Unkrautvernichtung mit Essig: Essigessenz und Essigreiniger

Unkrautvernichtung mit Essig: Essigessenz und Essigreiniger

Immer wieder im Internet zu lesen: Essig und Essigreiniger soll man sehr gut als Unkrautvernichter einsetzen können.

Mit Essig reinigen ja - aber kann man damit auch Unkraut vernichten?Unkraut einfach mit Essig vernichten? Oder mit Essigreiniger, was dann dem restlichen Putzwasser endlich einmal einen höheren Sinn geben würde? Das klingt zu schön, um wahr zu sein - aber hat es Hand und Fuß?

Essigessenz gegen Unkraut im Garten

Essig kann Unkraut vernichten, das

ist schon korrekt. Essigessenz ist hoch konzentrierter Essig. Ob Essig allerdings eine wirklich bequeme Möglichkeit der Unkrautbeseitigung ist, ist eher zweifelhaft. Denn Essig ist eine Substanz, die das Unkraut zum Absterben bringt, wenn sie in zu hoher Konzentration in die Blattadern gelangt.

Auf dieselbe Weise reagiert das Unkraut auf käufliche Unkrautvernichtungsmittel, und genauso würde es wahrscheinlich noch auf eine Menge andere toxische Flüssigkeiten reagieren.

Essig würde aber ebenso wie ein Unkrautvernichtungsmittel auch jede andere Pflanze zum Absterben bringen, die bei der Ausbringung des Essigs “mitbedacht” wird. Ebenso wie ein Unkrautvernichtungsmittel wird sich der Essig also nur auf die gezielte Vernichtung der Unkräuter beschränken, wenn Sie ihn eine Sprühflasche füllen und gezielt auf die zu bekämpfenden Unkräuter sprühen. Das ist recht mühsam - das Unkraut einfach herauszuziehen geht schneller und ist außerdem die nachhaltigere Lösung.

Während die modernen Unkrautvernichtungsmittel jedoch so eingestellt sind, dass sie über Blätter und Triebe aufgenommen werden, nur die besprühte Pflanze schädigen, im Boden weitgehend an einem Ort bleiben und biologisch abgebaut werden können, ist Essig ganz im Gegenteil leicht löslich und verteilt sich gerne. Wenn Sie nicht alle im Umfeld wachsenden Pflanzen vernichten möchten, müssten Sie beim Einsatz von Essig darauf achten, dass kein Essig rund um die Pflanzen in den Boden eindringt. Wenn Sie das sicherstellen, wird aber auch das Unkraut nicht so viel Essigessenz abbekommen, dass es wenigstens über der Erde eingeht ...

Lange helfen würde die Essigessenz ohnehin nicht: Im Gegensatz zu professionellen Unkrautvernichtungsmitteln wirkt sie nicht systemisch, wird also nicht bis in die Wurzeln verteilt, das Unkraut kommt also bald wieder.

Mühsames Unkraut ziehen per Hand - hilft Essig?Essigessenz gegen Unkraut auf Pflasterflächen

Wer jetzt meint,
er könne die Essigessenz einfach auf die Pflanzen draußen auf dem Gehsteig schütten, da sei es ja egal, wenn etwas daneben geht, hat auch keine gute Idee. Wenn Essigessenz als Unkrautvernichter eingesetzt wird, muss sich Essigessenz auch nach den Vorschriften behandeln lassen, die für Unkrautvernichter gelten.

