Schwarzer Holunder mit dem wissenschaftlichen Namen Sambucus nigra entfaltet sich ohne einschreitende Maßnahmen bis zu 10 m in die Höhe. Ähnlich verhält es sich mit seinem Breitenwachstum. In den meisten Gärten fehlt es jedoch an Platz für eine derart große Hecke. Deshalb wird der Griff zur Schere unerlässlich.

Wann ist der beste Zeitpunkt?

Der ideale Zeitpunkt zum Schneiden des Holunders liegt im Herbst, sollte aber bis Mitte Oktober abgeschlossen sein. Später ausgeführt, hat das Gewächs nicht mehr genug Zeit, um sich vor Einbruch des Winters vom Rückschnitt zu erholen. Werden im Laufe des Jahres störende Äste entfernt, leidet das Gewächs normalerweise keinen Schaden.

Nur bei Dauerfrost besteht die Gefahr, dass beim Schneiden das Holz splittert und in die Verletzungen Bakterien und Sporen eindringen. Handelt es sich um einen umfänglichen Verjüngungsschnitt, kommt nicht der Herbst, sondern vorrangig das zeitige Frühjahr in Betracht, damit der Holunder bald danach kräftig austreiben kann.

Warum den Holunder schneiden?

Holunder
Wann immer ein Rückschnitt erfolgt, dient die Aktion in erster Linie der Eindämmung des Wachstums. Es existieren aber noch weitere Gründe, die für das regelmäßige Schneiden sprechen. Zu dicht stehende Äste gewähren den Trugdolden wenig Entwicklungsfreiheit. Ausgelichtete Holundersträucher bieten indes genug Raum für kräftige Blütenstände, die von einer intensiveren Sonnenbestrahlung profitieren. Eng beieinander befindliche, belaubte Äste brauchen zudem lange, bis sie nach Regenwetter wieder abtrocknen. Dieses feuchte Milieu stellt einen perfekten Lebensraum für Schimmel und Sporen dar. Folglich treten bei ausgedünnten Sträuchern seltener Pilzerkrankungen auf. Ein reduziertes Astwerk genießt ferner eine bessere Nährstoffversorgung.

Arten des Rückschnitts

Grundsätzlich wird zwischen einem radikal ausgeführten Rückschnitt nach längerer Zeit und jährlich stattfindenden Einkürzungen der Triebe unterschieden. Verjüngung bedeutet in Gärtnerkreisen das gründliche Ausputzen von stark verzweigten Bäumen, Sträuchern und Stauden. Der Begriff Erhaltung ist dagegen für zyklisches Stutzen der Äste üblich. Darüber hinaus umfasst die Anleitung zum Schneiden weitere Initiativen.

Verjüngungsschnitt
Etwas ältere Sträucher, die schon mehrere Jahre nicht geschnitten wurden, benötigen einen Auslichtungsschnitt. Als erstes fallen totes Holz und sperrige Äste der Säge zum Opfer. Danach wird der Strauch kräftig ausgedünnt und auf Formschnitt gebracht. Auf eine solche Verjüngungskur reagiert das Gewächs mit einem üppigen Neuaustrieb. Auf den Stock setzen, so dass nur noch ein Stück Baumstumpf übrig bleibt, wird vom Holunder recht gut vertragen. In diesem Fall bilden sich aus Proventivknospen, den sogenannten schlafenden Augen, neue Triebe.

Erhaltungsschnitt
Ein alljährlich im Herbst durchgeführter Pflegeschnitt dient der Aussonderung nicht mehr tragfähiger Ruten. Davon abgesehen wird eine gegenseitige Behinderung der einzelnen Triebe vermieden. Auf Hochstamm gezüchtete Exemplare kommen nicht ohne kontinuierlichen Rückschnitt aus, sonst geraten sie schnell außer Form.

Fruchtschnitt
Diese Variante eignet sich bevorzugt für Holunderarten mit hoher Ertragsaussicht, um ideale Bedingungen für viele Fruchtansätze zu schaffen. Bei Zuchtsorten, die vorwiegend der Verschönerung des Gartens dienen, liegt das Augenmerk hingegen auf einer ebenmäßigen Silhouette. Selbst der professionellste Fruchtschnitt wird bei diesen Arten zu keiner übermäßigen Ernte führen. Nach dem Fruchtschnitt gut tragender Sorten, verfügt der Holunder über zehn bis zwölf kräftige Triebe, die im Folgejahr eine vortreffliche Ernte liefern.

