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Schmetterlinge selber züchten | 14 Tipps zur Schmetterlingszucht

In der freien Natur bietet sich selten eine Möglichkeit, an der Vermehrung von Schmetterlingen (Lepidoptera) teilzuhaben und zusehen zu können, wie der „Nachwuchs“ sich zu einem Flugtier entwickelt. Wer Schmetterlinge selbst züchtet, wird viel darüber erfahren können, vorausgesetzt, es wird mit Bedacht und richtig vorgegangen. Um die Chancen auf eine erfolgreiche Zucht zu erhöhen, sollten folgende Tipps Berücksichtigung finden.

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Gesetzeskonform

Vor der Planung einer Schmetterlingszucht ist zu beachten, dass es unter den Faltern zahlreiche geschützte Arten gibt, deren Einfangen in der Natur gesetzlich verboten ist. Nach Paragraph 39 des Bundesnaturschutzgesetzes ist der Fang aller in freier Natur lebenden Tiere nicht erlaubt, solange kein akzeptabler Grund dafür vorliegt. In den meisten Fällen wird eine Schmetterlingszucht als ausreichender Grund anerkannt. Empfehlenswert ist es dennoch, bei der zuständigen Naturschutzbehörde nachzufragen, denn falls es sich anders verhalten sollte, drohen empfindliche Strafen. Wer geschützte Schmetterlinge züchten möchte, sollte in jedem Fall vorab eine behördliche Genehmigung einholen.

Erster Schmetterlingsfang

Um eine Vermehrung hervorzurufen, bedarf es an Schmetterlingen. Wer über geringe bis keine Erfahrungen verfügt, sollte sich ausschließlich auf Schmetterlinge beschränken, die keinem besonderen Naturschutz unterliegen, um den Bestand dieser durch missglückte Vermehrungsversuche nicht weiter zu schmälern. Oftmals ist die Identifikation der zahlreichen Arten schwierig. Hier ist es optimaler, wenn sich rein an bekannte Schmetterlinge für die Vermehrung gehalten wird. Dazu zählen vor allem:

  • Admiral (Vanessa atalanta)
  • Distelfalter (Vanessa cardui)
  • Große Ochsenauge (Maniola jurtina)
  • Kaisermantel (Argynnis paphia)
  • Kleiner Fuchs (Aglais urticae)
  • Tagpfauenauge (Inachis io)
  • Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni)
HINWEIS:

Für das Fangen von Schmetterlingen gibt es im Internet günstig spezielle Fanggeräte, die das Einfangen leicht machen und durch welche gleichzeitig Verletzungen der Flugtiere vermieden werden können.

Käfiggröße

Admiral - Vanessa atalanta

Grundvoraussetzung für die Erlaubnis des „Mitnehmen“ von Schmetterlingen ist, dass ein Käfig zur Verfügung steht, der den Faltern den Freiflug ermöglichen. Dieser ist ebenfalls erforderlich, damit sie sich wohlfühlen, denn nur bei artgerechter Haltung klappt es mit der Paarung. Hier sollte ein Käfig pro zwei Schmetterlingen mindestens einen Kubikmeter Platz bieten. Je größer, umso besser, denn es sinkt zudem das Risiko, dass sich die Falter an den Wänden und insbesondere Gittern/Maschendraht beim Umherfliegen verletzen.

Luftverhältnisse/Temperatur

Ein Lepidoptera braucht Sauerstoff, aber Luft ist generell wichtig für den Lebensraum. Es sollte dafür gesorgt werden, dass ein Sauerstoffaustausch möglich ist, sodass auch eine ausreichende Luftzufuhr einer Schimmelbildung und zu hohen Feuchtigkeit vorbeugt. Ideal ist es, wenn eine Luftfeuchtigkeit gegeben ist, die dem Anspruch der jeweiligen Schmetterlingsart gerecht wird. Gehalten werden sollten sie stets an einem hellen, aber dennoch leicht schattigen Standort. Direkte, heiße Sonnenstrahlen sind in jedem Fall zu vermeiden. Wenn die Temperaturen nachts noch stärker sinken, sind eine Käfigabdeckung mit einer normalen Decke sowie ein windgeschützter Standort ratsam.

