Weil ihre natürlichen Feinde im Garten fehlen, werden Nacktschnecken in feuchten Sommern zur Massenplage. Viele Gärtner packen dann die chemische Keule aus und bekämpfen die Weichtiere mit allen Mitteln. Oft zum Schaden für den ganzen Garten. Wer in seinem Garten eine natürliche Vielfalt zulässt und seine Verbündeten aus dem Tierreich kennt, für den löst sich das Schneckenproblem fast von alleine.

Insekten

Hobbygärtner sind oft erstaunt, wenn sie erfahren, wie viele Insekten natürliche Feinde der Schnecken sind. Es gibt unvermutet viele Insekten, für die Schneckeneier und ausgewachsene Exemplare eine begehrte Beute sind. Fast alle fleischfressenden Insekten greifen die schleimigen Schädlinge an. Nicht alle sind jedoch in der Lage, eine Schnecke auch zu erlegen. Für manche Insekten sind ausgewaschene Exemplare der Schädlinge schlicht zu groß. Einige Insekten haben sich jedoch zu sehr erfolgreichen Schneckenjägern entwickelt. Allen voran viele
Käfer und deren Larven

Käferlarven & Käfer

Bereits die Larven einiger Käferarten, allen voran die Larven der Glühwürmchen, nutzen Schnecken als Eiweißquelle. Die Larven der Glühwürmchen ernähren sich über einen Zeitraum von mehreren Jahren fast ausschließlich von ihnen. Sie folgen ganz einfach der Schleimspur und töten ihre Opfer mit Giftbissen. Auch andere Käferlarven, wie die rot-gelben Larven der Weichkäferfamilie oder die Larven des Moderkäfers haben sich auf die Schneckenjagd spezialisiert. Selbst ausgewachsene Exemplare der wehrlosen und langsamen Schnecken sind für sie eine leichte Beute.

Verschiedene Laufkäfer, wie der Lederlaufkäfer, der Goldlaufkäfer, Schaufelläufer und Goldleisten sind Spezialisten bei der Schneckenjagd. Wegen ihrer Vorliebe für die Weichtiere werden sie im englischen Sprachraum als "snail hunter beetles", auf Deutsch "Schneckenjägerkäfer", bezeichnet. Bei Aaskäfern und einigen Kurzflügelkäfern stehen die Weichtiere ebenfalls auf dem Speiseplan. Die bekanntesten sind der Schwarze Schneckenjäger, der Totengräber und der Schwarze Moderkäfer.

Hundertfüßer, Spinnen und Ameisen

Nachtaktive Hundertfüßer sind auf die Eier der Gartenschädlinge spezialisiert und verschmähen auch kleine, noch junge Schnecken nicht, wenn sie ihrer habhaft werden. Ebenfalls begehrt sind Schneckeneier bei verschiedenen Spinnenarten. Hierzu zählen viele Weberknechtarten wie Schuster und Kanker. Eine dieser Arten trägt sogar den Namen Schneckenkanker, weil sie sich fast ausnahmslos von Schnecken ernähren. Einzelne Ameisen haben gegen den von den Weichtieren zur Verteidigung produzierten klebrigen Schleim kaum eine Chance. Da Ameisen aber in der Regel in großer Zahl auf Nahrungssuche gehen, können sie die schleimige Schneckenabwehr überwinden und die Schnecke erlegen.

Fluginsekten

Verschiedene Fliegen, das heißt, die Fliegenlarven machen ebenfalls Jagd auf die Gartenschädlinge. Das bekannteste Beispiel ist die Hornfliege, deren Larven sich fast ausschließlich von den Weichtieren ernähren. Im Englischen tragen sie daher den Beinamen "snail killing flies", auf Deutsch "Schnecken tötende Fliegen".

Insekten im Garten ansiedeln

In einem naturnahen Garten, mit möglichst vielen verschiedenen Kräutern, Blumen, Büschen und Bäumen fühlen sich Insekten wohl und finden leicht einen ihren Bedürfnissen entsprechenden Lebensraum.
  • Im Garten Wildnis Ecken einrichten und sich selbst überlassen
  • Totholz, Laub und Steine bieten Lebensraum für zahlreiche Insekten
  • Kräuterbeete und Steingärten sind Insektenparadiese
  • Kleine und große Insektenhotels an geeigneten Stelen anbringen
  • Blumen und Büsche mit unterschiedlichen Blühzeiten anpflanzen
Viele Insekten helfen nicht nur, die Schädlinge biologisch zu bekämpfen, sie dienen auch als Nahrung für andere Tiere im Garten.
Nacktschnecken

Amphibien und Schlangen

Als wertvolle Helfer bei der Schneckenbekämpfung sind Kröten bekannt. Wer Kröten in seinem Garten hat, braucht keine Schneckenplage zu befürchten. Zwar ekeln sich manche Menschen vor diesen nicht gerade als schön geltenden Amphibien, aber bei der Schneckenbekämpfung reicht ihnen so schnell kein anderes Tier das Wasser. In unseren Breiten sind vor allem Erdkröten weit verbreitet und bei Gärtnern, die ihre Fähigkeiten als Schnäppchenjäger kennen, immer gern gesehen. Etwas seltener sind Knoblauch- und Kreuzkröten. Noch seltener sind Geburtshelfer- und Wechselkröten. Die oft als Schlangen angesehenen, aber zu den Lurchen zählenden Blindschleichen fressen ebenfalls Nacktschnecken. Ebenso verschiedene Frösche, der Feuersalamander, der Alpensalamander und Eidechsen. Für kleine Frösche, Salamander und andere
kleinwüchsige Amphibien gilt jedoch eine Einschränkung bei der Schneckenbekämpfung. Große Exemplare der Weichtiere können sie nicht fressen. Nur junge Tiere stehen auf ihrem Speiseplan. Dennoch sind sie nützliche Helfer, wenn die Weichtiere biologisch an der Vermehrung und Ausbreitung gehindert werden sollen. Die Schneckennatter gehört zu den einheimischen Schlangen, zu deren Beutetiere auch Nacktschnecken zählen. Leider sind die für Menschen harmlosen Schlangen aber nur selten im Garten anzutreffen.

