinen bauend lebensfeindlich
Erholung bietend seelenfreundlich
vom Himmel herab ein schöner Gruß
erdgeschichtlich ein flüchtiger Kuss!
 
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  • Jazz Brazil

    Jazz Brazil

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    A

    alexgartenliebe

    Neuling
    Winter

    kalt und eisig und manchmal auch
    nur verregnet
    kommt der Winter daher
    und begegnet
    uns immer wieder,
    jedes Jahr auf Neue.
    Manche lieben und verehren ihn,
    manche treten ihm mit Reue
    entgegen.
     
    Feli871

    Feli871

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    Nicht von mir, aber mein Lieblingswintergedicht.


    Friedrich Güll


    Das Büblein auf dem Eise

    Gefroren hat es heuer
    noch gar kein festes Eis.
    Das Büblein steht am Weiher
    und spricht zu sich ganz leis:
    »Ich will es einmal wagen,
    das Eis, es muß doch tragen.
    Wer weiß!«

    Das Büblein stapft und hacket
    mit seinem Stiefelein.
    Das Eis auf einmal knacket,
    und krach! schon bricht's hinein.
    Das Büblein platscht und krabbelt,
    als wie ein Krebs und zappelt
    mit Arm und Bein.

    »O helft, ich muß versinken
    in lauter Eis und Schnee!
    O helft, ich muß ertrinken
    im tiefen, tiefen See!«
    Wär' nicht ein Mann gekommen –
    der sich ein Herz genommen,
    o weh!

    Der packt es bei dem Schopfe
    und zieht es dann heraus,
    vom Fuße bis zum Kopfe
    wie eine Wassermaus.
    Das Büblein hat getropfet,
    der Vater hat's geklopfet
    zu Haus.
     
  • Feli871

    Feli871

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    In einem leeren Haselstrauch
    Da sitzen drei Spatzen, Bauch an Bauch.

    Der Erich rechts und links der Franz
    Und mitten drin der freche Hans.

    Sie haben die Augen zu, ganz zu,
    Und obendrüber da schneit es, hu!

    Sie rücken zusammen dicht an dicht.
    So warm wie der Hans hats niemand nicht.

    Sie hören alle drei ihrer Herzlein Gepoch.
    Und wenn sie nicht weg sind, so sitzen sie noch

    von Ch. Morgenstern
     
  • Leonarda1

    Leonarda1

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    @Feli Der Vater hat's geklopfet ... hihi.
    Das stand in unserem Schullesebuch und wir mussten es auswendig lernen, mir gefällt es auch sehr gut. :love:
     
  • Leonarda1

    Leonarda1

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    Ein Winterabend

    Wenn der Schnee ans Fenster fällt,
    Lang die Abendglocke läutet,
    Vielen ist der Tisch bereitet
    Und das Haus ist wohlbestellt.

    Mancher auf der Wanderschaft
    Kommt ans Tor auf dunklen Pfaden.
    Golden blüht der Baum der Gnaden
    Aus der Erde kühlem Saft.

    Wanderer tritt still herein;
    Schmerz versteinerte die Schwelle.
    Da erglänzt in reiner Helle
    Auf dem Tische Brot und Wein.

    (Georg Trakl)
     
    wilde Gärtnerin

    wilde Gärtnerin

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    Ach, wie schön! Eines meiner Lieblingsgedichte, aber man muss es erst mal interpretieren...;-)
     
    Leonarda1

    Leonarda1

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    @wilde Gärtnerin
    Es ist ein erzkatholisches Gedicht, das sich um Passion und Eucharistie dreht ... und der "Goldene Baum" lässt vom Christbaum bis ... mehrere Deutungen zu.
     
    schreberin

    schreberin

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    Friedrich Wilhelm Weber (1813-1894)
    Es wächst viel Brot...

    Es wächst viel Brot in der Winternacht,
    Weil unter dem Schnee frisch grünet die Saat;
    Erst wenn im Lenze die Sonne lacht,
    Spürst du, was Gutes der Winter tat.

    Und deucht die Welt dir öd und leer,
    Und sind die Tage dir rau und schwer,
    Sei still und habe des Wandels acht:
    Es wächst viel Brot in der Winternacht.
     
  • Leonarda1

    Leonarda1

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    Winternacht

    Flockendichte Winternacht ...
    Heimkehr von der Schenke ...
    Stilles Einsamwandern macht,
    daß ich deiner denke.

    Schau dich fern im dunklen Raum
    ruhn in bleichen Linnen ...
    Leb ich wohl in deinem Traum
    ganz geheim tiefinnen? ...

