Echte Kamille - Steckbrief, Anbau, Pflege und Ernte

Die schönen Kamillenblüten lassen sich vielseitig verwendenAls bekannte Heilpflanze wird die Echte Kamille bei Entzündungen sowie Magen- und Darmbeschwerden eingesetzt. Man bekommt unterschiedliche Samen, die sich nach dem Inhalt der Wirkstoffe unterscheiden; für Hobbygärtner spielt dieser Aspekt wahrscheinlich keine große Rolle. Mit der Aussaht beginnt man Ende Sommer oder Anfang Herbst. Dann ist der Ertrag am größten.

Die Echte Kamille ist eine einfach zu pflegende Pflanze, welche unter bestimmten Voraussetzungen sogar den Winter übersteht.

Steckbrief
  • Name: Echte Kamille (lat.: Matricaria chamomilla)
  • Familie:

    Korbblütler (lat.: Asteraceae)
  • Ursprung: Süd- und Osteuropa, Vorderasien
  • Aussaat: Ende August bis Anfang September
  • Blüte und Ernte: September bis Oktober
  • Wuchshöhe: 15 bis 20 cm
  • Verwendung: Gewürzkraut, Heilkraut
  • Besondere Merkmale: zurückgeschlagene Blütenzungen, gewölbter Blütenstand
Standort und Bodenbeschaffenheit

Der richtige Platz für die Aussaat der Echten Kamille ist lehmiger, eventuell etwas sandiger Boden, der gut von der Sonne beschienen wird. Auch die Aussaat an halbschattigen Orten ist möglich. Für einen gesunden Wuchs muss der Platz warm sein nur mäßig feucht. Der pH-Wert des Bodens darf sich im leicht sauren bis alkalischen (basischen) Bereich bewegen und einen Wert zwischen 6,5 und 8 aufweisen. Zu sauer darf der Standort aber nicht sein, das sonst die Gefahr der Aufnahme von Schwermetallen durch die Kamille besteht. Die Erde ist nach Möglichkeit nährstoffarm. Alternativ wählt man Schwarzerde zum Anbau der Echten Kamille. Die Bodenbeschaffenheit im Überblick:
  • lehmiger, sandiger Boden
  • sonniger oder halbschattiger Platz
  • Boden muss warm und nur leicht feucht sein
  • Echte Kamille hat Bodenansprüche, die Kräutergärtner kennen solltenidealer pH-Wert zwischen 6,5 und 8 (leicht sauer bis leicht basisch)
  • alternativ Schwarzerde verwenden
Aussaat

Bevor man die Aussaat beginnt, zupft man, falls nötig alle Unkräuter. Anschließend lockert man den Boden, bis dieser eine fein krümelige Konsistenz aufweist. Um dem Boden eine noch bessere Eignung zu verschaffen, reichert man den Boden mit Kompost an. Die Samen der Echten Kamille werden nicht eingegraben und nach der Aussaat nicht mit Erde bedeckt; es handelt sich bei dieser Pflanze um sogenannte Lichtkeimer. Die Samen müssen nach der Saat nur leicht angedrückt werden. Nach etwa einer Woche beginnen die ersten Keime zu sprießen. Die Schritte der Aussaat in Kurzfassung:
  • Unkraut unbedingt zupfen
  • Boden lockern, bis dieser fein krümelig ist
  • bei Bedarf Kompost unter die Erde mischen
  • Samen nur auf den Boden säen und leicht andrücken; nicht mit Erde bedecken
  • erste Keimlinge nach etwa einer Woche
Überwinterung

Die Aussaat vor dem Winter stellt kein Problem dar. Wächst die Kamille so weit, dass bereits die kleinen Rosetten sichtbar sind, übersteht die Pflanze die kalte Jahreszeit gefahrlos, sofern man sie vor dem Frost schützt, zum Beispiel durch die Zugabe einer Strohschicht. Probleme können auftreten, wenn im kommenden Frühjahr noch einmal kalte Zeiten anstehen. Die Pflanze ist auf diesen Klimaumschwung nicht vorbereitet. Die Folge ist der geringere Wuchs von Blüten in kleinerer Anzahl. Sind die winterlichen Monate überstanden, wird die Saat zu ausgewachsenen Pflanzen heranreifen.

