Gingko gilt als der älteste Baum der Welt. Eine Baumart, die schon so lange besteht, muss eine besondere Kraft in sich tragen. In Asien hat Gingko deswegen eine mystische Bedeutung. Hierzulande erweckt sein ungewöhnlich geformtes Blattwerk breites Interesse. Wie entwickelt der Biloba Baum eine schöne und kompakte Krone? Darf dafür ein Teil der vitalen Triebe mit der Schere entfernt werden?

Ginko oder Ginkgo?

Wenn es um diesen aus Asien stammenden Baum geht, begegnen uns zwei Schreibweisen seines Namens. Wie heißt es denn nun richtig, Ginko oder Ginkgo? Beide Namensformen haben inzwischen Gültigkeit. Darüber hinaus könnte Ihnen der Ginkgobaum in Deutschland noch unter folgenden Bezeichnungen begegnet sein:
  • Weltenbaum
  • Fächerblattbaum
  • Beseeltes Ei
  • Silberaprikose,
  • Japanbaum
Hinweis: Wussten Sie, dass sogar Goethe einst ein Gedicht über den Ginkgo Biloba für seine Liebste verfasste? Das brachte dem Baum zusätzlich die Bezeichnung Goethebaum ein.

Wuchsform

Der junge Gikgobaum strebt zunächst in die Höhe. Er zeichnet sich durch einen geraden und schlanken Wuchs aus. Zu Beginn ihres Daseins weisen Ginkgobäume nur wenig Geäst auf. Die überwiegende Zahl der Bäume hat zwei Haupttriebe, die jedoch unterschiedlich stark ausgebildet sind. Es dauert mehr als 25 Jahre, bis der Baum von sich aus in luftiger Höhe eine breitere Krone ausbildet. So steht jahrelang ein Gewächs im Garten, das zwar ein Baum ist, aber nicht wie ein solcher ausschaut. Zumindest nicht, wie er hierzulande erwartet und gewünscht wird. Da stellt sich dem Gärtner schnell die Frage, ob er mit der Gartenschere dem Ginko die gewünschte Krone abringen kann.

Schneiden erlaubt?

Ginkgo Biloba - GinkobaumDer als lebendes Fossil bezeichnete Baum hat alle Wechselfälle auf diesem Planeten überstanden. Natürlich ohne die Unterstützung der Menschen, die erst viel später die Erde bevölkerten. Auch heutzutage ist er auf ihre Werkzeuge, sprich die Gartenschere, nicht angewiesen. Er nimmt sich halt die Zeit, die er braucht, und wächst so, wie es in seinem Plan vorgesehen ist. Der Baum ist sehr robust. Wenn ihm der Besitzer einen Teil seiner Äste nimmt, so übersteht er es unbeschadet. Manchmal liefert er danach sogar die Verzweigungen, die sein Besitzer mit dem Schneiden bewirken wollte. Es darf also ruhig zur Schere gegriffen werden. Allerdings mit Bedacht und Geduld.

Der richtige Zeitpunkt

Wann auch immer Sie sich dazu entschließen, Ihren Ginkobaum zu schneiden, warten Sie damit bis zum Frühjahr. Es besteht keine Dringlichkeit und durch eventuelle Wartezeit entsteht kein Nachteil, der nicht korrigiert werden könnte. Der Ginko wird in dieser Zeit eh keine großen Sprünge machen bzw. unerwartete Wachstumsveränderungen vollführen.
  • > Frühjahr ist die beste Zeit des Jahres
  • > starke Fröste sollten abgewartet werden
  • > die Vegetationsperiode liegt noch vor ihm
  • > der Biloba kann wachstumstechnisch auf den Schnitt reagieren
  • > neue Triebe werden im Sommer gebildet

Tipp: Wenn das Frühjahr noch fern ist, aber unbedingt geschnitten werden muss, bietet sich hierfür auch der Herbst an.

