Er ist weit entfernt von der Größe eines echten Nashorns, wenngleich er für einen Käfer hierzulande beachtliche Maße erreicht. Schön anzusehen ist er allemal: der männliche Nashornkäfer. Nur ihm schenkt die Natur das Nasenhorn, das Weibchen geht leer aus. Beide unterstützen uns fleißig im Garten. Wäre doch schön, noch mehr von ihnen zu beheimaten. Doch wie stellt man das an?

Name und Familie

Der Nashornkäfer stammt aus der Familie der Blatthornkäfer, ebenso wie die bekannten Maikäfer und Junikäfer. Im Aussehen unterscheiden sich die verwandten Käferarten jedoch erheblich. Die Nashornkäfer haben ihren Namen dem charakteristischen Horn auf der Kopfoberseite zu verdanken. Dieses ähnelt in seiner Form dem eines Nashorns. Nur männliche Exemplare sind damit ausgestattet, allerdings auch nicht zwingend jedes. Kleinere Männchen können durchaus ohne dieses Horn wandeln. Als Weibchen getarnt können sie sich ungehindert unter echten Weibchen aufhalten. So gleichen sie den körperlichen Nachteil gegenüber einem größeren Männchen aus, ohne
mit ihm unter Einsatz des Horns zu kämpfen.

Steckbrief Nashornkäfer

  • Wissenschaftlicher Name: Oryctes nasicornis
  • Familie: Blatthornkäfer
  • Länge: 20 bis 40 mm lang
  • Körperform: walzenförmig
  • Oberseite: schwarz und dunkelbraun
  • Flügeldecken: kastanienfarbig, glänzend und glatt
  • Unterseite: rot und behaart
  • Horn beim Männchen: auf der Kopfoberseite, bis zu 10 mm lang und gebogen
  • Horn beim Weibchen: auf der Kopfoberseite, nur kurz oder als Höcker
  • Larven: walzenförmig, groß, weiß
  • Entwicklungsdauer: etwa 5 Jahre
  • Lebensdauer Käfer: 2-3 Monate
  • Schlaf- und Wachverhalten: dämmerungs- und nachtaktiv

Ursprünglicher Lebensraum der Nashornkäfer

Der Nashornkäfer ernährt sich mit Vorliebe vom Holz. Wenn sich totes Holz schon so weit zersetzt hat, dass es eine weiche Masse bildet, ist es ideal für den Nashornkäfer. Aber auch in dicken Ästen von Laubbäumen sammelt sich eine weiche Masse an, der sogenannte Holz-Mulm. Europäische Urwälder, wo tote Bäume weitestgehend unberührt vor sich verrotten durften, bildeten früher den idealen Lebensraum vieler Käferarten, so auch für den Nashornkäfer. Dort gab es damals für ihn Nahrung in Hülle und Fülle. Durch menschlichen Einfluss sind diese Waldbestände immer weiter zurückgegangen. Der Entzug dieser Lebensgrundlage stellte eine ernsthafte Bedrohung für viele Käferarten dar. Nicht wenige Arten der Mulmkäfer sind vom Aussterben bedroht.

Das Gesetz schützt diesen Riesenkäfer

Nashornkäfer - Oryctes nasicornisDer Nashornkäfer wurde in Deutschland in die Bundesartenschutzverordnung aufgenommen. Er ist dadurch zu einer "besonders geschützten" Tierart geworden. Der § 44 des Bundesnaturschutzgesetzes regelt den Umgang mit ihm in der freien Natur.
  • es ist verboten Nashornkäfer zu fangen, zu verletzten und zu töten
  • das gilt auch für ihre Entwicklungsformen
  • Fortpflanzungs- und Ruhestätten dürfen nicht beschädigt werden
Da die Familie des Nashornkäfers bringt auch einige Schädlinge hervor, wie den Maikäfer. Dieser kann ebenso wie der Junikäfer zu einer Plage werden und Bäume kahl fressen. Daher ist die Panik, die manch einen Gartenbesitzer beim Anblick von Käfer und Käferlarven befällt, durchaus nachvollziehbar. Dennoch sollte nicht voreilig gehandelt werden, und womöglich noch die
Giftkeule zum Einsatz kommen. Informieren Sie sich zunächst, um welche Larven es sich handelt. Sollten es wirklich Larven der schädlichen Käferarten sein, sollten Sie handeln. Trotzdem muss Chemie nicht angewandt werden, es gibt einige umweltfreundliche Möglichkeiten einer Plage vorzubeugen.

Tipp: Sind die Larven besonders groß, könnte es sich um Larven der Nashornkäfer handeln. Sie haben zudem die Form von einem gekrümmten C.

Der Lebensraum im Garten

Heutzutage ist der Nashornkäfer in seinem ursprünglichen Lebensraum, dem Wald, kaum noch anzutreffen. Er hat sich flexibel den veränderten Lebensumständen angepasst, ist vom Wald ausgezogen, um sich neue Gebiete zu erschließen. Mit der Zeit hat er sich unter anderem den Garten als seinen neuen Lebensraum erobert. Der ganz gewöhnliche Komposthaufen ist hier sein liebster Aufenthaltsort, sofern er darin faseriges Material vorfindet. Das können verrottende Holzzweige sein, aber auch frisches mit Weißfäulepilzen durchzogenes Material.

Hinweis: Das Leben der Nashornkäfer ist kurz. Diesen imposanten Käfer kann man mit etwas Glück in den Monaten Juni bis August während der Dämmerung beim Fliegen beobachten.

