Obstbaumschnitt - Obstbäume richtig schneiden

Beim Obstbaumschnitt kommt es nicht nur auf Präzision an - wichtig ist auch der ZeitpunktAb Ende Januar, wenn die Tage milder werden, steht der Gartenbesitzer vor der Frage, wann und wie er seine Obstbäume und Sträucher schneiden soll.

Allgemein bekannt ist, dass der Ertrag weitgehend von Schnittmaßnahmen beeinflusst werden kann. Ein Blick in die Gärten jedoch verrät, welche Folgen unsachgemäße Schnitte mit sich bringen: Faulende Astgabeln und ausgebrochene oder von Pilzen befallene Kronen beeinträchtigen die Ernte erheblich.

Am Ende des Winters

muss die Kraft des Obstbaumes auf die Entwicklung zahlreicher Blüten und die spätere Ausbildung gesunder Früchte konzentriert werden. Zusätzlich verhindert das Auslichten der Krone Pilzinfektionen, da die Sonne ungehindert Regengüsse trocknen kann.

Der Obstbaumschnitt - das Fitness-Programm für den Obstbaum

Das "Wann" und "Wie" des Obstbaumschnitts ist für fast alle Obstbäume gleich. Der gelungene Obstbaumschnitt entfernt alte Triebe und abgestorbenes Holz. Die Verjüngungskur für den Obstbaum zeigt bereits beim nächsten Austrieb ihre sichtbaren Erfolge - mit einer verbesserten Ernte, einer höheren Fruchtqualität und einem widerstandsfähigeren Baum.

Wieder ganz im Trend liegt das selbst angebaute und geerntete Obst. Ohne Pestizide und Herbizide lässt sich im eigenen Garten oder auf der städtischen Obstwiese der eigene Obstbaum auspflanzen. Oft werden bereits im Folgejahr die leckeren Früchte geerntet. Im Winter verlieren die Obstbäume ihre grünen Blätter und präsentieren sich im Schnee als eine bizarre und doch wunderschöne Dekoration. Ab dem Frühjahr beginnt die Blütezeit der Obstbäume mit ihrem weißen, farbig gefüllten Blütenmeer, das bald zu leckeren Früchten reift.

Die Obstbäume wachsen regelmäßig und auch ohne Schnitt, doch hält der Obstbaumschnitt den Baum in Form. Die physische Gestalt des Holzes sowie neue Austriebe werden mit dem Obstbaumschnitt gezielt kontrolliert. Das Ausholzen, das Entfernen alter, kranker oder abgestorbener Triebe, sorgt für eine sichtbare Erholung des Obstbaumes, dem damit wieder alle Nährstoffe zur Verfügung stehen. Der gezielte Schnitt macht den Obstbaum widerstandsfähiger gegen Krankheiten und Pilzbefall. Mit dem Baumschnitt verbessert sich auch die Qualität der Früchte, die an alten Bäumen oft klein und säuerlich bleiben. Zusammenfassend sollten Obstbäume regelmäßig geschnitten werden, um
  • ein stabiles Tragegerüst für einen möglichst hohen Fruchtbehang zu fördern, das auch dem Schneedruck standhält
  • eine bessere Belichtung auch tief liegender Triebe sorgt für eine verbesserte Fruchtqualität
  • bei sachgemäßem Schnitt kann mit einem früheren Ertragsbeginn gerechnet werden
  • der Schnitt hält den Obstbaum leistungsfähig und erhöht seine Lebenszeit
  • Ernteschwankungen werden durch den gezielten Rückschnitt gemildert.

Dank eines fachgerechten Obstbaumschnitts trägt der Apfelbaum viele FrüchteWelche Äste werden geschnitten?

