Samen verhüten, wie?

TK76

TK76

Mitglied
#1
Hallo,

ich lese von Samen verhüten, und habe keine Ahnung!
Gefunden habe ich auch nichts, vielleicht habe ich nach den falschen Wöten gesucht?
Wie macht man das, und warum?

VIELEN LIEBEN DANK SCHONMAL!

Gruß
Tanja
 
  • Pyromella

    Pyromella

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    #2
    Beim Samen verhüten geht es darum zu verhindern, dass Pollen der einen Blüte auf den Stempel der Blüte einer anderen Sorte gelangt - weder durch Wind noch durch Insekten.
    Also muss da eine mechanische Barriere zwischen gepackt werden.

    Bei Windbestäubern wie z. B. Tomaten kann man einfach einen Nylonstrumpf über die Blüte ziehen und dann darauf achten, die Blüte regelmäßig zu schütteln, damit sie sich selbst befruchtet. Sobald man kleine Fruchtknubbel sieht, kann man den Strumpf wieder abziehen und nur noch den Blütenstand markieren, damit man den richtigen wiederfindet. (buntes Bändel dran etc).

    Die anderen Sorten mögen bitte die Leute erklären, die eigene Erfahrungen mit haben, außer Tomaten habe ich bisher noch keine Pflanze verhütet.
     
    Supernovae

    Supernovae

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    #3
    Die Frage nach dem Warum: Wenn du verhütest möchtest du das genetische Material der Mutterpflanze erhalten (oder wenn du selbst kreutzt-keine "Kontamination" mit anderem gen. Material)
    Gerade bei sortenreinen Pflanzen verhütet man gern, damit die Tochter sich genauso verhalten wie die Mütter.

    Bei Chili habe ich es genauso wie bei Tomaten gemacht.
    Geschlossene Blütenknospe entdeckt-direkt mit Teefilter umschlossen und immer mal wieder geschüttelt (die Selbstbestäubung bei Chili funktioniert nicht so ganz zuverlässig wie bei Tomaten, ich hatte aber Glück)

    Stark verkreutzungsgefärdete Pflanzen wie z.B. Kürbis etc. habe ich noch nicht selbst verhütet, aber im Prinzip arbeitest du da als Biene, in dem du von Hand mit einem Pinsel bestäubst.
     
    TK76

    TK76

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    #4
    Hallo ihe beiden!

    Vielen, lieben Dank für Eure Antworten!
    Wieder etwas dazugelernt!!

    LG
    Tanja
     
  • Sunfreak

    Sunfreak

    Moderator
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    #5
    Genau, man möchte die Sorten rein halten. Damit aus dem selbst gewonnenen Saatgut wieder die gleiche Sorte keimt. Andernfalls kann es dann passieren, dass ein Mischprodukt entsteht.

    Immer wieder liest man von Todesfällen, um ein extremes Beispiel zu nennen, bei dem jemand gestorben ist, weil die Zucchini sich mit dem Zierkürbis verkreuzt hat. Normalerweise würde man davon ablassen, solche Früchte zu essen. Denn der Giftstoff Cucurbitacin schmeckt bitter. Aber es gibt dann wohl Leute, welche das bittere Warnsignal ignorieren und weiteressen. Ist man dann alt oder in der Gesundheit geschwächt, kann es dann wohl zu solchen Einzelfällen mit tödlichem Ausgang kommen.

    Aber wiegesagt, das ist ein Extrembeispiel zur Veranschaulichung.

    Die Vorgehensweise, wie man eine Sorte sortenrein vermehrt, ist von jeder Pflanzenart sehr unterschiedlich. Tomaten wurden ja genannt. Radieschen z.B. darf man nicht bereits nach 6 Wochen ernten, sondern muss den wachsen lassen, irgendwann geht er in die Höhe und fängt zum Blühen an.

    Ein Buchtipp:

    http://www.andrea-heistinger.at/handbuch-samengaertnerei/

    Dort findest du allerlei Informationen welche Art wie vermehrt wird und auch wie du vorgehen solltest, damit es zu keiner Verkreuzung kommt.

    Ansonsten können wir Dir hier im Forum natürlich auch helfen. Aber dazu müssten wir wissen was du vermehren willst. Aber ich glaub die Frage war eher allgemein gestellt, weil Dir unklar war, was verhüten überhaupt bedeutet.

    Der Begriff "verhüten" ist auch eher umgangssprachlich, welchen ich auch nur hier im Forum kenne. Das ist kein "echter" Begriff, welchen Gärtner oder Biologen verwenden. Auch ist er nicht richtig, denn es würde ja meinen garkeine Nachkommen (Saatgut) zu bekommen. Aber hier im Kontext ist nur die sortenreine Vermehrung gemeint.

