Japanischer Staudenknöterich - x Wege zur Bekämpfung

KnöterichDer Japanische Staudenknöterich ist Nr. 37 auf der weltweiten Liste der invasiven Neobioten, auch in Ihrem Garten wird er von günstigen Standorten aus Übernahmeversuche starten. Durch Bekämpfung ausrotten wird schwer, aber Zurückdrängen können Sie ihn durchaus erfolgreich, durch verschiedene Maßnahmen und mit etwas Geduld:

Einordnung, Aussehen und Verwechslungsmöglichkeiten

Der Japanische Staudenknöterich gehört zur Familie der Knöterichgewächse und zur Gattung der Flügelknöteriche (Fallopia), sein wissenschaftlicher Name ist Fallopia japonica.

Japanischen Staudenknöterich erkennen:
  • Der Fallopia japonica ist an einem besonderen Merkmal gut

    zu erkennen: Der Stängel wächst im Zickzack, alle paar Zentimeter ein mehr oder weniger deutlicher Knick
  • An den Knick-Stellen setzen die Blätter an, die etwa die Form eines Lindenblatts haben, aber bis zu 18 cm lang werden können
  • Diese Blätter sind nicht länglich und leicht gewellt wie bei anderen Knöterichen, sondern kürzer und enden in einer geraden Linie, annähernd rechtwinklig zum Blattstiel
  • Oben außen (lichtnah) bilden sich im August in den Blattachseln längliche Blütenstände mit vielen kleinen cremeweißen Blüten
  • Sie legen sich die Stängel entlang oder stehen am Stängel senkrecht in die Höhe
  • Die sommergrüne, ausdauernde krautige Pflanze wächst sehr schnell
  • Ein größerer Japanischer Staudenknöterich bildet eine einzige wuchernde grüne Blattmasse
  • Im Spätherbst zieht die Pflanze ein, die Laubblätter werden gelb
  • Dann fallen die Blätter, zurück bleibt ein Wald von aufrechten Trieben und trockene Blattmasse am Boden: www.gigl.org.uk/GiGLer/wp-content/uploads/2013/12/Knotweed_growth.jpg
  • Die oberirdischen Teile sterben beim ersten Frost ab
  • Im Frühling erscheinen aus den Rhizomen neue Stängel, die anfangs aufrecht wachsen: thegardenat485elm.org/wp-content/uploads/2015/05/SXC-800px-Fallopia_japonica_-_Japanese_knotweed_Japanintatar_Parkslide_C_IMG_6997.jpg
  • Das Bild zeigt sehr gut, dass das Zickzack nicht immer deutlich ausgeprägt ist
  • Die dicken hohlen Stängel („Rameten“) bilden sich oft nesterweise: upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/0c/Fallopia-japonica%28Staude%29.jpg
  • Der aufrechte Wuchs hängt bald schräg über: newfs.s3.amazonaws.com/taxon-images-1000s1000/Polygonaceae/fallopia-japonica-ha-ahaines-e.jpg
  • Unter günstigen Bedingungen wächst der Staudenknöterich in wenigen Wochen bis in Höhen von 3 bis 4 Metern
  • Das entspricht einem Zuwachs von 10 bis 30 cm pro Tag ...
  • Japanischer Staudenknöterich wächst gerne an Ufern fließender Gewässer (Flüsse, Seen mit Zu- und Ablauf)
  • Außerdem trifft man ihn auf Industrie-Brachen an, am Straßenrand, an Böschungen, auf unregelmäßig gemähtem Grünland und im Wald (weniger starkwüchsig)
Verwechslungsmöglichkeiten:
  • Der Sachalin-Staudenknöterich Fallopia sachalinensis hat gerade Stängel und meist deutlich größere Blättern mit herzförmigem Blattgrund
  • Fallopia x bohemica: natürliche Hybride aus Fallopia japonica und Fallopia sachalinensis, sieht auch aus eine Mischung aus beiden
  • Selten sieht man die kleinwüchsige Variante des Japan-Knöterichs, Fallopia japonica var. compacta, er hat rundliche Blätter mit einem Durchmesser von ca. 10 cm
Korrekte Beschreibung muss sein, bei der Bekämpfung kann Ihnen aber ziemlich egal sein, welcher Knöterich es nun genau ist - all diese Arten werden als invasive Neophyten eingestuft. Selbst wenn Sie ganz danebengreifen würden und den mit mehr Wohlwollen betrachteten "Architektentrost"-Knöterich Fallopia (Polygonum) aubertii angehen würden, wäre das auch nicht lange ein Drama: Einfach neu pflanzen, in der nächsten Saison ist er schon wieder ein paar Meter hoch geklettert.