Die Vermehrung der Nashornkäfer

Nashornkäfer legen Eier, aus denen sich später neue Nashornkäfer entwickeln. Der Weg von einem Ei zum Käfer ist allerdings lang. Ganze fünf Jahre kann diese Entwicklung in Anspruch nehmen. Der werdende Käfer durchläuft in diesen Jahren mehrere Entwicklungsstadien. Zunächst schlüpfen Larven aus den Eiern,  die auch Engerlinge genannt werden. Die Larven wachsen und häuten sich mehrmals, können schließlich bis zu 12 cm lang werden. Damit aus der Larve am Ende noch ein Käfer werden kann, muss diese sich verpuppen. Der Kokon hat eine beachtliche Größe, die Größe eines Hühnereis wird nicht selten erreicht. Damit sich aus einem Ei ein Nashornkäfer entwickelt, muss die Brutstätte fünf Jahre lang in Ruhe gelassen werden. Diese ungestörten Bedingungen findet der Nachwuchs der Nashornkäfer im Garten kaum. Das liegt daran, dass der Nashornkäfer die Eier im Komposthaufen ablegt. Der verrottete Kompost wird in der Regel nach ein oder zwei Jahren in den Garten ausgebracht.

Hinweis: Die Larven der Nashornkäfer sehen den Larven der schädlichen Maikäfer zu Beginn zum Verwechseln ähnlich. Larven im Komposthaufen sollten aber nicht vernichtet werden. Die Wahrscheinlichkeit ist nicht gering, dass aus ihnen ein Nashornkäfer schlüpft.

Natürliche Feinde des Nashornkäfers

Wie fast jedes Lebewesen in der Natur hat auch der Nashornkäfer einen natürlichen Feind, der ihm nach dem Leben trachtet. Bei ihm ist es die Dolchwespe. Sie bedroht nicht den ausgewachsenen Käfer direkt, vielmehr macht sie sich über seine schutzlos ausgelieferten Larven her. Auch diese nutzt sie nicht als Fressbeute, sondern als Ablageplatz für ihre eigenen Eier. Das Wespenei klebt an der Larve des Nashornkäfers und beginnt Stück für Stück diese von außen zu zerfressen. Das endet zwangsläufig mit dem Tod der Larve, aus der sich kein Käfer mehr entwickeln wird. Insbesondere die sogenannte Gelbköpfige Dolchwespe hat sich auf Nashornkäfer-Larven spezialisiert.

Nashornkäfer gezielt fördern

Nashornkäfer - Oryctes nasicornisViele Gründe sprechen dafür, den Nashornkäfer gezielt anzusiedeln und bei der weiteren Entwicklung zu unterstützen. Artenschutz und seine Nützlichkeit im Garten sind zwei der Gründe. Damit die Ansiedlung des Nashornkäfers im eigenen Garten gelingen kann, benötigen Sie zunächst einige Exemplare dieser Käferart. Diese können Sie vielleicht im eigenen Garten finden oder gezielt kaufen. Des Weiteren sollten Sie ihm einen Gartenbereich bieten, wo dauerhaft ausreichend Nahrung auf ihn wartet. Ein Komposthaufen ist wunderbar dafür geeignet und in fast jedem Nutzgarten zu finden. Nicht zuletzt ist eine ungestörte Brutstätte von Nöten, damit der Nachwuchs gut gedeihen kann.

Nashornkäfer kaufen

Um Nashornkäfer zu fördern, benötigen Sie zunächst einige lebende Käfer
oder Larven. Wenn Sie in Ihrem Garten bisher noch keine Nashornkäfer entdecken konnten, bedeutet das noch lange nicht das Aus für Ihr Vorhaben. In der freien Natur dürfen Sie diesen geschützten Käfer nicht suchen und daraus entfernen. Allerdings werden Nashornkäfer zum Kauf angeboten. Suchen Sie sich einen seriösen Anbieter aus, bei dem Sie Nashornkäfer legal bekommen.

Der ideale Komposthaufen für Nashornkäfer

Die Nashornkäfer und die Engerlinge graben aktiv. Die Kompostanlage sollte daher mind. 20 cm in das Erdreich hinein reichen. Dort können sie sich auch an trockenen und kalten Tagen zurückziehen.
  • Äste geschreddert hineingeben
  • Sägemehl und Hobelspäne einstreuen
  • Reste von Pressspanplatten sind optimal
  • Komposthaufen nie ganz austrocknen lassen
  • so lange wie möglich ruhen lassen
  • Komposthaufen nicht vor Mitte Mai umsetzten
  • Komposterde durch Kompostsieb sieben, Larven sammeln
  • Larven auf den neuen Komposthaufen umsetzen
  • Käfer sammeln und auf gesiebter Komposterde absetzen
Hinweis: Achten Sie bei Spannplattenresten und anderen Holzstücken darauf, dass diese unbeschichtet sind und keine schädlichen Stoffe enthalten können. Im Zweifelsfall gehören diese nicht auf den Komposthaufen.

Alternative Brutstätten

Eine Kompostanlage ist zwar ideal als Lebensraum und Brutstätte für den Nashornkäfer, aber nicht jeder Gartenbesitzer kann einen solchen Platz zur Verfügung stellen. Damit die Nashornkäfer dennoch einen geeigneten Ort zum Leben finden, kann ein wenig nachgeholfen werden. Richten Sie in einer Ecke des Gartens einen künstlichen Haufen ein, wo Nashornkäfer ideale Bedingungen vorfinden können. Auf diesem Haufen können Sie folgende Naturmaterialien geben:
  • Laub
  • Rindenmulch
  • morsche Holzstücke
  • Holzspäne
  • etwas Pferdemist
Besonders wichtig ist es, dass Sie diesen Haufen viele Jahre ungestört lassen, damit der lange Entwicklungszyklus des Nashornkäfers nicht vorzeitig unterbrochen wird.