Anleitung: Sandsteinmauer selber bauen und verfugen


Sandstein ist in Deutschland ein häufiges und seit Urzeiten eingesetztes Baumaterial. Es gibt gute Gründe, bei dieser Tradition zu bleiben, denn Sandstein ist auch ein sehr schönes Baumaterial, und die Sandsteinmauer gehört zu den langlebigsten Gartenbauwerken, die Sie sehr gut selber bauen und verfugen können. Sogar in zwei unterschiedlichen Varianten, für die es nachfolgend Anleitungen gibt:

Fundament oder kein Fundament?

Das ist die erste Frage, die vor dem Mauerbau entschieden werden muss, es folgt Entscheidungshilfe und die Anleitung zur Herstellung eines Streifenfundaments:
  • Eine Sandsteinmauer, in der die Steine richtig mit Mörtel vermauert

    werden, sollte auf ein frostfreies Fundament gesetzt werden
  • Eine Mauer mit Stützfunktion, unten an einem Hang z. B., an dem Boden ansteht, braucht schon aus Sicherheitsgründen ein Fundament
  • Wenn eine Sandsteinmauer auch bei starkem Frost keinerlei Hebungen und Setzungen durchmachen soll, wird auch besser auf ein Fundament gesetzt
  • Wenn die Sandsteinmauer auf einer bereits vorhandenen glatten Betonfläche entstehen soll, ist das ohne weiteres möglich, wenn diese auf einem vorschriftsgemäßen Unterbau aus einem gerüttelten Kies-Splitt-Bett steht
  • Wenn nicht, kommt es auf die Höhe der Sandsteinmauer an, wirklich mächtige Mauern sollten nicht auf eine unbefestigte Betonfläche gestellt werden, das bröckelt irgendwann
  • Vor allem nicht, wenn sich Wasser sammeln könnte, dann macht sich schnell bemerkbar, wenn ein Schotter-Fundament als kapillarbrechende Frostschutzschicht fehlt
  • Sobald die unteren Mauersteine bei Frost "in einer Wasserwanne" stehen, werden sie schlichtweg platzen
  • Dann können Sie auf dem Beton eine kapillarbrechende Schicht mit Umrandung und Ablauf anlegen oder die Sandsteinmauer woanders hinstellen
  • Wenn es nur eine einfache kleine Sandsteinmauer als Gartenschmuck werden soll, brauchen Sie kein frostfreies Fundament, sondern können die Mauer einfach auf eine 30 bis 40 cm starke Kies-oder Schotterschicht bauen
Das frostfreie Streifenfundament

Ein frostfreies Streifenfundament entsteht so:
  • Stecken Sie die Grundfläche der Mauer + Zugabe von mindestens 10 cm nach allen Seiten (richtet sich nach Höhe der Mauer) + Dicke der Schalung mit einem Schnurgerüst ab
  • Ein Schnurgerüst ist ein einfaches Konstrukt aus Maurerschnur und Holzpflöcken
  • Dieser Streifen für das Fundament wird nun bis in eine Tiefe von 75 cm ausgehoben
  • Lange war eine Tiefe von 80 cm das Maß für die Frostsicherheit, Erwärmung durch den Klimawandel verändert hier bereits die Standardvorgaben
  • Wenn der Fundamentgraben fertig ist, kommt ein Kiesbett als sogenannte Sauberkeitsschicht auf den Boden
  • Das wird anschließend mit einer Rüttelplatte verdichtet und ggf. mit PE-Folie bedeckt
  • Nun wird die Schalung eingebracht, auf dem Boden wird ggf. Bewehrung ausgelegt
  • Die Oberkante der Schalung wird waagerecht ausgerichtet, nun kann der Beton für das Fundament eingefüllt werden
  • Sie brauchen Beton der Festigkeitsklasse C12/15
  • Für kleine Fundamente winziger Mauern kann der Beton von Hand gemischt werden:
  • Zum Beispiel in einer Schubkarre, am einfachsten aus fertig vorgemischtem Beton, der nur noch mit Wasser angerührt werden muss
  • Beton für größere Fundamente wird mit dem Betonmischer vor Ort angemischt (erst Sand und Zement, dann Wasser) oder direkt aus dem Betonwerk geliefert
  • Er muss gleichmäßig in der Schalung verteilt werden, dabei wird gelegentlich mit einer Schaufel in die Masse gestochen, um Lufteinschlüsse zu vermeiden
  • Wenn der Beton in der Schalung ist, wird er per Stampfer verdichtet und ggf. noch etwas aufgefüllt
  • Danach wird der Beton glatt abgezogen und mit Folie/Plane bedeckt, nach dem Trocknen wird die Schalung entfernt
  • Wenn Sie selbst tätig waren, müssen Werkzeuge und Betonmischer sofort mit Wasser gereinigt werden
  • Achten Sie darauf, dass keine Betonreste in irgendwelche Abwasserleitungen gelangen, die verstopfen sofort
  • Bei Hautkontakt mit Beton ist Vorsicht angesagt, er reizt die Haut
Anleitung:

