Ich muss ganz ehrlich sagen, dass für mich in einem offiziellen Umfeld, beispielsweise bei Nachrichtensprecher:innen, die der Arbeit nachgehen, das Gendern durchaus Sinn ergibt und ich mehr als nur dafür bin. Genau wie für die Frauenquote - nach 10 Jahren Berufserfahrung in einer Männerdomäne ist das alte "bist doch mitgemeint" und "mit Leistung schafft frau das" mehr als abgenutzt.
Ich erhalte immer noch täglich Anrufe, die gern Dr. E. sprechen möchten und deswegen zu "meinem Chef" durchgestellt werden wollen.
Natürlich wird das Gendern an dieser Tatsache nicht direkt und heute etwas ändern, aber ein Umdenken von "mitgemeint" zu "aktiv mit dabei" wird nicht stattfinden, wenn man es nicht ein wenig forciert.
In einer persönlichen Korrespondenz empfinde ich Gendern als überflüssig (schließlich weiß ich ja, welche Pronomina meine Gesprächspartner präferieren, bzw wer meine Ansprechpartner sind). Wenn ich jemanden neu kennenlerne, vor allem im internationalen Arbeitsumfeld, stelle ich mich inzwischen auch mit Namen und Pronomina vor. Denn welcher Zacken bricht mir schon aus der Krone wenn ich auf jemandes Wünsche eingehe, und andersrum, wie schlimm muss es sein wenn ein Teil der eigenen Identität permanent als unwichtig oder "woke bs" oder einfach nur "Überempfindlichkeit" abgetan wird?
Daher: Her mit dem Gendern. Für mich wähle ich allerdings den Doppelpunkt statt des Sternchens- Ersterer kann nämlich von automatischen Leseprogrammen für Menschen mit visuellen Einschränkungen als kleine Pause mitgelesen werden, das Sternchen wird stets als solches vorgelesen (das wären dann Nachrichtensprechersterncheninnen).