Äste, die nach innen wachsen, behindern andere Zweige und bilden wenige bis gar keine Blüten bzw. Früchte aus. Solche Zweige sollte man im Ansatz kappen.Astgabeln sollten sich nach Möglichkeit nicht bilden, denn hier sammelt sich Regenwasser an und bietet somit der Fäulnis einen optimalen Untergrund. Wenn man beobachtet, dass sich ein Ast gabelt, sollte einer der beiden entstehenden Zweige frühzeitig geschnitten werden.

Äste und Zweige, die parallel zueinander wachsen, konkurrieren miteinander und nehmen sich gegenseitig Licht und Platz weg. Auch hier sollte einer der beiden Triebe frühzeitig gekappt werden. Auch Äste, die sich überkreuzen, sind zu entfernen, da sie häufig aneinander scheuern und sich somit gegenseitig verletzten. Äste, die senkrecht wachsen, tragen nicht besonders viele

Früchte. Optimal ist ein Winkel von ca. 35° zwischen Ast und Ebene.

Äste, die einen auffällig unnormalen Wuchs aufweisen, werden entfernt. Das Gleiche gilt für Fruchtmumien, Blätter
mit Raupennestern und mit Mehltaubefallene Triebspitzen. Achtung: Rindenkrankheiten müssen zur vollständigen Bekämpfung bis 30 cm ins gesunde Holz zurück geschnitten werden!

Der beste Zeitpunkt für den Obstbaumschnitt

Geht es nach dem Mondkalender, so sind - in jedem Monat - die Tage um den Neumond besonders vorteilhaft. Für den Obstbaumschnitt empfiehlt sich meist der Spätwinter, wenn sich die Obstbäume in der Ruhephase befinden. Nach dem Schnitt hat der Baum noch ausreichend Zeit, um sich zu erholen und auf die neue Austriebsperiode vorzubereiten. Jedoch sollte nicht bei Frost bzw. bei Temperaturen unter 5 °C geschnitten werden.
  • Beerenobst kann zwar das ganze Jahr über geschnitten werden, vorzugsweise jedoch direkt nach dem Abernten.
  • Steinobst darf ausschließlich während der Laubzeit geschnitten werden.
  • Kernobst kann problemlos das ganze Jahr - vorausgesetzt es ist nicht zu kalt - geschnitten werden

Kirschbäume werden dagegen traditionell im Sommer geschnitten - gleich nach der Ernte ist der alljährliche Baumschnitt fällig. Apfelbäume werden von Januar bis März, Birnen und Pflaumenbäume erst ab März und die Aprikosen und Pfirsiche erst unmittelbar vor dem Knospenaufbruch (April/Mai) geschnitten. Unsere Empfehlungen:

Winter (Januar bis Mitte März)

  • Schnitt von Beeren-, Kern- und Steinobst
  • nicht bei Temperaturen unter 5 Grad Celsius.

Sommer

  • Kirschen (zur oder nach der Ernte)
  • Jungbäume, Spaliere, Spindel (von Juli bis Mitte August)
  • Nachschnitt verjüngter Bäume (Juli).

Wichtige Ratschläge zum Verschneiden

Grundsätzlich gilt, keine Aststummel, auch Kleiderhaken genannt, stehen zu lassen. Geschnitten wird direkt am Astring mit einem scharfen und sauberen Werkzeug. Entfernt werden dabei alle Triebe, die
  • senkrecht nach oben wachsen
  • nach innen wachsen
  • mit anderen Trieben konkurrieren (parallel zu ihnen wachsen)
  • von Pilzen oder Schädlingen befallen sind.
Obstbaumschnitt mit handlicher AstschereSchnittechniken für den Obstbaumschnitt

Die Schnittarten unterscheiden sich nach der Art und Alter des Baumes. Der Pflanzschnitt, der Erziehungsschnitt, der Erhaltungsschnitt und der Verjüngungsschnitt zählen zur regelmäßigen Pflege der Obstbäume. Spätestens im Jahr nach seiner Pflanzung erfolgt der Pflanzschnitt, mit dem die künftige Form des Baumes bestimmt wird. Ausgehend vom Mitteltrieb entfernt der Pflanzschnitt alle konkurrierenden Triebe und lässt nur drei bis vier Seitentriebe stehen. Zur Kräftigung des Baumes werden diese etwas gekürzt.