Schmetterlingsanzahl

Manche Schmetterlingsarten erlauben eine Unterscheidung zwischen Männchen und Weibchen durch Größe, Farbe, Musterung oder andere eindeutige Merkmale. Ansonsten kann beim Schmetterlingsfang das Geschlecht kaum bis gar nicht erkannt werden. Deshalb sollten mehrere Exemplare im Freiflugkäfig vorhanden sein, damit die Chance steigt, mindestens ein Männchen und ein Weibchen ergattert zu haben.

Käfigausstattung

Prinzipiell ist die beste Käfigausstattung, welche dem Lebensraum der Lepidoptera in der freien Natur am nächsten kommt. Am wichtigsten sind:

  • Pflanzen zum Fressen und zur Eiablage (von der Schmetterlingsart bevorzugte Pflanzen verwenden)
  • Kleine, dünne Pflanzenstiele zum Anfliegen (nur wenige, um Flugraum nicht zu schmälern – darf kein Verletzungsrisiko darstellen)

 Paarung erkennen

Tagpfauenauge - Inachis io - Schmetterling

Wen die Paarung interessiert, sollte genau auf das Verhalten der Schmetterlinge achten. Erstes Anzeichen einer eventuell bevorstehenden Paarung ist das nah beieinander liegende Flugverhalten, wie es auch bei den meisten Vögeln zu beobachten ist. Bei der Paarung selbst sind beide Hinterteil an Hinterteil zu sehen. Sie bewegen sich so gut wie nicht und verbleiben in dieser Position meist für mehrere Stunden. Die Eiablage erfolgt kurz danach.

Schlüpfen beschleunigen

Hat die Paarung funktioniert und die Eier wurden abgelegt, dauert es je nach Umgebungstemperatur zwischen acht Tagen und fünf Wochen bis zum Schlüpfen der Raupen. Wärmere und vor allem konstant warme Wetterbedingungen Tag und Nacht beschleunigen die Raupenentwicklung. Je mehr die Temperaturen absinken, desto länger ist auf das Schlüpfen zu warten. Gleichmäßige Wärme ist also optimal.

Schmetterlinge freilassen

Die Paarung und vor allem die Eiablage zehren an den Elterntieren. Es empfiehlt sich, diese im Anschluss wieder in die Freiheit und ihren natürlichen Lebensraum zu entlassen. Das Naturschutzgesetz sieht vor, dass sie dort wieder ausgesetzt werden, wo sie gefangen wurden, weil sie dort zurück zu ihren zuvor gesuchten Futterstellen kommen.

Raupen-Brutkasten

Ist der Freiflugkasten so geschaffen, dass die Raupen nicht hinaus und natürliche Fressfeinde, wie zum Beispiel die Schlupfwespe, nicht hinein können, dürfen die Eier beziehungsweise die Raupen dort verbleiben. Ansonsten könnte ein zusätzliches feinmaschiges Insektennetz rundherum angebracht werden. Alternativ ist auch ein normaler Karton verwendbar, auf den ein luftdurchlässiger Stoff oder feines Netz gespannt wird. Wer die einfachste Variante bevorzugt, kauft einfach einen Schmetterlings-Zucht-/Brutkasten.