So kam der Japanische Staudenknöterich zu uns

Der Japanische Staudenknöterich kommt aus Asien und wurde 1825 von Philipp Franz von Siebold in Europa eingeführt. Er sollte als Zierpflanze und Viehfutterpflanze Karriere machen und in der Forstwirtschaft als Äsung für Rotwild und Deckungspflanze für Fasane dienen. Die Karriere als Nutzpflanze ließ sich nicht so gut an: Als Deckung für Fasane taugt er wenig, da er im Winter seine Blätter verliert, Rotwild frisst ihn nicht und unser Weidevieh wohl auch eher nicht - heutzutage versucht man wuchernden Japan-Knöterich gelegentlich durch Beweidung

unter Kontrolle zu bringen, Heidschnucken mögen ihn schon mal nicht, gerade dürfen sich in Kärnten normale Schafe und Ziegen an ihm versuchen. Dafür haben die Imker den Japanischen Staudenknöterich für sich entdeckt, er ist im Frühherbst eine exzellente Bienenweide. Obwohl es nach Bundesnaturschutzgesetz verboten ist, gebietsfremde Pflanzen in die freie Natur auszupflanzen, verteilten Imker den Japan-Knöterich großzügig in der Gegend - ein erster Schritt auf dem Weg zu einer Ausbreitung, die dem Japanischen Staudenknöterich aktuell Platz Nr. 37 in der "Global Invasive Species Database" (Welt-Datenbank der invasiven Arten) einbringt.

Ausbreitungsstrategie und deren Auswirkungen

Es waren aber noch mehr Menschen beteiligt, denen ausreichender Weitblick fehlte, die Zierpflanzen-Karriere des Japanisches Staudenknöterichs lief ziemlich von Anfang an prächtig: Ab 1849 wurde er durch die Gärtnerei von Siebold im niederländischen Leiden kommerziell vermarktet, richtig schön teuer wurde er schnell zum Trendgewächs für den damals gerade aufkommenden Gartenstil "Wild Gardens", prominente Gartenarchitekten empfahlen seine Anpflanzung. 1872 ist die erste Auswilderung belegt, aus dem Gelände einer aufgegebenen Gärtnerei bei Zwickau, zahlreiche verschmähte Deckungs- und Äsungs- und Vieh-Knöteriche verbreiteten sich durch ihre Rhizome, illegale Entsorgung von Gartenabfällen in die Natur trug ihr Teil bei - heute ist Fallopia japonica überall in Mittel- und Westeuropa wild wuchernd im Freiland zu finden, häufig und verbreitet. Ursprünglich wurden überwiegend Gewässerufer besiedelt, heute taucht er auch an gewässerfernen Standorten auf, mit weiterer Ausbreitung wird gerechnet.

Der Japanische Staudenknöterich bildet durch Rhizome dichte und ausgedehnte Bestände, die von Jahr zu Jahr stärker
verholzenden Rhizome überleben den Winter bei uns ohne Probleme und reichen bis zu 2 m tief in den Boden, wo sie sich horizontal kriechend verbreiten. Japan-Knöterich wird kaum von anderen krautigen Pflanzen überwachsen, nach Verletzung des Rhizoms wächst aus jedem kleinen Fragment eine neue Pflanze, auch aus Teilen des Stängels. Aussamen passiert bei uns wohl kaum, ist aber theoretisch auch möglich. Durch fließendes Wasser oder Erdtransporte im Rahmen von Bauarbeiten wird der Japan-Knöterich immer weiter verteilt, bis ganz Deutschland eine grüne Knöterich-Hölle ist ... Soweit sollten wir es besser nicht kommen lassen, der Japanische Staudenknöterich macht mit seiner außergewöhnlichen Wuchskraft und Robustheit unsere heimische Flora platt, auch in Naturschutzgebieten. Seine dichten Bestände lassen kaum Wachstum anderer Pflanzen zu, da er selbst nur von wenigen Insekten besucht wird, schadet er durch Verdrängung einheimischer Nahrungspflanzen unserer Insekten-Welt, an Fließgewässern verlangsamt er den Abfluss von Hochwasser, an stark verbauten Flussabschnitten kann er die Erosionsgefahr erhöhen.