    Stilles Einsamwandern macht,
    daß ich nach dir leide ...
    Eine weiße Flockennacht
    flüstert um uns beide ...

    (Christian Morgenstern)
     
    Leonarda1

    Leonarda1

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    Altes Kaminstück

    Draußen ziehen weiße Flocken
    Durch die Nacht, der Sturm ist laut;
    Hier im Stübchen ist es trocken,
    Warm und einsam, stillvertraut.

    Sinnend sitz ich auf dem Sessel,
    An dem knisternden Kamin,
    Kochend summt der Wasserkessel
    Längst verklungne Melodien.

    Und ein Kätzchen sitzt daneben,
    Wärmt die Pfötchen an der Glut;
    Und die Flammen schweben, weben,
    Wundersam wird mir zu Mut.

    Dämmernd kommt heraufgestiegen
    Manche längst vergessne Zeit,
    Wie mit bunten Maskenzügen
    Und verblichner Herrlichkeit.

    Schöne Frauen, mit kluger Miene,
    Winken süßgeheimnisvoll,
    Und dazwischen Harlekine
    Springen, lachen, lustigtoll.

    Ferne grüßen Marmorgötter,
    Traumhaft neben ihnen stehn
    Märchenblumen, deren Blätter
    In dem Mondenlichte wehn.

    Wackelnd kommt herbeigeschwommen
    Manches alte Zauberschloss;
    Hintendrein geritten kommen
    Blanke Ritter, Knappentross.

    Und das alles zieht vorüber,
    Schattenhastig übereilt -
    Ach! da kocht der Kessel über,
    Und das nasse Kätzchen heult.

    (Heinrich Heine)
     
    Leonarda1

    Leonarda1

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    Winternacht

    Verschneit liegt rings die ganze Welt,
    Ich hab‘ nichts, was mich freuet,
    Verlassen steht der Baum im Feld,
    Hat längst sein Laub verstreuet.

    Der Wind nur geht bei stiller Nacht
    Und rüttelt an dem Baume,
    Da rührt er seinen Wipfel sacht
    Und redet wie im Traume.

    Er träumt von künft'ger Frühlingszeit,
    Von Grün und Quellenrauschen,
    Wo er im neuen Blütenkleid
    Zu Gottes Lob wird rauschen.

    (Joseph von Eichendorff)

    ***************
    Das mussten wir auch lernen ...
     
    Eisenkraut

    Eisenkraut

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    Ich war scon fast vezagt, weil keiner an meinem Tread ein weiteres Wintergedicht dazusetzte. Aber jetzt bin ich reichlich belohnt worden, denn , alle meine Lieblings-Wintergedichte sind reigesetzt worden. Sind sie nicht alle schön? Alle sind es wert, nochmals ins Gedächtnis gerufen zu werden,- u. ist es auch noch so lange her,dass unsere Lehrer sie uns auswendig lernen ließen? Vor allkem passen diese Gedichte erstklassig i die stille,Koronazeit, wo wir alle mehr oder weniger ans Haus gebunden sind,- obwohl es den schönstenSchnnee seit Langem hat. Ich danke Euch allen! Eure Eisenkraut
     
    Leonarda1

    Leonarda1

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    @Eisenkraut Gern geschehen!
    ... und Februar ist ja auch bald. ;)


    Februar

    Im Winde wehn die Lindenzweige,
    von roten Knospen übersäumt;
    Die Wiegen sind's, worin der Frühling
    die schlimme Winterzeit verträumt.

    O wär im Februar doch auch
    wie's andrer Orten ist es Brauch,
    bei uns die Narrheit zünftig!

    Denn wer, solang das Jahr sich misst,
    nicht einmal herzlich närrisch ist,
    wie wäre der zu andrer Frist
    wohl jemals ganz vernünftig!

    (Theodor Storm)
     
    Pyromella

    Pyromella

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    Bei den Jahreszeiten-Gedichten dürfen die 13 Monate von Erich Kästner nicht fehlen.

    Der Dezember:


    Das Jahr ward alt. Hat dünne Haar.
    Ist gar nicht sehr gesund.
    Kennt seinen letzten Tag, das Jahr.
    Kennt gar die letzte Stund.

    Ist viel geschehn. Ward viel versäumt.
    Ruht beides unterm Schnee.
    Weiß liegt die Welt, wie hingeträumt.
    Und Wehmut tut halt weh.

