Schneiden von Sauerkirschbäumen

schnitt-ast2 flDer Obstbaum im Garten muss beschnitten werden, das ist klar. Doch welchen Zwecken dient eigentlich der Schnitt, und wie und wann sollte man Sauerkirschbäume schneiden? Hier eine kurze Zusammenfassung:

Verschiedene Schnittmaßnahmen und ihr Zweck

Das Schneiden von Sauerkirschbäumen dient immer mehreren Zwecken. Es gibt mehrere Schnittmaßnahmen, die den Baum durch sein Leben begleiten.

  • Ganz am Anfang fällt der Pflanzschnitt an: Wird ein Gehölz ohne Ballen gekauft und gepflanzt, sollte es direkt nach dem Pflanzen zurückgeschnitten geschnitten werden. Denn bei diesen Gehölzen

    muss ein Gleichgewicht zwischen beschnittenen Wurzeln und den nach oben wachsenden Teilen hergestellt werden, sonst ist die junge Pflanze mit den vorhandenen Wurzeln nicht in der Lage, die Masse an Pflanzenmaterial im oberen Bereich zu versorgen.
  • Der Erziehungsschnitt zieht zunächst den kleinen Baum so heran, dass er überhaupt zum Baum wird, zu tief unten ansetzende Seitentriebe würden z. B. entfernt. Später dient der Erziehungsschnitt der Formung der Baumkrone, die bei jedem Baum zu einer bestimmten Idealform gezogen wird. Er erfolgt zugleich mit dem Fruchtschnitt, siehe unten.
  • Mit dem Erziehungsschnitt einher geht der Erhaltungsschnitt, bei dem alles überalterte Holz herausgeschnitten wird. Hier wird also dafür gesorgt, dass dem Baum seine bisherige Wuchskraft und Blühkraft erhalten bleibt.
  • Manchmal wird der Erhaltungsschnitt zum Auslichtungsschnitt. Es geht immer auch darum, der gesamten Krone eine gute Luftzufuhr zu verschaffen. Deshalb werden in diesem Bereich immer auch alle schwachen, abgestorbenen und zu dichten Triebe entfernt, um Licht und Luft in die Krone zu bringen.
  • Mitunter kann der Schnitt zum Verjüngungsschnitt werden, einem radikalen Rückschnitt, um vollkommen neue Triebe hervorzulocken. Wenn ein Baum regelmäßig gepflegt wird, wird der Verjüngungsschnitt jedoch mit den laufenden Schnittmaßnahmen erledigt, denn jeder entschiedene Rückschnitt ist ein gefährlicher Stress für den Baum.

Der Schnitt eines Baumes ist dann natürlich auch eine Maßnahme, die die Gesundheit des Baumes erhalten hilft. Alle Teile eines Baumes, die unter Krankheiten leiden bzw. von Pilzen oder anderen Schädlingen befallen sind, sollten entfernt werden, bevor sich die Schädigungen noch weiter ausbreiten können.

All diese Schnittmaßnahmen fallen bei jedem Baum an und werden nach den allgemeinen Regeln durchgeführt. Zeitlich kommt es bei der Durchführung der hauptsächlichen Schnittmaßnahmen auf Ihre Absicht an: Ein Sommerschnitt wird das Baumwachstum eher bremsen, durch einen Winterschnitt regen Sie es eher an, was jedoch auch zu unbrauchbaren Wassertrieben führen kann. Die stark wachsenden Sauerkirschbäume sollten auf jeden Fall im Sommer ihren Schnitt bekommen, bis auf Pflegeschnitte wegen Krankheiten natürlich.

Fruchtschnitt bei

Sauerkirschbäumen

Bei fast jedem Obstbaum anders vorzunehmen ist jedoch der Fruchtschnitt, der erfolgt, um Ernte und die Fruchtqualität zu steigern. Während man bei der Erziehung von Sauerkirschbäumen früher auf Rund- bzw. Hohlkronen setzte, hat sich inzwischen die Erziehung als Spindel durchgesetzt, mit rundherum gleichmäßig seitlich abgehenden Ästen.

