Schlehdorn, Prunus spinosa - Steckbrief, Pflege und Ernte

Schlehdorn mit BeerenAus dem naturnahen Garten ist Schlehdorn nicht wegzudenken. Das dornige, überreich blühende Wildgehölz beschert Vögeln und Insekten einen sicheren Rückzugsort und dient als wertvolle Nahrungsquelle. Kultiviert als Hecke hält das robuste Rosengewächs ungebetene Besucher und neugierige Blicke vom Grundstück fern. Dem nicht genug, lassen sich aus den dunkelblauen Früchten köstliche Marmeladen, Liköre und andere Leckereien zubereiten. Was ein Prunus spinosa an Vorzügen zu bieten hat, vermittelt der folgende Steckbrief im Überblick. Erkunden Sie hier, wie unkompliziert sich Schwarzdorn hinsichtlich

Pflege und Ernte erweist.

Steckbrief
  • Pflanzenfamilie: Rosengewächse (Rosaceae)
  • Bezeichnung der Art: Schlehdorn (Prunus spinosa)
  • Sommergrünes, dornenreiches Wildobstgehölz
  • Wuchshöhe 150 bis 400 cm, selten bis 600 cm
  • Gut geeignet als Wind- und Sichtschutzhecke
  • Kräftiges, stark verzweigtes Wurzelsystem zur Hangbefestigung
  • Weiße, einfache Blüten von Mitte März bis Mai
  • Schwarzblaue, kugelige Steinfrüchte im Herbst
  • Schmackhaftes Nahrungsmittel und vitaminreiche Naturarznei
  • Bietet Vögeln und Insekten ideale Lebensbedingungen und Nahrung
  • Trivialnamen: Schlehe, Schwarzdorn, Heckendorn
Die kleinen Steinfrüchte mit einem Durchmesser von 1 cm, dienen den Menschen bereits seit der Jungsteinzeit als fruchtiger Vitaminlieferant. Aus Prunus spinosa entwickelten im sich Laufe der Evolution beliebte Obstgehölze, wie die Hauspflaume oder die Kirschpflaume.

Pflege

Blüten von SchlehenIn der sachgemäßen Kultivierung von Schlehdorn stellen in erster Linie die kräftige Bedornung sowie der vehemente Ausbreitungsdrang die eigentliche Herausforderung dar. Alle anderen Pflegemaßnahmen reihen sich dahinter ein, da sich ein Prunus spinosa als Wildgehölz auszeichnet durch eine robuste Widerstandsfähigkeit und genügsame Anspruchslosigkeit. Tragen Sie daher bei allen Pflanz- und Pflegearbeiten eine adäquate Arbeitskleidung, die vor den spitzen Dornen schützt. Im besten Fall pflanzen Sie den Wildstrauch mit einer stabilen Wurzelsperre. Gut geeignet sind ein steinerner Maurerbottich ohne Boden, ein Betonring oder das kräftigste Geotextil, das der Fachhandel zu bieten hat. Darüber hinaus halten Sie den emsigen Schwarzdorn mit regelmäßigen Schnittmaßnahmen unter Kontrolle, die in der folgenden Pflegeanleitung im Detail erläutert werden.

Als naturverbundene Vorkehrung gegen eine Schlehdorn-Invasion pflanzen umsichtige Hobbygärtner eine gemischte Hecke mit passenden Konkurrenzsträuchern. Hierzu zählen Wacholder, Weißdorn, Eiben, Berberitze und Wildrosen. All diese Gehölze verfügen über das Potenzial, dem Ausbreitungsdrang eines Prunus spinosa die Stirn zu bieten. Darüber hinaus schaffen Sie für die Nützlinge des Gartens ein kleines Paradies, was sich im Laufe der Zeit im Rückgang von Schädlingen bemerkbar macht.

Tipp: Die Schlehe zählt zu den Flachwurzlern, sodass Wurzelsperren zwar stabil sein sollten, indes nicht sonderlich tief in den Boden reichen müssen. Versenken Sie einen Betonring oder ein Geotextil bis 50 cm Tiefe, dämmen Sie den Ausbreitungsdrang effektiv ein.

