Das Erddämpfen ist eine intelligente Maßnahme, die vorwiegend in der Landwirtschaft und dem gewerblichen Großanbau eingesetzt wird. Mittlerweile findet die Methode vermehrt Anwendung, weil das Resultat für beste Voraussetzungen für Gartenpflanzen sorgt. Alles, was Hobbygärtner dafür brauchen, ist eine professionelle Anleitung, wie ein Erddämpfer selbst gebaut werden kann und wie das richtige Dämpfen funktioniert.

Erddämpfen - Definition

Unter dem Erddämpfen ist eine thermische Behandlung von Erde, Substrat und Kompost zu verstehen. Hierbei werden mittels eines Erddampfers Dämpfe mit hohen Temperaturen eingesetzt.

Unterschiedliche Temperaturen

  • Viren-Bekämpfung: 70 bis 90 Grad
    Celsius
  • Hartnäckige Viren wie Tabak- und Tomatenmosaikvirus: mindestens 100 Grad Celsius
  • Pilz-Bekämpfung: circa 70 Grad Celsius
  • Insekten- und Nematoden-Bekämpfung: rund 55 Grad Celsius
  • Schädlinge und Unkrautsamen: etwa 70 Grad Celsius

TIPP: Fusarium-Pilze gelten im Vergleich zu anderen Pilzarten als hitzebeständiger. Temperaturen um die 80 Grad Celsius sind ideal, wenn der Großteil von häufig vorkommenden Erregern und Schädlingen mit einem Mal bekämpft werden soll - außer es handelt sich um hartnäckige Viren.

Gründe zum Erddämpfen

Erde dämpfen - Stangen biegenErde und Kompost bieten in der Regel einen idealen Nährboden für unzählige Krankheitserreger wie Pilze und Bakterien sowie für Schädlinge, wie Käfer und wurzelfressende Larven. Landen diese mit der Erde oder Gartenabfällen auf dem Kompost, breiten sie sich schnell aus und befallen im schlimmsten Fall den gesamten Garten. Schneller geschieht dies, wenn infizierter oder mit Schädlingen befallener Kompost direkt zum Düngen an die Pflanzen gelangt. Auch Unkrautsamen befindet sich oftmals in der Erde, einem Substrat oder dem Kompost. Durch das Dämpfen wird der Samen keimunfähig. Weitere Vorteile werden durch das Dämpfen erzielt:

  • Beseitigung von Bodenmüdigkeit, weil chemisch-biologische Umsetzungsprozesse aktiviert werden
  • Freisetzung von Nährstoffen, die blockiert sind und durch die feuchte Hitze pflanzenverfügbar werden
  • Kein Einsatz von chemischen Substanzen und somit umweltfreundlich und gesundheitsschonend
  • Nach Abkühlung sofort einsatzbereit für die Bodenkultivierung oder Kompost-Düngung

Heißrotte funktioniert nicht immer
Manche Hobbygärtner glauben, durch die sogenannte Heißrotte während des Kompostierungsvorgangs, werden Krankheitserreger und Schädlinge abgetötet. Theoretisch stimmt das, nur erreicht ein privat angelegter, kleiner Kompost im Gegensatz zu einer professionellen Kompostierungsanlage die Temperaturen von bis zu 80 Grad Celsius oftmals nicht annähernd. Aus diesem Grund ist eine Erddämpfung die Lösung, um

Kompost/Erde mittels Dampf zu sterilisieren. Zu berücksichtigen ist hierbei, dass Hitze allein nicht ausreicht, sondern nur in Kombination mit Feuchtigkeit für erfolgversprechendes Resultat sorgt.

Erddämpfer selber bauen - Haufendämpfung

Die Haufendämpfung ist die ideale Methode, um Kompost und Substrate wie Torf thermisch zu behandeln. Bis zu einer Komposthöhe von circa 70 Zentimeter wirkt die Haufendämpfung. Ist der Kompost höher, sollte er geteilt werden.

Zeitaufwand

Erde dämpfen - BeschwerenDie Vorbereitung nimmt je nach Größe des Kompostes circa 20 Minuten in Anspruch. Bis das Wasser kocht, dauert es ebenfalls einige Minuten. Die Dämpfung sollte circa 1.5 Stunden durchgeführt werden.

