Wer den Befall seines Obstbaumes mit dem Apfelwickler bekämpfen will, sollte dies möglichst mit natürlichen bzw. biologischen Mitteln tun. Zwar gibt es im Handel jede Menge hochwirksamer chemischer Insektizide, jedoch können sich diese überaus negativ auswirken. Sie sind auch nicht nötig, da es reichlich Methoden und Maßnahmen gibt, um dem Apfelwickler wirklich effektiv und nachhaltig an den Kragen zu gehen.

Erkennen

Es ist wie bei allen anderen Schädlingen auch: Erst einmal muss man einem Befall mit dem Apfelwickler erkennen. Dabei kann der auch gerne als Obstmade bezeichnete Schädling nicht nur Apfelbäume attackieren, sondern auch praktisch jeden anderen Obstbaum im Garten. Das Problem ist dabei nicht der Wickler selbst. Bei ihm handelt es sich um
einen Schmetterling bzw. um einen Falter, der sich praktisch nicht für die Früchte am Baum interessiert. Die eigentliche Gefahr geht vielmehr von dessen Larven aus, die sich von den Früchten ernähren und sich deshalb von außen ins Innere der Frucht fressen. Die weiblichen Apfelwickler legen dazu ganz gezielt ihre Einer an den Oberflächen junger Früchte ab. Bis zu 60 Stück können das pro Tier sein. Ideal ist es, wenn man bereits die frisch gelegten Eier erkennt und dann mit der Bekämpfung beginnt. Folgendes hilft bei der Erkennung:
  • Die Eiablage erfolgt vorzugsweise bei warmen Temperaturen von Mai bis Juni.
  • Die Eier werden sowohl auf junge Früchte wie auf benachbarte Blätter abgelegt.
  • Die Larven schlüpfen nach sieben bis 15 Tagen.
  • Die Eier haben eine weißliche Färbung, wirken eher transparent, sind sehr flach wie eine Linse geformt und sind etwa einen Millimeter groß.
  • Die geschlüpften Larven weisen eine weiß-gelbliche Färbung auf und sind im Anfangsstadium etwa zwei Millimeter groß.
Ohne regelmäßige Sichtkontrolle, bei der man am besten in den Apfelbaum hinein klettert, lässt sich ein Befall nicht erkennen. Oft hilft es, Zweige und Früchte leicht zu schütteln. Sowohl die Eier als auch die Larven fallen dann zwangsläufig zu Boden. Hat man dort zuvor eine Folie ausgelegt, kann man anhand der Ausbeute die Intensität des Befalls erkennen. Ein sehr deutlicher Hinweis sind auch durchlöcherte Früchte. Erkennt man diese, haben sich die Larven freilich schon in die Frucht hinein gebohrt. Spätestens dann ist Handeln erforderlich.

Tipp: Mit einer sogenannten Pheromonfalle, die im Handel erhältlich ist, lässt sich lässt sich frühzeitig die Intensität eines möglichen Befalls abschätzen.

Biologische Bekämpfung

Da man die Früchte eines Obstbaums ja essen möchte, ist einer biologischen Bekämpfung des Apfelwicklers bzw. der Obstmade immer der Vorzug zu geben. Dabei gibt es nicht die eine Methode, sondern vielmehr ein ganzes Bündel von Maßnahmen. Die beste Methode ist ohnehin die, die an der Wurzel ansetzt und einen Befall nach Möglichkeit verhindert bzw. minimiert. Vorbeugung ist deshalb genau so wichtig wie die eigentliche Bekämpfung. Folgende Maßnahmen haben sich als wirkungsvoll
erwiesen, um die Probleme mit dem Apfelwickler auf ganz natürliche Weise in den Griff zu bekommen:

Befallene Früchte sofort entfernen

Apfelwickler - Cydia pomonellaStellt man anhand ihrer Durchlöcherung fest, dass Früchte bereits mit der Made befallen sind, müssen sie sofort entfernt werden. Das gilt sowohl für Früchte, die noch am Baum hängen als auch für solche, die auf den Boden gefallen sind. Belässt man sie auf dem Boden, ist die Gefahr groß, dass die Maden sie verlassen und am Stamm wieder in den Baum kriechen. Je nach Intensität des Befalls müssen sie entweder ausgeschnitten oder komplett entsorgt werden. Die Entsorgung sollte nicht auf dem Kompost erfolgen, sondern in der Restmülltonne.

