Botanisch gesehen, ist die Kartoffel (Solanum tuberosum) eine Art der Gattung Nachtschatten (Solanum) der Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae). Die Art selbst gliedert sich in hunderte Sorten auf. Allen Sorten ist gemein, dass ihre oberirdischen Teile für den Menschen giftig sind. Deshalb wird nur die Knolle für die Zubereitung von Speisen verwendet.

Giftigkeit für den Menschen bedeutet aber nicht, dass Schädlinge keinen Geschmack an der Kartoffelpflanze finden. Deshalb können von einem Schädlingsbefall alle Teile der Pflanze, also nicht nur die Knollen, betroffen sein.

Befall oberirdischer Pflanzenteile

Zu den Schädlingen, die den grünen Teil der Pflanze zum Fressen gern haben gehören:
  • Blattläuse
  • Kartoffelkäfer
  • Blattläuse
Blattläuse sind vielen Hobbygärtnern bekannt. Die lästigen Schädlinge sind von fast keiner Pflanze fernzuhalten. Von den unzähligen Blattlausarten haben es dreißig speziell auf Kartoffeln abgesehen. Darüber hinaus dienen Kartoffeln auch der Kleinen
Pflaumenblattlaus, der Haferblattlaus oder der Erbsenblattlaus aus Wirtspflanzen.

Blattlauskolonien

Für die Mehrzahl der Blattläuse, die Kartoffeln befallen, dienen die Pflanzen als Sommerwirte. Die geflügelten Blattläuse lassen sich im Mai und Juni auf den Kartoffelpflanzen nieder und beginnen sofort mit der Vermehrung, die sog. Blattlauskolonien entstehen. Während dieser Vermehrungsphase stellen die Blattläuse ihre Flugtätigkeit fast komplett ein. Ideale Bedingungen für den Befall sind:
  • Temperaturen über 17 Grad Celsius
  • helles Tageslicht
  • Windgeschwindigkeiten unter 3 Meter pro Sekunde
Die Blattlauskolonien "wachsen" an der Unterseite der Blätter. Sind die Pflanzen befallen, verkrümmen und verfärben sich die Blätter. Die Vermehrung ohne Gegenmaßnahmen lässt erst ab Temperaturen über 30 Grad Celsius nach, da die Pflanzen, aus der Sicht der Blattläuse, keine guten Wirte mehr abgeben. Auch nimmt bei diesen Temperaturen die Zahl der natürlichen Feinde der Blattläuse zu.

Schaden
Zwar hält sich der direkte Schaden, den Blattläuse an den Knollen verursachen, in Grenzen, aber durch Virusübertragungen können sie die Ernte bis zu vier Fünftel verringern.

Bekämpfung
Da für Blattläuse besonders die jungen Kartoffelpflanzen attraktiv sind, muss eine Bekämpfung bereits bei ersten Befallserscheinungen erfolgen.

Kartoffelkäfer

Kartoffelschädlinge - KartoffelkäferDer Kartoffelkäfer (Leptinotarsa decemlineata) aus der Familie der Blattkäfer gehört zu den bekanntesten Schädlingen. In Deutschland sind erste Funde aus dem Jahr 1877 belegt.

Aussehen
Der Kartoffelkäfer ist gelb und sieben bis fünfzehn Millimeter lang. Sein Halsschild weist schwarze Flecken auf. Auf den Flügeldecken befinden sich zehn dunkle Längsstreifen.

Lebenszyklus
Pro Jahr können ein bis zwei Generationen auftreten. Im Juni legen die Käfer Eierpakete von 20 bis 80 Eiern an der Blattunterseite der Kartoffelpflanze ab. Ein Weibchen allein kann insgesamt 1.200 Eier ablegen. Nach drei bis zwölf Tagen schlüpfen die rötlichen Larven, die an den Seiten und am Kopf schwarze Punkte haben. Nachdem sich die Larven dreimal gehäutet haben, kriechen sie nach zwei bis vier Wochen zur Verpuppung in die Erde. Nach zwei Wochen in der Erde schlüpft die neue Generation, so etwa Mitte Juli, die dann noch mindestens eine Woche in der Erde bleibt. Nach dem zwei- bis dreiwöchigen Reifungsfraß überwintert der Käfer im Boden.