Pflegeschnitt zwischendurch
Schwach entwickelte und quer wachsende Triebe sollten Sie so früh wie möglich entfernen, denn sie rauben dem Strauch unnötig Kraft. Das Gleiche gilt für Bruchschäden durch starke Winde. Schauen Sie deshalb im Laufe der Saison dann und wann mal nach, und führen Sie bei Bedarf einen leichten Pflegeschnitt aus. Auf Hochstamm gezogener Holunder braucht mehr Aufmerksamkeit als die klassische Wuchsform.

Rückschnitt bei Schädlings- und Krankheitsbefall
Holunderbüsche verfügen über eine hohe Widerstandskraft. Doch bisweilen lassen sich Holunderblattläuse nieder, die sich vom Pflanzensaft ernähren. Die Ausscheidungsprodukte der Sauginsekten locken Ameisen an, die Marienkäfern, Florfliegenlarven
und anderen natürlichen Fressfeinden der Blattläuse den Zugang verwehren.
Holunder
Idealerweise wird Blattlausbefall am Holunder zeitnah entdeckt, damit das Abschneiden und Beseitigen betroffener Zweige genügt, um die Schädlinge zu vertreiben. Hinsichtlich Krankheiten, treten am Holunder gelegentlich die Doldenwelke und der Grauschimmel in Erscheinung. Weil es sich um Pilzinfektionen handelt, müssen erkrankte Triebe umgehend entfernt und verbrannt oder auf andere Weise vernichtet werden.

Tipp: Entsorgen Sie von Krankheiten befallenen Schnittabfall nicht im Kompost, denn dort bleiben die Sporen größtenteils aktiv.

Das richtige Werkzeug für den Holunderschnitt

Für den Rückschnitt benötigen Sie eine Gartenschere und für dickere Zweige eine Astschere. Eventuell bedarf es noch eine Säge. Stumpfe Klingen erzeugen keine glatten Schnitte. Das Astwerk wird gequetscht und franst beim Schneiden aus. Als Folge dessen fallen die Verletzungen des Strauchs erheblich größer aus, als mit scharfen Klingen, insbesondere bei einer radikal ausgeführten Maßnahme.

Es dauert erheblich länger, bis sich das Gewächs vom Rückschnitt erholt. Solange die Wunden noch offen sind, haben Bakterien, Viren und Schädlinge leichtes Spiel. Optimal geschliffene Scherenblätter gleiten leicht durch das Holz und hinterlassen ebene Oberflächen, die sich schnell verschließen. Qualität zahlt sich aus. Hochwertige Garten- und Astscheren durchtrennen präzise, liegen gut in der Hand und erfordern einen relativ geringen Kraftaufwand während des Gebrauchs.

Wie hat der Schnitt "Schritt für Schritt" zu erfolgen?

1. Suchen Sie prinzipiell zum Schneiden von Sträuchern regenfreie Tage aus. Trockene Luft trägt dazu bei, dass offene Schnittflächen binnen kurzer Zeit zuwachsen. Bei hoher Luftfeuchtigkeit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich in den Wunden Keime einnisten.

2. Legen Sie Garten- und Astschere bereit. Geht es Ästen mit einem Durchmesser von mehr als 5 cm an den Kragen, benötigen Sich auch eine Säge.

3. Die Klingen der Werkzeuge müssen sauber sein, sonst erweisen sie sich als potenzielle Krankheitsüberträger. Waschen Sie die Schneiden am besten mit heißem Wasser ab, dann haben Keime keine Überlebenschance.

4. Widmen Sie sich anfangs den bereits abgeernteten Ruten Ihres Holunders. Trennen Sie diese nach Möglichkeit komplett heraus. Fehlt es dem Strauch an innerer Struktur, können diese Äste zur Hälfte oder zu einem Drittel verbleiben.

5. Wählen Sie nun etwa zehn kräftige Triebe aus, die in der letzten Saison herangewachsen sind, und nun die Grundlage für die Ernte im kommenden Spätsommer bilden. Ihr Ansatz sollte sich in der Nähe der Basis befinden. Sie erkennen diese Äste an ihrer glatten und hellgrauen Rinde. Holunder trägt immer am vorjährigen Holz, daher kommt den frischen Trieben der Erhalt zuteil.

6. Sind mehr Jungtriebe vorhanden, entfernen geübte Hobbygärtner das nicht zwingend erforderliche Astwerk zugunsten eines lichten Wuchses.