    Noch wächst der Mond. Noch schmilzt er hin.
    Nichts bleibt. Und nichts vergeht.
    Ist alles Wahn. Hat alles Sinn.
    Nützt nichts, daß man's versteht.

    Und wieder stapft der Nikolaus
    durch jeden Kindertraum.
    Und wieder blüht in jedem Haus
    der goldengrüne Baum.

    Warst auch ein Kind. Hast selbst gefühlt,
    wie hold Christbäume blühn.
    Hast nun den Weihnachtsmann gespielt
    und glaubst nicht mehr an ihn.

    Bald trifft das Jahr der zwölfte Schlag.
    Dann dröhnt das Erz und spricht:
    "Das Jahr kennt seinen letzten Tag,
    und du kennst deinen nicht."


    Der Januar:

    Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
    Der Weihnachtsmann ging heim in seinen Wald.
    Doch riecht es noch nach Krapfen auf der Stiege.
    Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
    Man steht am Fenster und wird langsam alt.

    Die Amseln frieren.
    Und die Krähen darben.
    Und auch der Mensch hat seine liebe Not.
    Die leeren Felder sehnen sich nach Garben.
    Die Welt ist schwarz und weiß und ohne Farben.
    Und wär so gerne gelb und blau und rot.

    Umringt von Kindern wie der Rattenfänger,
    tanzt auf dem Eise stolz der Januar.
    Der Bussard zieht die Kreise eng und enger.
    Es heißt, die Tage würden wieder länger.
    Man merkt es nicht. Und es ist trotzdem wahr.

    Die Wolken bringen Schnee aus fremden Ländern.
    Und niemand hält sie auf und fordert Zoll.
    Silvester hörte man’s auf allen Sendern,
    dass sich auch unterm Himmel manches ändern
    und, außer uns, viel besser werden soll.

    Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
    Und ist doch hunderttausend Jahre alt.
    Es träumt von Frieden. Oder träumt’s vom Kriege?
    Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
    Und stirbt in einem Jahr. Und das ist bald.


    Der Februar:

    Nordwind bläst. Und Südwind weht.
    Und es schneit. Und taut. Und schneit.
    Und indes die Zeit vergeht
    bleibt ja doch nur eins: die Zeit.

    Pünktlich holt sie aus der Truhe
    falschen Bart und goldnen Kram.
    Pünktlich sperrt sie in die Truhe
    Sorgenkleid und falsche Scham.

    In Brokat und seidnen Resten,
    eine Maske vorm Gesicht,
    kommt sie dann zu unsren Festen.
    Wir erkennen sie nur nicht.

    Bei Trompeten und Gitarren
    drehn wir uns im Labyrinth
    und sind aufgeputzte Narren
    um zu scheinen, was wir sind.

    Unsre Orden sind Attrappe.
    Bunter Schnee ist aus Papier.
    Unsre Nasen sind aus Pappe.
    Und aus welchem Stoff sind wir?

    Bleich, als sähe er Gespenster,
    mustert uns Prinz Karneval.
    Aschermittwoch starrt durchs Fenster.
    Und die Zeit verläßt den Saal.

    Pünktlich legt sie in die Truhe
    das Vorüber und Vorbei.
    Pünktlich holt sie aus der Truhe
    Sorgenkleid und Einerlei.

    Nordwind bläst. Und Südwind weht.
    Und es schneit. Und taut. Und schneit.
    Und indes die Zeit vergeht,
    bleibt uns doch nur eins: die Zeit.






    Ich denke, die weiteren Monate stelle ich im Laufe des Jahres ein. Ich konnte den Zyklus mal komplett auswendig. Das Meiste ist hängen geblieben - aber bei den Herbstmonaten komme ich am häufigsten in's Stocken. Trotzdem mag ich diese Gedichte, und besonders die Träumerei vom 13. Monat, der zwischen Dezember und Januar gehört.

    Der dreizehnte Monat:

    Wie säh er aus, wenn er sich wünschen ließe?
    Schaltmonat wär? Vielleicht Elfember hieße?
    Wem zwölf genügen, dem ist nicht zu helfen.
    Wie säh er aus, der dreizehnte von zwölfen?

    Der Frühling müßte blühn in holden Dolden.
    Jasmin und Rosen hätten Sommerfest.
    Und Äpfel hingen, mürb und rot und golden,
    im Herbstgeäst.

    Die Tannen träten unter weißbeschneiten
    Kroatenmützen aus dem Birkenhain
    und kauften auf dem Markt der Jahreszeiten
    Maiglöckchen ein.