Amphibien im Garten ansiedeln

Amphibien verbringen einen Teil ihres Lebens an Land und den größten Teil im Wasser. Ein großzügiger Gartenteich, entsprechend den Bedürfnissen der Tiere gestaltet, ist daher unabdingbar, damit sich Amphibien ansiedeln und ihren Beitrag zu einem schneckenfreien Garten leisten können.
  • Der Amphibienteich sollte naturnah gestaltet werden
  • Optimal ist eine sonnige bis halbschattige Lage
  • Eine Wasserfläche ab 20 Quadratmeter ist empfehlenswert
  • Flache Uferregionen und ein zentraler Tiefbereich sind wichtig
  • Stufen im Teich sollten mit einer Kiessandschicht bedeckt werden
  • Heimische Wasserpflanzen bieten Verstecke und Laichplätze
  • Amphibien lieben nährstoffarmes Wasser ohne viel Bewegung
Hunde und Katzen sind Feinde der nützlichen Helfer. Hunde sehen sie als Spielzeug, Katzen als potenzielle Beute und sollten wenn möglich von ihnen ferngehalten werden. Ebenso sollte der Garten für die Amphibien giftfrei bleiben.

Säugetiere

Gemeinsam mit Maulwürfen und Spitzmäusen zählt der einheimische Braunbrust-Igel zu den erfolgreichen Schneckenjägern. Die in der Dämmerung und in der Nacht aktiven Tiere ziehen mittlerweile immer häufiger in menschliche Siedlungen, wo sie Nahrung und Unterschlupf finden. Igel sind, anders als oft vermutet, keine Vegetarier. Auf ihrem Speiseplan stehen die Weichtiere ebenso wie Laufkäfer, Regenwürmer, Hundertfüßer und andere Insekten. Mini- und Hausschweine sind bei Nacktschnecken auch keine Kostverächter. Allerdings ist eine artgerechte Haltung der verschmusten und stubenreinen Tiere mit viel Mühe verbunden und nicht jedermanns Sache.

Vögel

Vögel gelten gemeinsam mit Kröten und Igeln als die fleißigsten Schneckenjäger. Wenn die jungen Nacktschnecken im Frühjahr aus ihren Eiern schlüpfen, werden sie zur begehrten Beute zahlreicher Vogelarten. Amseln, Drosseln, Elstern, Fischreiher, Stare, Störche, Saatkrähen sind Feinde der Schnecken und willkommene Helfer, wenn die Gartenschädlinge biologisch bekämpft werden sollen. Fast alle Singvögel fressen Schnecken. Vorausgesetzt ihre Beute ist nicht zu groß. Wie alle Vögel haben Singdrosseln das Problem, dass ihre Schnäbel keine Zähne haben, um ihre Beuteschnecken zerbeißen zu können. Die intelligenten Vögel haben jedoch im Laufe ihrer Evolutionsgeschichte eine Methode entwickelt, wie sie die zu ihrer Lieblingsspeise zählenden Bänderschnecken gewissermaßen schnabelgerecht zubereiten können. Sie benutzen einen Stein, die sogenannte Drosselschmiede und zerschlagen die erbeutete Schnecke darauf so weit, bis sie sie problemlos fressen zu können.

Enten und Hühner

Huhn als SchneckenvernichterNeben den heimischen Singvögeln gelten auch Enten und Hühner als ausgezeichnete Helfer bei der Schneckenbekämpfung. Insbesondere indische Laufenten und Khaki-Campell-Enten sind natürliche Feinde der Weichtiere und sehr erfolgreich bei der Schneckenjagd. Es heißt, ein Entenpaar genügt, um einen großen Garten schneckenfrei zu halten. Groß muss der Garten auch für die Haltung der Enten sein. Zudem benötigen die flugunfähigen Tiere einen Stall für die Nacht, einen Teich und immer einen Partner, um sich wirklich wohlzufühlen. Hühner eignen sich ebenfalls sehr gut, um Gärten von Schneckengelegen zu befreien. Die Federtiere sind etwas weniger anspruchsvoll, als Enten, benötigen aber ebenfalls einen Stall und einen großen Garten, der ihnen genügend Auslauf bietet.

Vögel im Garten ansiedeln

Amseln, Drosseln, Stare und andere Vögel brauchen einen ruhigen Platz, an dem sie ihre Jungen vor Feinden geschützt aufziehen zu können. Bietet man den Schneckenjägern geeignete Nistplätze an, kann man sich relativ leicht im eigenen Garten ansiedeln. Natürlich muss auch das Nahrungsangebot in der näheren Umgebung stimmen. Vögel benötigen ein abwechslungsreiches Nahrungsangebot mit unterschiedlichen Beutetieren. Vor allem stehen Insekten auf ihrem Speiseplan. Wer dafür sorgen will, dass Vögel in seinem Garten heimisch werden, der sollte gleichzeitig dafür sorgen, dass sich auch Insekten wieder wohlfühlen. Auf diese Weise gewinnen Gärtner gleich zwei Verbündete, die für sie den Feind in ihrem Garten bekämpfen.