Schadbild
Käfer und Larven ernähren sich von den Blättern der Kartoffel. Besonders schmackhaft finden Kartoffelkäfer die jungen Triebe der Pflanzen. Sie machen aber auch vor älteren Pflanzen nicht Halt und können so ganze Felder in kürze kahl fressen. Denn eine einzige Larve frisst eine Blattfläche von 35 bis 40 Quadratzentimetern!
In der Regel beginnt der Schaden mit Loch- und Randfraß. In der Folge kommt es zu Skelettier- und Kahlfraß, also zu einer vollständigen Entlaubung der Pflanzen.

Bekämpfung
Da selbst chemische Mittel einen Befall von Kartoffelkäfern nicht verhindern können, ist es besser, gegen diese Plage vorzubeugen. Die einfachste Maßnahme ist, ein engmaschiges Netz über die Kartoffeln zu spannen. So kommen die Käfer erst gar nicht an die Pflanzen. Weitere Maßnahmen sind:
  • Verzicht auf stickstoffhaltigen Mineraldünger
  • Pfefferminze und/oder Kümmel zwischen die Kartoffel setzen
  • Pflanzen mit Pfefferminztee besprühen (Unterseite nicht vergessen)
  • Trockenen Kaffeesatz auf den Pflanzen in den frühen Morgenstunden verteilen
  • Natürliche Feinde anlocken
Zu den natürlichen Feinden des Kartoffelkäfers gehören:
  • Kröten
  • Raupenfliegen
  • Laufkäfer
Zwar können sie einen Befall nicht vollkommen ausrotten, aber diese natürlichen Feinde können den Befall in Grenzen halten.

Tipp: Die bekannteste Art, die Plage einzudämmen, ist das Einsammeln des Kartoffelkäfers von Hand. Wichtig dabei ist, das Blatt, auf bzw.
unter dem der Käfer sitzt, auch gleich zu entfernen. So wird die Vermehrung unterbrochen. Im Anschluss sollten Sie die Käfer verbrennen oder in einem Eimer mit Wasser vernichten.

Befall der unterirdischen Pflanzenteile

Neben den Schädlingen, die die grünen Teile der Kartoffel bevorzugen, gehören zu jenen, die sich an die unterirdischen Pflanzenteile machen:
  • Drahtwürmer
  • Erdraupen

Drahtwürmer

Drahtwürmer sind die Larven aus der Familie der Schnellkäfer. Kartoffeln stehen besonders auf der Speisekarte der Larven von Saat- und Humusschnellkäfern.

Aussehen
Saatschnellkäfer sind gelbbraun, braun oder leicht schwärzlich gefärbt. Ihr Körper ist dicht grau beharrt. Ihre Flügel weisen helle und dunkle Längsstreifen auf. Fühler und Beine zeigen eine rosarote Färbung. Humusschnellkäfer haben eine rostbraune bis braunschwarze Färbung. Ihre Beine und Fühler sind gelbbraun bis braun.
Drahtwürmer sind lang gestreckt und haben eine goldgelbe Farbe. Sie werden bis zu 2,5 Zentimeter lang. Ihre Kopfkapsel ist dunkelbraun. Ihre harte Chitinhaut ist mit Borsten versehen.

