In der Regel werden die Samen von Gemüse in einer Pflanzschale ausgesät und an einem warmen Ort zum Keimen gebracht. Je nach Art der Pflanze dauert es einige Tage bis zu ein paar Wochen, bis die Samen keimen und sich erste Blätter, Keimblätter genannt, zeigen. Ab jetzt ist es für die jungen Gemüsepflanzen wichtig, dass sie genügend Platz haben.

Pikieren

Damit Keimlinge nicht absterben und sich gegenseitig im Wachstum behindern, ist es wichtig, sie zu pikieren. Der Begriff "Pikieren" stammt aus dem Französischen und bedeutet "Stechen". Im Garten beschreibt das Pikieren im Grunde genommen nichts anderes als das Umsetzen von Sämlingen in einem größeren Abstand voneinander oder gleich in einen eigenen Topf. Beim Pikieren muss sehr vorsichtig mit der fragilen Pflanze umgegangen und darauf geachtet werden, dass die komplette Wurzel in die Erde eingepflanzt wird.

Vorteile

Die einfachste Lösung wäre, die Samen einzeln in kleine Töpfchen zu säen. Dies ist aus Platzgründen meist nicht realisierbar, sodass entweder mehrere Samen in einen Topf oder in eine Reihe im Gartenbeet gesät werden. Hier reift der Samen unter feuchten und warmen Bedingungen heran, bis sich der Keimling seinen Weg zum
Licht gebahnt hat. Ab jetzt beginnt die eigentliche Wachstumsphase der Pflanze. Dabei benötigt das Gemüse sehr viel Energie. Die Keimlinge in der Anzuchtschale treten also in Konkurrenz um Licht, Nährstoffe und Wasser. Damit sich die jungen Salat-, Kohlrabi- oder Paprikapflänzchen nicht gegenseitig das begrenzte Angebot streitig machen, bekommen sie einen Platz in einem eigenen Topf.

Richtiger Zeitpunkt

Man sollte Keimlinge spätestens pikieren, sobald sich die ersten richtigen Laubblätter nach den Keimblättern zeigen. Im Prinzip gilt: Gemüse sollte so früh wie möglich pikiert werden, damit es sich optimal entwickeln kann. Sind die Pflanzen schon größer, lassen sie sich zwar leichter handhaben, allerdings sind die Wurzeln dann auch schon weiter verzweigt und womöglich bereits mit denen der Nachbarpflänzchen verschlungen. So kommt es beim Pikieren nicht nur zu größeren Verletzungen, sondern die Keimlinge wachsen im neuen Topf auch schlechter an.

Aussortieren

Das Pikieren dient gleichzeitig dazu, kleine, schwache oder defekte Pflanzen auszusortieren. Lassen Sie ausschließlich gesunde und kräftige Keimlinge weiterwachsen. Bereits in dieser frühen Entwicklungsphase lässt sich leicht erkennen, welche der Pflanzen die besten Chancen auf ein gutes Wachstum haben.

Substrat

junge Tomatenpflanze in der HandVerwenden Sie nach dem Pikieren immer ein Substrat, das feinkörnig und nährstoffarm ist. Nährstoffarme Substrate bringen die Pflanze dazu, ein dicht verzweigtes Wurzelwerk zu bilden. Herkömmlicher Gartenboden ist für diesen Zweck meist zu lehmhaltig und enthält nicht genügend Humus, um die Wurzelbildung zu unterstützen.
  • humos
  • torffrei
  • feinkrümelig
  • keimfrei
  • gut durchlässig für Wasser
  • nährstoffarm
  • beispielsweise Anzuchterde oder Pikiererde
Junge Keimlinge sind noch sehr empfindlich und haben keine guten Abwehrkräfte. Aus diesem Grund werden sie leicht von Schimmel oder anderen Pilzen befallen. Achten Sie also darauf, dass die Anzuchterde weitestgehend keimfrei ist.

Anleitung

Im Grunde genommen ist Pikieren nicht schwierig. Allerdings ist ein wenig Fingerspitzengefühl notwendig, um die empfindlichen Gemüsepflanzen nicht zu verletzen. Um die Keimlinge besser aus der Erde herauslösen zu können, hat es sich bewährt, das Substrat anzufeuchten. Grundsätzlich unterscheidet man zwei Anzuchtmöglichkeiten, bei denen sich dann natürlich auch das Pikieren unterscheidet.