Sandsteinmauer mauern

 
Erst einmal werden alle Zutaten zurechtgestellt:
  • Maurerhammer
  • Maurerkelle
  • Mörtelmasse, fertig gemischt, für Anfänger auch als fertiger, nur mit Wasser anzurührender Trockenmörtel
  • Richtschnur
  • Sandsteine
  • Senklot
  • Wasserwaage
  • Zollstock
Nun geht es los mit dem Mauern:
  • Tragen Sie eine dicke Schicht Mörtel auf das Fundament auf
  • Für Sandstein brauchen Sie einen ganz besonderen Mörtel, siehe gleich unten
  • Auf dem Mörtel wird die erste Reihe Sandsteine aufgereiht
  • Und mit Wasserwaage, Zollstock, Maurerhammer und Richtschnur ganz genau ausgerichtet
  • Zwischen den Sandsteinen werden Fugen von rund einem Zentimeter gelassen
  • Zwischen den Reihen nach oben hin ebenfalls
  • Dass die erste Reihe gerade ist, ist wichtig, damit nicht die gesamte Mauer nach oben hin immer schiefer wird
  • Wenn Sie im klassischen Läuferverband mauern, wird die jeweils nächste Reihe Sandsteine immer halb versetzt aufgelegt
  • Sie können zunächst die seitlichen Mauerabschlüsse hochziehen
  • Ähnlich wie eine Treppe aufmauern, unten 4, dann 3,5, dann 2, 1,5 Sandsteine links und rechts
  • Nun können Sie dazwischen weiter hoch mauern, mit Sandsteinen in gleichen Abständen, die möglichst exakt in einer Ebene sitzen
  • Zwischendurch sollten laufend Wasserwaage und Senklot zum Einsatz kommen, auch wenn die Mauer schön gerade wirkt
  • Aus den Seiten der Bodenplatte und den Fugen darf ruhig ein wenig Mörtel quellen
  • Dann brauchen Sie zwischendurch nicht auf die Schönheit der Fugen achten
  • Die Steine werden "satt" und vollflächig mit Mörtel
    verbunden
  • Bei dieser Methode müssen Sie die Fugen zwischendurch immer mal rund 1,5 cm auskratzen
  • Wenn die Mauer steht (und Sie Pause gemacht haben), verfugen Sie die offenen 1,5 cm ganz in Ruhe, sorgfältig, gleichmäßig und gut anzusehen
Mörtel für die Sandsteinmauer

Ein "eisernes Grundgesetz des Mauerns" lautet: Der Mörtel muss weicher sein als der verbaute Stein. Für den sehr weichen Sandstein werden viele Natursteinmörtel nach dem Abbinden zu hart. Wenn Sie einen zu harten Mörtel verwenden, hat das langfristige Folgen: Wenn die Witterung Ihrer Mauer zusetzt, wird das nicht durch den Mörtel abgefangen, wie es normalerweise der Fall wäre, sondern der schöne weiche, ohnehin empfindliche Sandstein wird direkt in Mitleidenschaft gezogen. Der verwittert dann wesentlich schneller, als es normalerweise der Fall wäre ...

