In der unberührten Natur verbünden sich Pflanzen verschiedener Gattungen und Arten, um ihre Abwehrkräfte zu bündeln. Mit dieser Strategie wehren Blumen und Stauden listige Krankheitserreger und Schädlinge effektiv ab. Diese floralen Koalitionen nutzen kundige Hausgärtner, indem sie ihren Gemüsegarten in Mischkultur bewirtschaften. Dieser Ratgeber erklärt alle Zusammenhänge, sich dieser Fachbegriff definiert. Beispiele aus der täglichen Praxis im Garten verdeutlichen, welche Allianzen im Pflanzenreich funktionieren und welche nicht.

Was ist eine Mischkultur? - Eine Definition für Praktiker

Die Faustregel 'Gegensätze ziehen sich an', ist für die menschliche Partnersuche eher ein augenzwinkernder Hinweis. Im Reich der Pflanzen beruht diese Redensart indes auf handfesten Erfahrungen, die sich Generationen von Hausgärtnern erworben haben. Primär finden die gesammelten Erkenntnisse Anwendung im Nutzgarten. Wer einem Anbau nach ökologischen Grundsätzen den Vorzug gibt, baut sein Gemüse in Mischkultur an. Was es damit auf sich hat, bringt die folgende Definition auf den Punkt:

Definition: Mischkultur bezeichnet den gemeinsamen Anbau verschiedenartiger Nutz- und Zierpflanzen, die sich gegenseitig in Wachstum, Gesundheit und Ertrag positiv beeinflussen.

Konkret umschreibt diese Definition, dass Pflanzen sich gegenseitig
fördern können, trotz unterschiedlichen Wachstums und divergierender Ansprüche an die Wasser- und Nährstoffversorgung. Dank verschiedener Durchwurzelungstiefen, kommen sich Pflanzen in Mischkultur nicht gegenseitig ins Gehege. Somit nutzen sie die lokalen Ressourcen optimal aus, ohne den Boden auszulaugen. Dank ihrer Wurzelausscheidungen, ausströmender Gerüche und Wurzelrückstände, stärken Zier- und Nutzpflanzen gegenseitig ihre Abwehrkräfte und bündeln diese gegenüber Krankheiten und Schädlingen.

Im Umkehrschluss bedeuten die Erkenntnisse aus der Mischkultur, dass Pflanzen gleicher botanischer Zuordnung sich gegenseitig negativ beeinflussen. Die nachteiligen Auswirkungen gegen sogar soweit, dass mitunter eine jahrelange Anbaupause einzulegen ist, bis beispielsweise Kohlgemüse oder Rhabarber erneut am bisherigen Standort angepflanzt werden kann. In der gewerblichen Landwirtschaft werden die nachteiligen Folgen einer Monokultur ausgeglichen durch Kunstdünger, Pestizide und andere gesundheits- und umweltschädliche Methoden.

Tipp: Sie fragen sich, warum in der gewerblichen Landwirtschaft die Monokultur nach wie vor dominiert? Zweifellos liegt dieser Umstand am erhöhten Arbeitsaufwand, den die Mischkultur verursacht. Zudem können Fehleinschätzungen im Pflanzplan erhebliche Probleme verursachen, wenn irrtümlich unvereinbare Pflanzenarten im Beet nebeneinander stehen.

