Nutzgarten - Selbstversorgung aus dem eigenen Garten-Anbau

Selbstversorgung aus dem GartenDie Planung eines Nutzgartens ist mit etwas Aufwand verbunden. In den meisten Fällen muss im Vorfeld der Boden verbessert und sogar ein paar Bäume gefällt werden. Liegt der Nutzgarten nicht direkt am Haus, so gilt es, ein paar wichtige Grundvoraussetzungen zu schaffen, damit der Garten nicht mehr Arbeit macht als unbedingt notwendig. Damit kein Dünger in großen Mengen oder gar Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden müssen, ist vor allem eines notwendig: ausreichend große Flächen, die nicht zu intensiv genutzt werden dürfen und

immer wieder Zeit für die Regeneration des Bodens bekommen.

Steckbrief
  • Nutzgärten werden auch Selbstversorgergärten genannt
  • Anbau von Obst, Gemüse, Salaten, Kräutern zur Selbstversorgung
  • kann getrennt vom Ziergarten liegen oder sich in ihn einfügen
  • Anbau meist in normalen Gartenbeeten
  • auch in Pflanzgefäßen oder Hochbeeten möglich
  • hoher Zeitaufwand
  • harte körperliche Arbeit
Platzbedarf

Für den Anfang reichen etwa 30-50 Quadratmeter für einen Neuling auf dem Gebiet Nutzgarten aus. Die Fläche sollte nach den ersten Erfahrungen dann erweitert werden auf 50 Quadratmeter pro Person, wobei hier keine Unterschiede zwischen Erwachsenen und Kindern gemacht werden. Das bedeutet: Für eine Familie von zwei Erwachsenen und drei Kindern ist eine Fläche von etwa 250 Quadratmetern notwendig. Wer sich wirklich komplett selbst versorgen möchte, benötigt je nach Bodenbeschaffenheit etwa 150 qm/Person.

Tipp: Für angehende Selbstversorger gilt: Nehmen Sie sich am Anfang nicht zu viel vor. Wer alleine eine zu große Fläche bearbeiten will, ist schnell überfordert!

Gute Planung ist Voraussetzung

Wenn Sie einen Nutzgarten planen, sollten Sie sich über einige Dinge klar werden. Nicht jedes Gemüse wächst auch auf jedem Gartenboden gleich gut. Zudem ist bei vielen Gemüsearten zu beachten, dass eine bestimmte Pflanzfolge (Fruchtfolge) eingehalten werden muss. Auch die Nachbarschaft zu anderen Nutzpflanzen kann über Gedeih oder Verderb der Gemüsepflanze entscheiden. So ist es wichtig, sich im Vorfeld eingehend mit dem Thema auseinanderzusetzen. Einfach drauf los pflanzen bringt meist nicht den gewünschten Erfolg und führt zu Krankheitsbefall oder Missernten.
  • Auswahl der passenden Obst- und Gemüsearten
  • Lage des Grundstücks
  • Bodenbeschaffenheit
  • Klimabedingungen
Bodenbeschaffenheit und Qualität

Gemüsegarten im NutzgartenVor der Anlage eines Nutzgartens wird dem Gartenboden die meiste Aufmerksamkeit gewidmet. Nur die wenigsten Gartenböden sind völlig ungeeignet oder wirklich perfekt für den Anbau von Gemüse und Obst. Meist kann die Bodenbeschaffenheit durch einfache (aber arbeitsintensive) Maßnahmen verbessert werden.
  • sandige Böden durch Kompost aufwerten
  • lehmhaltige Böden mit Sand und Kompost verbessern
  • eventuell zu saure Böden kalken
  • tiefgründig umgraben
Bewässerung und Versorgung

Die Bewässerung eines Selbstversorgergartens ist ebenso wichtig wie geeignete Bodenverhältnisse. Bei zu hohem Grundwasserspiegel stehen zusätzlich Maßnahmen zur Entwässerung an. Bewässerungsmöglichkeiten:
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  • Trinkwasseranschluss
  • Regentonnen
  • Regenwassertank
  • Brunnen
Tipp: Liegt der Selbstversorgergarten nicht in direkter Nachbarschaft des Wohnhauses, haben sich Gartenhäuser bewährt. Hier können Utensilien wie Gartengeräte oder Dünger vor Witterungseinflüssen geschützt gelagert werden. Auch ein Stromanschluss erweist sich als vorteilhaft.

Lage des Grundstückes

Entscheidend für den Anbau von Gemüse und Obst ist natürlich auch die Lage des Gartens. Da die meisten Pflanzen sonnige oder halbschattige Standorte bevorzugen, wirken sich Nordlagen oder eine Beschattung durch hohe Bäume in der Nachbarschaft stark ertragsmindernd aus. Günstige Lagen sind:
  • Südwestausrichtung
  • Südausrichtung
  • Südostausrichtung
Tipp: Hanglagen sind sehr arbeitsintensiv. Diese sollten terrassenförmig begradigt werden. Dazu ist in der Regel jedoch sehr viel

neue Erde notwendig.