1. Pikieren im Gartenbeet

Einige kälteunempfindliche Gemüsepflanzen können direkt in Reihen ins Beet gesät werden. Dabei sind je nach Art bestimmte Reihenabstände einzuhalten. Selbst auf kleinen Flächen lässt sich so eine größere Anzahl von Gemüsepflanzen aussäen. Haben sich im Frühjahr aus den Samen kleine Pflanzen gebildet, müssen sie pikiert und ausgedünnt (verzogen) werden. Der beste Zeitpunkt für das Pikieren im Freien ist ein bewölkter, aber regenfreier Tag ohne große Hitze. Für die Direktaussaat im Beet oder Gewächshaus eignen sich:
  • Spinat
  • Karotten
  • Steckrüben
  • Erbsen
  • Feldsalat
  • Porree
  • Schwarzwurzeln
  • Zwiebeln
  • Mais

Schritt 1: Zunächst alle schwachen, kranken oder schlecht gewachsenen Keimlinge in den einzelnen Reihen auszupfen und auf dem Kompost entsorgen.

Schritt 2: Sorgen Sie durch das Umsetzen einzelner Sämlinge dafür, dass die gewünschten Abstände in der Reihe zwischen den einzelnen Gemüsepflanzen eingehalten werden. Die herausgeholten Sämlinge werden dann sofort an einer freien Stelle wieder neu eingesetzt.

Schritt 3: Setzen Sie den Pikierstab oder auch eine Gartenschaufel etwa einen Zentimeter von der Seite her unter den ersten Keimling und hebeln Sie ihn vorsichtig etwas nach oben. Bei sehr eng beieinanderstehenden Pflänzchen kann der Vorgang eventuell auch noch einmal von der anderen Seite durchgeführt werden, damit sich die Wurzeln der einzelnen Keimlinge voneinander lösen. Versuchen Sie dabei, möglichst viele der feinen Wurzeln mitzunehmen.

Schritt 4: Stechen Sie mithilfe eines Pflanzers oder anderen Gerätes wie einem Löffel oder Spatel ein entsprechendes Loch für den Setzling.

Abstände:

Zwei Finger breit

  • Porree
  • Feldsalat
  • Schwarzwurzeln

Drei Finger breit

  • Möhren
  • Spinat
  • Sauerampfer
  • Zwiebeln
  • Radieschen

Eine Handbreit

  • Mais
  • Kopfsalat

Möhre - Karotte - Daucus carotaJe nach Gemüseart können auch größere Abstände notwendig sein, beispielsweise bei Kopfkohlsorten oder Bohnen.

Schritt 5: Setzen Sie die junge Pflanze entsprechend der optimalen Pflanztiefe in das Loch ein und drücken Sie die Erde leicht an.

Schritt 6: In einem Abstand von etwa fünf Zentimetern neben jede Gemüsepflanze wird nun ein Loch gebohrt, in das etwa 50 ml Wasser gegossen werden. Vergessen Sie nicht, regelmäßig Unkraut zu jäten, damit das Gemüse ausreichend Licht und Nährstoffe bekommt.

2. Pikieren bei Keimlingen in Saatschalen

Eine ganze Reihe von Gemüsesorten sind etwas kälteempfindlich und werden daher in der Regel in Anzuchtschalen auf der Fensterbank vorgezogen. Sie bleiben so lange im warmen Haus oder Gewächshaus, bis schließlich keine Fröste mehr zu erwarten sind. Bereiten Sie im Vorfeld unbedingt ausreichend viele einzelne Anzuchttöpfe vor. Die
Pflanzen dürfen nur für einen sehr kurzen Zeitraum offen (ohne Erde) herumliegen, da sie schnell austrocknen. Deshalb sollten Sie immer nur ein Pflänzchen nach dem anderen herauslösen und umsetzen.

Schritt 1: Füllen Sie zunächst die Gefäße zu zwei Dritteln mit Anzucht- oder Pikiererde und drücken diese leicht an.

Schritt 2: Sieben Sie grobes oder klumpiges Substrat zunächst durch ein grobes Sieb, um die Struktur zu verfeinern.

Schritt 3: Füllen Sie den Pflanztopf mit der feinen Erde auf. Streichen Sie über den Topfrand stehende Erde glatt ab und drücken Sie sie leicht an.