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Mischkultur

Da die Vergesellschaftung unterschiedlicher Pflanzenarten sowohl positive als auch negative Folgen nach sich ziehen kann, unterliegt die erfolgsgekrönte Mischkultur verschiedenen Kriterien. Primär stellt eine umsichtige Planung die Weichen für einen erfolgreichen Verlauf. Der Pflanzplan zielt darauf ab, die förderlichen Eigenschaften zu nutzen und zugleich hemmende Faktoren auszuschließen. Zusätzlich zu den Attributen der Pflanzen rücken weitere Aspekte in den Fokus, die eine ertragreiche Mischkultur sicherstellen. Die folgende Übersicht fasst alle wichtigen Voraussetzungen zusammen:
  • Genaue Recherche, welche Pflanzen sich vertragen und welche nicht
  • Standort auswählen, der für alle vorgesehenen Pflanzen geeignet ist
  • Sorgsame Bodenbearbeitung einschließlich umgraben, jäten und organischer Nährstoffzufuhr
  • Aussaat und Pflanzung zum richtigen Zeitpunkt; nicht zu früh und nicht zu spät
  • Wuchshöhen beachten und keine Pflanzen vergesellschaften, die sich gegenseitig beschatten
Garten mit MischkulturHausgärtner nutzen primär die Mischkultur, um auf chemische Pflanzenschutzmittel und Kunstdünger verzichten zu können. Daher kommen bei der Vorbereitung und kontinuierlichen Pflege des Bodens ausschließlich organische Düngemittel zur Anwendung. Mit Kompost, Pferdedung, Hornspänen und Sand bewirken Sie in der Verbesserung des Bodens wahre Wunder. Pflanzenjauchen aus Brennnesseln und Beinwell versorgen das Erdreich zusätzlich mit Stickstoff und wehren bei erhöhtem Befallsdruck pathogene Erreger ab. Mit diesen ökologischen Methoden stärken Sie Ihren Pflanzen den floralen Rücken und optimieren die Voraussetzungen für eine florierende Mischkultur.

Tipp: Die Mischkultur punktet im Garten mit einem dekorativen Vorzug, der während der gesamten Vegetationsperiode für florale Glücksmomente sorgt. Der bunte Reigen aus leckeren Gemüsepflanzen, farbenfrohen Sommerblumen und opulenten Stauden verwandelt den Nutzgarten in einen schmückenden Blickfang.

Beispiele für gute Nachbarschaften

Der Klassiker für eine vorteilhafte Mischkultur ist die Vergesellschaftung von Möhren und Zwiebeln. Möhren schützen ihre Nachbarn vor der Zwiebelfliege und Zwiebeln wehren die Möhrenfliege ab. Ein weiteres Paradebeispiel sind Kaiserkrone und Wolfsmilch. Die Wurzelausscheidungen der Wolfsmilch vergrämen nachweislich Wühlmäuse, die es auf die Zwiebel einer Kaiserkrone abgesehen haben. Die folgende Tabelle stellt Ihnen praxiserprobte Beispiele aus dem Garten vor für eine gelungene Mischkultur:
  • Buschbohnen: Gurken, alle Kohlarten, Kopfsalat, Kohlrabi, Mangold, Radieschen, Rote Beete, Rhabarber, Sellerie und Tomaten
  • Dill: Erbsen, Gurken, Kopfsalat, Möhren, Rote Rüben und Zwiebeln
  • Erbsen: Dill, Gurken, Kohlrabi, alle Kohlarten, Möhren, Radieschen, Salat, Zucchini
  • Gurken: Buschbohnen, Dill, Knoblauch, Kohl, Koriander, Salate, Kümmel
  • Kartoffeln: Dicke Bohnen, Kohlrabi und Spinat
  • Knoblauch: Erdbeeren, Gurken und Möhren
  • Kohl aller Art: Busch- und Stangenbohnen, Erbsen, Gurken, Porree, Möhren, Radieschen, Salat, Sellerie, Spinat und Tomaten
  • Kohlrabi: Bohnen, Erbsen, Kartoffeln, Porree, Radieschen, Rote Beete, Sellerie, Spinat, Spargel und Tomaten
  • Kopfsalat: Bohnen, Dill, Erbsen, Erdbeeren, Gurken, Kohl, Rettich, Radieschen, Spargel, Tomaten und Zwiebeln
  • Lauch (Porree): Erdbeeren, Kohl, Kohlrabi, Möhren, Schwarzwurzeln, Salat, Sellerie und Tomaten
  • Möhren: Dill, Erbsen, Knoblauch, Porree, Radieschen und Tomaten
  • Radieschen: Bohnen, Erbsen, Erdbeeren, Kohl aller Art, Kohlrabi, Möhren, Salate, Spinat und Tomaten
  • Sellerie: Bohnen, Gurken, Kohlarten, Kohlrabi, Porree und Tomaten
  • Spinat: Bohnen, Kartoffeln, Kohl, Radieschen, Rhabarber und Tomaten
  • Rote Beete: Buschbohnen, Dill, Kohlrabi, Zwiebeln
  • Tomaten: Bohnen, Knoblauch, Kohl,
    Porree, Möhren, Salate aller Art, Radieschen, Sellerie und Spinat
  • Zwiebeln: Erdbeeren, Gurken, Möhren, Kohlrabi und Rote Rüben
Für den Anbau von Beerensträucher haben sich die gemeinsame Kultivierung mit Dicken Bohnen, Erbsen, Knoblauch, Senf und Buschbohnen als günstig erwiesen. Brombeeren harmonieren ausgezeichnet mit Süßlupinen, Heidelbeeren favorisieren die Gewöhnliche Scharfgarbe als Nachbar und Himbeeren möchten neben Feldsalat und Knoblauch gedeihen.