Verwenden Sie also nicht "irgendeinen Mörtel", auch der häufig empfohlene Trassmörtel führt Wasser zum weichen Sandstein und ist nicht geeignet. Sandstein sollte vielmehr nur mit sogenanntem NHL-Mörtel verbaut werden, das ist ein Mörtel mit natürlichem hydraulischem Kalk. Ersatzweise (weil nicht so authentisch) können Sie HL-Mörtel verwenden, der ist chemisch identisch, aber gleichmäßiger, es ist ein aus hydraulischen Bindemittelphasen (Zement + Kalkhydrat) hergestellter Edelkalk-Mörtel. Der heute oft angebotene Luftkalkmörtel eignet sich dagegen nicht, es hat sich gezeigt, dass er im Außeneinsatz relativ schnell leidet. Bei neuen Sandsteinmauern mit Standard-Fugen wird eine Körnung von rund 2 mm empfohlen.

Eine ganz besondere Mauer

Eine ganz besondere Mauer ist die Trockenmauer aus Sandstein, eine Mauer, die vollkommen ohne Bindemittel aufgestapelt wird. Trockenmauern haben eine lange Tradition bei uns, da Deutschland reich an Sandstein ist. Vom Buntsandstein, Burgsandstein, Kalksandstein, Schilfsandstein und Stubensandstein hat jede Region ihren eigenen Sandstein zu bieten, in grünlicher Färbung (Abtswinder + Sander Sandstein) oder gelblichbrauner bis brauner (Ibbenbürener Sandstein, Ruhrsandstein) beispielsweise. Bentheimer Sandstein ist hellgrau bis weiß, Dietenhaner Sandstein, Seedorfer Sandstein, Roter Wesersandstein sind rot, Sandstein wurde in vielen alten Bauwerken und in vielen Trockenmauern verbaut. So ein traditionelles Gartenbauwerk liegt gerade wieder im Trend, weil es mehr Natur in den Garten bringt. Sandstein-Trockenmauern sind aber nicht nur ökologisch und biologisch wertvoll, sondern auch unglaublich langlebig, wenn sie richtig gebaut werden. Sie werden zu kleinen Biotopen, in deren Ritzen und Spalten (bereits selten gewordene) Kleintiere wie Lurche oder Wildbienen leben. Eine Trockenmauer aus Sandstein richtig aufbauen ist ein Spaß für sich, der mehr von einem Puzzle hat als vom klassischen Mauerbau mit nassem und hautreizendem Mörtel. Für eine schöne Trockenmauer aus Sandstein ist einige Planung erforderlich, aber es lohnt sich.

Fundament für die Trockenmauer aus Sandstein

Klassische Trockenmauern werden auf ein trockenes Fundament gesetzt, aus Kies oder Schotter, an beiden Seiten rund 10 cm breiter als die untere Reihe des Mauerwerks. So gehen Sie vor:
  • Sie brauchen Schotter oder Kies Körnung 0/32 - 0/45, Bausand, Sandsteine für den Mauersockel
  • 30 bis 40 cm tiefen Graben fürs Fundament ausheben, Aushub in der Nähe lagern
  • Der Graben sollte 10-15 cm breiter sein als der Mauersockel und 5-10 cm breiter als die seitlichen Mauerabschlüsse
  • Wenn Wasser ablaufen muss, müssen Sie eine Neigung in Ablauf-Richtung einbringen
  • Der Graben wird zu gut zwei Dritteln mit Kies/Schotter gefüllt, diese Schicht wird anschließend sehr sorgfältig verdichtet
  • Das funktioniert mit einem Stampfer und viel Kraft und am besten mit einem maschinellen Rüttler
  • Darüber kommt eine Schicht Bausand, die 5 bis 10 cm bis zum Rand, der glatt abgezogen wird (mit einem schlichten Brett z. B.)
  • Die großen schweren Steine für den Mauersockel werden gelegt, sie sollten (und werden) sich einige Zentimeter ins Sandbett drücken
  • Lassen Sie Fugen von rund 2 cm Breite  zwischen den einzelnen Steinen
  • Diese Fugen und werden mit Erde des Aushubs gefüllt
Trockenmauer aus Sandstein