    Adam und Eva lägen in der Wiese.
    und liebten sich in ihrem Veilchenbett,
    als ob sie niemand aus dem Paradiese
    vertrieben hätt.

    Das Korn wär gelb. Und blau wären die Trauben.
    Wir träumten, und die Erde wär der Traum.
    Dreizehnter Monat, laß uns an dich glauben!
    Die Zeit hat Raum!

    Verzeih, daß wir so kühn sind, dich zu schildern.
    Der Schleier weht. Dein Antlitz bleibt verhüllt.
    Man macht, wir wissen's, aus zwölf alten Bildern
    kein neues Bild.

    Drum schaff dich selbst! Aus unerhörten Tönen!
    Aus Farben, die kein Regenbogen zeigt!
    Plündre den Schatz des ungeschehen Schönen!
    Du schweigst? Er schweigt.

    Es tickt die Zeit. Das Jahr dreht sich im Kreise.
    Und werden kann nur, was schon immer war.
    Geduld, mein Herz. Im Kreise geht die Reise.
    Und dem Dezember folgt der Januar.
     
    Eisenkraut

    Eisenkraut

    Mitglied
    Was habt ihr mir da für Schätze hereingestellt? infach toll,- dass sie nicht verlorengehen! Sie passen gut ins Gartenforum,- Wir haben ja täglich damit zu tun, man muß nur ein Biichen Sinn dafür haben.... Eisenkraut.
    Freut Euch auf den Herbst ,da habe ich vieles auf Lager.,- wird noch nicht verraten!
     
    Eisenkraut

    Eisenkraut

    Mitglied
    Zum Neuen Jahr::

    Was wird es mir bringen? So fragt man alljährlich.
    Eins ist gewiß:
    Leben ist immer
    l e b e n s g e f ä h r l i c h!
     
    wilde Gärtnerin

    wilde Gärtnerin

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    Passend zu heutigen Tag - ein Gedicht von Leopold Weber mit dem Titel:

    Winterfrühling

    Der Winter strahlt. Die Sonne rollt
    Einsam durchs Blau ihr klares Gold.

    Einöd im Tal. Es tropft und taut
    Vom Hüttenbach in leisem Laut.

    Am Berghang glänzt der Schnee so rein,
    Dort schläft der Wind im Sonnenschein.

    Ein Birkenbaum, allein und kahl,
    Die Hängezweige hebt im Strahl.

    Er blinzt ins blaue Gotteslicht,
    Das brennt ihm überm Wipfel dicht.

    Ein Meislein hüpft ganz sacht im Baum,
    Ein Seelchen zirpt – du hörst es kaum.

    (Hab ich entnommen dem "Hausbuch Deutscher Lyrik von 1902" - aus meiner Lyriksammlung;-) )

    - und das Meislein gibts dazu;-)

    P1020840.JPG
     
    wilde Gärtnerin

    wilde Gärtnerin

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    @Eisenkraut,
    für mich steht der Begriff "Seelchen" für etwas noch sehr Verwundbares, noch in der Entfaltung begriffen:
    also möche ich sagen: für den langsam erwachenden Frühling im immer noch Winter.
    Würde es auch in Zusammenhang mit dem "zirpt" sehen, den kleinen, leisen Tönen.....

    LG
    von der wilden Gärtnerin
     
    wilde Gärtnerin

    wilde Gärtnerin

    Foren-Urgestein
    Dazu gibt es einen ganz interessanten Aufsatz; muss mal schauen, ob ich ihn nach all den Jahren wieder finde....
     
    wilde Gärtnerin

    wilde Gärtnerin

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    Hab ihn gefunden, schick dir eine PN.
    (Geht nicht mehr um Jahreszeit-Gedichte)
     
    Leonarda1

    Leonarda1

    Mitglied
    Vornehme Leute, 1.200 Meter hoch

    Sie sitzen in den Grandhotels.
    Ringsrum sind Eis und Schnee.
    Ringsrum sind Berg und Wald und Fels.
    Sie sitzen in den Grandhotels
    und trinken immer Tee.

    Sie haben ihren Smoking an.
    Im Walde klirrt der Frost.
    Ein kleines Reh hüpft durch den Tann.
    Sie haben ihren Smoking an
    und lauern auf die Post.

    Sie tanzen Blues im Blauen Saal,
    wobei es draußen schneit.
    Es blitzt und donnert manches Mal.
    Sie tanzen Blues im Blauen Saal
    und haben keine Zeit.

