Wer eine oder mehrere Schildkröten im Sommer im Garten halten möchte, kommt in der Regel um ein passendes Schildkrötenhaus nicht herum. Es dient zum einen als Rückzugsort für die Tiere, zum anderen ist es so etwas wie eine Wärmekammer. Ein derartiges Haus selbst zu bauen stellt auch für Laien kein Problem dar. Es sollten allerdings ein paar grundlegende Anforderungen erfüllen.

Schildkröten halten

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten in unseren Breiten Schildkröten zu halten - entweder in einem Terrarium in der Wohnung oder in einem Gehege im Garten. Jedoch eignet sich nicht jede Schildkrötenart für die Haltung im Freien. In Frage kommen dafür vor allem:

  • Breitrandschildkröte (Testudo marginata)
  • Griechische Landschildkröte (Testudo hermanni)
  • Maurischen Landschildkröte (Testudo graeca)
  • Vierzehenschildkröte (Testudo horsfieldii)

Hinweis: Ein beständiger Wechsel der

Haltungsform - also einmal im Freien, einmal in der Wohnung, dann wieder draußen - bekommt den Tieren in der Regel nicht. Er sollte deshalb auch unbedingt vermieden werden.

Alle vier Arten kommen zumindest im Sommer gut mit unseren klimatischen Verhältnissen zurecht. Im Winter fallen die Tiere dann eh in den Winterschlaf. Allerdings muss man den Schildkröten auch in der warmen Jahreszeit einen Schutz vor Kälte oder bestimmten Wetterextremen wie etwa Starkregen bieten. Gerade deshalb kommt einem Schildkrötenhaus eine ganz besondere Bedeutung zu. Es dient als Schutz und Wärmestube. Das Haus sollte in ein größeres Gehege eingebunden sein. Dabei darf man den Platzbedarf der Tiere nicht unterschätzen. Pro Tier muss eine Mindestgröße von zehn Quadratmetern gerechnet werden. Für jedes weitere Tier müssen noch einmal fünf Quadratmeter aufgeschlagen werden.

Haus aus Holz

Schildkrötenhäuser für die Freilandhaltung der Tiere werden hauptsächlich aus zwei Materialien gebaut. Entweder man nutzt die Stein- oder Holzbauweise. Welche Bauweise bzw. welches Material besser ist, lässt sich nicht einfach sagen. Ein Holzbau lässt sich meistens einfacher realisieren und bringt auch sonst einige Vorteile mit sich. Denn: Ein Holzhaus

  • lässt sich bei Bedarf relativ leicht versetzen
  • bietet einen einfachen Zugang zu den Tieren über ein aufklappbares Dach
  • kann sehr individuell gestaltet werden
  • lässt sich meist problemlos erweitern

Schildkrötenhaus: MaterialDas Haus kann relativ frei gestaltet werden. Im Prinzip braucht es nur vier Wände, einen Eingang sowie ein Dach, das sich abnehmen bzw. öffnen lässt. Sinnvollerweise verwendet man für das Dach eine sogenannte Doppelstegplatte aus Polycarbonat, die auch gerne mal bei Frühbeeten, Gewächshäusern oder dem Tomatenhaus zum Einsatz kommt. Folgende Materialien werden benötigt:

  • vier Holzplatten, eventuell fünf Holzplatten
  • vier Holzleisten (Vierkanthölzer) oder kleine Bretter
  • acht Winkelstücke oder vier weitere Vierkanthölzer
  • ein bis zwei Doppelstegplatten
  • Teichfolie
  • eine Wärmelampe
  • eher dunkle, lösungsmittelfreie Farbe
  • Äste, Sträucher, Moose für die Innenausstattung

Hinweis: Obige Materialliste beschränkt sich auf ein absolutes Minimum. Ziel dabei ist ein sehr einfaches, relativ schnörkelloses Haus für die Schildkröten bauen zu können.

Größe ermitteln

Unsere kleine Anleitung beginnt damit, dass zunächst die Größe des Schildkrötenhauses selber bestimmt werden muss. Es geht also um die Abmessungen. Die sind natürlich ganz wesentlich von der Anzahl und der Größe der Tiere abhängig, die darin unterkommen sollen. Pauschale Angaben dazu sind daher nicht möglich. Wichtig ist, dass sich die Tiere innerhalb des Hauses problemlos bewegen und auch ihre Fortbewegungsrichtung ändern können. Als Beispiel mag eine

Griechische Landschildkröte dienen. Abhängig von Geschlecht und Alter werden diese Tiere bis zu 25 Zentimeter lang. Gemeint ist damit die jeweilige Panzerlänge. Länge und Breite des Schildkrötenhause sollten deshalb mindestens das 2,5-fache der Panzerlänge betragen.

Tipp: Die Größe des Hauses sollte beim Eigenbau lieber etwas großzügiger bemessen sein, als dass es zu klein konstruiert wird. Die Tiere sollen einfach ausreichend Platz zur Verfügung haben.

Bei der Größe geht es in erster Linie um die Bodenfläche. Von ihr leiten sich dann die einzelnen Maße für die Seitenteile, die Leisten und das Dach ab. Die Höhe wiederum kann relativ beliebig gewählt werden. Sinnvoll ist eine Gebäudehöhe von 30 bis 40 Zentimetern. Entsprechend der ermittelten Maße empfiehlt es sich, die einzelnen Baumteile bereits im Baumarkt zuschneiden zu lassen. Das gilt auch für die Doppelstegplatte aus Kunststoff für das Dach. Hier sollten allerdings auf jeder Seite etwa fünf Zentimeter zugegeben werden.