Nun kann die Trockenmauer aus Sandstein aufgeschichtet werden:
  • Mit dem Mauersockel sind die schwersten Brocken verarbeitet, jetzt werden die restlichen Steine nach Größe sortiert
  • In abnehmender Größe für die Mauer, ein paar besonders schöne, möglichst etwas längliche Steine für die Mauerkrone
  • Ein Haufen kleiner Steine wird extra gelagert, sie werden zum Verkeilen von Zwischenräumen gebraucht
  • Sie können die Ansiedlung von Wildtieren  durch Bepflanzung unterstützen, was auch sehr dekorativ aussieht
  • Jede Steingarten-Pflanze, viele Stauden und etliche Gräser können in die Sandsteinmauer gepflanzt werden
  • Wenn es sich beim Aushub fürs Fundament um Muttererde handelt, können Sie gleich diese dazwischen füllen
  • Ansonsten sollte andere Erde bereitliegen
  • Die Pflanzen müssen auch vorher ausgewählt und bereitgestellt werden, sortiert nach Mauersockel, Fugen, Mauerkrone
  • Die Bepflanzung wird auch deshalb dringend empfohlen, weil sie die Trockenmauer stabilisiert
  • Sogar erheblich, sie wird ja sonst nur durch das Eigengewicht und die Verkantung der Steine zusammengehalten
  • Auf die erste Steinreihe kommt nun etwas Muttererde und die entsprechenden Pflanzen
  • Dann werden die vorsortierten Steine mit gleichmäßig versetzten Fugen nach und nach aufgestapelt
  • Zwischendurch immer Erde einfüllen und Pflanzen einpflanzen
  • Ruhig viel Erde, mit wachsender Höhe wird die durch das Gewicht der Steine verdichtet
  • Wo Steine "wackelig" liegen, verkeilen Sie kleine Steine dazwischen, bis alles fest sitzt
  • Wenn Ihr Stein-Puzzle fertig ist, wird die Mauerkrone gelegt
  • Achten Sie auf gleichmäßige Höhe und breite Fugen, in die viel Erde/Pflanzen passen
Das war die Konstruktion im Überblick, eine Trockenmauer kann gerade nach oben wachsen, braucht dann aber ab einer gewissen Höhe eine statische Berechnung, oder wird ganz klassisch rund drei Mal so hoch wie breit gebaut, mit einem mächtigen Sockel von mindestens 40 cm und nach oben hin bis zu 20 % schmaler, auf beiden Seiten. Denken Sie immer daran, dass Sandsteine ein weiches und empfindliches Material sind, das auch bei der Reinigung pfleglich behandelt werden möchte und am liebsten nichts anderes als Wasser und Bürste mit ev. etwas Schmierseife sehen möchte, vor allem weder Chemie noch säurehaltige Haushaltsreiniger.

Fazit

Vor allem die natürlichen Trockenmauern aus Sandstein liegen voll im Trend, aber Sandstein ist überhaupt ein tolles Baumaterial. Allerdings auch ein sehr weiches Baumaterial, über dessen Verarbeitung und Behandlung Sie sich gut informieren sollten, wenn Ihre Sandsteinmauer lange halten und schön aussehen soll.