Beispiele für schlechte Nachbarschaften

Korrespondierend zur Tabelle mit empfehlenswerten Pflanzennachbarn, wollen wir Ihnen ungeeignete Partnerschaften nicht vorenthalten:
  • Buschbohnen: Erbsen, Knoblauch, Porree und Zwiebeln
  • Erbsen: Buschbohnen, Knoblauch, Porree, Tomaten und Zwiebeln
  • Gurken: Kartoffeln, Radieschen und Tomaten
  • Kartoffeln: Erbsen, Gurken, Rote Rüben, Sellerie und vor allem Tomaten
  • Knoblauch: Buschbohnen, Erbsen und die meisten Kohlarten
  • Kohl aller Art: Erdbeeren, Knoblauch, Kohlrabi und Zwiebeln
  • Kohlrabi: sämtliche Kohlarten
  • Kopfsalat: Petersilie und Sellerie
  • Lauch (Porree): Bohnen, Erbsen und Rote Beete
  • Möhren: Busch- und Stangenbohnen, Kartoffel und Rote Beete
  • Radieschen: Gurken
  • Sellerie: Kartoffeln
  • Spinat: Blumenkohl und Rote Beete
  • Rote Beete: Spinat
  • Tomaten: Erbsen, Gurken und vor allem Kartoffeln
  • Zwiebeln: Buschbohnen, Erbsen und Kartoffeln
Mischkultur Beispiel Tabelle

Fatale Pflanzengemeinschaften

Verschiedene Zier- und Nutzpflanzen einer Gattung sind sich nicht wohlgesonnen. Vermeiden Sie daher eine Mischkultur mit Arten folgender Pflanzengattungen:
  • Kreuzblütler: alle Kohlarten, wie Blumenkohl, Grünkohl oder Chinakohl sowie Kresse, Radieschen, Mairüben oder Senf
  • Hülsenfrüchtler: unter anderem Bohnenarten, Erbsen, Lupinen und Wicken
  • Doldenblütler: beispielsweise Dill, Liebstöckel, Möhren, Petersilie oder Sellerie
Diese Gattungen sind nicht nur vollkommen ungeeignet für eine Mischkultur untereinander. Zudem ist ein zeitlicher Abstand im Anbau dringend zu empfehlen. Nach der Ernte von Blumenkohl warten Sie bitte mindestens 4 Jahre ab, bevor Sie an gleicher Stelle erneut Kohl oder einen anderen Kreuzblütler anpflanzen. Andernfalls haben Krankheiten, wie die gefürchtete Kohlhernie, leichtes Spiel.

Blumen und Kräuter für die Mischkultur

Die folgenden Blumen und Kräuter fördern die Vorzüge einer Mischkultur in mehrfacher Hinsicht. Mit ihren hübschen Blüten verschönern sie den Nutzgarten oder bescheren der Küche frische Kräuter für die Zubereitung von Speisen. Fernerhin locken sie emsige Bestäuber ins Beet, lockern mit ihren Wurzeln den Boden auf, reichern die Erde mit Stickstoff an und wehren Krankheiten sowie Schädlinge ab.