Gießen

Das oberste Gebot lautet: Nicht überwässern. Die Echte Kamille ist nur für leicht feuchten Boden geschaffen, weshalb das Gießen nur in Maßen nötig ist. Insgesamt ist jedoch ein eher trockener Standplatz gesünder für die Pflanze, als ein übernässter Boden. Wer sich die Echte Kamille in einem Gefäß anbauen möchte, muss etwas mehr gießen als im Garten. Es empfiehlt sich,

die jungen Pflanzen nicht mit der Gießkanne zu wässern, sondern mithilfe einer Blumenspritze und feinem Sprühnebel. Anschließend ist nur geringe Wasserzufuhr notwendig. Sollten der Anbau der Matricaria chamomilla scheitern, liegt das mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit an übermäßiger Wässerung.

Stimmen die Wuchsbedingungen, dann muss Echte Kamille nicht gedüngt werdenDüngen

Die Echte Kamille ist eine gesunde Pflanze mit nur wenigen Ansprüchen. Eine Zufuhr von Nährstoffen ist nur in geringen Mengen notwendig. Wer sich für den Einsatz von Stickstoff entscheidet, sollte diesen nur geringfügig einsetzen, sonst wachsen die Kräuter übermäßig viel. Die Verwendung von Phosphor läuft unter den gleichen Bedingungen wie Stickstoff.
Viel wichtiger ist das Düngen mit Kalium, durch welches die Kamille eine reiche Blüte tragen wird. Düngen ist aber kein Muss. Gärtner, die ihren Kamillenpflanzen einen nährstoffreichen Boden bieten, dürfen auf die Zugabe der Nährstoffe verzichten. Allgemein heißt es bei der Echten Kamille: Weniger ist mehr. Dies gilt für Wasser und Dünger gleichermaßen. Austrocknen darf der Boden deswegen trotzdem nicht. Wer sich für den Anbau auf sandigem Boden entscheidet, düngt mit Rinderdungpellets, da diese über längere Zeit wirken.
  • nur wenig düngen
  • Stickstoff geringfügig nutzen, ebenso Phosphor
  • lieber mit Kalium düngen (sorgt für Erträge)
  • in nährstoffreicher Erde muss nicht gedüngt werden
  • Rinderdungpellets auf sandigem Boden, da Langwirkzeit
Tipp: Man kann die Echte Kamille auch in herkömmliche Blumenerde aussäen. Diese sollte aber mit Gartenkalk angereichert werden.

Verschnitt

Wer seine Pflanze schneidet, muss dies nur bei seiner Aussaat im Herbst. Sobald die Tage wärmer werden, schneidet man die Pflanze leicht kugelig. Je mehr man die Pflanze verschneidet, desto mehr Blüten wachsen anschließend nach.

Ernte

Wichtig ist, nicht schon die ersten Blütenköpfe zu schneiden, da stetig neue Blüten nachwachsen. Es rentiert sich, zu warten, bis die Pflanzen ihre Blüten voll ausgebildet haben. Der Ertrag ist einfach am größten. Je weiter die Echte Kamille in der Entwicklung fortgeschritten ist, desto geringer ist der Inhalt an ätherischen Ölen. Wer die Öle der Heilpflanze nutzen möchte, erntet die Blütenköpfe als rechtzeitig. Zu lange sollte man andernfalls aber auch nicht warten, da die Blütenköpfe sonst zerfallen. Selbst die Stängel dürfen geerntet werden. Aus getrockneter Kamille kann man leckeren Tee zubereitenDies empfiehlt sich besonders dann, wenn man einen Tee zubereiten möchte. Tipp: Man erntet am besten an einem warmen Mittag, da die Blütenköpfe zu diesem Zeitpunkt weite geöffnet sind und reichlich ätherische Öle enthalten.

Krankheiten

Die Echte Kamille ist robust, daher gibt es keine Schädlinge und Krankheiten, welche die gesamte Aussaat bedrohen. Dennoch muss im Notfall mit Einbußen gerechnet werden. Am verbreitetsten ist der falsche Mehltau, bei dem es sich um eine Infektion der Blätter handelt. Ebenfalls an den Blättern der Echten Kamille kann Alternaria auftreten, ein Schimmelpilz, der zu Flecken führt. Große Einbußen der Erträge sind dem Kamillenglattkäfer zuzuschreiben, denn dieser frisst die Blütenblätter an. Auch Blattläuse, Wanzen und ähnliche Schädlinge stellen eine Gefahr dar.