Benötigte Materialien

  • Isolierfolie am besten mit Luftpolstern für bessere Isolierung/Luftdichtigkeit (1 Meter x 1.50 Meter rund sechs Euro)
  • Biegsame Fiberglasstangen, über welche die Folie gespannt wird (2 Stangen pro Meter - 1.50 Meter lang - circa sechs Euro)
  • Blocks oder Kies zum Bodenabschluss des Bodens (Betonkies pro Kubikmeter in etwa 30 Euro)
  • Hitzebeständiger Schlauch (aus Silikon 1 Meter lang ab ungefähr 5 Euro im Internet erhältlich)
  • Ein oder mehrere Wasserkessel (je nach Volumen des Dampfraums) (circa 20 Euro)
  • Grill oder andere Feuerstelle zum Erhitzen
  • Temperaturmesser

Erde dämpfen - Wasserkessel mit Schlauch

Bauanleitung

  • Temperaturmesser auf dem Kompost positionieren (muss von außen später ablesbar sein)
  • Die Stangen im Abstand von je 80 Zentimeter entlang des Kompostes in die Erde setzen
  • Das andere Ende der Stangen über den Kompost biegen und auf der entgegen liegenden Seite in den Boden stecken
  • Folie über die Stangen spannen
  • Überstehende Folie am Boden sorgfältig mit dem Kies oder Blocks so beschweren, dass so wenig wie möglich Luft entweicht
  • Vorder- und Rückseite bei der Foliendeckung nicht vergessen
  • Kleinen Erdtunnel für den Schlaucheinlass graben/ausbuddeln
  • Schlauch einlegen und Folie drumherum "luftdicht" mit Flies/Blocks umgeben
  • Feuerstelle/Grill anzünden
  • In die Ausschüttöffnung des Wasserkessels das andere Ende des Schlauchs stecken
  • Kessel auf die Feuerstelle/den Grill stellen
  • Zum Kochen bringen
  • Maximale Dampfzeit läuft, sobald das Thermostat gewünschte Temperatur anzeigt
  • Regelmäßig Wasserstand kontrollieren und Wasser nachfüllen
  • Nach dem Dämpfen Folie öffnen, damit gesammelte Luftfeuchtigkeit entweichen kann

HINWEIS: Wenn die Dampfzeit länger als 1.5 Stunden andauert, erhöht sich das Risiko von Kondensatbildung in den unteren Kompost- und Erdschichten. Dies kann zur Schimmelbildung und

einer Qualitätsminderung von Kompost/Erde führen.

Bester Zeitpunkt zum Dämpfen

Der ideale Zeitpunkt zum Dämpfen ist gekommen, wenn der Kompost nicht von Regen durchweicht ist. Dann kann der heiße Dampf besser bis in die einzelnen Schichten durchdringen, ohne dass kühle Feuchtigkeit diese wieder abkühlt. Optimal eignen sich heiße Sommertage für das Sterilisieren von Erde/Kompost.

Fertig zur Anwendung

Erde dämpfen - Erde dämpfenDer Kompost /die Erde sollte nach dem Sterilisieren zügig verwendet werden, weil hier die Nährstofffreisetzung am Höchsten ist und dementsprechend die beste Wirksamkeit positiver Eigenschaften besitzt. Allerdings sollte gedämpfte(r) Erde/Kompost erst abkühlen, bevor er angefasst und/oder verwendet wird. Das kann einige Zeit in Anspruch nehmen, weil sich in der Regel die Wärme im Inneren lange hält. Vor allem im Sommer kann der Vorgang durchaus ein bis drei Tage in Anspruch nehmen.

Jungpflanzen
Durch die schnelle, hohe Freisetzung der Nährstoffe, eignet sich die sofortige Verabreichung von gedämpfter(m) Erde/Kompost nicht für Jungpflanzen. Hier würde es zu einer Überversorgung kommen, welche Jungpflanzen nicht vertragen und im schlimmsten Fall eingehen. Mit einer großzügigen Portion Sand oder Einarbeitung von Kokosfasern kann die Erde/der Kompost deutlich neutralisiert und für Jungpflanzen brauchbar gemacht werden.