Spinnen in Deutschland - eine Übersicht

Spinnen in Deutschland - eine Übersicht

Die Menschen, die keine Spinnen mögen, wollen meist überhaupt nichts von und über Spinnen wissen. Dabei kann die reine Beschäftigung mit den Spinnen schon helfen, viel von der Angst vor den Spinnen abzubauen. Um Sie auch zum Lesen zu verführen, wenn Sie den Spinnen absolut nichts abgewinnen können, fangen wir unsere Übersicht ganz sachte mit der netten Seite der Spinnen an:

spinnennetz flNützliche Spinnen

Ja, ist gibt durchaus nette Spinnen, genauer gesagt sind alle Spinnen nützlich.

Und nicht eine der deutschen Spinnenarten ist so giftig, dass sie für einen Menschen in irgendeiner Form lebensbedrohlich werden könnten. Im Gegenteil, es sind fast keine Vorfälle bekannt, wo es tatsächlich zu Beschwerden aufgrund eines Spinnenbisses kam.

Auch heimische Spinnen beißen nämlich nicht gerne, sondern verhalten sich ähnlich wie Bienen und Wespen: “Tust Du mir nichts, tu ich Dir nichts!” Nur wenn sie sich in einer ausweglosen und lebensbedrohlichen Lage befinden, werden sie einen Angriff wagen. Darauf ist ihr Lebenszweck aber wirklich nicht ausgerichtet. Spinnen erfüllen vielmehr wichtige Aufgaben in unserer gemeinsamen Lebensumwelt.

Sie halten die Populationen der verschiedensten Insekten im Gleichgewicht, indem sie sie z. B. in ihren Netzen fangen. Die Netze werden aus Spinnenfäden gefertigt, die von Forschern aus der ganzen Welt als wahre Wunderkonstruktionen angesehen werden. Die Fäden, die die Spinnen produzieren, sind sehr dünn, aber trotzdem extrem reißfest und auch noch elastisch, bisher ist es keinem Menschen gelungen, Fäden gleicher Qualität zu produzieren.

Die Netze sind raffinierte Fanganlagen, mit deren Hilfe die feinsinnigen Spinnen sogar erkennen können, ob sich Beutetiere oder Feinde nähern. Auch wenn ihr Gehirn so klein ist wie der Punkt am Ende dieses Satzes, machen Spinnen ihre Netzkonstruktionen effektiver, wenn sie älter werden - sie sind also lernfähig.

Einige Spinnenarten haben sogar ganz neue Netztypen entwickelt, Keschernetze zwischen den Vorderbeinen z. B., Schleuderkugeln an einem einzelnen Faden, Stolperseile oder Falltüren, die auch noch Feinde abhalten. Andere Spinnen jagen gleich ganz ohne Netz, Springspinnen springen ihre Beute einfach an und Wasserjagdspinnen tauchen nach ihr, sie können bis zu einer halben Stunde unter Wasser bleiben und tauchen trocken wieder auf.

Diese erstaunlichen Fähigkeiten bringen ebenso erstaunliche Ergebnisse bei der Insektenjagd. Nicht eine Welt mit Spinnen, sondern eine Welt ohne Spinnen wäre deshalb der wirkliche Schrecken für uns: Wissenschaftler haben berechnet, dass nur die deutschen Spinnen jährlich etwa 4,5 Millionen Tonnen Insekten erbeuten. Wenn alle Spinnen Deutschlands ein Jahr Jagdpause einlegen würden, würden diese 4,5 Mio Tonnen über den Boden verteilt eine Schicht von mindestens 10 cm Höhe ergeben. Es ist zu vermuten, dass die Spinnenverächter auf einer solchen
Schicht auch nicht sehr gerne laufen würden.

Heimische Spinnen

spinnen flWissenschaftlich gesehen sind nur die Tiere der Ordnung Araneae, der Webspinnen, echte Spinnen. Umgangsprachlich werden aber auch andere Tiere der übergeordneten Klasse der Spinnentiere (Arachnida) als Spinnen bezeichnet, nämlich alle spinnenähnlichen Tiere aus anderen Arachniden-Ordnungen, zum Beispiel der Weberknecht. Er gehört eigentlich in die eigene Ordnung der Weberknechte mit immerhin 4.000 Arten.