Auch das wird im Internet vielfach bezweifelt und als lächerlich angesehen, aber es hilft nichts:
  • Unkrautvernichter soll auf gepflasterten Flächen, bei denen die Gefahr der Abschwemmung in die Kanalisation besteht, nicht eingesetzt werden, weil unser Grundwasser rein bleiben soll.
  • Das gilt natürlich ganz genauso, wenn Essigessenz das Grundwasser bedroht, der Einsatz von Essigessenz als Unkrautvernichter ist also verboten!
  • Übrigens gilt dieses Verbot auch für den Einsatz auf der Gartenfläche des Haus- und Kleingartens, in dem ja nur zugelassene Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden dürfen, und Essigessenz hat nun einmal

    keine Zulassung als Pflanzenschutzmittel und würde aus guten Gründen auch keine bekommen.
Aber beim Einsatz im Garten ist wenigstens die Gefahr etwas geringer, dass Sie von örtlichen Ordnungsbeamten oder von Nachbarn erwischt werden und bis zu 50.000 Bußgeld zahlen müssen ... Wenn Sie jedoch möchten, dass unser Grundwasser weiterhin eine gute Qualität aufweist und unsere Kläranlagen weiterhin funktionieren, werden Sie auch unabhängig von einer Strafandrohung vom Einsatz von Essigessenz im Garten die Finger lassen.

Essigreiniger gegen Unkraut

Essigreiniger kann Unkraut ganz bestimmt zum Absterben bringen, auch das ist richtig. Es ist dazu sogar mit Sicherheit noch besser geeignet als reiner Essig, und mit der gleichen Sicherheit ist die Anwendung von Essigreiniger noch ein bisschen schädlicher für Ihren Gartenboden bzw. das Grundwasser.
  • Alles was für das Verbot einer Verwendung von Essigessenz als Unkrautvernichter gilt, gilt also um so mehr für den Einsatz von Essigreiniger als Unkrautvernichter.
Jäten ist umweltfreundlicher als der Einsatz von EssigreinigerWenn Sie im Garten generell ohne käufliche Unkrautvernichter auskommen möchten, weil Sie das, was Ihr Garten hervorbringt, auch essen, gibt es viele andere Wege, mit dem Unkraut umzugehen: In einem naturnah gestalteten Garten hält sich der unerwünschte Bewuchs in Grenzen, weil Bodendecker ihn stoppen oder weil er von einer Reihe kleiner Organismen sofort und gerne verspeist wird. Das, was durchkommt, wird als Heilkraut oder zur Herstellung von Dünger genutzt. Und wenn dann immer noch etwas stört, wird es umweltfreundlich und sportlich durch Jäten beseitigt.

Auch für den Umgang mit dem Bewuchs auf den Gehwegen und den begangenen Flächen gibt es ganz simple Lösungen, die über jeden Verdacht der Umweltschädigung erhaben sind:
  • Nach einem kräftigen Regen lassen sich die meisten Pflanzen ziemlich wehrlos jäten.
  • Kochendes Wasser lässt die sichtbaren Teile der Unkräuter absterben.

  • Wem der Halbmarathon mit dem Wasserkocher in der Hand zu mühsam ist, der vernichtet die Pflanzen auf dem gepflasterten Gehweg mit trockener Hitze. Sie können sich dazu im nächsten Baumarkt einen leistungsfähigen Flammenwerfer ausleihen. Für den Einsatz an einem Tag kosten solche Geräte in der Regel unter 10,- Euro.

  • Vielleicht gibt Ihr Werkzeugschrank auch etwas her, was Sie zum vernichtenden Erhitzen der Unkräuter nutzen können. Mit Sicherheit finden Sie hier Fugenkratzer und Messer, mit denen Sie die Ritzen des Pflasters ebenfalls gut vom Unkraut befreien können.

  • Menschen mit kräftigen Oberarmmuskeln (oder Menschen auf dem Weg dahin) kehren Terrassen und Wege einfach regelmäßig und kräftig mit einem Besen mit richtig harten Borsten, denen jedes zarte Pflänzchen erliegt.
Wenn Sie mit dem nicht geplanten Bewuchs in vorliegender Form gerade noch leben können und außerdem keine Zeit zum Jäten haben, sollten Sie wenigstens nach Ausbildung der Knospen eine Runde mit einer Schere und einem Mülleimer machen: Wenn Sie jetzt die Blütenköpfe einfach abschneiden und wegschmeißen, werden diese keine Samen entwickeln, so werden sie zumindest im nächsten Jahr nicht noch zahlreicher.