Klein anfangen

Wer sich anfangs nicht zu viel vornimmt und langsam seinen Nutzgarten aufbaut, profitiert davon in mehrfacher Hinsicht. Zum einen wird die Bodenbeschaffenheit bei jährlicher Aufarbeitung ständig an Qualität zunehmen und die Erträge wie von selbst steigen. Zudem gewinnt auch der Gärtner permanent an Erfahrung, was wiederum dem Garten zugutekommt. Zunächst sollten daher nur einige wenige Flächen intensiv genutzt werden. Dann bleibt auch Zeit, sich in weniger arbeitsintensiven Phasen um weitere Beete im Garten zu kümmern und diese schon einmal für eine Herbstpflanzung oder das Folgejahr vorzubereiten.

Auswahl der Sorten

BohnenSchon zu Beginn sollten Obstbäume oder -sträucher angepflanzt werden. Sie benötigen ein paar Jahre, um zu wachsen und eine akzeptable Ernte zu gewährleisten. Mit ihnen können wunderbar Beete beschattet werden, in die später sonnenempfindliche Gemüsesorten gepflanzt werden. Zur Auswahl der Sorten sind einige Überlegungen anzustellen. Zunächst stellt sich natürlich die Frage, welche persönlichen Vorlieben bestehen.
  • Welche der bevorzugten Obst- und Gemüsesorten wachsen gut in dieser Region?
  • Welche Pflanzen sind empfindlich gegenüber Frost oder Wind?
  • Welche Lichtverhältnisse benötigen die einzelnen Pflanzen?
  • Welche Flächen liegen im Schatten, welche in der Sonne?
  • Müssen Bäume oder Pflanzen entfernt werden, weil sie stören (Schatten oder Wurzeln)?
  • Wie ist die Bodenbeschaffenheit?
  • Wie viel soll von welcher Sorte angepflanzt werden?
  • Welche Pflanzen vertragen sich untereinander gut?
Verbrauch kalkulieren

Es ist sicherlich schwierig, im Vorfeld zu berechnen, wie viel Obst und Gemüse verzehrt wird. Hier eine Statistik über den Pro-Kopf-Verbrauch, an dem Sie sich orientieren können:
  • Äpfel: 9,0 kg
  • Erdbeeren: 1,7 kg
  • Birnen: 1,4 kg
  • Tomaten: 7 kg frisch, etwa 24 kg verarbeitet
  • Möhren: 8 kg
  • Zwiebeln: 7 kg
  • Gurken: 6-7 kg
  • Erbsen und Bohnen: 3 kg
  • Kohlarten: 10 kg
  • Salat: 3 kg
  • Sellerie und Porree: je 2 kg
  • Spinat: 1 kg
Grundriss und wichtige Elemente des Nutzgartens

ApfelbaumAm besten kann die Aufteilung des Grundstückes mittels einem Plan auf Papier gezeichnet werden. Hierbei werden alle örtlichen Gegebenheiten schon mit eingezeichnet.
  • Obstbäume, Hecken, Sträucher
  • Kräuterbeet
  • Gemüsebeete
  • Kompost
  • Gartenhäuschen (Schuppen)
  • Gartenwege
  • Gewächshaus
Beete planen

Wichtig ist auch, dass die Beete möglichst von allen Seiten gut zugänglich sind. Geeignete Breiten für Beete liegen bei 60, 100 oder 120 Zentimetern. Dazwischen werden befestigte oder auch unbefestigte Wege mit einer Breite von 30 Zentimetern eingeplant.
  • Pflanzabstand für Obstbäume: mindestens 6 Meter
  • Pflanzabstand für Beerensträucher: mindestens 1,5 Meter
  • Obstbäume nie direkt neben die Beete pflanzen
  • Kompost in Beetnähe aber weit entfernt vom Haus
  • Kräuterbeet in Hausnähe
Ist der Nutzgarten planungstechnisch mit den wichtigsten Elementen versehen, dann kann jetzt dazu übergegangen werden, einen Gemüseanbauplan zu erstellen. Hierzu sind Fruchtwechsel, Fruchtfolge und Verträglichkeit der Gemüsepflanzen mit den direkten Nachbarn zu berücksichtigen.

Tipp: Achten Sie darauf, dass Sie bei der Auswahl der Pflanzen die Reife (Ernte) über das ganze Jahr verteilen. Es gibt auch einige Gemüsearten, die bis in den Anfang des Folgejahres im Beet verbleiben können. So gibt es immer etwas Frisches zu ernten.

Fazit

Die Selbstversorgung aus dem eigenen Garten ist vor allem mit sehr viel Arbeit, Zeit und einem stark eingeschränkten Angebot verbunden. Nicht alle beliebten Obst- und Gemüsesorten können auch wirklich angebaut werden und sind zudem auch nicht über das ganze Jahr frisch verfügbar. Doch wer erst einmal damit begonnen hat, sein eigenes Obst und Gemüse anzubauen, wird selten zur vorherigen Lebensweise zurückkehren wollen.