Apfelbäume gehören neben den Kirschbäumen zu den Klassikern in unseren Gärten. Wer sie nicht nur zur Zierde haben möchte, sondern auch eine reiche Ernte einfahren möchte, kommt um das Thema Schädlinge nicht herum. Diese zu bekämpfen ist zwingend erforderlich. Zuvor muss man sie allerdings erst einmal entdecken und identifizieren. Denn: Nicht alle Schädlinge lassen sich auf dieselbe Weise vernichten.

Grundlegendes

Kaum ein Apfelbaum hierzulande, der nicht früher oder später von Schädlingen befallen wird. Sie gehören gewissermaßen dazu. Im Prinzip sind Schädlinge auch kein Beinbruch. Man muss sie nur rechtzeitig erkennen und die nötigen Gegenmaßnahmen Einleitung. Das erfordert natürlich Aufmerksamkeit und eine regelmäßige Kontrolle. Die grundlegende Aufgabe bei der Bekämpfung von Apfelbaumschädlingen ist deshalb stets die optische Überprüfung des gesamten Baums. Anders ausgedrückt: Er muss in relativ kurzen Abständen gezielt abgesucht werden. Das betrifft alle Teile des Baumes. Schädlinge können sich konkret an folgenden Stellen einnisten und ausbreiten:
  • Stamm
  • Äste und insbesondere Astspitzen
  • Blätter
  • Blüten
  • Fruchtansätze
  • Früchte (Äpfel)
Zugegeben, es macht insbesondere bei größeren Bäumen reichlich Mühe und kostet Zeit,
die intensive Überprüfung durchzuführen. Es  lohnt sich allerdings auch. Dabei gilt stets: Umso früher Schädlinge am Apfelbaum erkannt und bekämpft werden, desto größer sind die Chancen, ihn nachhaltig davon zu befreien. Einer der häufigsten Schädlinge, der sogenannte Apfelwickler, kann seine Population beispielsweise innerhalb eines Jahres verzehnfachen. Rechtzeitiges Handeln ist da dringend geboten, will man nicht seine komplette Ernte den Tieren überlassen.

Tipp: Um vor allem größere Bäume nach Schädlingen absuchen zu können, empfiehlt es sich mit einer Leiter in den Baum einzusteigen. Nur die unteren Partien zu kontrollieren reicht jedenfalls nicht aus.

Schädlinge

Apfelbäume können auf vielerlei Arten zu Schaden kommen - durch Sturm und Hagel beispielsweise, durch Krankheiten oder durch Frost. Das größte Problem aber sind zweifellos die diversen Schädlinge, von denen sie befallen werden. Dabei handelt es sich vornehmlich um Insekten und bestimmte Würmer. Um diese wirksam bekämpfen zu können, ist es von großer Bedeutung sie genau zu identifizieren. Nachfolgend werden deshalb die am häufigsten vorkommenden Apfelbaumschädlinge aufgelistet und beschrieben, woran man sie erkennt bzw. wie man sie bekämpft. Die Auflistung erfolgt dabei in alphabetischer Reihenfolge.

Apfelblütenstecher (Anthonomus pomorum)

ApfelblütenstecherBeim Apfelblütenstecher handelt es sich um eine Käferart, die zur Familie der Rüsselkäfer gehört. Die Eiablage erfolgt in den Knospen. Die Larven des Apfelblütenstechers fressen dann Höhlungen in die Knospen des Apfelbaums, was dazu führt, dass sich diese nicht mehr öffnen kann. Außerdem schneiden und fressen die Tiere die Blütenblätter an. Die Folge: Es erfolgt häufig keine Fruchtausbildung mehr.

Erkennen
Einen Befall mit Apfelblütenstechern kann man im Prinzip nur an einer rotbraunen Verfärbung der Blätter erkennen.

Bekämpfen
Die Bekämpfung dieses Schädlings ist ohne den Einsatz von Insektiziden kaum möglich. Als überaus wirksam hat sich dabei das Mittel "Calypso" erwiesen. Darüber hinaus sollten abgestorbene Knospen und Blüten sofort entfernt werden. Da Vögel die natürlichen Fressfeinde des Apfelblütenstechers sind, kann es auch Sinn machen, diesen einen Nist- oder Futterplatz direkt im Baum anzubieten. In der Regel tritt ein Befall mit Apfelblütenstechern übrigens nur an Apfelbäumen auf, die sich in unmittelbarer Nähe eines Waldes befinden, da dort die erwachsenen Tiere siedeln.

Apfelrostmilbe (Aculus schlechtendali)

Die Apfelrostmilbe gehört zu einer Milbenart, die erst in den 1980er Jahren hierzulande auftrat. Sie saugen vornehmlich Pflanzensäfte aus den Unterseiten der Blätter eines Apfelbaums, was bei einem starken Befall nicht nur zur Verfärbung der Blätter, sondern auch zu einem deutlich verminderten Ertrag an Früchten führt.

