Mehr als 5000 Libellenarten sind weltweit bekannt. In Deutschland gehören die Prachtlibellen, die Heidelibellen, die Azur- und die Binsenjungfern zu den bekanntesten Vertretern der Gattung Odonata. Sie leben in Gewässernähe. Kaum jemand kann dem Reiz der Insekten mit den silbrig schimmernden Flügeln entgehen. Immer wieder wird die Frage gestellt, ob die Libelle einem Menschen Verletzungen zufügen kann.

Der Stachel der
Libelle

Fakt ist, dass alle in Deutschland bekannten Libellenarten einen Stachel besitzen. Vor allem bei den weiblichen Edellibellen erreicht der Stachel eine beängstigende Größe. Früher glaubten die Menschen, dass eine einzige Libelle in der Lage wäre, einen Menschen oder ein Pferd zu töten. Die Angst vor dem Stich oder Biss des Insekts äußerte sich in den verbreiteten Bezeichnungen

  • Teufelsnadel
  • Schlangenstecher
  • Augenbohrer

Wir geben Entwarnung!

Der Stachel sieht gefährlicher aus, als er ist. Keine unserer heimischen Libellen kann einem Menschen durch einen Stich Schaden zufügen. Auch wenn der Stachel der Libelle den der Wespe in der Größe um ein Vielfaches überschreitet, ist er nicht halb so gefährlich. Der Libellenstachel ist zwar groß, aber stumpf. Wissenschaftlich betrachtet, handelt es sich nicht um einen Stachel, sondern um einen sogenannten Legebohrer. Mit diesem kann die Libelle die menschliche Haut oder die eines Pferdes nicht durchdringen. Der Legebohrer erfüllt eine völlig andere Aufgabe, er wird zur Eiablage benötigt. Mit ihm durchbohren Libellenweibchen Blätter oder Stiele der Wasserpflanzen und legen ihre Eier hinein. Die Larven schlüpfen in Frühling, verlassen die Pflanze.

LibelleDie

Entwicklung vom Ei bis zur fertigen Libelle kann bei einzelnen Arten bis zu drei Jahren betragen. Die Lebenszeit einer Libelle ist dagegen sehr kurz. Sie beträgt nur drei bis elf Monate. Bienen und Wespen besitzen hingegen einen Stachel zur Verteidigung. Sie können ihr Gift über diesen Stachel in die menschliche Haut pumpen und schnell entsteht ein stechender Schmerz.

Info: Wussten Sie schon, dass Libellen zu den wenigen Insekten gehören, die sogar rückwärts oder wie ein Hubschrauber auf der Stelle fliegen können? Die Libelle frisst im Flug und selbst die Paarung findet bei einigen Arten in der Luft statt.

Können Libellen beißen?

Wenn die faszinierenden Insekten nicht stechen können, können sie vielleicht beißen? Die Vermutung liegt nah, denn auf vergrößerten Darstellungen erscheint die Libelle wie ein Ungeheuer. Die heutigen Möglichkeiten der Makrofotografie können diese Angst perfekt verstärken. Die Libelle verfügt über kräftige Beißwerkzeugen. Diese helfen beim Zerkleinern und Verzehren ihrer Beute. Zu den Beutetieren gehören

  • Mücken
  • Fliegen
  • Schmetterlinge
  • Nachtfalter
  • Käfer
  • kleinere Artgenossen

Auf Grund der kräftigen Beißwerkzeuge sind Libellen in der Lage, selbst die festen Chitinpanzer von Käfern zu

zerkleinern. Menschen sind für das Raubinsekt völlig uninteressant. Vor einem Libellenbiss muss sich niemand fürchten. Vertreter der Kleinen Zangenlibelle (Onychogomphus forcipatus) besitzen zusätzlich zu den Beißwerkzeugen eine Zange. Auch diese ist nicht geeignet, um einem Menschen Schaden zuzufügen. Sie hilft dem Männchen, das Libellenweibchen bei der Paarung zu umfassen.

Keine Angst vor Libellen!

LibelleKeine der heimischen Libellenarten stellt eine Gefahr für den Menschen dar. Der Mensch und seine Auswirkungen auf die Umwelt bedeuten dagegen eine ernst zu nehmende Bedrohung für das bezaubernde Insekt. Alle 80 in Mitteleuropa lebenden Odonata-Arten stehen unter Naturschutz. Es ist untersagt, diese zu fangen oder auf andere Weise zu schädigen.

Übrigens: Prachtlibellen (Calopterygidae) sind für Naturschützer von großer Bedeutung. Sie leben ausschließlich an sauberen Fließgewässern und lassen Rückschlüsse auf die Qualität des Wassers zu.

Wenn Sie demnächst von einer Libelle umschwirrt werden oder wenn sich diese zufällig auf Ihrem Arm niederlassen sollte, halten Sie still. Erfreuen Sie sich an diesem bezaubernden Insekt. Angst müssen Sie auf keinen Fall haben. Für den Menschen besteht keine Gefahr.