Umpflanzschock - Pflanzschnitt bei Pflanzen, die umgesetzt werden sollen

Rentner

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Ich wurde gefragt, ob ich einen Querverweis einstellen kann, der sich näher mit diesem Thema befasst.

Dr. Behrens, ehemals Forschungsanstalt Geisenheim, hat in Versuchen nachgewiesen, dass der sogenannte Pflanzschnitt bei Gehölzen, die zum Umpflanzen/Umsetzen gerodet werden kontraproduktiv ist.
Auch Kessel, N H (1994): Das Wachstum von Buchenwildlingen und Baumschulpflanzen nach Sprossschnitt, Wurzelschnitt, Konkurrenzregelung, Beschattung und bei weitem Pflanzverband. Dissertation, Universität Freiburg und Whitcomb, C E (2006): Establishment and Maintenance of Landscape Plants. Library of Congress Catalog, USA, raten von diesem Pflanzschnitt dringend ab.

Ein paar Auszüge:

"DER PFLANZSCHNITT - EINE ALTE ABER
KONTRAPRODUKTIVE PRAXIS?

In Untersuchungen mit Flieder konnte nachgewiesen werden, dass der Pflanzschnitt die Neubildung von Wurzeln hemmt und für ein zügiges Anwachsen kontraproduktiv sein kann…

…Die Beobachtung des Umpflanzschocks führte zu der scheinbar logischen Überzeugung, dass das Spross/Wurzel-Verhältnis nach den durch die Rodung unvermeidbaren Wurzelverlusten wieder ins Gleichgewicht zu bringen ist…

In Amerika gilt heute schon für den GaLaBau die Empfehlung, den Pflanzschnitt zu unterlassen.
• Erhalt des Regenerationspotentials

-keine Reservestoffverluste durch falsche Lagerung
-kein Pflanzschnitt
-Formierungsschnitt erst nach der Wurzelneubildung…"


Zur Quelle:

In diesem Thread durfte mit freundlicher Genehmigung von Herrn Dr. Behrens die Abhandlung veröffentlicht werden:

 
  • Leonarda1

    Leonarda1

    Mitglied
    Danke, interessant.
     
    *Mirjam*

    *Mirjam*

    Mitglied
    Danke Pit, da muss man ja wirklich sein bisheriges Tun an allen möglichen Stellen neu überdenken bzw. ausrichten. Gerade heute hab ich überlegt ob ich eine Hortensie doch lieber nach dem Umpflanzen (vor drei Tagen erfolgt) zurückschneiden soll. Das lass ich jetzt mal lieber, erhöhe dann besser die Umgebungsfeuchtigkeit und schattiere evtl.

    Zefix, jetzt haben wir auch noch das starke Zurückschneiden das Zitrus propagiert. Liebe @PatMonaco kommst du bitte mal her und liest, was Rentner uns eingestellt hat?

    LG, Tilda
     
    P

    Paul Pinsel

    Mitglied
    Danke für den Bericht Rentner, sehr hilfreich.
     
  • 00Moni00

    00Moni00

    Foren-Urgestein
    Danke Rentner für solche Berichte!
    Damit merzt man vielleicht in Jahren die Alt hergebrachten Methoden aus und orientiert sich an der Neuen These...
     
  • Rentner

    Rentner

    Foren-Urgestein
    Alte Zöpfe sind einzig dazu da um abgeschnitten zu werden.
     
  • Rentner

    Rentner

    Foren-Urgestein
    Ich hatte hier im Forum schon mal am 01.03.2013 darüber berichtet:

    Der Pflanzschnitt ist kontraproduktiv und kann die Neubildung von Wurzeln hemmen und somit das Anwachsen verzögern!

    Untersuchungen (ich berufe mich dabei auf Dr.Volker Behrens i.R., Fachgebiet Zierpflanzen, Forschungsanstalt Geisenheim) haben ergeben, dass Gehölze für die Regeneration von Wurzeln, neben knospenbürtigem Auxin, große Energiemengen benötigen. Diese Energie liefern zunächst die im Holz eingelagerten Reserven, die mit möglichst großer photosynthetisch aktiver Blattfläche ergänzt werden müssen.

    Auch Kessel (N H (1994: Das Wachstum von Buchenwildlingen und Baumschulpflanzen nach Sprossschnitt, Wurzelschnitt, Konkurrenzregelung, Beschattung und bei weitem Pflanzverband. Dissertation, Universitäteiburg) oder Whitcomb ( C E 2006: Establishment and Maintenance of Landscape Plants. Library of Congress Catalog, USA) kommen in ihren anerkannten Untersuchungen zu dieser Erkenntnis...

    In den USA gilt mittlerweile unter den Galabauern die Empfehlung, den Pflanzschnitt zu unterlassen.

    Eine der Regeln für Bäume oder Sträucher, die für ein Umpflanzen/Umsetzen gerodet werden, lautet:

    • Erhalt des Regenerationspotentials, daher
    -keine Reservestoffverluste durch falsche Lagerung
    -kein Pflanzschnitt
    -Formierungsschnitt erst nach der Wurzelneubildung
     
    F

    Farmag

    Mitglied
    Nun ja, ganz so pauschal sollte man das nicht stehen lassen. Selbst in dem verlinkten Bonsaiforum steht das auch ein Rückschnitt durchaus seine Berechtigung hat.
    Wenn man nur wenige Wurzeln beschädigt ist es sicherlich ratsam keinen Rückschnitt vorzunehmen. Meist jedoch wird (ungewollt) mehr von den Wurzeln beschädigt als einem lieb ist und dann sieht die Sache schon etwas anders aus.
    Würde mich auch interessieren ob es da aktuelle Berichte darüber gibt? Nicht falsch verstehen, jedoch kenne ich aus der Praxis eben den Rückschnitt, wird wohl auch seine Berechtigung haben.
     