Erkennen
Die Apfelrostmilbe und ihre Eier sind extrem klein und in der Regel mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Eine bräunliche Verfärbung der Blattunterseiten deutet allerdings relativ klar auf einen akuten Befall hin.

Bekämpfen
Apfelrostmilben lassen sich nur durch das Spritzen eines biologischen Schädlingsbekämpfungsmittels aus dem Fachhandel bekämpfen. Wichtig ist bei diesem Schädling vor allem die Vorbeugung. Befallene, braun verfärbte Blätter sollten deshalb ab etwa Mitte Juni direkt vom Baum entfernt und entsorgt werden. Am besten geschieht das durch Verbrennen. Ähnlich verhält es sich mit den Hinterlassenschaften aus dem Herbst- bzw. Winterschnitt.

Apfelsägewespe (Hoplocampa testudinea)

Die Apfelsägewespe gehört zu den sogenannten echten Blattwespen. Auch bei diesem Schädling sind die Larven bzw. die Raupen das eigentliche Problem. Sie bohren sich nämlich spiralartig in den Fruchtkörper
ein.

Erkennen
Einen Befall mit diesem Schädling erkennt man am leichtesten an den Raupen, die sich an der Oberfläche der Äpfel tummeln. Sie weisen eine weißgelbe Färbung auf und haben einen dunkelbraunen Kopf. Charakteristisch sind die zehn Beinpaare sowie ein intensiver Wanzengeruch. Einen Hinweis geben auch bereits befallene Früchte, da diese in der Regel kleiner bleiben als nicht befallene, sich dunkel verfärben und an der Oberfläche eine relativ auffällige Behaarung ausbilden.

Bekämpfen
Eine Bekämpfung der Apfelsägewespe ist in der Regel nur dann nötig, wenn der Befall ausgesprochen stark ist. Sind hingegen nur einzelne bzw. wenige Früchte betroffen (weniger als zehn) kann das als völlig normal gelten. Die einzige Möglichkeit, diesen Schädling nachhaltig loszuwerden ist das Spritzen eines biologischen Insektizids wie beispielsweise "Quassin", das aus der Bitteresche gewonnen wird.

Apfelwickler (Cydia pomonella)

ApfelwicklerDer Apfelwickler ist ein Schmetterling bzw. ein Nachtfalter. Problematisch sind allerdings nicht die erwachsenen Tiere, sondern deren Larven und Raupen, die sich über die Fruchtspitze des Apfels oder auch direkt zum Kerngehäuse durchfressen. Der Apfelwickler ist neben den Blattläusen der am häufigsten auftretende Schädling bei Apfelbäumen.

Erkennen
Die Bekämpfung der Apfelwickler sollte in einem möglichst frühen Stadium erfolgen und nicht erst, wenn sich die Raupen ausgebildet haben. Einen möglichen Befall erkennt man in diesem Stadium am ehesten durch die Eier. Die Weibchen legen ihre Eier nämlich an der Oberfläche eines Apfels ab, an der sie dann haften bleiben. Die etwa einen Millimeter großen Eier haben eine weiße, fast transparente Farbe, sind relativ flach bzw. rund und weisen im oberen Bereich  eine beinahe linsenartige Formung auf. Die geschlüpften Larven wiederum changieren farblich zwischen weiß und gelb, sind anfangs ungefähr zwei Millimeter lang und können eine Länge von bis zu 20 Millimetern erreichen. Sie sind an ihrem schwarzen Kopf und der rötlichen Einfärbung, die sie im letzten Larvenstadium annehmen, relativ leicht zu erkennen.

Bekämpfen
Die Art der Bekämpfung hängt beim Apfelwickler von der Intensität des Befalls ab. Um festzustellen, wie stark diese ausgeprägt ist, empfiehlt sich das Anbringen eines sogenannten Pheromonfallens, an der sich der Grad des Befalls ablesen lässt. Die Fallen sind im Gartenfachhandel oder im Baumarkt erhältlich. Bei einem eher leichten Befall reicht es häufig schon aus, die natürlichen Fressfeinde des Apfelwicklers wie etwa Wanzen, Schlupfwespen, Ohrwürmer oder Vögel zu fördern. Dazu schafft man am besten Nist- und Futtermöglichkeiten für die Tiere, die sich direkt im Baum befinden. Für Wanzen und Ohrwürmer etwa bietet sich ein mit Holzwolle gefüllter Tontopf an, der verkehrt herum an einen Ast gehängt wird. Vögel wiederum können auch im Sommer leicht durch ein Futterhäuschen angelockt werden. Liegt hingegen bereits ein stärkerer Befall vor hilft nur das Spritzen eines biologischen Schädlingsbekämpfungsmittels, das es ebenfalls im Fachhandel gibt. Das Spritzen muss dabei mehrfach erfolgen, da Apfelwickler bis zu dreimal im Jahr Eier legen.

