Hochmoortorf als Blumenerde - PH-Wert & Verwendung

Immer noch wird Hochmoortorf der Blumenerde beigemischt und verkauft, mit der Begründung, dass dieses Substrat durch keine anderen Stoffe zu ersetzen wäre. Dabei läge es auch im Interesse jedes Gärtners, wenn die für den Klimaschutz wichtigen Moore nicht weiter zerstört würden. Bei der Entscheidung, ob der Torfzusatz in der Erde wirklich unverzichtbar ist, hilft ein Blick auf ph-Wert und Verwendung vom Hochmoortorf in der Blumenerde:

blumenerde flDer ph-Wert der Hochmoortorfe

Moore entstehen, wenn sich Wasseransammlungen bilden, die sich im Laufe langer

Zeit mit Nährstoffen anreichern, nach und nach führen Eutrophierung und verrottende Pflanzenreste zu einer Verlandung.  Als erste Stufe entsteht ein Niedermoor mit Niedermoortorf, das reich an Nährstoffen ist. Deshalb wird der Niedermoortorf auch als Feuchthumus oder Moorerde bezeichnet. Sind die Bedingungen günstig, bilden sich an der Oberfläche dieses Jungmoores Auflagerungen, es löst sich im Laufe der Zeit vom Grundwasser. Das Moorwasser bekommt dann einen niedrigen pH-Wert (ca. 3,4 bis 3,7), es enthält wenig Nährstoffe und kaum Sauerstoff, die Zersetzung der pflanzlichen Substanzen wird beträchtlich gebremst.

Damit hat sich ein Hochmoor entwickelt, das bald eine Pflanzengesellschaft beherbergt, die an seine speziellen Bedingungen angepasst ist. Die im Hochmoor entstehenden Torfarten werden nach dem Grad ihrer Verdichtung unterschieden, da diese zugleich den früher wichtigen Heizwert bezeichneten, wird die Torfart immer noch durch die Heizwertkennzahl gekennzeichnet, sie geht von H2 (noch kaum zersetzt) bis zu H9 (unter hohem Druck vollkommen zersetzter Schwarztorf).

Der Blumenerde wird Weißtorf oder Schwarztorf zugemischt. Der helle Weißtorf, der die Struktur der Pflanzen noch recht genau abbildet, bildet sich an der Oberfläche des Moores, der ph-Wert ist ähnlich dem des Moorwassers, zwischen 3 und 4. Beim Schwarztorf handelt es sich um die älteste Torfschicht, die unterste Schicht eines Torflagers, die größerem Druck ausgesetzt war und während der Entstehung durchlüftet wurde. Sie ist in der Zersetzung weiter fortgeschritten als die obere Lage, der ph-Wert liegt zwischen 5 und 6.

ph-Wert und Aufgabe von Blumenerde

Die Qualitätsanforderungen an gute Blumenerde wurden von der Gütegemeinschaft Substrate für Pflanzenbau e. V. festgelegt, sie sollte im Wesentlichen folgende Eigenschaften haben:
  • Die Blumenerde soll der Pflanze Halt geben.
  • Gute Blumenerde muss Wasser und Nährstoffe speichern und wieder zur Verfügung stellen können, damit ein gesundes Wachstum gewährleistet ist.
  • Das Substrat sollte einen pH-Wert zwischen 5 und 6,5 haben, in diesem Wertebereich können die Nährstoffe von der Pflanze genutzt werden.
  • Die Erde soll die Versorgung der Pflanzenwurzeln mit Luft sichern, die Mischung muss also locker genug sein.
  • Das
    Substrat muss sich auch nach einer völligen Austrocknung leicht wieder befeuchten lassen.
  • Gute Blumenerde sollte möglichst frei von Fremdsamen und Krankheitserregern sein und keine Stoffe enthalten, die die Pflanzen schädigen könnten.
  • Das Substrat sollte auch bei mächtigem Regen vergießfest sein und außerdem stabil in der Struktur.
Schwarztorf hat den richtigen ph-Wert und erfüllt auch viele andere der Anforderungen, bringt aber nur sehr wenige Nährstoffe mit, wenn vollwertige Gartenerde gemischt werden soll, muss Dünger künstlich zugegeben werden. Je älter der Torf ist, desto stärker zersetzt ist er auch - und dann ist er nicht mehr sehr vergießfest, zu viel Nässe wird häufig nicht zuverlässig abgeführt. Eine Beimischung von zu feinem Torf fördert aus diesem Grund auch

eine Schimmelbildung im Substrat. Weißtorf ist aus anderen Gründen nur bedingt geeignet, einer Blumenerde beigemischt zu werden: Sein ph-Wert liegt zwischen 3 und 4 und damit deutlich im sauren Bereich, in naturgegebener Form könnte er allenfalls eingesetzt werden, um den pH-Wert im Boden für einige Moorpflanzen erträglich zu machen (dafür gibt es aber einige andere Methoden, siehe unten). Für die Anforderungen der meisten Pflanzen muss der Weißtorf in der Blumenerde mit Kalk neutralisiert werden, dann wird der pH-Wert künstlich so eingestellt, dass er dem normaler Gartenerde entspricht. Beide Torfarten erfüllen also im Naturzustand nicht alle Anforderungen, die an eine gute Gartenerde gestellt werden, sie müssen künstlich eingestellt werden.

pflanzen-setzen flAndere Substanzen als Ersatz für den Torf in der Blumenerde

Es gibt etliche andere Substanzen, die ganz natürlich die Anforderungen an eine Gartenerde in Bezug auf ph-Wert und Nährstoffdichte erfüllen, angefangen bei einfachem Kompost. Zur Auflockerung und Struktureinstellung einer Erde können zahlreiche andere Substanzen zugegeben werden, z. B. Xylit oder Rindenmulch oder schlichter Sand. Saure Erde kann mit Traubenester oder sauer eingestelltem Kompost gemischt werden, nährstoffarme Anzuchterde lässt sich ebenfalls durch Beigabe von Perlit oder Kokoshumus herstellen. Diese Erden können nach ein wenig Information leicht und preiswert selbst gemischt werden, es gibt aber auch torffreie Substrate für jede gewünschte Anwendung zu kaufen.

Eigentlich ist es also eher verwunderlich, dass der nur mäßig geeignete Torf in so großen Mengen unter die Blumenerde gemischt wird. Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sieht das allerdings anders aus: Torf ist preiswert, leicht abzubauen, gut zu verpacken und einfach zu transportieren, und ein finanzieller Ausgleich für die durch den Abbau zerstörten Hochmoore muss nicht geleistet werden.

Nützliche und faszinierende Hochmoore

Der Torf würde dem Menschen viel mehr nutzen, wenn er im Hochmoor bleiben darf:
  • Hochmoore binden mit nur 3 % Flächenanteil etwa 30 % des bodengebundenen Kohlenstoffs, sie sind also mit unsere mächtigsten Klimaschützer.
  • Außerdem speichern intakte Moore ungeheure Wassermassen, die sehr langsam ins Grundwasser abgegeben werden, trockengelegter Moorboden kann diese Funktion nicht mehr wahrnehmen - das kann Folgen bis in die Bereiche des Hochwasserschutzes haben.
  • Die Hochmoore bieten zahlreichen auf die dort herrschenden Bedingungen spezialisierten Tieren und Pflanzen einen unersetzlichen Lebensraum.
Auch der Gedanke, dass eine Torfschicht im Jahr nicht mehr als etwa 1 mm wächst, sollte verantwortungsbewußte Menschen dazu bewegen, zuerst Torfersatz zu verwenden.