Im Pflanzjahr wird der Mitteltrieb (die Verlängerung des Stammes) um etwa 30 cm gekürzt. Ein eventuell seitlich abgehender Konkurrenztrieb (der zum “zweiten Mitteltrieb” heranwachsen würde) wird entfernt. Die restlichen Seitentriebe werden alle um etwa 20 cm gekürzt, also bis dorthin, wo sie sich verzweigen sollen. Denn viele Sauerkirschbäume tragen am Holz des Vorjahres (am einjährigen Holz) die meisten Früchte. Dürfte der Baum unbeschnitten wachsen, würde er bald nur noch an den äußeren Astspitzen Früchte tragen. 

Bei diesen

Sauerkirschbäumen ist es extrem wichtig, sie wirklich regelmäßig zu schneiden. Sie müssen immer wieder neu zum Austreiben aufgefordert werden.

schnitt1 flDie Verzweigung fördern und Verjüngung


Nach der Ernte wird jeder Kirschbaum jedes Jahr so beschnitten, dass die weitere Verzweigung gefördert wird. Die Triebe, die dieses Jahr ausgetrieben sind, werden dabei ausgelesen, nur ein Teil darf bleiben. Sitzen zwei Triebe zu dicht nebeneinander, muss einer weichen - immer der, der am meisten nach innen wächst. Im Ganzen soll der Wuchs die Krone immer breiter machen, alles was innen Licht nimmt, wird natürlich auch entfernt.

Wenn Sie konsequent darauf achten, dass sich Ihr Baum sozusagen sternförmig nach außen entwickelt, sollten Sie selten in die Verlegenheit kommen, wirklich dicke Äste abschneiden zu müssen. Denn das ist ein ziemlicher Eingriff für einen Baum, den man heute so gut wie möglich vermeiden möchte.

Bei einigen Sorten Sauerkirschen werden Sie allerdings nicht um diese Schnitte herumkommen, die Bäume, die fast nur am einjährigen Holz tragen, werden irgendwann verkahlte Äste ausbilden. Sie tragen dann an äußeren, dünnen Trieben Früchte, die viel zu schwer sind, der ganze Baum nimmt dann ein wenig die Gestalt einer Hängeweide an. Wenn es so weit ist, entfernen Sie jedes Jahr nach der Ernte einen Teil der hängenden Zweige, so verjüngen Sie den Baum nach und nach. Sie suchen sich dazu am hängenden Ast einen neuen Trieb, der irgendwo in der Mitte entstanden ist, und schneiden bis dahin zurück. Das nennt man “auf den neuen Trieb ableiten”. Dieser neue Trieb wird natürlich nicht beschnitten, er soll der neue tragende Ast für die weiteren Neutriebe nach außen werden.

Genauso gehen Sie vor, wenn sich ein mehrjähriger Ast im Kronenbereich nicht in Ihrem Sinne entwickelt hat. Er wird ebenfalls auf einen passenden jungen Trieb abgeleitet, so fördern Sie den Neuaustrieb an einer gewollten Stelle.

Fazit der Redaktion

Baumschnitt muss sein, und je regelmäßiger er durchgeführt wird, desto besser ist es für den Baum. Bei der Sauerkirsche ist der Schnitt nach der Ernte der günstigste Zeitpunkt, zu dem der Baum seine Wunden schnell verschließen kann und zu dem Sie das weitere Wachstum am besten steuern können.

  1. Was sich jetzt furchtbar kompliziert anhört, wird ziemlich einfach, wenn Sie es einmal gründlich durchdacht haben: Nach außen hin sollen die Verästelungen immer mehr werden, innen muss der Baum Luft kriegen, alles Kranke muss weg. Manche Sauerkirschen brauchen hin und wieder kräftige Verjüngungsschnitte, wenn sie sich zu “Trauerweiden” entwickeln.
  2. Wenn Sie Ihren Baum regelmäßig schneiden und sich dabei auf alle Äste beschränken, die noch sehr dünn sind, müssen Sie schon sehr viel falsch machen, bis der Baum darunter leidet.
  3. Wenn Sie dagegen einige Jahre warten, weil Sie sich nicht so richtig trauen, müssten Sie eigentlich gleich mehrere dicke Äste wegschneiden, aber schon beim Schnitt eines einzigen davon erleidet Ihr Baum eine Verletzung, an der er Jahre arbeiten muss, um sie komplett zu verschließen.