Hinweis: Das oftmals empfohlene Legen eines Leimrings um den Stamm, an dem die Schädlinge kleben bleiben, reicht beim Apfelwickler nicht aus, da sie die Früchte direkt anfliegen und nicht am Stamm hochklettern.

Blattlaus/Mehlige Apfelblattlaus

BlattlausBlattläuse sind kleine Insekten, die eine Größe von maximal sieben Millimetern erreichen können. Sie ernähren sich durch Pflanzensäfte, die sie vornehmlich aus den Blättern saugen. Eine Ausnahme bildet die mehlige Apfelblattlaus, die vor allem Saft aus den Früchten saugt. Die Schäden, die durch herkömmliche Blattläuse am Apfelbaum entstehen können sind relativ gering. Die Bekämpfung kann sich deshalb auf die  mehlige Apfelblattlaus beschränken.

Erkennen
Einen Befall mit Apfelblattläusen zu erkennen ist alles andere als einfach. Die Tiere sind nämlich ausgesprochen klein. Man muss folglich schon sehr genau hinschauen, um sie zu finden. Grundsätzlich nimmt man dafür einzelne Früchte unter die Lupe. Apfelblattläuse können sowohl eine mehlig-weiße Färbung aufweisen als auch blau oder grün sein.

Bekämpfen
Die natürlichste Weise, Apfelblattläuse zu bekämpfen besteht darin, ihre natürlichen Fressfeinde im Baum anzusiedeln. Dazu gehört vor allem der Marienkäfer. Durchaus wirkungsvoll sind auch diverse Hausmittel wie etwa das Besprühen des Baumes mit Milch, Seifenlösungen oder auch einem Brennnesselsud. Zeigt all das keine Wirkung muss man zwangsläufig auf Schädlingsbekämpfungsmittel aus dem Fachhandel zurückgreifen.

Frostspanner (Erannis defoliaria)

Großer Frostspanner - Erannis defoliaria - männlichDer Frostspanner ist eine Schmetterlingsart, die ihre Eier gerne in Obst- bzw. Apfelbäumen
ablegt. Nach dem Schlüpfen beginnen die Larven bzw. Raupen Blätter und Blüten zu fressen - je nach Befall bis hin zum Kahlfraß.

Erkennen
Angefressene Blätter, Blüten oder auch Früchte sind ein deutlicher Hinweis auf einen Befall mit dem Frostspanner. Zudem zeigt sich sehr häufig auch eine spezielle Konstruktion, bei der Blütenknospen und Blätter ineinander verwoben sind.

Bekämpfen
Ein akuter Befall mit Frostspannern lässt sich nur mit Insektiziden bekämpfen. Dafür eignen sich grundsätzlich alle Mittel, die zum Einsatz gegen beißende oder saugende Insekten konzipiert worden sind. Sinnvoller ist es allerdings einem Befall vorzubeugen. Dazu legt man bereits im Herbst (Oktober) einen Leimring um den Baumstamm. Die trächtigen Weibchen sind nämlich mehr oder weniger flugunfähig und müssen den Stamm hochklettern, um an ihr Ziel zu gelangen. Auf dem Weg dorthin bleiben sie an dem Ring kleben, es kommt zu keiner Eiablage.

Gespinstmotte (Yponomeutidae)

GespinstmotteBei der Gespinstmotte handelt es sich um eine Mottenart, die mit einer gewissen Vorliebe ihre Eier in Obst- und vor allem in Apfelbäumen ablegt. Die geschlüpften Larven bzw. Raupen fressen dann die Blätter bis hin zum totalen Kahlfraß.

Erkennen
Ein Befall mit Gespinnstmotten ist leicht an den hellen bzw. weißen Gespinnsten zu erkennen, die sich am Baum ausbilden. In ihnen leben die Raupen.

Bekämpfen
Die Bekämpfung der Gespinnstmotte ist sehr einfach. Es reicht einfach aus, die Gespinnste inklusive Raupen mit der Hand komplett zu entfernen.

Rote Spinne (Panonychus ulmi)

Bei der roten Spinne, die gerne auch Obstbaumspinnmilbe genannt wird, handelt es sich um eine typische Milbenart. Sie ernährt sich vom Pflanzensaft und bohrt daher die Blätter des Apfelbaums an.

Erkennen
Um einen Befall mit der roten Spinne zu erkennen, muss man sich die Blätter des Baumes genau ansehen. Dort lassen sich dann die Einstichstellen der Milben ausmachen. Diese Einstiche sind meist dunkel verfärbt. Ein deutlicher Hinweis kann auch sein, wenn sich die Blätter plötzlich einrollen oder gar abfallen. In einem späteren Stadium kann sich an den Blattoberflächen auch gelb-rötlicher Schimmel ausbilden.

Bekämpfen
Die Bekämpfung der roten Spinne erfolgt über Pflanzenschutzmittel bzw. Insektizide oder durch ihre natürlichen Fressfeinde. Zu denen gehören insbesondere Raubmilben, Raubwanzen, Florfliegen und nicht zuletzt auch die Marienkäfer.