Standort

Ein Blick auf die Vorkommen von Schlehdorn in freier Natur legt nahe, dass die Pflanze nach einem sonnendurchfluteten Standort verlangt. Unter dämmrigen Lichtverhältnissen gerät die Blüte kümmerlich, was in einer spärlichen Schlehen-Ernte mündet. Siedeln Sie daher das Wildobstgehölz so an:
  • Sonnige bis halbschattige Lage mit mindestens 4-6 Sonnenstunden täglich
  • Warm und geschützt
  • Nährstoffreicher, frischer bis leicht trockener Boden
  • Gerne kalkhaltig und grobkörnig
Prunus spinosaIn sandig-trockener Erde, wie einem Heidegarten, sowie im dauerfeuchten Boden entlang eines Gewässers werden Sie und die Nützlinge des Gartens nicht viel Freude am Heckendorn haben.

Gießen und Düngen

Der Wasser- und Nährstoffhaushalt eines Prunus spinosa bewegt sich auf minimalem Niveau. Findet das Wildobstgehölz einen geeigneten Standort vor, beschränken sich diese Pflegeaspekte auf folgende Maßnahmen:
  • Schlehdorn einzig gießen bei

    sommerlicher Trockenheit, wenn der Regen nicht ausreicht
  • Im Rahmen der Pflanzung reifen Kompost und Hornspäne ins Pflanzloch geben
  • In den Folgejahren eine organische Startdüngung
    Anfang März verabreichen
  • In magerer Erde im Juni ein weiteres Mal düngen
Sofern die kugeligen Steinfrüchte für den Verzehr gedacht sind, sollte von mineralischem Dünger Abstand genommen werden. Wo die Bodenbeschaffenheit nicht den Idealbedingungen entspricht, liefern Pflanzenjauchen, wie Brennnessel- und Beinwelljauche unterjährig zusätzliche Nährstoffe auf natürliche Art.

Tipp: Ein frisch gepflanzter Schwarzdorn wird in den ersten Wochen reichlich und regelmäßig gegossen, damit sich die Wurzeln zügig ausbreiten können. In der Folge wird die Wasserversorgung reduziert, da der Strauch sich mit kurzzeitiger Trockenheit wohler fühlt als im dauerfeuchten Boden.

Schneiden

Steht eine ausreichende Platzkapazität für einen Schlehdorn zur Verfügung, können Sie auf einen regelmäßigen Schnitt getrost verzichten. Von Natur aus entwickelt sich eine ungeschnittene Hecke vollkommen undurchdringlich, was Ihre geflügelten und gefiederten Gartenbewohner durchaus zu schätzen wissen. Im kleinen Garten empfehlen wir hingegen einen konsequenten Rückschnitt von Beginn an. So geht es richtig:
  • Die beste Zeit für einen Formschnitt ist unmittelbar nach der Blüte Ende Mai/Anfang Juni
  • Zu lange Zweige auf die gewünschte Länge einkürzen
  • Die Schere dabei 1-2 mm über einem nach außen gerichteten Auge ansetzen
  • Zusätzlich den gesamten Strauch gründlich auslichten
  • Alles Totholz an der Basis kappen sowie kümmerliche und kranke Zweige entfernen
SchlehbeerenScheuen Sie bei Bedarf nicht vor einem beherzten Rückschnitt zurück, wenn ein Schlehdorn droht, im Garten das Zepter zu übernehmen. Das Wildgehölz verträgt durchaus einen Schnitt bis auf Bodennähe. Solange mindestens ein schlafendes Auge am Trieb verbleibt, treibt die Pflanze daraus freudig wieder aus. Für eine derart drastische Maßnahme ist die winterliche Saftruhe die beste Zeit. Im Januar oder Februar greifen Sie an einem frostfreien, bedeckten Tag zur Schere, natürlich gut beschützt mit stabiler Arbeitskleidung und soliden Handschuhen.

Tipp: Kontrollieren Sie bei jedem Schnitt, ob ein Schlehdorn nicht frech versucht, mit seinen Wurzeln die Sperre zu überwinden. In diesem Fall trennen Sie mit einem Spatenstich die naseweisen Wurzelausläufer ab und entsorgen diese im Hausmüll.