    Sie schwärmen sehr für die Natur
    und heben den Verkehr.
    Sie schwärmen sehr für die Natur
    und kennen die Umgebung nur
    von Ansichtskarten her.

    Sie sitzen in den Grandhotels
    und sprechen viel von Sport.
    Und einmal treten sie, im Pelz,
    sogar vors Tor der Grandhotels -
    und fahren wieder fort.

    Erich Kästner

    (Ich wusste doch immer, dass ich noch eins habe ... musste immer an das Reh denken.)
     
    Leonarda1

    Leonarda1

    Mitglied
    Vom User gelöscht, da Themaverfehlung
     
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    wilde Gärtnerin

    wilde Gärtnerin

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    Leonarda,

    ich "liebe" dieses Sonett von Gryphius und etliche andere von ihm auch wegen der eindringlichen Bildlichkeit:
    Aber, es hat für mich jetzt nichts mit "Jahreszeit-Gedichten" zu tun....

    Der Kästner dagegen sehr, auch wenns heuer nicht so hingehauen haben dürfte mit diesem Leben;-)
     
    Pyromella

    Pyromella

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    Dann mache ich, als bekennender Erich Kästner - Fan mal weiter mit einem Gedicht von ihm:

    Frühling auf Vorschuss:

    Im Grünen ist’s noch gar nicht grün.
    Das Gras steht ungekämmt im Wald,
    als sei es tausend Jahre alt.
    Hier also, denkt man, sollen bald
    die Glockenblumen blüh‘n?

    Die Blätter sind im Dienst ergraut
    und rascheln dort und rascheln hier,
    als raschle Butterbrotpapier.
    Der Wind spielt über’m Wald Klavier,
    mal leise und mal laut.

    Doch wer das Leben kennt, der kennt’s.
    Und sicher wird’s in diesem Jahr
    so, wie’s in andern Jahren war.
    Im Walde sitzt ein Ehepaar
    und wartet auf den Lenz.

    Man soll die beiden drum nicht schelten,
    sie lieben die Natur
    und sitzen gern in Wald und Flur.
    Man kann’s ganz gut verstehen, nur:
    Sie werden sich erkälten!
     
    Pyromella

    Pyromella

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    Die Wälder schweigen

    (Erich Kästner)


    Die Jahreszeiten wandern durch die Wälder.
    Man sieht es nicht. Man liest es nur im Blatt.
    Die Jahreszeiten strolchen durch die Felder.
    Man zählt die Tage. Und man zählt die Gelder.
    Man sehnt sich fort aus dem Geschrei der Stadt.


    Das Dächermeer schlägt ziegelrote Wellen.
    Die Luft ist dick und wie aus grauem Tuch.
    Man träumt von Äckern und von Pferdeställen.
    Man träumt von grünen Teichen und Forellen.
    Und möchte in die Stille zu Besuch.


    Man flieht aus den Büros und den Fabriken.
    Wohin, ist gleich! Die Erde ist ja rund!
    Dort, wo die Gräser wie Bekannte nicken
    und wo die Spinnen seidne Strümpfe stricken,
    wird man gesund.


    Die Seele wird vom Pflastertreten krumm.
    Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden
    und tauscht bei ihnen seine Seele um.
    Die Wälder schweigen. Doch sie sind nicht stumm.
    Und wer auch kommen mag, sie trösten jeden.
     
    Leonarda1

    Leonarda1

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    Vor dem Sommerregen

    Rainer Maria Rilke

    Auf einmal ist aus allem Grün im Park
    man weiß nicht was, ein Etwas, fortgenommen;
    man fühlt ihn näher an die Fenster kommen
    und schweigsam sein. Inständig nur und stark

    ertönt aus dem Gehölz der Regenpfeifer,
    man denkt an einen Hieronymus:
    so sehr steigt irgend Einsamkeit und Eifer
    aus dieser einen Stimme, die der Guß

    erhören wird. Des Saales Wände sind
    mit ihren Bildern von uns fortgetreten,
    als dürften sie nicht hören was wir sagen.

    Es spiegeln die verblichenen Tapeten
    das ungewisse Licht von Nachmittagen,
    in denen man sich fürchtete als Kind.

     
    Leonarda1

    Leonarda1

    Mitglied
    Herbstbild

    Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
    Die Luft ist still, als atmete man kaum,
    Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
    Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.

    O stört sie nicht, die Feier der Natur!
    Dies ist die Lese, die sie selber hält,
    Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
    Was von dem milden Strahl der Sonne fällt.


    Christian Friedrich Hebbel (1813-1863)
     
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