Blumen und Stauden

  • Tagetes fördern die Bodengesundheit
  • Ringelblumen wehren schädliche Nematoden ab sowie Drahtwürmer und Bohnenblattläuse
  • Süßlupinen reichern die Erde mit Stickstoff an
  • Purpurglöckchen und Sonnenhut wehren Schnecken ab
  • Maiglöckchen wird eine heilende Wirkung gegen Fruchtfäule und Beerenkrankheiten nachgesagt
  • Vergissmeinnicht vertreibt den Himbeerkäfer und verdirbt Maden den Appetit

Kräuter

  • Schnittlauch bekämpft mit ätherischen Wurzelausscheidungen Pilzinfektionen, wie Grauschimmel
  • Kamille verbessert die Widerstandskraft gegen Pilzinfektionen, vertreibt Lauchmotten, Nematoden und Thripse
  • Kapuzinerkresse wehrt Ameisen, Läuse, Weiße Fliegen und Raupen ab
  • Lavendel schützt gegen Mehltau und Blattläuse
  • Thymian wirkt abwehrend gegen Schadinsekten, Läuse, Kohlweißlinge, Schnecken und Rehe
Einige Blumen und Kräuter werden in den Pflanzplan für die Mischkultur integriert, um sie zum Schutz von Gemüse zu opfern. So zieht Kapuzinerkresse gefräßige Schnecken magnetisch an. Vergesellschaftet mit Blumenkohl, Rosenkohl, Grünkohl oder Salat, bleiben diese Gemüsepflanzen von den Schädlingen verschont. In eine ähnliche Richtung zieht die Mischkultur mit Kartoffeln und Meerrettich.

Praxis-Beispiel für ein Beet mit Fruchtgemüse

Mischkultur selber anlegenDas folgende Beispiel aus der praktischen Anwendung von Mischkultur verdeutlicht, wie Sie die Tabelle konkret umsetzen in Ihrem Garten. Ein Beet mit 1,20 Metern Breite ist eingeplant für den Anbau von Tomaten und Paprika als Hauptkultur. Als Nebenkulturen wünscht sich die Familie frische Schnittsalate und knackige Radieschen. Ein Blick auf die Tabelle zeigt, dass diese Gemüsearten miteinander verträglich sind. So gehen Sie im Verlauf des Jahres sinnvoll vor:
  • Im Herbst des Vorjahres den Boden umgraben und je Quadratmeter 3-5 Liter Kompost einarbeiten
  • Im Frühjahr das Beet jäten, harken und in 4 Hauptreihen einteilen
  • Zwischen Mitte März und Anfang April in allen Reihen Spinat aussäen oder vorgezogenen Jungpflanzen setzen
  • Ende April zwischen den Hauptreihen Samen aussäen von Radieschen, Schnittsalat und Gartenkresse
  • Nach etwa 6 Wochen Radieschen, Salat und Kresse ernten, wenn Spinat mehr Platz beansprucht
  • Mitte Mai alle Spinatblätter ausreißen
  • In den beiden mittleren Reihen Tomaten pflanzen
  • In den beiden äußeren Reihen Paprika und Peperoni setzen
  • Zwischen den Hauptreihen Tagetes und Ringelblumen aussäen
Wenn im Herbst die Temperaturen unter 15 Grad Celsius fallen, schließt sich das Zeitfenster für die Ernte von Tomaten, Paprika und Peperoni. Unreife Früchte können Sie ernten und im Haus nachreifen lassen. Sind die Pflanzenreste im Beet abgestorben, werden diese entfernt und auf dem Kompost entsorgt. Wenn es die Witterung erlaubt, ist jetzt die beste Gelegenheit, den Boden mit einer winterharten Gründüngung für das nächste Jahr vorzubereiten.

Fazit
Mischkultur ist eine der tragenden Säulen für den naturnahen Anbau im privaten Nutzgarten. Dieses Konzept basiert auf dem Erfahrungsschatz, den Hausgärtner im Laufe von Generationen angesammelt haben. Konkret werden Gemüsepflanzen verschiedener Gattungen und Arten in einem Beet vergesellschaftet, um sich gegenseitig zu fördern in Wachstum, Gesundheit und Ertragskraft. Da es im Umkehrschluss ebenfalls ungünstige Nachbarschaften im Reich der Pflanzen gibt, erfordert der Pflanzplan genaue Kenntnisse über Verträglichkeiten und Unverträglichkeiten. Die hier aufgeführten Beispiele mit Tabelle leisten konkrete Hilfestellung bei der erfolgreichen Umsetzung einer Mischkultur in Ihrem Gemüsegarten.