Der Kompost macht aus Küchen- und Gartenabfällen hochwertige Erde, die reich an Nährstoffen ist. Genau dies passiert im Wurmkomposter, jedoch auf kleinerem Raum und viel schneller. Ein Wurmkomposter für den Balkon kann mit einfachen Mitteln selbst realisiert werden. Der Vorteil ist, dass aus Abfall wieder hochwertige Erde und Dünger entsteht, der eine gute Grundlage für Gemüse und Blumen am Balkon ist.

Unterschiedliche Komposter

Um auf dem Balkon Wurmkompost herzustellen, gibt es unterschiedliche Systeme. Der Klassiker ist die Wurmkiste, die es in unterschiedlichen Ausführungen gibt. Daneben werden im Handel auch Wurmkomposter aus Kunststoff angeboten, bei denen der Wurmtee und der Feststoffdünger getrennt gesammelt werden. Welche Variante gewählt wird, hängt von den eigenen Vorlieben ab. Prinzipiell funktionieren alle Komposter gleich.

Sie bestehen aus mehreren Etagen. Ganz unten wird der Wurmtee aufgefangen. In der Etage darüber befindet sich fertiger Wurmkompost, darüber

in der Etage sind die Würmer am Arbeiten und hier wird auch frisches Wurmfutter aufgelegt. Die Anzahl der Etagen kann bei unterschiedlichen Modellen variieren.

Einfachen Komposter bauen

Wer einen Wurmkomposter für den Balkon selber bauen möchte, kann dies mit einfachen Mitteln realisieren. Dazu werden lediglich mehrere Eimer und ein Deckel benötigt, sowie eine Bohrmaschine. Der unterste Eimer dient zum Auffangen des Wurmtees. In dem Eimer darüber werden mehrere Löcher in den Boden gebohrt, worüber Flüssigkeiten, die bei der Kompostierung entstehen durchsickern können. Der erste durchlöcherte Eimer ist auch die erste Etage, in die die Kompostwürmer inklusive Futter kommen. Der Eimer wird mit dem Deckel leicht abgedeckt. Sobald der Eimer voll ist, kommt ein neuer Eimer, wieder mit Löchern im Boden darüber. Durch die Löcher sickert wiederum Flüssigkeit nach unten und die Kompostwürmer können in den nächsten Eimer klettern.

Hinweis: Die Kompostwürmer bewegen sich selbstständig in die nächste Etage, wenn die Kompostierung der vorhergehenden Ebene abgeschlossen ist.

Kompostwürmer

Obwohl jeder Wurm wertvolle Arbeit im Boden und bei der Verwertung von organischem Material leistet, gibt es bei der Kompostierung einige Arten, die Höchstleistungen vollbringen.

Folgende Arten eignen sich als Kompostwürmer:

  • Eisenia
  • Dendrobena

Sie unterscheiden sich auch optisch von Regenwürmern. Sie sind deutlich kürzer und viel beweglicher. Außerdem haben sie eine intensivere rötliche Färbung.
Es gibt die Möglichkeit Kompostwürmer im Handel zu kaufen. Wer jedoch im Wald unterwegs ist und unter einem Haufen Laub etwas gräbt, der kann mit etwas Glück auch dort einige Kompostwürmer finden. Ein Wurmkomposter kann bereits mit einigen wenigen Exemplaren geeigneter Wurmarten gestartet werden. Fühlen sich die Würmer wohl, vermehren sie sich sehr schnell.

Wurmkomposter starten

Laub für KompostwürmerEtwas heikel ist die Initialphase im Wurmkomposter. Nicht nur Nahrung muss ausreichend vorhanden sein, die Würmer müssen sich wohlfühlen können. Dazu wird ganz unten etwas feuchtes Papier zusammengeknüllt hineingelegt. Dies ist wichtig, damit sich die Würmer verstecken können, da beim Start meist noch nicht ausreichend Material vorhanden ist, dass ihnen ausreichend Schutz bietet.

Als Futter zu Beginn sollte den Würmern eine Mischung aus frischem Material sie Gemüseresten geboten werden und ein Teil trockenem Material. Dazu eignen sich beispielsweise:

  • getrocknete Kräuter
  • Laub
  • trockne Zweige (klein geschnitten)

Dies bietet den Kompostwürmern eine gute Grundlage, um sich in ihrem neuen Umfeld einzugewöhnen und sich rasch zu vermehren. Je mehr Würmer im Komposter sind, umso schneller zersetzen sie das Material, wodurch schneller hochwertiger Dünger zur Verfügung

steht.

Hinweis: Im Schnitt benötigten Würmer für eine Menge von einem 10-Liter-Eimer drei bis vier Monate, bis er vollständig in Dünger umgewandelt ist.

Lebensgemeinschaften fördern

Obwohl die Kompostwürmer die Hauptarbeit machen, können ihnen weitere Lebewesen die Arbeit erleichtern. Es gibt unterschiedliche Kleinstlebewesen, die beispielsweise die Oberflächen von Rinde oder Schalen aufbrechen, wodurch den Kompostwürmern die Arbeit erleichtert wird. Im Wurmkompost sollten daher weitere Lebewesen gefördert werden wie:

  • Pilze
  • Bakterien
  • Milben
  • weitere Wurm-Arten

Besonders hilfreich sind Enchyträen im Kompost. Dabei handelt es sich um kleine weiße Ringelwürmer, die die Kompostwürmer unterstützen.

Tipp: Um weitere Kleinstlebewesen in den Wurmkompost zu bekommen, ist es oft ausreichend etwas Erde bzw. Kompost in den Wurmkomposter zu streuen. Damit ist der Kompost geimpft und die Kleinstlebewesen vermehren sich unter guten Bedingungen sehr rasch.