Formschnitt

Ein Ginkgo Baum schießt ohne Seitenverzweigungen kerzengerade nach oben. Von einer schönen und buschigen Krone ist weit und breit nicht zu erkennen. Das wird auch lange so bleiben, wenn er ganz sich selbst überlassen wird. Das muss nicht zwingend so ablaufen, denn solange der Baum noch jung ist, ist er auch formbar. Mit gekonnt ausgeführten Schnitten wird der Kronenaufbau in die gewünschte Richtung gelenkt.
  • für dichtere Krone ist häufiger Schnitt erforderlich
  • jungen Baum jährlich schneiden
  • einjährige Seitentriebe einkürzen
  • auch den Haupttrieb kürzen
  • alle nach außen wachsende Äste entspitzen
  • schnell nach oben wachsende Äste stutzten
  • keine Schnitte ins alte Holz
Ginkgo Biloba - GinkgobaumSchnitte ins alte Holz sind bei jungen Bäumen nur dann unausweichlich, wenn ganze Äste entfernt werden sollen. Ins alte Holz muss ebenfalls geschnitten werden, wenn der Baum aufgeastet werden soll. Also Äste und Zweige im unteren Teil des Stammes entfernt werden.

Alte Bäume schneiden

Alte Ginkobäume werden nicht geschnitten. Dazu besteht in der Regel auch keine Notwendigkeit. Wenn er als Jungbaum einen Erziehungsschnitt bekommen hat, ist der Kronenaufbau bereits angelegt. Jetzt wird er dem Lauf der Natur überlassen. Nur gelegentlich kommt es vor, dass der eine oder andere Ast vom Baum genommen werden muss. Dann dürfen Sie selbstverständlich schneiden, wobei auch hierfür die beste Zeit der Anfang des Jahres ist.

Regelmäßig auslichten

Gelegentlich wächst ein Baum so buschig, dass nicht die ganze Krone ausreichend mit Licht versorgt werden kann. Dann ist es notwendig, einen Teil der Zweige zu entfernen. Beim Ginkobaum wird das äußerst selten erforderlich sein. Nur wenn er zuvor stark geschnitten wurde, kann sich überhaupt ein dichter Wuchs einstellen.
  • bei Bedarf regelmäßig auslichten
  • nach innen wachsende Zweige entfernen
  • krumme, störende Zweige schneiden
  • eng beieinander wachsende Zweige auslichten

Abgestorbene und abgebrochene Äste entfernen

Einzelne Äste, die das Kronenbild stören, dürfen auch bei alten Ginkobäumen entfernt werden. Ebenso abgestorbene und abgeknickte Äste.
  • abgeknickte Äste zeitnah schneiden
  • ansonsten ist das Frühjahr besser geeignet
  • alternativ
    auch der Herbst
  • mit einem glatten Schnitt nah am Stamm entfernen
  • der Baum kann so die Wunde besser überwallen
  • scharfe und saubere Gartenschere verwenden
  • dickere Äste können mit einer Säge geschnitten werden

Schneiden von Stecklingen

Ginkgo Biloba - GinkobaumDer Ginko kann über Stecklinge vermehrt werden. Diese Art der Vermehrung erfordert viel fachliches Können und eine entsprechende Ausstattung. Dafür ist ein Gewächshaus notwendig, das über eine Sprühnebelanlage verfügt. Das ist im Heimgartenbereich selten der Fall. All diejenigen, die die Gelegenheit für diese Vermehrungsmethode haben, können Stecklinge von bereits vorhandenem Baum gewinnen.
  • Stecklinge Ende Mai schneiden
  • wenn neue Triebe eine Länge von 20 cm erreicht haben
  • etwa 10 cm lange Triebe schneiden
  • mit mind. drei Knoten
Nach der Behandlung mit einem Wachstumshormon werden diese in feuchte Anzuchterde gesteckt.

Schnittwunden verschließen

Kleine Zweige hinterlassen auch kleine Schnittwunden, die nicht weiter versorgt werden müssen. Wichtig ist nur, dass die Schnittstelle glatt und sauber ist. Nach der Entfernung dickerer Äste ist es ratsam, die offenen Stellen zu verschließen. Die Gefahr von Pilzinfektionen ist durchaus gegeben. Geeignete Mittel können Sie in jedem Gartencenter kaufen.