Des Weiteren sollten folgende Tipps Beachtung finden:

  • Raupen fressen viel – deshalb auf ausreichende Pflanzen ihres Geschmacks achten
  • Viel Fressen sorgt für viel Ausscheidungen – Küchenpapier auf Boden auslegen und täglich wechseln
  • Pflanzengrün in wassergefüllten Behälter bereitstellen (gewährleistet eine längere Frische)
  • Wasserbehälter immer abdecken, sonst besteht Gefahr, dass Raupen hineinfallen und ertrinken
  • Keine nassen Blätter bereitstellen (Infektionsgefahr vor allem bei Brennnesseln)
  • Frisches Futter stets neben „altes“ positionieren, damit Raupen hinüber wandern können
  • Auf ausreichend Verästlungen/Stiele am Grün achten (zum Verpuppen)

Ruhe beim Verpuppen

Etwa vier Wochen nach dem Schlüpfen aus den Eiern beginnt langsam die Verpuppung. Zu erkennen ist dies, wenn die Raupen plötzlich nicht mehr umherkrabbeln. Den Start läutet das Aufhängen an einen feinen, kaum sichtbaren Faden, an dem die Raupen mit dem Hinterteil nach oben hängen. Oft wählen sie die Decke ihres „Brutkastens“, aber sie können sich auch kopfüber an stabilere Stiele ihrer Futterpflanzen „ankleben“. In dieser Position verbleiben sie regungslos für circa 14 Tage. Dann bricht die Puppenhülle Stück für Stück auf. Ist die Verpuppung abgeschlossen, kommt es zur Entfaltung, die rund zwei bis drei Stunden dauert. Anschließend treten sie in eine kurze Erholungsphase über, um sich von den Strapazen zu erholen.

Distelfalter - Vanessa cardui

Während des gesamten Prozesses ist es unabdingbar, dass sich an wichtige Regeln gehalten wird:

  • Ruhe geben – plötzliche Laute/Geräusche oder Bewegungen provozieren ein Herunterfallen
  • Nicht anfassen – sehr hohes Verletzungsrisiko während Verpuppung
  • Heruntergefallene Exemplare liegen lassen
  • Unbedingt vor dem Freilassen in die Natur Zeit zur Erholung geben
HINWEIS:

Ist der neue Schmetterling zum Abflug bereit, sondert er kurz vorher eine rote Flüssigkeit ab. Das ist ein normaler Vorgang und kein Grund zur Beunruhigung.

Verletzte, fluguntaugliche Schmetterlinge

Kann ein Schmetterling nicht fliegen, ist ihm leider nicht zu helfen. Das einzige, was getan werden kann, ist diesen auf eine Blume im Garten oder auf dem Balkon zu setzen und alles weitere Mutter Natur zu überlassen.

Unterentwickelte Schmetterlinge

Unterentwickelte Schmetterlinge entstehen in den meisten Fällen, wenn die Puppenhülle zu früh aufplatzt und die Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist. Diesen Faltern ist zu helfen, indem sie „per Hand großgezogen“ werden. Dafür ist folgendermaßen vorzugehen:

  • Trink- oder Einmachglas bereitstellen
  • Herkömmlichen Honig mit Wasser mischen (Verhältnis 1:5)
  • Watte ins Gemisch eintauchen und vollsaugen lassen
  • Boden des Glases mit der Watte bedecken
  • Schmetterling vorsichtig zum Fressen auf die Watte setzen
  • Watte stets mit Honig-Wasser-Gemisch feucht halten
  • Für Schutz vor natürlichen Feinden sorgen (ideal: Glas in „Brutkasten“ stellen)
  • Geduld gefragt: sie fressen wenig und Entwicklung braucht seine Zeit

Schmetterling richtig anfassen

Ist es nötig, einen Schmetterling beispielsweise auf eine in Honig-Wasser getränkte Watte zu setzen, sollte er richtig angefasst werden, um ihn nicht zu verletzen und vor allem nicht seine Flugfähigkeit zu schädigen. Deshalb ist ein Schmetterling immer nur von vorn an den Flügelwurzeln anzufassen, damit er seine Flügel noch hochklappen kann. Mit Daumen und Zeigefinger werden die Stellen umfasst, sodass der Lepidoptera auf diese Weise bewegt werden kann. Die Flügel dürfen nicht berührt werden.

HINWEIS:

Wenn es sich vermeiden lässt, berührt man den Schmetterling am aller besten gar nicht.

Autor Garten-Redaktion
Ich schreibe über alles, was mich in meinem Garten interessiert.

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