Geeignetes Wurmfutter

Die Würmer müssen laufend mit frischem Futter versorgt werden. Haben sie nicht ausreichend Futter, stirbt die Population.

Als Futter eignet sich:

  • Obstreste
  • Gemüsereste
  • Eierschalen (stark zerkleinert)
  • Kaffeesatz
  • Teesäckchen (ohne Klammer und Schild)
  • Pflanzenreste
  • Brot
  • vegane Essensreste

Eierschale als WurmfutterRund 20% des Futters sollte aus Karton oder Zeitungspapier bestehen, denn die Würmer benötigen die enthaltenen Fasern. Das Material sollte feucht aber nicht tropfnass sein. Im abgedeckten Komposter herrscht allerdings meist ein optimales Klima, wodurch bis auf Zeitung oder Karton Kompostmaterial nicht zusätzlich befeuchtet werden muss. Je kleinstrukturierter das Material ist, umso schneller können es die Würmer verwerten. Sehr grobes Material wie Eierschalgen oder Pflanzenreste sollte vorher zerkleinert werden.

Ungeeignete Reste

Natürlich gibt es auch ungeeignete Abfälle, die nicht auf den Wurmkomposter gehören. Dazu gehören:

  • Fleischreste
  • Knochen
  • Milchprodukte
  • Zitrusfrüchte
  • beschichtetes Papier
  • stark gesalzene Essensreste
  • Katzenstreu
  • Fäkalien von Mensch oder Tier

Die Würmer können dieses Material vor allem in großen Mengen nicht verwerten. In weiterer Folge kommen unerwünschte Organismen in den Wurmkomposter, die zum Absterben der Würmer und zur Bildung von Fäulnis führen können.

Wurmtee und Wurmkompost

Produziert wird im Wurmkomposter nicht nur fester Dünger in Form von Kompost, sondern auch Flüssigdünger. Der flüssige Dünger, der auch als Wurmtee bezeichnet wird, entsteht durch anaerobe Zersetzung. Beim Wurmtee handelt es sich um einen hoch konzentrierten Dünger. Er kann in Flaschen oder Kanistern gesammelt werden. Verwendet wird er in einem Mischverhältnis mit Wasser von einem Teil Wurmtee zu zehn Teilen Wasser.

Der Wurmkompost sollte ebenfalls nicht pur verwendet, sondern immer mit Erde vermischt werden. Er eignet sich als Gemüse oder Blumenerde. Zur Anzucht ist der Wurmkompost jedoch nicht geeignet, denn er hat zu viele Nährstoffe, wodurch Keimlinge keine schönen Wurzeln ausbilden.

Mögliche Probleme

Viele scheuen sich davor, einen Wurmkompost am Balkon anzulegen, weil sich sie vor Gerüchen oder Insekten fürchten, die durch die Zersetzung entstehen bzw. angelockt werden können. Dies passiert jedoch nur, bei der Fütterung falscher Materialien bzw. einer falschen Zusammensetzung. Ein häufiges Problem sind Fruchtfliegen, die vor allem im Sommer zur Plage werden können. Fruchtfliegen entstehen nur dann, wenn sehr viel Obst und Gemüse im Komposter sind. Abhilfe kann hier die Abdeckung durch eine dünne Schicht Erde bringen. Dies kann auch

Gerüche mindern. Eine alternative Methode um Gerüche zu binden, ist das Bestreuen der obersten Schicht mit Gesteinsmehl.

Amsel frisst RegenwurmVor allem der Wurmtee kann einen starken Geruch haben. Daher sollte der Wurmtee regelmäßig abgefüllt werden. Dadurch wird verhindert, dass die Ebene, in der sich die Würmer befinden zu feucht wird, weil die Flüssigkeit nicht mehr versichern kann und die kleinen Mengen können rascher abgefüllt werden.

Hinweis: Auf dem Balkon ist ein Wurmkomposter nicht verboten. Es sollte jedoch darauf geachtet werden, dass es durch Gerüche oder Insekten nicht zu einer Belästigung der Nachbarn kommt.

Wurmkomposter im Winter

Für viele stellt sich die Frage, wohin mit dem Wurmkomposter im Wintern. Unter 10°C stellen die Kompostwürmer ihrer Arbeit weitgehend ein. Am effizientesten arbeiten sie bei einer Temperatur von 15-25°C. Im Winter würden sich die Würmer bei kühlen Temperaturen in tiefere Erdschichten zurückziehen. Diese Möglichkeit haben sie am Balkon nicht, daher sollten die Würmer im Winter an einen frostfreien Ort gebracht werden. Ideal sind Keller oder frostfreie Garagen. Natürlich können die Würmer auch in der Wohnung gehalten werden. Hier sind die Bedingungen optimal, um sie dien gesamten Winter über zu füttern.

Bleiben die Kompostwürmer am Balkon, müssen sie vor Kälte geschützt werden. Dazu können sie beispielsweise mit Styropor eingepackt werden. Es muss allerdings drauf geachtet werden, dass sie ausreichend Luft bekommen. Ist es besonders frostig, bleibt jedoch meist nichts anderes übrig, als sie herein zu holen, denn anderenfalls würden sie durch die Kälte sterben.

Tipp: Sind die Würmer im Winter weniger aktiv, sollten sie auch nicht mehr so stark gefüttert werden. Dies würde nur zu einer vermehrten anaeroben Kompostierung führen, wodurch es rasch zu feucht im Komposter wird.