7. Nach innen wachsende und verkümmerte Triebe stören nur, weshalb sie herausgeschnitten werden sollten.

8. Treten Sie nach bislang vollbrachter Tat ein paar Schritte zurück, um das Gewächs aus kurzer Distanz zu betrachten. Sind Sie mit der Gestalt Ihres Holunders zufrieden? Wenn nicht, folgt nun der Korrekturschnitt, der dem Strauch ein ansprechendes Aussehen verleiht.

9. Je nach Belieben, können alle noch vorhandenen Triebe eingekürzt werden. Lassen Sie die mittleren Triebe etwas überstehen damit der Strauch eine buschförmige Gestalt annimmt.

10. Wer wenig Wert auf Ästhetik legt und einem hohen Ernteertrag den Vorrang gibt, schneidet das einjährige Holz, wenn überhaupt, nur so viel ab, damit die Früchte während der nächsten Saison problemlos erreichbar sind.

11. Bisweilen wird bei der Anleitung zum Holunderschnitt zur Versiegelung größerer Schnittflächen mit Wundwachs geraten. Der Holunder trägt viel unverfälschte Ursprünglichkeit in sich, deshalb können Sie auf seine natürliche Regenerationsfähigkeit vertrauen, vorausgesetzt, Sie setzen saubere Schnitte, die rasch verheilen.

12. Wurde der Holunder auf Hochstamm kultiviert, variiert die Anleitung geringfügig. Zunächst wird der Stamm von Auswüchsen befreit. Im Anschluss sind alle abgeernteten Zweige zu entfernen. Die neuen Haupttriebe erhalten einen mäßigen und die seitlichen Sprossen einen bis auf wenige Knospen verbleibenden Rückschnitt. Mit etwas Geduld und Fingerspitzengefühl entsteht eine kugelförmige Krone.

Wohin mit dem Schnittgut?

HolunderKleingehäckselt dienen Äste und Zweige als Biomasse, die im Kompost zu wertvollem Humus zerfällt. Sie können das Material aber auch als Mulchdecke zwischen Zier- oder Nutzpflanzen ausstreuen. Ansonsten nehmen Grüngutplätze das Schnittgut vom Holunder an.

Hinweis: Ohne Rückschnitt im Herbst neigt der Holunder zum Verkahlen, so dass sich in seinem unteren Verlauf nur noch laublose Äste befinden, während der Austrieb in luftiger Höhe erfolgt. Kürzen Sie den Strauch regelmäßig ein, fördern Sie sein gesundes Wachstum.

Welche Fehler sollte man vermeiden?

Holunder ist an und für sich sehr schnittverträglich. Egal, wie letztendlich das Zurückstutzen ausfällt, ob harmonisch abgerundet oder radikal ausgeführt, das Gewächs erleidet in aller Regel keinen existenziellen Schaden. Selbst wann das Schneiden erfolgt, ob im Herbst oder im Frühjahr, beeinflusst die Vitalität des Gewächses nicht. Wird die Anleitung nicht korrekt übertragen, bilden sich schlimmstenfalls in der kommenden Saison keine Blüten und demzufolge keine Früchte.

Es müssen stets einige tragfähige Triebe verbleiben, um die Ernte für das nächste Jahr zu sichern. Wichtig ist ferner, dass die Äste nicht abgebrochen, sondern mit einer scharfen Schere abgetrennt werden, damit sich die entstehenden Schnittverletzungen in Grenzen halten. Achten Sie auch darauf, dass die Zweige beim Schneiden nicht einreißen. Finden die einzelnen Punkte der Anleitung Beachtung, gelingt Ihnen der Rückschnitt des Holunders garantiert.

Sollte man verblühte Blüten abschneiden?

Der Holunder wirft Fruchtertrag ab, sobald man den blühenden Schirmrispen Gelegenheit zum Ausreifen gewährt. Wind und vom Blütenduft angelockte Insekten übernehmen die Bestäubung. Nach der Befruchtung schwindet die weiße Pracht und macht Fruchtansätzen Platz. Verblühte, nicht mehr attraktive Blüten abschneiden macht nur Sinn, wenn ohnehin keine Ernte stattfindet. Oder die Holunderblüten, die ätherische Öle enthalten, werden getrocknet zu Holunderblütentee oder im frischen Zustand zu Holunderblütensirup verarbeitet.

Tipp: Beeren, die Sie nicht pflücken, reifen für hungrige Vögel
heran.