Lebenszyklus der Käfer
Schnellkäfer kommen überwiegend von Mitte Mai bis Anfang Juli vor. Jedes Weibchen legt im Juni bzw. Juli bis zu 300 Eier in den Boden. Die Junglarven schlüpfen nach etwa vier bis sechs Wochen. Je nach Witterung und Nahrungsangebot benötigen sie bis zum Abschluss der Larvenentwicklung drei bis fünf Jahre.
Kartoffelschädlinge - Kartoffelkäfer
Schadbild
In der Regel wir der Fraß von Drahtwürmer an den Wurzeln der Kartoffelpflanze nicht bemerkt. Haben sie allerdings Bohrgänge in die Kartoffel gelegt, wird der Befall sofort ersichtlich. Drahtwürmer legen ihre Bohrgänge in Kartoffeln besonders bei länger anhaltender Trockenheit an. Ist die Trockenheit nur von kurzer Dauer, haben sie zwar mit dem Bohrfraß begonnen, stellen diesen aber wieder ein. In diesem Fall sind die Bohrlöcher nur wenige Millimeter tief. Hingegen kann ein echter Bohrgang bis zu drei Millimeter stark sein.

Bekämpfung
Da ein Befall mit Drahtwürmern schwer zu erkennen ist, sollte das Erdreich vor der Bepflanzung auf die Schädlinge überprüft werden.
  • Erdreich an einem sonnigen und trockenen Tag umgraben
  • Eier und Larven mögen keine Trockenheit
  • Schädlinge von der Oberfläche absammeln
Sind die Drahtwürmer erst einmal an der Oberfläche, können Sie sie auch ihren natürlichen Feinden überlassen. Dazu gehören:
  • Laufkäfer
  • Schlupfwespen
  • Igel
  • Maulwürfe
  • Spitzmäuse
Auch sind Drahtwürmer bei einigen Vogelarten, wie zum Beispiel bei Krähen und Staren, als Futter für die Jungen sehr begehrt.

Biologisches Gift und Fallen
Drahtwürmer können auch ohne chemische Keule vergiftet werden. Zu den natürlichen Giften für Drahtwürmer zählen:
  • Tagetes
  • Ringelblumen
Werden diese Blühpflanzen zwischen die Kartoffeln gesetzt, wird der Befall zwar nicht vollkommen verschwinden, aber zumindest eingedämmt. Denn die Wurzeln dieser Pflanzen sind für Drahtwürmer giftig. Eine eindämmende Wirkung haben auch selbstgebastelte Fallen aus Kartoffeln.
  • Kartoffel in breite Scheiben schneiden
  • auf Holzspieße stecken
  • etwa fünf Zentimeter in die Erde stecken
  • regelmäßig kontrollieren
Sind die Drahtwürmer in die Falle gegangen, die Spieße mit samt den Würmern herausziehen und entsorgen.

Tipp: Für den Erfolg muss der Vorgang öfters wiederholt werden.

Erdraupen

Erdraupe ist die Bezeichnung für Larven einiger Eulenfalterarten. Da die Larven überwiegend im Boden leben, hat sich dieser Name eingebürgert. Der Befall von Kartoffeln erfolgt überwiegend durch die Wintersaateule (Agrotis segetum).
Kartoffelschädlinge - Kartoffelkäfer
Lebenszyklus
Ausgewachsene Raupen überwintern in der Erde. Von Mai bis Juni verpuppen sie sich. Je nach Witterung erfolgt der Falterflug zwischen Ende Mai und Anfang Juli, wobei die 2. Junihälfte als Flughöhepunkt gilt. Die Weibchen beginnen bereits zwei bis sieben Tage nach dem Schlüpfen mit der Eiablage am Boden. Jedes Weibchen legt durchschnittlich 800 Eier ab.
Der Knollenfraß beginnt mit dem 3. Larvenstadium und dauert mehrere Wochen. Als besonders gefräßig gelten die Raupen in ihrem letzten Stadium. Diese Altraupen überwintern in Bodentiefen von 20 bis 40 Zentimeter. Im Frühjahr verpuppen sie sich.

Schadbild
Alte Erdraupen befallen in erster Linie im August und September die Knollen. Jungraupen fressen erst einmal die am Boden liegenden Blätter. Auffällig wird ihr Fressverhalten, wenn sie im 2. Larvenstadium beginnen, die Stängel anzufressen (Lochfraß).

Bekämpfung
Gegen einen Befall mit Erdraupen hilft nur, den Eulenfalter mit einem feinmaschigen Netz von den Kartoffeln fernzuhalten.