    Rentner

    Rentner

    Foren-Urgestein
    Nun ja, ganz so pauschal sollte man das nicht stehen lassen. Selbst in dem verlinkten Bonsaiforum steht das auch ein Rückschnitt durchaus seine Berechtigung hat.
    Wenn man nur wenige Wurzeln beschädigt ist es sicherlich ratsam keinen Rückschnitt vorzunehmen...
    Die Abhandlung von Dr. Behrens genau und vollständig lesen. Hier ist die Rede von Bäumen und Sträuchern, die für ein Umsetzen/Umpflanzen gerodet werden und dabei bis zu 80% (in Worten achtzig Prozent) ihrer Wurzelmasse verlieren.
     
    F

    Farmag

    Mitglied
    Sry, das dürfte ich echt überlesen haben.
    Gibts dazu auch gängige Praxisbeispiele? Hat das schon mal jemand gemacht? Wie gesagt, ich kenne eher das Gegenteil und das hat bisher prima geklappt.
    Hab es auch noch nie ausprobiert, daher eben die Skepsis. Man müsste wohl für permanente Feuchtigkeit sorgen, oder?
    Ich denke mal: Unter 'Laberbedingungen' ist es sicher durchaus sinnvoll aber in der Praxis glaub ich das kaum (wie gesagt, nur reine Vermutung!)
     
  • Rentner

    Rentner

    Foren-Urgestein
    Sry, das dürfte ich echt überlesen haben.
    Gibts dazu auch gängige Praxisbeispiele? Hat das schon mal jemand gemacht? ...
    Ich mache das seit 33 Jahren regelmäßig und zwar immer dann, wenn ich sogenannte Yamadoris "berge" oder wenn ich immergrüne Bäume umtopfe. Die verlieren bei diesen Aktionen oft die Hälfte bis zwei Drittel ihres Wurzelwerkes (durch Schnitt).
    Das Grün bleibt dabei unangetastet.
     
    F

    Farmag

    Mitglied
    Und triffst du irgendwelche Vorkehrungen? Hab schon paar mal Sträucher ohne Rückschnitt umgesetzt, meist gehen die ein (vertrocknen). Deine Bonsai bekommen ja eine ganz spezielle Pflege, das macht ja kein Otto Normalverbraucher :D
     
    Rentner

    Rentner

    Foren-Urgestein
    ...Deine Bonsai bekommen ja eine ganz spezielle Pflege, das macht ja kein Otto Normalverbraucher...
    Über Bonsai kursieren viel Gerüchte. Ich sag es mal so, eine Eiche bleibt eine Eiche, selbst dann noch, wenn sie in einer Bonsaischale steht. Das ist einfach so.

    Die spezielle Pflege sieht so aus:

    Wenn sie durstig ist, wird sie gegossen.
    Wenn sie hungrig ist, wird sie gefüttert.
    Wenn sie zu lange Haare hat, werden diese geschnitten.
    Wenn sie krank ist, wird sie gepflegt.
    Wenn ihr der Schuh zu eng wird, kriegt sie einen neuen.

    Das war´s.
    Die Pflege einer einfachen Hecke oder von Edelrosen sieht da nicht wesentlich anders aus (abgesehen vom regelmäßigen Umtopfen alle paar Jahre).
     
    coronella

    coronella

    Mitglied
    Danke für den fachlichen Input zum Thema Umsetzen und Beschneiden. Ich habe das nach Bauchgefühl auch noch nie gleichzeitig gemacht. Und auch keine kränkelnden Pflanzen stark zurückgeschnitten. Mir erschien das immmer schon kontraproduktiv "Amputationen" durchzuführen, wenn es die Pflanze eh gerade schon schwer hat.

    Vielleicht kann das jemand noch fachlich untermauern (oder entkräften, das wäre selbstredend auch in Ordnung!), aber ich habe das Gefühl, dass Pflanzen nochmal die für sie wertvollen Stoffe zB. auch aus absterbenden Blättern oder Zweigen rausziehen. Wenn die Pflanze damit fertig ist, vertrocknet der Seitentrieb anschließend und fällt irgendwann ab. Genauso, wie Blätter, die welk geworden sind.
     
    Rentner

    Rentner

    Foren-Urgestein
    ...ich habe das Gefühl, dass Pflanzen nochmal die für sie wertvollen Stoffe zB. auch aus absterbenden Blättern oder Zweigen rausziehen. Wenn die Pflanze damit fertig ist, vertrocknet der Seitentrieb anschließend und fällt irgendwann ab. Genauso, wie Blätter, die welk geworden sind.
    Das beste Beispiel ist der Herbst, wenn der Baum Chlorophyll und Mineralstoffe aus den Blättern als Reservestoffe in Holz und Wurzeln einlagert.
    Wir freuen uns über das Farbenspiel, der Baum über seine Austriebsenergievorräte für das kommende Frühjahr.

    In diesem Fall geht es in erster Linie um die Regenerierung der Wurzeln. Damit das gut funktioniert muss der Baum atmen, Sonnenlicht tanken und Energie erzeugen können (Fotosynthese). Ohne ausreichende Laubmasse wird es schwieriger für die Pflanze.
     
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