/>Mit den Webspinnen hat jeder interessierte Biologe aber auch genug Spinnen, um sich zu beschäftigen, momentan sind etwas über 42.000 Arten in ca. 110 Familien weltweit entdeckt.

Dementsprechend gibt es in Europa ebenfalls unzählige Arten von Spinnen, die sich in fast 60 Familien mit über 600 Gattungen aufspalten. Wenn Sie sich näher mit den Spinnen in Deutschland beschäftigen möchten, empfiehlt sich für Einsteiger das Spinnen-Forum-Wiki, das von arachnologisch interessierten Mitgliedern des Forums mitteleuropäischer Spinnen eingerichtet wurde (wiki.spinnen-forum.de). Hier finden Sie Listen mit deutschen Spinnennamen, Listen der Spinnen, die in und an Gebäuden gefunden werden, Sie können sich auch nach Grundmerkmalen oder besonders auffälligen Merkmalen Schritt für Schritt durch die Welt unserer Spinnen führen lassen. Wenn das nicht weiterhilft, können Sie natürlich auch direkt im www.forum.spinnen-forum.de eine Anfrage stellen.

Eine sehr spannende Website über die Araneae unterhält die Schweizer Universität Bern, www.araneae.unibe.ch. Hier können Sie die Spinnen auf Ihrer Hand ganz genau bestimmen, nach Taxon oder Familienschlüssel (beschreibt verschiedene Körpermerkmale), es gibt auch eine Liste der Familien und der Gattungen und eine phänomenale Fotogalerie. Allerdings ist diese Seite nur für biologisch Vorgebildete leicht verständlich.

Giftige und ärgerliche Spinnen

In den Tropen gibt es wirklich Spinnen, an deren Biss Sie sterben können, wenn es ganz schlecht läuft. Aber auch die meisten giftigen Spinnen sind extrem friedfertig, es ist also schon ziemlich schwer, überhaupt gebissen zu werden. Andere sind viel harmloser als ihr Ruf, eine Vogelspinne wird es z. B. nicht schaffen, Sie zu töten. Natürlich spielt die körperliche Konstitution auch eine Rolle bei der Giftwirkung, aber wenn man von normalen Umständen ausgeht, gibt es in Deutschland überhaupt keine “Giftspinnen” in dem Sinne.

spinne2 flDrei heimische Spinnen-Arten gelten als schwach toxisch, die Kreuzspinne (Araneus diadematus), die Wasserspinne (Argyroneta aquatica) und der Dornfinger (Cheiracantium punctorium), der aber nur in sehr warmen Gegenden Deutschlands (z. B. am Kaiserstuhl) vorkommt. Er lebt auch sehr versteckt, sodass er normalerweise mit Menschen nicht in Berührung kommt. Der Biss einer Kreuzspinne schmerzt ähnlich wie ein Bienenstich. Erwischt sie ganz zarte Hautstellen, kann sich eine toxische Wirkung mit Schwellungen und vorübergehenden Lähmungen an der Bissstelle zeigen.

Da eine Spinne aber im Gegensatz zur Biene keinen lästigen Stachel hinterlässt, reichen kühlende Umschläge zur Behandlung vollkommen aus. Der Biss der Wasserspinne ist ähnlich unangenehm, aber wesentlich unwahrscheinlicher, da Wasserspinnen sich in Moorwässern aufhalten, wo sie selten mit Menschen in Kontakt kommen.

Der Dornfinger ist die giftigste Spinne bei uns, sein Biss führt zu Vergiftungserscheinungen mit zuerst brennenden Schmerzen an der Bissstelle. Auch Schwellungen, Übelkeit, Kopfschmerzen, Erbrechen und erhöhte Körpertemperatur können auftreten, in der Regel klingen die Symptome aber nach wenigen Tagen ab. Die Bissstelle kann noch längere Zeit geschwollen oder gerötet sein. Nach dem Biss durch einen Dornfinger empfiehlt sich bei stärkeren Beschwerden der Besuch eines Arztes.