Der Erziehungsschnitt legt die künftige Kronenform des noch jungen Baumes fest. Beim Erziehungsschnitt werden wiederum die Haupttriebe (Mitteltrieb und Seitentriebe) gekürzt, um das Wachstum des Baumes anzuregen. Die an den seitlichen Haupttrieben wachsenden Triebe bleiben stehen, denn an diesen bilden sich später die Früchte. Auch werden alle nach oben wachsenden Triebe, die in die Krone reichen, sowie die aus dem Stamm und dem Boden wachsenden Triebe entfernt.

Der jährliche Erhaltungsschnitt entfernt das vergreiste Fruchtholz und bremst übermäßiges Wachstum. Die alten und nicht mehr gut tragenden Triebe werden dabei direkt am Haupttrieb abgeschnitten. Wiederum werden die senkrecht nach oben stehenden und kranken Triebe des Obstbaumes herausgeschnitten. Das Einkürzen der Jungtriebe sorgt für eine reiche Blüte und eine verbesserte Ernte.

Der Verjüngungsschnitt des Obstbaumes verhindert die Überalterung des Baumholzes. Das Entfernen der toten und kranken Äste regt das Wachstum des Obstbaumes an. Das Ausdünnen und Herausschneiden der älteren Äste aus der Krone erhöht den Lichteinfall auf die unteren Äste und Triebe, was mit einer reicheren Ernte belohnt wird.

Langsam wachsende Obstbaumsorten

Spezielle Züchtungen der Obstbäume wachsen nur langsam und erreichen dazu eine geringere Höhe. Damit wird die Ernte der Früchte auf Kopfhöhe, aber auch die Pflege der Obstbäume um einiges einfacher. Spindelbäume benötigen nur einen minimalen Schnitt und erreichen dabei keine Höhe, die den Einsatz einer Leiter erfordert. Die Ertragskraft dieser Züchtungen ist zudem besonders hoch, was ihre Attraktivität im Gartenbereich weiter erhöht. Ganz einfach ist der Obstbaumschnitt nicht, doch mit ein wenig Übung wird auch er schnell zur gärtnerischen Routine.

Neben Sicherheitsvorkehrungen (eine hochwertige Leiter, ein sicherer Stand und das geeignete Werkzeug für den Baumschnitt) erfordert der richtige Schnitt des Obstbaumes nicht nur Technik, sondern auch ein geübtes Auge. Doch gerade das bildet sich mit zunehmender Praxis schnell heraus und der Gärtner sieht auf den ersten Blick, welche Äste entfernt oder eingekürzt werden müssen. Das Beobachten der neuen Austriebe und der Ernteerfolge motiviert auch die ganz ungeübten Hobbygärtner.

Nicht alle Obstbäume sollten im Sommer verschnitten werdenWichtige Regeln beim Obstbaumschnitt in Kürze

Es gilt die Grundregel: Alle Werkzeuge, die man benutzt, sollten scharf und sauber sein.
  • Größere Schnittwunden sollten zur Abwehr von Krankheiten und Infektionen versiegelt werden. Es eignet sich Wachs oder ein spezielles Wundverschlußmittel.
  • Äste die geschnitten werden, komplett entfernen und keine Stümpfe stehen lassen, denn sonst bilden sich an solchen Stellen unerwünschte Neuaustriebe.
  • Je mehr Schnittstellen entstehen, desto mehr Wunden hat der Baum. Es ist besser, ganze Astpartien zu entfernen, als immer wieder einzelne Äste zu kappen.
  • Wird der letztjährige Haupttrieb um ein Drittel gekürzt, erzielt man eine optimale Verzweigung. Dieser Schnitt empfiehlt sich vor allem bei Johannisbeeren.