Ist Weihnachtsstern giftig für Menschen und Haustiere?

WeihnachtssternDer Weihnachtsstern (Euphorbia pulcherrima) stammt aus der Familie der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae). In seiner Heimat, weltweit in tropischen Laubwäldern, wächst er als eindrucksvoller Strauch oft bis zu vier Meter hoch. Alle über 2000 Arten der Wolfmilchgewächse haben einen weißlichen, ätzenden Saft in ihren Gefäßen, die sogenannte Wolfsmilch. Immer wieder taucht der Weihnachtsstern in den Listen giftiger Zimmerpflanzen auf. Was ist dran an den Warnungen für Menschen und Haustiere in Bezug auf die Giftigkeit unserer beliebten Christsterne?

Giftigkeit

Die Informationszentren der Giftzentralen

in Deutschland stufen die Giftigkeit des Weihnachtssternes als "gering giftig" ein. Eine sogenannte kritische Dosis ist "nicht bekannt". Dennoch kann der Milchsaft bei Berührung zu Reizungen an den Schleimhäuten und auf der Haut führen. Beim Verzehr kann es zu Bauchschmerzen und Übelkeit kommen. Der Ruf der Giftigkeit stammt eindeutig aus der Wildform, die tatsächlich auch größere Mengen sekundärer Pflanzenstoffe in allen Pflanzenteilen enthält. Diese können negative Auswirkungen auf den Organismus von Mensch und Tier haben. In den heute kultivierten Christsternen konnten bislang keine toxischen Stoffe nachgewiesen werden. Es gab Versuche mit Mäusen und Ratten, die nach dem Verzehr keine weiteren Auffälligkeiten zeigten. Dennoch lohnt sich ein differenzierter Blick auf die möglichen Auswirkungen. Besonders bei Kleinkindern und Haustieren. Als Erste Hilfe bei einem Verzehr der Pflanzenteile wird geraten, sofort den Mund auszuspülen. Bei Brechreiz und Bauchschmerzen, kein Erbrechen erzwingen! Eventuell kann die Gabe von Kohletabletten notwendig sein. Diese binden das Gift im Darm. Bei Hautkontakt mit dem Pflanzensaft empfehlen die Giftzentralen, die betroffenen Stellen gründlich abzuwaschen.

Substanzen

Welche Substanz führt denn nun zu diesen, mal mehr mal weniger harmlosen, Reizungen der Haut und des Verdauungssystems? Der bei Verletzung der Pflanze austretende Milchsaft dient als Schutz vor Fraß und zum Wundverschluss. Er tritt bei einer Verletzung des Gewebes aus und gerinnt in einigen Minuten an der Luft. Beim Christstern sind das in der Hauptsache Diterpene. Das ist eine Substanz aus der Gruppe der Terpene, eine Art sekundärer Pflanzenstoff zum Schutz der Pflanze. Bei den Völkern des Regenwaldes hat dieser Saft auch eine Rolle bei der Behandlung bestimmter Krankheiten gespielt. Heute wird er in der Medizin nicht mehr genutzt, da man bei Versuchen über einen längeren Zeitraum krebserregende Eigenschaften festgestellt hat. Bei Untersuchungen fand man diese stark reizende Substanz allerdings nur in der Wildform des Euphorbia pulcherrima. Dennoch scheint eine gewisse Vorsicht im Umgang mit dem Weihnachtsstern angebracht.

Menschen

Ist der Weihnachtsstern giftig für Menschen? Die kultivierte Form enthält keine der, für Wolfmilchgewächse typischen, toxischen Stoffe. Dennoch sind alle Teile des Weihnachtssternes nicht zum Verzehr geeignet. Bei empfindlich Menschen und Kleinkindern kann es unter Umständen zu vergiftungsähnlichen Reaktionen kommen. Sowohl beim Verzehr als auch bei einem Kontakt mit der Haut und den Schleimhäuten. Sollte es, besonders bei Kindern, zu heftigen Reaktionen kommen, muss sofort ein Arzt oder eine
Giftnotrufzentrale zurate gezogen werden. Da Kleinkinder in der Regel zunächst alles mit dem Mund erforschen wollen, ist bei Zimmerpflanzen besondere Vorsicht geboten. Tabu muss der Weihnachtstern deshalb nicht sein, es genügt, diesen außerhalb der Reichweite von Kindern zu platzieren.