    Übrigens: Ein Verhüterli oder Kondom aufsetzen, wir reden von Pflanzen, ist dann der Begriff dafür eine mechanische Barriere aufzubauen, von der Pyromella sprach. Das kann dann eben der Nylonstrumpf sein.

    Dieses Aufsetzen ist nur erforderlich bei Blüten, von denen du später Samen gewinnen willst. Willst du nur Früchte zum Essen ist es egal. Denn diese Früchte werden immer richtig aussehen, denn die Verkreuzung passiert in den Samen und zeigt sich dann nach dem Säen dieser Samen.

    Interessant zu wissen wäre an der Stelle, wie das dann bei Mais und Bohnen aussieht, denn hier erntet man ja die Körner...

    Grüßle, Michi
     
  • TK76

    TK76

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    #6
    Hi Michi,

    vielen, lieben Dank!
    Ja, die Frage war allgemein gestellt!

    Sehr interessant!

    Gruß
    Tanja
     
  • Supernovae

    Supernovae

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    #7
    Sunfreak

    Sunfreak

    Moderator
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    #8
    Bei Mais gibt es zumindest den Trick, dass man ihn im Haus vorkultivieren kann. Dadurch erhält man 'nen Zeitvorsprung gegenüber dem Mais auf den Äckern.

    Mich würde interessieren, wenn jemand etwa 'nen schwarzen Mais angebaut hat, ob dann an den Kolben auch gelbe Körner aufgetreten sind. Eben durch Verkreuzung mit Acker-Mais.

    Grüßle, Michi
     
    Supernovae

    Supernovae

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    #9
    Ach so.
    Diese Saison hatte ich Erdbeer- und Bicolor-Ziermais zeitgleich nebeneinander stehen.
    Die Kolben sahen ganz normal, der Sorte betreffend aus, aber der Ziermais hat auch früher geblüht, hatte schon alles bestäubt und der Erdbeermais stand im Westen.
    (beide waren vorgezogen und dann umgesetzt)

    Leider habe ich den Bicolor nicht sooo ordentlich getrocknet, sonst würde ich mich glatt auf ein F1-Experiment einlassen.

    (Interessiert dich oder jemand anders das Thema weiter? Hinreißen lassen würde ich mich nächste Saison auch zu einem Test unter kontrollieren Bedingungen mit Bantam und Erdbeermais...)

    Edit to add: Der Samen am Mais ist ja die phänotypische Ausprägung, unterscheidet sich also nicht von der Tomate. Die genotypische Ausprägung zeigt sich hier auch erst in F1-glaube ich...
     
    Zuletzt bearbeitet:
    Tubirubi

    Tubirubi

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    #10
    Mich würde interessieren, wenn jemand etwa 'nen schwarzen Mais angebaut hat, ob dann an den Kolben auch gelbe Körner aufgetreten sind. Eben durch Verkreuzung mit Acker-Mais.

    Grüßle, Michi

    Ja, das sieht man dann direkt. Dann sind die Kolben verschiedenfarbig. Ich hatte in einem Jahr fünf Sorten Mais nebeneinander stehen (blauer, roter, gelber, und bunten Inkamais)
    Bohnen verkreuzen sich nicht, soweit ich weiß. Aber warum, kann ich leider nicht erklären.
     
  • Sunfreak

    Sunfreak

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    #11
    Ahhh, interessant! Danke, Tubi!

    Ich vermisse das Rascheln des Mais im Wind in meinem heimischen Garten. :eek:rr:

    Grüßle, Michi
     
    Tubirubi

    Tubirubi

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    #13
    Du hattest dann aber nur den sg. Zuckermais, Tubi?
    Das würde natürlich erklären, warum sich meine nicht verkreuzt haben!

    Ich hatte Zuckermais und Popcornmais. Aber es haben nicht alle gleichzeitig geblüht. Der Popcornmais war der letzte. Eigentlich verkreuzen sich auch andere Maissorten. Das steht ja auch extra auf den Packungen drauf (Abstand von 500m)
     
    Tubirubi

    Tubirubi

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    #14
    Elkevogel

    Elkevogel

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    #15
    Bohnen verkreuzen sich nicht, soweit ich weiß. Aber warum, kann ich leider nicht erklären.
    Das würde bedeuten, dass ich die Bohnen, die ich zur Deko habe ausreifen lassen, weil sie uns zum Essen nach dem Urlaub zu dick waren, nächstes Jahr gefahrlos säen könnte?

    Ich hatte 3 Sorte im Mix (gelb, lila und Borlotti)

    Danke und LG
    Elkevogel
     
    Sunfreak

    Sunfreak

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    #16
    In Deinem Fall wohl ja... Aber Bohne ist nicht gleich Bohne...

    Gartenbohnen sind wohl strenge Selbstbefruchter. Für Feuerbohnen gilt genau das Gegenteil.

