Bodenbürtige Krankheitserreger und Schädlinge machen Pflanzen das Leben schwer. Nahezu unsichtbar lauern Viren, Bakterien, Pilzsporen und Schädlinge in Erde oder Kompost als massive Bedrohung für den Kulturerfolg. Damit Aussaat und Anbau nicht zum Scheitern verurteilt sind, unterziehen kundige Hausgärtner das Substrat einer umweltfreundlichen Bodenentseuchung mithilfe von Hitze und Dampf. Lesen Sie hier, warum sich der Aufwand lohnt, Erde keimfrei zu machen. Eine praxiserprobte Anleitung erklärt, wie Sie Kompost richtig dämpfen.

Warum sollten Hausgärtner Erde keimfrei machen?

Ein breit gefächertes Spektrum bodenbürtiger und wurzelinfizierender Schaderreger verwandelt Komposterde in eine fatale Infektionsquelle. So machen sich zahlreiche Viren

nicht verrottete Pflanzenrückstände zunutze für die explosionsartige Vermehrung. Einige besonders dreiste Bakterien können sogar ohne Pflanzenreste im Boden lange Zeit überleben und auf geeignete Wirtspflanzen lauern. Nicht zuletzt bedienen sich Pilzsporen pflanzlicher Überreste im Kompost als Ausgangsbasis für den Befall eingesetzter Pflanzen. In die gleiche Kerbe schlagen Myriaden von Unkrautsamen oder Schädlingseiern, die sich im Substrat eingenistet haben.

Wer die Gefahr verseuchter Komposterde ignoriert, liefert seine Sämlinge und Pflanzen schutzlos der Infektionsgefahr durch Krankheiten oder Schädlinge aus. Ohne vorherige Behandlung haben wuchsstarke Unkräuter leichtes Spiel und überwuchern Jungpflanzen im Handumdrehen. Indem Hausgärtner die Erde mit natürlichen Mitteln keimfrei machen, können sich Zier- und Gemüsepflanzen vital, gesund und unbehelligt entwickeln.

Feuchte Hitze tötet Erreger ab

Naturnahe Hausgärtner haben chemische Gifte aus dem Garten verbannt und geben umweltfreundlichen Methoden im Pflanzenschutz den Vorrang. Diese Devise gilt auch für die Vernichtung pathogener Erreger und Unkrautsamen in Erde für Aussaat, Beet- und Kübelbepflanzung. Viren, Bakterien, Pilzsporen und Konsorten haben feuchter Hitze nichts entgegenzusetzen. Wo der sogenannte thermale Inaktivierungspunkt liegt, brachte eine Untersuchung an den markant wärmeresistenten Pilzsporen von Fusarium oxysporum zutage. Mit den Erregern infizierte Erde war nach einer Wärmebehandlung mit 80 Grad Celsius keimfrei. Daraus schließen Experten, dass die meisten Schaderreger bei dieser Temperatur die Waffen strecken.

Eine Temperatur von 80 bis 100 Grad Celsius alleine reicht nicht aus für eine umfassende thermische Bodenentseuchung. Erst in Kombination mit Feuchtigkeit kommt es zur angestrebten abtötenden Wirkung. Im trockenen Zustand halten die zu bekämpfenden Keime weitaus höhere Temperaturen unbeschadet aus. Dritter Faktor im Bunde ist eine ausreichend lange Einwirkungszeit von etwa 30 Minuten. Über diese Zeit hinaus sollte die Dämpfung nicht fortgesetzt werden, um negative Nebeneffekte gering zu halten. So gilt es zu beachten, dass beim feuchten Erhitzen durchaus auch nützliche Mikroorganismen in Mitleidenschaft gezogen werden.

Erddämpfer im
Schubkarrenformat

Damit Kleingärtner hausgemachten Kompost und zugekaufte Erde keimfrei machen, gibt es den Erddämpfer im Schubkarrenformat. Zugeschnitten ist das Gerät auf den Bedarf im Hausgarten, um bis zu 70 Liter Substrat von pathogenen Erregern aller Art zu entseuchen. Das komplette Set besteht aus Schubkarre mit Dampfererzeuger, Prüfthermometer, Gitterrost, Jutefilter und Deckel. Die erreichbare Dämpftemperatur liegt bei 80 Grad Celsius und erfordert somit die Mindestanforderung, um Krankheitserreger, Schädlinge und Unkrautsamen unschädlich zu machen.

frische ErdeWem der Anschaffungspreis von 729 Euro für eine BEGA-Dämpfschubkarre zu hoch ist, greift zurück auf einen BEGA-Erdedämpftopf. Darin können Sie bis zu 25 Liter Kompost bei 80 Grad Celsius sterilisieren, sofern eine Heizquelle zur Verfügung steht, wie eine Feuerstelle, Gas- oder Elektrobeheizung. Zum Preis von 159 Euro erhalten Sie einen Aluminium-Topf mit Deckel und Lochblech aus Edelstahl. Um bis zu 150 Liter Erde oder Kompost keimfrei zu entseuchen, müssen Sie freilich tief in die Tasche greifen. Eine entsprechend dimensionierte Dämpfschubkarre schlägt mit satten 1.600 Euro zu Buche.