Schritt 4: Bohren Sie mittig im Topf mit dem Pikierstab oder einem Holzstab ein tiefes, schmales Loch in die Erde.

Schritt 5: Setzen Sie den Pikierstab vom Rand her möglichst tief unter den ersten Keimling und hebeln Sie ihn vorsichtig etwas nach oben, um die Wurzeln der einzelnen Keimlinge voneinander zu lösen. Versuchen Sie dabei, möglichst viele der feinen Wurzeln mitzunehmen.

Schritt 6: Lösen Sie die kleine Pflanze mit dem Daumen und Zeigefinger vorsichtig aus dem Substrat. Am besten funktioniert das, wenn Sie sie seitlich wegziehen. Beim Herauslösen müssen Sie sehr vorsichtig vorgehen, da sonst Stängel oder Wurzeln abreißen.

Schritt 7: Sehr lange Hauptwurzeln dürfen ein wenig eingekürzt werden. Leichte Verletzungen der Haarwurzel entstehen beim Pikieren immer. Werden die Wurzeln nicht in größerem Maße geschädigt, sind kleinere Verluste nicht schlimm; im Gegenteil, sie regen sogar das Wurzelwachstum an.

Schritt 8: Legen Sie den Sämling mit den Wurzeln quer über das vorbereitete Loch im neuen Pflanztopf und ziehen oder drücken Sie die Wurzeln anschließend in die Vertiefung. Alternativ können Sie die Pflanze auch senkrecht in das vorbereitete Loch einsetzen. Wichtig ist, dass die Wurzeln unterhalb der Pflanze verbleiben und sich nicht nach oben biegen.

Schritt 9: Drücken Sie die Pikiererde rund um die junge Gemüsepflanze leicht an und glätten Sie die Oberfläche des Substrates.

Schritt 10: Wiederholen Sie den oben beschriebenen Vorgang mit einem weiteren Keimling in einem neuen Topf.

Schritt 11: Gießen Sie die frisch pikierten Gemüsepflanzen mit der feinen Brause auf der Gießkanne kräftig an.

Pflanztiefe

Radieschen - Raphanus sativusWie tief die einzelnen Gemüsepflanzen eingesetzt werden, ist von der Art des Gemüses abhängig. Viele Gemüsearten sind dazu in der Lage, aus dem Stängel Wurzeln zu bilden, sodass ein schöner, kompakter Wurzelballen entsteht und die Knollen- oder Kopfbildung gefördert wird.

1. Tiefes Einpflanzen bis zu den ersten Keimblättern
  • Paprika und Chili
  • Lauch
  • Tomaten
2. Auf gleicher Höhe einpflanzen (um die Knollenbildung zu fördern)
  • Knollensellerie
  • Fenchel
  • Salat
  • Blumenkohl
  • Kohlrabi

Weitere Vorgehensweise

Damit die jungen Pflanzen gut anwachsen können, ist es wichtig, sie an einen geeigneten Platz zu stellen, insofern sie in einen Topf gepflanzt wurden. Gemüse wie Paprika oder auch Tomaten sollte nach dem Pikieren etwas kühler stehen als bei der Keimung, damit die Pflanzen wegen der schlechten Lichtverhältnisse im zeitigen Frühjahr auf der Fensterbank nicht zu schnell wachsen und dünne, wenig tragfähige Triebe entwickeln.
  • hell, aber ohne direkte Sonne
  • Temperatur: 15 bis 18 Grad
  • leicht feucht halten
Lassen es die Außentemperaturen zu, werden die pikierten Gemüsepflanzen ab etwa Ende April stundenweise ins Freie gestellt. Vermeiden Sie dabei die pralle Sonne und Starkregen, bis sich die Pflanzen akklimatisiert haben.

Welche Pflanzen müssen nicht pikiert werden?

Nicht bei allen Gemüsepflanzen ist ein Pikieren nötig. Werden die Samen gleich zu Beginn in einzelne Töpfe gesät, ist das Pikieren natürlich überflüssig. Für die einzelne Aussaat eignen sich vor allem größere Samen oder auch Gemüsesorten, die empfindlich auf ein Umpflanzen reagieren. Hierzu gehören:
  • Tomaten
  • Gurken
  • Erbsen
  • Kürbis
  • Zucchini