Häufige Fragen
  • Die Pflanze wächst nicht - was ist passiert? - Möglicherweise ist die Saat übergossen. Als recht anspruchslose Pflanze benötigt die Echte Kamille nur wenig Wasser. Zu viel Flüssigkeit verhindert die Entwicklung.
  • Kann man die Echte Kamille im Kübel anbauen? - Ja, die Aussaat in einem Behälter ist möglich. Hierbei ist aber mehr Wasserzufuhr nötigt, als bei Pflanzen, die im Garten wachsen.
Wissenswertes zur Echten Kamille in Kürze
  • Die Kamille wächst meist massenhaft an Schuttstellen und Ackerrändern und bevorzugt offene, nährstoffreiche Böden.
  • Sie ist relativ anspruchslos und hat sich auch auf offenen, windungeschützteren Geländen bewährt.
  • Kamille ist zwar einjährig und blüht etwa von Mai bis August, jedoch pflanzt sie sich in der Regel durch das Abwerfen der Blütenköpfe fort.
  • Die gesamte Pflanze kann eine Höhe von 20-50 cm erreichen.
Standort
  • Beim Anbau von Kamille sollten Sie unbedingt beachten, dass eine zu frühe Aussaat die Pflanzen zu hoch sprießen lassen kann.
  • Daher empfiehlt sich für den Anbau der Kamille eine schon wärmere Witterung ohne Frost.
  • Idealerweise beginnen Sie mit der Aussaat Anfang August.
  • Kamille bevorzugt neutrale bis alkalische Böden, sowie nicht zu feuchte Standorte, wodurch sie gut geeignet ist für eine Balkon- oder Beetkultur.
Aussaat
  • Die Aussaat im August hat zum Vorteil, dass Sie am ertragreichsten anpflanzen, ohne dass Sie das Risiko der Überwinterung eingehen.
  • Tee aus Echter Kamille werden viele gute Wirkungen nachgesagtDer Frühjahrsanbau, am besten im April, bedeutet im Allgemeinen, dass Sie sich in der Regel an deutlich mehr Einzelblüten erfreuen können werden.
Je nach Art der Aussaat sind unterschiedliche Dinge zu beachten. Zum einen ist es möglich die vom Vorjahr übriggebliebenen Köpfchen der Pflanze im Beet zu belassen oder sie zum erneuten Anbau auf die gewünschte Stelle zu pfropfen, was einer natürlichen Vermehrung gleichkommt. Diese Art des Anbaus hat zum Vorteil, dass sie weniger aufwändig ist als die Anzucht aus Samen. Die Blüten wehen also zwar nicht so schnell weg wie die Samen, aber möchte man die Blüten und deren Heilwirkung nutzen, ist eine andere Aussaatmethode erforderlich. Im Handel sind dafür Saatmischungen erhältlich, deren Anzucht im Folgenden beschrieben werden soll.
  • Vor dem Aussäen sollte das Beet von Rückständen vorheriger Aussaaten oder Ernten befreit und in feine Rillen unterteilt werden.
  • Es empfiehlt sich ein Abstand von ca. 30-35 cm zwischen den einzelnen Pflanzen.
  • Die gesetzten Samen sollten leicht angepresst werden, ohne sie jedoch mit Erde zu bedecken, da Kamille ein Lichtkeimer ist.
  • Die Keimung erfolgt bei angemessener Witterung innerhalb von einer Woche.
Pflege und Verwendung von Kamille
  • Kamille gedeiht auch auf relativ nährstoffarmen Böden, wodurch die Zugabe von Dünger oft überflüssig ist.
  • Gerade stickstoffhaltige Mischungen führen zu unschönen Wucherungen.
  • Für viele Krankheiten ist die Kamille unempfänglich, ab und zu kann es aber zu Mehltau oder Pilzen an den Wurzeln kommen.
  • In diesem Fall sollte die betroffene Pflanze isoliert entsorgt werden.
Neben Blattläusen kommt es außerdem zu Befällen mit Kamillenglattkäfern, die die Blütenköpfe auffressen. Für ein gesundes Wachstum und eine ertragreiche Ernte sollten folgende Tipps befolgt werden:
  • Gießen Sie Kamille nie zu stark. Der Boden sollte maximal feucht, jedoch nie nass sein.
  • Ist der Bestand ungefähr handhoch, lohnt sich der Einsatz einer Maschinenhacke, um Verunkrautung zu verhindern.
  • Ist die Blüte zu zwei Dritteln geöffnet, ist es Zeit für die Ernte.
  • Für ein optimales Ergebnis wird die Ernte bei 35 bis 45 °C getrocknet und anschließend gesiebt.
  • Lagern Sie die getrockneten Blüten in trockenen Räumen!
  • Nutzen Sie die Kamillenblüten als Tee oder zur Gewinnung von ätherischen Ölen und zur Linderung von Entzündungen, Krämpfen oder bei Magenschmerzen.
Achtung: Kamille kann Allergien auslösen!