Hinweis: Thermo-Komposter eignen sich nicht für eine Bodenentseuchung mittels Dämpfen. Obschon sich darin hohe Temperaturen entwickeln können, verhindern zahlreiche Lüftungsschlitze, dass sich der erforderliche Dampf bildet. Sauerstoff ist lebensnotwendig für Mikroorganismen und Kleinstlebewesen, die sich um die Zersetzung des organischen Materials kümmern.

Dämpf-Anleitung

Steht ein Erddämpfer bereit, entkeimen Sie Erde und Kompost innerhalb weniger Minuten. In diesen Schritten bedienen Sie das Gerät richtig:

  • Wasser einfüllen, abgestimmt auf die Größe von Schubkarre oder Topf
  • Jutefilter auf das integrierte Gitter auflegen
  • Erde oder Kompost auflockern und einfüllen
  • Deckel aufstecken
  • Gerät einschalten, respektive Topf auf die Heizquelle stellen
  • 30 Minuten dämpfen und die Temperatur im Auge behalten

Nachdem eine halbe Stunde feuchte Hitze bei 80 Grad Celsius auf das Substrat eingewirkt hat, sind nicht nur alle pathogenen Erreger vernichtet. Darüber hinaus ist die Erde soweit aufgeschlossen, wie nach einer monatelangen Bearbeitung durch emsige Bodenorganismen. Durch Dämpfen werden Nährstoffe und Spurenelemente zeitnah pflanzenverfügbar, wovon Keimlinge und Jungpflanzen sogleich profitieren.

Tipp: Beim Dämpfen von Kompost bilden sich schnell wirksame Nährstoffverbindungen. In der Anzucht von Jungpflanzen ist diese geballte Ladung an Pflanzenenergie nicht immer erwünscht. Reichern Sie sterilisierte Erde zu mindestens einem Drittel an mit Sand oder Kokosfasern, um sie sämlingsgerecht abzumagern.

Kompost im Backofen dämpfen

Für Balkongärtner ist die Investition in ein Dämpfgerät nicht immer lohnenswert. Um Erde oder Kompost

keimfrei zu machen, wird der Backofen kurzerhand umfunktioniert zum Erddämpfer. In diesen Schritten entseuchen Sie Substrat in der Küche mit Erfolg:
  • Feuerfeste Schale oder tiefes Backblech 10 cm hoch befüllen mit Erde oder Kompost
  • Obacht: Orchideenerde nicht im Backofen sterilisieren aufgrund von Brandgefahr
  • Besprühen mit feiner Brause
  • Aluminiumfolie oder Deckel locker auflegen
  • Backofen vorheizen auf 80 bis 100 Grad Celsius

Schieben Sie Gefäß oder Backblech in die mittlere Schiene des Backofens. Verschließen Sie die Türe, denn Sauerstoffzufuhr von außen unterbindet die Dampfbildung. Nach 30 Minuten stellen Sie den Ofen ab, öffnen die Türe und lassen die entkeimte Erde abkühlen. Stören Sie sich am unangenehmen Geruch, den Kompost beim Dämpfen in der Küche entwickelt? Dann geben Sie die Erde in einen Bratschlauch, den Sie fest verschlossen auf das Backblech legen.

Kleinstmengen in der Mikrowelle sterilisieren

Mikrowelle zum Erde keimfrei machen nutzenUngeduldige Hausgärtner verwenden die Mikrowelle, um kleine Substratmengen innerhalb weniger Minuten keimfrei zu machen. Zu diesem Zweck füllen Sie Komposterde in ein mikrowellensicheres Gefäß. Besprühen Sie das Substrat zuvor mit Wasser und legen einen Deckel locker auf. Bei 600 Watt ist der Prozess innerhalb von 10 Minuten abgeschlossen. Öffnen Sie die Mikrowelle, damit das Gefäß samt gedämpfter Erde abkühlt.