Vorbeugende Maßnahmen

Japanischer Staudenknöterich soll immer noch gelegentlich im Handel anzutreffen sein, der Zentralverband Gartenbau empfiehlt jedoch den Händlern, auf den Handel mit Fallopia japonica zu verzichten. In der Schweiz und in England sind Verkauf, Vermehrung und Anpflanzung von Fallopia japonica verboten, F. sachalinensis und F. x bohemica sind nicht viel besser. Auch Hobby-Gärtnern kann man nur raten, keine dieser drei Fallopia-Arten in die Nähe Ihres Gartens kommen zu lassen. Auch nicht mit Rhizomsperre, die soll dem Japan-Knöterich meist keinen Einhalt bieten. Sogar für Kübel sollten Sie maximal einen Fallopia aubertii oder gleich zahmere Knöteriche pflanzen. Denn es macht einfach keinen Spaß, bei einer Kübelpflanze ständig darauf achten zu müssen, dass keinerlei Pflanzenteil "ausbüxt", um Sie irgendwann auf mehreren Quadratmetern am Ende der Straße zu begrüßen. Die gerade als Energiepflanze erprobte Zuchtsorte Fallopia sachalinensis "Igniscum" wird gelegentlich als ungefährlich für Gärten empfohlen. Auch steht aber als möglicher invasiver Neophyt auf der "Warnliste" zur Schwarzen Liste invasiver Arten (Bundesamt für Naturschutz).

Bekämpfung

Wenn ein Fallopia japonica, Fallopia sachalinensis oder Fallopia x bohemica bereits auf Ihrem Grundstück stehen und sich anschicken, die Herrschaft zu übernehmen, wird es schwierig. Eine Überblick über die anzustellenden Überlegungen und die möglichen Maßnahmen, samt berichteten Erfolgsaussichten:
  • 1. Endgültig vernichten könnten Sie einen Japanknöterich ev. durch Ausgraben sämtlicher Rhizome. Dazu müssten Sie allerdings schon Ihren Garten ausbaggern, da die Rhizome bis zu 2 m tief in die Erde reichen. Bei der Entsorgung des Bodenmaterial müssten Sie sicherzustellen, dass die Fallopia-Rhizome nicht irgendwo austreiben, Sie könnten haftbar gemacht werden. Durch Kompostierung unter durchgehender Zugabe von Frischkompost soll das verhindert werden können. Die ausgebaggerte Fläche muss deutlich über 2 mm dick mit neuer Erde bedeckt werden, damit ev. verbliebene Rhizome nicht austreiben.
  • 2. Durch Vernichtung oberirdischer Pflanzenteile kann Japanknöterich langfristig etwas zurückgedrängt werden. Dazu wird ab Austriebsbeginn im Frühjahr jeder erscheinende Trieb direkt am Boden zurückgeschnitten. Mindestens 1 x im Monat, bis zum Absterben im Herbst. Die Pflanzenteile werden bis aufs kleinste Teilstück vernichtet, am besten verbrannt, auf keinen Fall auf den Garten-Kompost.
  • 3. Auf geeigneten Flächen kann der Japan-Knöterich durch Mahd zurückgedrängt werden. Dazu sollte er in den ersten Jahren mindestens acht Mal in der Saison abgemäht werden.
  • 4. Ähnlich kann eine Beweidung mit Schafen funktionieren.
  • 5. Beim Zurückdrängen müssen Sie bei allen Methoden mit ein paar Jahren Arbeit rechnen. Wenn Sie konsequent bleiben und sorgfältig vorgehen, könnten sich die Pflanzen nach 5 bis 6 Jahren erschöpft haben und absterben.
  • 6. Bei all diesen Maßnahmen müssen Sie sicherzustellen, dass nicht nicht über Geräte, Transportgefäße oder Erdaushub Rhizomteile oder Pflanzenteile verbreitet werden.
  • 7. Auf geeigneten Flächen (Böschungen, Ufer) können Weidenspreitlagen (siehe ufersicherung.baw.de/pdfs/fuer_die_praxis/20140724_Kennblatt_Weidenspreitlagen.pdf) gesetzt werden, die Weiden sollen das Nachwachsen des Knöterichs behindern.
  • 8. Kontrolle mit Breitbandherbiziden (Totalherbizide wie Glyphosat) ist möglich, aber eben nur Kontrolle, und der Einsatz von Glyphosat kann unter dem Eindruck des aktuellen Streits um dieses Mittel (siehe: www.tagesschau.de/inland/glyphosat-111.html) nicht empfohlen werden. Das Breitbandherbizid müsste selektiv in die unteren Segmente der Pflanze injiziert werden, im Abstand von 4 bis 6 Wochen in der Jahresmitte. Beobachtung und Bekämpfung in den folgenden zwei Jahren soll für dauerhaften Erfolg zwingend sein. Totalherbizide sind aber auch für andere Pflanzen/den Gartenboden schädlich, wegen ihrer Wirkung auf Nicht-Ziel-Organismen im Bereich von Gewässern nicht zugelassen und generell unter höchster Vorsicht einzusetzen.
  • 9. Einige weitere Verfahren wurden mit mäßigem Erfolg erprobt: Heiß Dämpfen, tötet unterirdische Knöterichteile, aber auch alle Bodenlebewesen und kostet viel Energie; Abdecken mit schwarzer Kunststoff-Folie, liegt jetzt seit März 2013, in den Versuch könnten Sie noch einsteigen, falls Sie einen schwarzen Plastik-Garten ertragen können; Im April 2010 hat ein britisches Forschungsinstitut mit der Aussetzung japanischer Blattflöhe begonnen, die nur Fallopia japonica fressen, Berichte über die Erfolge stehen noch aus
Nicht ärgern, sondern nutzen