Korpus zusammenbauen

Schildkrötenhaus: Korpus bauenDas Schildkrötenhaus hat in der einfachsten Form einen rechteckigen bzw. quadratischen Korpus. Folglich müssen die vier Holzplatten zu einem Quadrat zusammen gefügt werden. Sinnvoll ist es allerdings, zuvor in eine der Platten den Eingang für die Tiere zu schneiden. Dazu nutzt man am besten eine Stichsäge. Der Eingang sollte so groß bemessen sein, dass ein erwachsenes Tier bequem durchpasst. Anschließend werden die vier Seiten miteinander verbunden. Das funktioniert am einfachsten, wenn man zunächst am Rand einer Seite eine der Vierkanthölzer anbringt. Die Befestigung kann mittels lösungsmittelfreiem Leim, mit Schrauben oder auch Nägeln erfolgen. Bei Nägeln und Schrauben muss jedoch darauf geachtet werden, dass sie nicht überstehen. Im Folgenden werden dann nach dieser Methode die vier Platten fest aneinander gefügt bis der quadratische Korpus fertig ist.

Lackierung

Wie bereits erwähnt dient das Schildkrötenhaus nicht nur als Rückzugsort, sondern auch als Wärmestube für die Tiere. Eine schwarze bzw. dunkle Außenlackierung macht deshalb Sinn. Durch die Lackierung wird dann nämlich Sonnenlicht bzw. Wärme gespeichert und nicht reflektiert. Das Haus erwärmt sich gewissermaßen von selbst. Für die Lackierung darf ausschließlich lösungsmittelfreie, ungiftige Farbe verwendet werden. Außerdem sollte sie nach Möglichkeit wetterbeständig sein.

Dach vorbereiten

Schildkrötenhaus: DachDas Dach ist das einzige Element des Hauses, welches nicht aus Holz ist, sondern aus dem Kunststoff Polycarbonat. Die Doppelstegplatte, die dafür verwendet wird, sorgt dafür, dass Sonnenlicht in das Innere einfallen kann, sich das Haus also erwärmt. Das Dach wird dabei nur auf den Korpus aufgelegt und nicht befestigt, schließlich soll es jederzeit Zugang zum Innenraum möglich machen. Damit es jedoch nicht verrutschen kann, werden vier kleine Leisten aus Holz so auf dem Dach verklebt, dass sie direkt an jede der vier Seiten des Hauses anstoßen. Ein Verrutschen wird auf diesem Weg ausgeschlossen. Schlussendlich wird das Dach dann noch mit einem Stein oder einem Holzstück beschwert. Um das Tier im Haus vor einer möglichen Überhitzung zu schützen, hebt man bei großer Hitze einfach das Dach an und legt einen kleinen Holzklotz zwischen Dach und Hauskorpus. Die Temperatur im Haus darf 40 Grad Celsius nicht übersteigen.

Wärmelampe

Schildkröten sind bekanntlich wechselwarme Tiere. Sie sind nicht in der Lage, sich alleine durch ihren Körper aufzuheizen. Das führt zwangsläufig dazu, dass die Umgebungstemperatur für sie besonders wichtig ist. Sie sollte einen Wert von 20 Grad Celsius nicht unterschreiten. Im Freien kann das aber im Frühjahr und im Herbst durchaus häufiger der Fall sein. Um die Tiere in ihrem Haus nicht zu gefährden, sollte deshalb eine handelsüblich

Wärmelampe integriert werden. Diese wird am besten an einer der vier Wände installiert. Dazu muss in der Regel ein Loch in die Wand gebohrt werden, durch das dann auch das Stromkabel nach außen geleitet wird. Normalerweise liegt der Wärmelampe eine konkrete Anleitung bei, an der man sich beim Einbau orientieren kann.

Platzierung

DIY Schildkrötenhaus: PlatzierungDas selber gebaute Haus wird in einem vorletzten Schritt an der Stelle platziert, an der es anschließend auch verbleiben soll. Zunächst sollte man dort Teichfolie auf dem Boden ausbreiten. Die Folie muss eine etwas größere Fläche haben als das Haus. Pro Seite ist ein Überschuss von rund fünf Zentimetern sinnvoll. Die Folienfläche wird anschließend großzügig mit Erde bedeckt, die am besten festgeklopft werden sollte. Ist das geschehen, stellt man den Eigenbau einfach darauf und klopft ihn vorsichtig aber bestimmt mit einem Hammer fest. Mit den noch vorhandenen Brettern bzw. Leisten kann er an den Seiten zusätzlich fixiert werden. Die Teichfolie erfüllt übrigens eine wichtige Funktion: Sie schützt vor Kälte und Nässe aus dem Boden. Und noch etwas ist im Zusammenhang mit Wärme wichtig: Das Haus sollte so im Gehege platziert werden, dass es nicht im Schatten, sondern in der Sonne steht.

Einrichtung

Jetzt ist es fast geschafft. Es fehlt nur noch die Inneneinrichtung für das Schildkrötenhaus. Ist es groß genug, kann ein weiteres Brett im Inneren angebracht und an einer der Wände fixiert werden. Es soll dazu dienen, vom Eingang einen Bereich abzutrennen, in dem sich die Schildkröte verkriechen kann. Damit dies allerdings möglich ist, muss das Tier genügend Platz haben, um an der Innenwand vorbei zu kommen. Die weitere Einrichtung ist geradezu simpel: Kleine Äste, Laub und Blätter dienen dazu, dass sich die Schildkröte darunter verstecken kann. Dieses Nest sollte nach Möglichkeit in unmittelbarer Nähe der Wärmelampe platziert werden.