    Grüßle, Michi
     
    Tubirubi

    Tubirubi

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    #17
    Ach ja, stimmt. Feuerbohne/Prunkbohne verkreuzen sich!

    Puffbohnen untereinander aber auch.
    Andere Gartenbohnen aber nicht.
     
    Conya

    Conya

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    #18
    Moin ihr,

    ganz so einfach ist es denn doch nicht, ich werde das mal genau auseinanderpussementieren mit dem Mais, aber das kann ich erst morgen online stellen.

    Bei Bohnen ist es da schon einfacher, wie Tubi bereits geschrieben hat kreuzen sich manche Sorten sehr leicht, bei den meisten Busch- Reiser- und Stangenbohnen kann es vorkommen, ist aber eher selten weil die Blüten meist schon bestäubt sind bevor sie sich richtig öffnen. Manchmal passiert es aber eben doch und Schuld sind Hummeln, die kleinen Pelzmurmeln kommen mitunter auf die Idee die Blüten seitlich aufzubeißen und so die natürliche "Verhütung" außer Kraft zu setzen.

    Gruß Conya
     
    Conya

    Conya

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    #19
    N'Abend zusammen,

    ich werde die Sache ohne Fachbegriffe und Genetikformeln erklären... hoffentlich verständlich, sonst müsst ihr schimpfen...

    Nehmen wir der Einfachheit halber an dass wir einen Mehlmais und einen Zuckermais im Garten anbauen die zur gleichen Zeit blühen. Der Mehlmais ist lila, der Zuckermais gelb, sie werden auf Beeten angebaut die räumlich etwas getrennt sind und dürfen frei abblühen, also ohne künstliche Verhütung.
    Kommt es zur Verkreuzung kann man z. B. bei der Ernte vom Zuckermais sehen dass einige Körner farblich abweichen, sie sind lila statt gelb und wenn man die Körner trocknet werden die gelben Körner sortentypisch kantig und knitterig, die lilafarbigen bleiben glatt und prall. Das hat u. A. mit dem unterschiedlichen Mehl-, Zucker- und Fettgehalt der Sorten zu tun, wobei der Aufbau der Körner auch noch in anderen Punkten abweichend sein kann.

    Die andere Möglichkeit ist dass man den Zuckermais erntet und sich große Zufriedenheit ausbreitet weil alle Körner gelb sind, man behält einen Teil der Körner als Saatgut zurück und stellt im Folgejahr seltsame Verwandlungen im Maisbestand fest. Eine Verkreuzung die sich z. B. auf den Habitus auswirkt oder auf den Reifezeitpunkt ist nicht bei der Ernte erkennbar, sondern zeigt sich erst im Folgejahr bei der nächsten Generation.

    Schwierig wird es wenn man nur einen Zuckermais mit gelben Körnern anbaut und im Umfeld Futtermais auf den Feldern steht, kommt es zur Verkreuzung finden sich beim Zuckermais Körner die nur blassgelb sind und weit weniger süß schmecken.
    Noch komplizierter wird es bei Maissorten mit Körnern in zig Farben an einem Kolben, da hilft oft nur noch die From und Beschaffenheit der Körner um eventuelle Kreuzungen zu erkennen.

    Eine "hinterlistige" natürliche Falle für Maisfreunde ist die Farbe rot, baut man eine gelbe Maissorte an kann es vorkommen dass sich rote, orange, gestreifte oder gefleckte Körner zeigen oder gleich ganze Kolben farblich abweichen, sät man solche Körner aus wachsen daraus fast immer Pflanzen die wieder gelbe Kolben liefern. So ganz geklärt ist das Phänomen offensichtlich noch nicht, aber es ist naheliegend warum die Azteken überzeugt waren dass Rot die Farbe des Maisgottes ist, sie scheint genau so unsterblich zu sein wie man es von Göttern allgemein angenommen hat.
    Bei roten Maissorten sieht die Sache wieder anders aus, sie können Farbabweichungen zeigen die durch Verkreuzung entstanden sind, da Rot aber dominant ist werden diese meist erst in der zweiten Folgegeneration erkennbar.

    Fazit: eine Verkreuzung kann, muss aber nicht bei der Ernte durch Körner abweichender Form oder Farbe sichtbar sein.
    Die Problemlösung für den Maisfreund wäre einen früh und einen spät blühenden Mais anzubauen, falls möglich große räumliche Trennung der Sorten, also mindestens 150 m am besten noch mit Waldbarriere dazwischen oder nur eine Sorte zu wählen oder man muss verhüten.
    Letzteres ist bei Mais machbar und sofern man ordentlich arbeitet auch erfolgreich, wenn Interesse daran besteht kann ich gerne in einem anderen Thread Hilfestellung zum Maisanbau und zur Saatgewinnung geben.

    Gruß Conya
     
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