Wenn die Bekämpfung des Japanischen Staudenknöterichs in Ihrem Garten ständigen Wegschnitt junger Triebe erfordert, kann der Ärger zur Freude werden. Jede Pflanze kann auch irgendetwas, und der Japanischen Staudenknöterich kann eine ganze Menge:
  • Seine jungen Sprosse sind essbar und sollen gut schmecken
  • Wenn sie sehr jung sind, soll man sie wie Spargel zubereiten können
  • Ansonsten wie Gemüse verarbeiten, erst dünsten und dann braten, bzw. wie Rhabarber, in Crumble, Kuchen, Kompott, Chutney, Relish
  • Er enthält Phytoöstrogene, die in natürlicher Form und mit normaler Nahrung aufgenommenen Mengen als gesund gelten
  • Und Resveratrol, den vom Rotwein bekannten Pflanzenstoff mit antioxidativen Eigenschaften
  • Allerdings auch Oxalsäure, die bei Verzehr großer Mengen v. a. für Nierenkranke gesundheitsschädlich ist
  • Sie wird aber beim Kochen gelöst, Wegschütten des Kochwassers reduziert den Gehalt erheblich
  • Deshalb junge Stangen, bis rund 40 cm, bei weiterem Wachstum steigt der Oxalsäuregehalt immer mehr
1991 wurde ein Fallopia-japonica-Auszug unter dem Namen Milsana® als Pflanzenschutzmittel auf den Markt gebracht, dessen Einsatz teilweise heute noch empfohlen wird. Milsana ist aber nicht als Pflanzenschutzmittel zugelassen und wohl auch nicht mehr auf dem Markt, ob selbst hergestellte Fallopia-japonica-Extrakte (Jauchen oder Kaltansätze) irgend einen Nutzen bringen, ist offen.

Fazit

Anpflanzen sollten Sie Japanischen Staudenknöterichs noch nicht einmal im Kübel, vernichten ist praktisch nicht möglich, aber reduzieren lässt sich der Japanknöterich, möglicherweise bis zu seinem Ableben. Bis dahin können Sie noch jede Menge junge Sprosse ernten und mit Genuss verspeisen ...