Fanggürtel aus Wellpappe

Eine sehr effektive Methode, um den Apfelwickler im Larvenstadium zu bekämpfen, sind sogenannte Fanggürtel. Diese bestehen aus handelsüblicher Wellpappe und werden in einer Breite von etwa 20 Zentimetern um den Stamm sowie um eventuell vorhandene Stützpfeiler gewickelt. Angebracht sollten sie ab Ende Juni werden. Die Larven kriechen dann in die Öffnungen der wärmenden Pappe, um dort zu überwintern. Unter normalen Umständen verbringen sie die Wintermonate nämlich in der Rinde. Im Herbst nimmt man dann diese Fanggürtel weder ab und entsorgt sie im Restmüll. Alternativ können sie natürlich auch verbrannt werden.

Pheromone ausbringen

Die männlichen Apfelwickler finden die Weibchen aufgrund bestimmter Lockstoffe, die von ihnen ausgehen. Verteilt man diese Pheromone im kompletten Garten, werden die Männchen dadurch derart verwirrt, dass sie die Weibchen schlicht nicht mehr finden. Folglich kommt es auch nicht zu einer Begattung und die Gefahr eines drastischen Befalls mit der Fruchtmade sinkt erheblich. Die Lockstoffe sind im Fachhandel als Ampullen erhältlich. Wichtig dabei ist ein abgestimmtes Vorgehen mit den Nachbarn, um eine flächendeckende Ausbringung zu garantieren. Der beste Zeitpunkt dafür hängt von den Temperaturen ab und wird nach der sogenannten Temperatursummenmethode ermittelt. Konkrete Angaben dazu erhält man vom amtlichen Wetterdienst. Ganz ähnlich funktioniert übrigens auch das Prinzip der Lockstofffalle. Hier wird eine Pappschachtel mit Lockstoffen und Klebstoff versehen. Die angelockten Männchen bleiben dann schlicht in der Schachtel kleben.

Biologische Spritzmittel

Ein akuter Befall mit dem Apfelwickler lässt sich sehr effektiv mit rein biologischen Spritzmitteln bekämpfen. Der Klassiker unter diesen Mitteln ist sicherlich die Wermutjauche. Dazu benötigt man zehn Liter Regenwasser oder abgestandenes Wasser und 300 Gramm frische Wermutblätter (alternativ auch 30 Gramm getrocknete Blätter). Die Blätter werden fein zerhackt und dann in das Wasser gegeben. Anschließend lässt man das Gemisch zehn bis 14 Tage bei Sonneneinstrahlung gären und rührt es dabei immer mal wieder kräftig um. Nach dieser Zeit wird die Jauche durch ein Sieb gefiltert und kann dann
mit einer herkömmlichen Gartenspritze großflächig am Baum aufgebracht werden. Der ideale Zeitpunkt dafür ist der Frühsommer.

Fressfeinde fördern

AmselDie Larven des Apfelwicklers haben eine ganze Reihe natürlicher Feinde, die sich von ihnen ernähren. Dazu gehören vor allem die Ohrwürmer, aber auch Schlupfwespen und Vögel. Es empfiehlt sich deshalb alles dafür zu tun, damit sich die Tiere im Garten wohlfühlen und dort siedeln. So ist es zum Beispiel sinnvoll mit Holzwolle gefüllte Blumentöpfe kopfüber in den Baum zu hängen, da dort insbesondere Ohrwürmer gerne nisten. Auch Vogelhäuschen sowie eine möglichst dichte Bepflanzung im Garten sind angebracht. Die natürlichen Fressfeinde vertilgen übrigens nicht nur die Obstmaden, sondern auch andere Schädlinge wie beispielsweise Blattläuse oder Milben.

Chemische Mittel

Der Befall mit Apfelwicklern kann derart stark sein, dass einem nichts anderes mehr übrig bleibt, als zu einem Insektizid zu greifen. Das sollte aber tatsächlich immer nur die letzte Wahl sein, da dadurch erheblicher Schaden angerichtet werden kann. Letztlich bieten die rein biologischen Maßnahmen wirklich sehr gute Chancen, um das Problem in den Griff zu bekommen. Vorbeugende Maßnahmen sollten dabei stets mit der akuten Bekämpfung eine Einheit bilden. Im Grunde kommt es vor allem auf ein natürliches Gleichgewicht im Garten an. Ist dieses gegeben, hält sich auch die Apfelwickler-Population in sehr engen Grenzen.