Überwintern

Als einheimisches Wildgehölz ist Schlehdorn vollkommen winterhart. Damit der Strauch gesund durch die kalte Jahreszeit kommt, sind somit keine Vorkehrungen zu treffen. Demgegenüber ist die frühe Blüte alljährlich durch verspätete Fröste bedroht. Behalten Sie ab März die Wettervorhersage im Auge, um bei Bedarf die Knospen und Blüten mit einer Haube aus Vlies oder Jute zu schützen.

Vermehren

Sobald Sie ein einziges Exemplar im Garten kultivieren, lassen sich daraus zahlreiche Nachkommen züchten. Für die unkomplizierte Vermehrung stehen folgende Vorgehensweisen zur Auswahl:

Wurzelschnittlinge
  • Im Frühjahr Wurzelausläufer abschneiden
  • Auf 3-5 cm zurechtschneiden
  • In Töpfe mit magerem Substrat pflanzen
  • Konstant leicht feucht halten, bis der Topf durchwurzelt ist
schlehdornStecklinge
  • Während des Sommers 10-15 cm lange Kopfstecklinge schneiden
  • In der unteren Hälfte entlauben und in Töpfchen mit Torf-Sand setzen
  • Den Winter hindurch leicht feucht halten am halbschattigen Standort
  • Im Frühjahr mit kräftigem Wurzelsystem auspflanzen
Absenker
  • Im Frühsommer halb verholzte Triebe am äußeren Strauchrand zu Boden ziehen
  • Mittig mit Erde bedecken, mit einem Stein fixieren und die Triebspitze an ein Holzstäbchen binden
  • Im Herbst den bewurzelten Zweig abschneiden und einpflanzen am sonnigen Standort
Während die drei vorgestellten Methoden der vegetativen Vermehrung zügig verlaufen, nimmt die generative Anzucht durch Aussaat etwas mehr Aufwand in Anspruch. Da es sich bei den Samen um Kaltkeimer handelt, durchlaufen sie zunächst eine Stratifikation. Hierzu legen Sie das Saatgut in feuchtem Sand für 4-6 Wochen ins Gemüsefach des Kühlschranks. Alternativ säen Sie die Samen im Herbst unmittelbar im Beet aus und überlassen Mutter Natur den Rest.

Ernte

Ab September reifen die kleinen, schwarzblauen Steinfrüchte am Prunus spinosa heran. Wer bereits jetzt vom grünen Fruchtfleisch kostet, wird enttäuscht einen sehr sauren, herben Geschmack wahrnehmen. Das ändert sich gleich nach dem ersten Frost, da sich aufgrund der Kälte ein Großteil der enthaltenen Stärke in Zucker verwandelt und zugleich das zuvor noch harte Fruchtfleisch weicher wird. So ernten Sie richtig:
  • Langärmelige Kleidung und dicke Handschuhe anlegen
  • Die reifen Schlehen einzeln von den Zweigen pflücken
  • Die geernteten Früchte in einen luftigen Korb legen und nicht in eine Plastiktüte
  • Vor der weiteren Zubereitung die leicht giftigen Kerne entfernen
Blüten von SchlehdornErnten Sie die Schlehen in freier Natur, meiden Sie bitte stark befahrene Straßen und die Nähe zu Feldern, auf denen chemische Spritzmittel verwendet wurden. Überdies darf nicht in Naturschutzgebieten geerntet werden, da die Früchte zahlreichen bedrohten Vogelarten als Nahrungsquelle dienen.

Tipp: Wer sich mit der Ernte nicht bis nach dem ersten Frost gedulden mag, pflückt die reifen Schlehen-Früchte und friert diese einige Tage ein.

Fazit

Wer zum Wohle seiner geflügelten und gefiederten Gartenbewohner einen solitären Schlehdorn oder gar eine Hecke anpflanzt, wird belohnt mit einem dichten Wind- und Sichtschutz sowie reicher Steinfruchternte. Solange die wehrhafte Bedornung und der vehemente Ausbreitungsdrang im gärtnerischen Blickfeld bleiben, macht sich die Pflege kaum bemerkbar. Gießen ist einzig bei sommerlicher Trockenheit erforderlich. Eine organische Startdüngung reicht im Jahr vollkommen aus, vorausgesetzt der Standort ist reich an Nährstoffen und sonnig bis halbschattig gelegen. Diese überschaubare Pflege mündet in einer herrlich duftenden Blüte und einer üppigen Schlehen-Ernte unmittelbar nach dem ersten Frost.