Tipp: Sollte durch einen direkten Kontakt über die Hände, etwas Pflanzensaft in

die Augen gekommen sein, das Auge mindestens zehn Minuten unter fließendem Wasser spülen. Tritt keine Besserung ein, muss ein Arzt aufgesucht werden.


Hunde und Katzen

WeihnachtssternOft reagieren Tiere stärker auf Gifte und Reizstoffe als wir Menschen. Zunächst einmal kann die Gefahr, dass Hunde oder Katzen mit Vorliebe an Weihnachtssternen knabbern als sehr gering eingestuft werden. Wenn überhaupt Vergiftungserscheinungen durch den Weihnachtsstern entstanden sein sollten, dann muss das Tier über eine längere Zeit größere Mengen der Pflanze zu sich genommen haben. Das dies nicht früh genug vom Besitzer bemerkt wird, ist relativ unwahrscheinlich. Bei Katzen gibt es recht viele Panikmeldungen in Bezug auf eine Vergiftung durch den Weihnachtsstern im Internet zu lesen. Die reizenden Substanzen (Diterpene) kommen in unseren kultivierten Christsternen, wie gesagt, nicht mehr vor. Akute und starke Vergiftungserscheinungen beim Hund, wie bei der Katze, sind daher eher unwahrscheinlich. Meistens wird aus Langeweile mal ein Blatt angeknabbert. Mit diesem Reiz kommt das körpereigene Abwehrsystem in der Regel gut zurecht. Vorsicht ist geboten bei jungen Tieren und größeren Verzehrmengen. Zeigen sich bis zu zwei Stunden nach dem Verzehr ungewöhnliche Verhaltensweisen (vermehrter Speichelfluss, Erbrechen, Torkeln, etc.) sollte umgehend ein Tierarzt aufgesucht werden. Wer hier auf Nummer Sicher gehen will, vermeidet es grundsätzlich, giftige oder schwach giftige Zimmerpflanzen im Haus zu haben. Besonders, wenn Katze oder Hund längere Zeit unbeaufsichtigt oder überwiegend im Haus gehalten werden.

Kleintiere und Vögel

Je kleiner der Organismus ist, desto geringere Dosen schwach giftiger Substanzen reichen aus, um starke Reaktionen bis hin zum Tod hervorzurufen. Bei Kaninchen, Hamster, Meerschweinchen und Vögeln ist daher noch einmal mehr zur Vorsicht zu raten. Auch wenn die wirklich reizenden Substanzen in den Säften der kultivierten Weihnachtssterne nicht nachgewiesen wurden. Hier ist Vorsicht wirklich besser als Nachsicht. Schädliche Auswirkungen nach dem Kontakt oder Verzehr von Pflanzenteilen des Christsterns betreffen auch bei Kleintieren...
  • den Magen-Darmtrakt
  • alle Schleimhäute
  • die Haut
Achtung: Bei sehr kleinen Tieren kann der Verzehr unter Umständen sogar zum Tode führen.

Wichtige Hinweise

Die in der Wildform vorhanden giftigen Substanzen wurden in den Kulturformen zwar bisher nicht nachgewiesen. Dennoch muss man davon ausgehen, dass nicht alle, der inzwischen im Handel erhältlichen Kulturformen darauf hin untersucht wurden. Die Vergiftungserscheinungen bei einer Reizung des Magen-Darmtraktes oder der (Schleim)Haut machen sich wie folgt bemerkbar:
  • WeihnachtssternÜbelkeit
  • Bauchkrämpfe
  • Erbrechen
  • vermehrter Speichelfluss
  • blutiger Stuhl, Urin
  • absinken der Körpertemperatur
  • Lähmungserscheinungen
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Hautrötungen
  • Hautbrennen
Bei Verdacht gilt es, keine Zeit zu verlieren. Erste Selbsthilfe Maßnahmen sind, viel Trinken und bei starken Symptomen Kohletabletten. Diese leiten das Gift innerhalb von drei bis vier Stunden aus dem Körper. Oberflächliche Reizungen werden mit viel Wasser gespült.

Fazit

Trotz vieler Untersuchungen und Forschungen über die Giftigkeit der Substanzen im Weihnachtsstern, wird es letztendlich kein grünes Licht geben, was die Harmlosigkeit und Unbedenklichkeit für Mensch und Tier betrifft. Im Zweifelsfalle also lieber auf die weihnachtliche Deko der Euphorbia pulcherrima verzichten. Bei den kleinsten Anzeichen von Vergiftungserscheinungen, beim Kind oder Haustier, sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden.