Großgewachsene, alte Obstbäume zaubern einen besonderen Charme in jeden Garten. Doch machen sie meist nicht nur viel Schmutz, sondern nehmen auch Platz in Anspruch. Diesen steht nicht jedem zur Verfügung. Hier bieten Zwergobst- und Säulenobstbäume eine perfekte Alternative, die sich aber in manchen Punkten im erforderlichen Pflegebedarf von ihren großen Artgenossen unterscheiden. Experten-Tipps sorgen dafür, dass sich Ihr Exemplar prachtvoll entwickelt.

Tipp für den Standort

Ob buschig oder schlank als Säule wachsend, kleine Obstbäume nehmen wenig Platz ein. Vor allem, wenn sie in Kübeln kultiviert werden, passen sie auch auf den kleinsten Balkon. Allerdings ist damit der Standort nicht optimal gewählt und führt dazu, dass Sie der Pflanze mehr Aufmerksamkeit bei der Pflege schenken müssen. Pflanzen Sie einen Zwergobstbaum im Gartenbeet ein, benötigt er nicht mehr Pflege, als ein normaler, großer Obstbaum der gleichen Art.
Ansonsten reichen für gepflanzte und kultivierte Zwergobstbäume bereits folgende Standorteigenschaften aus:
  • Nährstoffreicher Boden
  • Sonniger
    Platz

Beste Pflanzzeit

Für winterharte kleine Obstbäume ist die beste Jahreszeit zum Einpflanzen der Herbst. Sie können sich bis zum Frühjahr gut setzen und in der nächsten Saison direkt mit dem Wachstum beginnen. Über den Winter sollten Jungpflanzen mit einem Winterschutz versehen werden. (Siehe auch: Tipps zum richtigen Überwintern)

Tipps für das Kultivieren

Pflaume - Prunus domesticaBeim Pflanzen in einen Kübel sollten einige Faktoren beachtet werden, damit kleine Obstbäume kräftig, gesund und erntereich gedeihen.

Topf-/Kübelgröße
Bei kleinen Obstbäumen ist es sehr wichtig, dass sich ihre Wurzeln ungehindert ausbreiten können. Aus diesem Grund wird empfohlen, einen Topf zu wählen, der um die 30 Liter groß ist. Grundsätzlich gilt: je größer der Topf/Kübel, desto besser kann sich die Pflanze entwickeln.

Topf/Kübel-Eigenschaften
Verwenden Sie ausschließlich einen Topf/Kübel, der über ein Abflussloch verfügt. Über dieses kann überschüssiges Gieß- und Regenwasser ablaufen. Die Bildung von Staunässe kann auf diese Weise verhindert werden, welche kleine Obstbäume schnell krank werden lässt und die Fruchtbildung negativ beeinflusst.

Drainage
Auf dem Boden des Topfs/Kübels sorgt eine zwei bis fünf Zentimeter hohe Schicht aus Kies, Quarzsand oder Tonscherben für eine Drainage. Dies reduziert ebenfalls das Risiko einer Staunässe-Bildung.

Topferde
Während im Garten Obstbäume in der Regel keine großen Ansprüche an die Bodenbeschaffenheit stellen, sollte diese bei kleinen Obstbäumen im Topf/Kübel mehrere Bedingungen erfüllen. Das liegt daran, dass sich die Wurzeln von Freiland-Bäumen deutlich weitreichender aus dem Boden versorgen können. Bei Topfpflanzen sind diese auf das angewiesen, was Sie ihnen bereitstellen. Folgende Tipps sollten bei der Topf- und Kübelerde berücksichtigt werden:
  • Mix aus herkömmlicher Blumenerde, hochwertigem Substrat und ein wenig Sand
  • Besonders nährstoffreich
  • Hornspäne verbessert die Langzeitversorgung mit Nährstoffen
  • Eingearbeitetes Rindenmulch lässt die Erde langsamer austrocknen

Tipps zum Umtopfen kleiner Obstbäume

Häufigkeit
Umgetopft in komplett frische Erde werden sollte ein kleinwüchsiger Obstbaum alle drei bis fünf Jahre. Ein schlank wachsender Säulenobstbaum wird etwa alle vier Jahre umgetopft. Voraussetzung ist, dass die Pflanzen bis dahin über ausreichend Platz im alten Topf/Kübel verfügen. Ist dies nicht der Fall oder macht eine Erkrankung ein Umtopfen erforderlich, ist dieses selbstverständlich vorzuziehen. Einmal im Jahr ist ein Austausch der oberen Erdschicht vorteilhaft.

Wurzeln schneiden
Das Umtopfen ist der ideale Moment, die Wurzeln eines kleinen Obstbaums zu schneiden. Der Schnitt ist empfehlenswert, weil es die Wurzeln stärkt und kräftig weiterwachsen lässt. Doch Vorsicht, denn ein zu starker Wurzelschnitt kann sich auf die Kronengestaltung auswirken. Einige wenige Zentimeter sind ausreichend. Vor allem sollte auf einen zu starken Beschnitt dicker Wurzeln verzichtet werden. Hier sollten Sie lediglich die Spitzen abtrennen. Optimal ist der Wurzelschnitt gelungen, wenn sie in alle Richtungen einen Abstand zwischen drei und fünf Zentimeter zum Topf/Kübel besitzen.

Tipps zum Gießen kleiner Obstbäume

Apfel - MalusIm Kübel trocknet ein kleiner Obstbaum deutlich schneller, als in der Gartenerde, wo er womöglich noch neben schattenspendenden Pflanzen steht, welche die Bodenumgebung insgesamt weitläufiger feuchter halten. Aus diesem Grund besitzt der kultivierte Obstbaum in der Regel einen spürbar höheren Wasserbedarf. Eine tägliche Kontrolle ist im Sommer Pflicht, da ein Austrocknen bei den kleinen Exemplaren zügig zu Vertrocknungen führen und sich dies auf das Wachstum gravierend äußern kann. Um den richtigen Moment zum Gießen herauszufinden, können Sie wie folgt vorgehen:
  • Daumen in die Erde drücken
  • Lässt er sich weniger als zwei Zentimeter eindrücken - Gießbedarf
  • Lässt er sich mehr als zwei Zentimeter eindrücken - kein Gießbedarf

Tipps zum Düngen von kleinen Obstbäumen

Gartenbäumchen in der Erde müssen nicht oft gedüngt werden. Ein wenig Kompost in jedem Frühjahr unterstützt das gesunde Wachstum.
Bei Kübelpflanzen ist ein Düngen hingegen ratsam, wie folgend beschrieben:
  • März/April Düngung mit speziellem Obstdünger
  • Im Juni nachdüngen
  • Später als August auf keinen Fall düngen, da ansonsten die Verholzung im Herbst nicht ideal verlaufen kann

Tipps zum Schneiden kleiner Obstbäume

Zwergobstbäume
Im Gegensatz zu den großen Artgenossen werden Zwergobstbäume häufiger und kürzer geschnitten. Verschiedene geeignete Schnitttechniken beziehen sich auf die des herkömmlichen Obstbaums und ähneln denen aus der Bonsai-Pflege.
  • Erster Schnitt erfolgt immer kurz vor dem Austrieb
  • Alle Äste regelmäßig abschneiden, die sich überkreuzen, parallel oder nicht nach außen wachsen (fördert dichtes Wachstum und Ernte)
  • Schnitt immer oberhalb von Knospen ansetzen - nie zwischen zwei Knospen (erhöht das Infektionsrisiko)
  • In der ersten Zeit unteren Kronenbereich nicht beschneiden (sorgt für dickere Äste)
  • Letzter Schnitt spätestens im August,
    damit im Herbst die Verhärtung des Holzes optimal funktioniert
  • Verschließen Sie Schnittwunden mit Kohlepulver oder speziellem Wundharz aus dem Fachhandel
Säulenobstbäume
Anders als bei Zwergobstbäumen müssen diese deutlich weniger geschnitten werden. Sie halten in der Regel ihre schlanke Form. Sollte dennoch ein Schneiden erforderlich werden, halten Sie sich an folgende Anleitung:
  • Triebe auf maximal zehn Zentimeter Länge zurückschneiden
  • Mitteltrieb bei zu hoher Größe auf gewünschte Höhe kürzen
  • Nur im Sommer und/oder Winter schneiden

Tipps zum richtigen Überwintern

Kirschbaum - SauerkirscheDie kleinen Versionen normaler Obstbäume in deutschen Gärten sind in der Regel ebenso winterhart, wie ihre großen Verwandten. Ob Zwetschgen, Kirsche oder Apfel, einen besonderen Winterschutz benötigen diese auch in Kleinformat nicht, sofern sie in der Gartenerde eingepflanzt sind. Anders kann es bei Exemplaren aussehen, die in einem Kübel kultiviert sind. Hier wirkt die Winterkälte deutlich mehr auf die Bäumchen, wodurch sich das Risiko von Erfrierungen erhöht. Deshalb sollten Sie Ihr Obstbäumchen entweder im frühen Herbst in das Gartenbeet pflanzen oder für die Kübelpflanze spezielle Vorbereitungen treffen, wie
  • Kübel nie direkt auf den kalten Boden stellen, sondern eine Isolierschicht aus Styropor oder Holz dazwischen legen
  • An einen windgeschützten Standort stellen
  • Ideal ist ein leichter Regenschutz unter einem Vordach, damit bei Frosteinbruch nicht die Erde vollständig gefriert
  • Kübel bei eisigen Temperaturen mit Jute oder dicker Plastikfolie ummanteln
  • Stroh, Reisig oder Laub zum Abdecken des Wurzelbereichs in den Kübel legen
  • Jungpflanzen immer im Winter mit einem Pflanzenvlies oder Reisig schützen
  • Oder alternativ zu den Wintermaßnahmen Umzug in ein helles Winterquartier mit Temperaturen um den Gefrierpunkt vornehmen

Tipps zu Krankheiten und Schädlingen

Wurzelfäule
Obstbäume sind auch in kleiner oder schlanker Wuchshöhe recht robust gegenüber Krankheiten und Schädlingen. Bei Exemplaren im Kübel besteht allerdings ein höheres Risiko von Staunässe, die schnell zu einer Wurzelfäule führen kann. Ein muffeliger Geruch, der aus der Erde emporsteigt, hängende, gelbe Blätter, Verlust der Triebstabilität sowie abfallende Knospen sind typische Anzeichen einer Wurzelfäule. Wenn Sie diese schnell genug erkennen, stehen die Chancen mit dem folgenden Tipp gut, Ihr Obstbäumchen retten zu können:
  • Topfen Sie die Pflanze sofort aus
  • Befreien Sie die Wurzeln so gut wie möglich von der feuchten Erde
  • Legen Sie die Wurzeln an einen trockenen, hellen Platz, aber nicht in die direkte Sonne oder auf eine Heizquelle
  • Nach rund einem Tag schneiden Sie besonders verweichte Wurzelteile bis in den härteren Bereich zurück
  • Schimmelige Wurzelteile sind vollständig zu kürzen
  • Bei den restlichen Wurzeln nur leicht die Spitzen um zwei bis drei Zentimeter abschneiden
  • Anschließend zurück in den Kübel mit frischer, trockener Erde einpflanzen
  • Nur leicht angießen und für sieben bis zehn Tage nur minimalen Wasserbedarf decken
  • Nach 14 Tagen gegebenenfalls den Obstbaum ein wenig beschneiden
Blattläuse
Blattläuse können zu einer echten Plage auch bei kleinen Obstbäumen werden. Die schwarzen, bräunlichen oder grünlichen Parasiten sind meist an ihrer Kolonienbildung an den Stängel zu erkennen. Auf den Blättern bildet sich ein klebriger Belag (Honigtau), der durch die Ausscheidungen entsteht. Sie saugen den Pflanzensaft aus den Blättern, die vergilben, verkümmern und abtrocknen. In jedem Fall geht ein unbehandelter Blattlausbefall mit Einbußen in der Ernte einher. Eine Bekämpfung ist leicht mit einem Hausmittel zu erledigen:
  • Stellen Sie eine hochkonzentrierte Seifenlauge her
  • Verwenden Sie eine Seife ohne Zusatzstoffe (Neutral- oder Schmierseife)
  • Füllen Sie die Lauge in eine Sprühpumpe
  • Sprühen Sie damit die Pflanze von allen Richtungen und unter den Blättern tropfnass ein
  • Wiederholen Sie den Vorgang im Bedarfsfall nach einigen Tagen
  • Spritzen Sie die Pflanzen danach gut mit klarem Wasser ab, wenn keine Blattläuse mehr vorhanden sind