Kräuter richtig überwintern

Kräuter überwinternViele beliebte Kräuter stammen ursprünglich aus warmen bzw. mediterranen Regionen der Erde. Infolge dessen überstehen sie lange, harte Winter - so wie sie in den letzten Jahren häufig in Deutschland vorkamen - eher schlecht. Das ist der Grund dafür, weshalb es so entscheidend ist, die Kräuter vor der Kälte zu schützen und sie an einen geeigneten Standort überwintern zu lassen.

Welche Kräutergewächse keinen Winterschutz brauchen

Grundsätzlich müssen nicht alle Kräuter im Herbst zum Überwintern vom Garten mit ins wärmere Haus genommen werden. Dazu gehören

einerseits die einjährigen Pflanzen. Diese sind zum Beispiel Dill, Basilikum und Majoran. Doch auch einheimische Gewächse wie Petersilie, Beifuß, Bärlauch, Brunnenkresse, Minze, Liebstöckel, Schnittlauch und Sauerampfer können im Winter im Garten bzw. auf dem Balkon oder der Terrasse bleiben. Empfehlenswert ist es jedoch vor allem in Gebirgsregionen, sie eventuell mit einem Frostschutz zu versehen. Dafür eignet sich Reißig. Die Stängel vertrocknen und sollten im darauf folgendem Frühjahr zurückgeschnitten werden, so dass die Kräuter wieder neu austreiben können. Zwei Gewächse, die nicht einjährig und auch nicht einheimisch sind, bilden eine Ausnahme: Thymian und Lavendel. Thymian und Lavendel sind zwar mediterrane Gewächse, haben jedoch genug Kraft, um harte Winter zu überstehen.

Mediterrane Gewächse benötigen ein Quartier zum Überwintern

Es gibt allerdings zahlreiche Pflanzen, die den kühlen und frostigen Wintertagen nicht gewachsen sind. Vor Beginn von Bodenfrost (meist im Oktober) sollten diese Kräuter aus dem Garten, vom Balkon oder dem Fensterbrett hereingeholt werden. Zwei- und mehrjährige mediterrane Kräuter benötigen ein Quartier zum Überwintern. Dazu gehören unter anderen:
  • Rosmarin
  • Lorbeer
  • Bohnenkraut
  • Oregano
  • Salbei
  • Ysop
  • Currykraut
  • Weinraute
  • Estragon
  • buntlaubiger Thymian
  • Zitronenverbene
  • Stevia (ist sehr kälteempfindlich, daher bereits ab Mitte September einquartieren)
Der ideale Standort: hell und kühl

Die Pflanzen sollten zuerst aus dem Garten in ein passendes Gefäß eingetopft werden. Bei Kräutergewächsen auf dem Balkon reicht es manchmal bereits aus, deren Töpfe mit einem Flies oder einer Noppenfolie zu umwickeln. Damit wird gewährleistet, dass die Erde nicht einfriert und die Pflanzen weiterhin mit ihren Wurzeln Nährstoffe und Wasser aus der Erde aufnehmen können. Alle anderen frostempfindlichen Kräuter sollten in einem hellen Raum untergebracht werden. Am besten eignen sich Treppenhäuser, Flure und kühle Schlafzimmer. Weiterhin ist es bedeutend auf eine Temperatur zwischen 6 und 10 °C zu achten. Es sollte auf keinen Fall wärmer sein, da die Pflanzen sonst neu austreiben könnten. Bei niedrigen Temperaturen "schlummern" sie hingegen fast wie in einem Winterschlaf. Die Pflanzen verbrauchen die Stärke aus ihren Wurzeln zu Energie und kommen damit bis ins Frühjahr
aus. Ist es jedoch möglich, die Pflanzen in einen Wintergarten einzuquartieren, so sollte die Temperatur dort 20 °C nicht übersteigen. Bei zu hohen Temperaturen wird der Stoffwechsel der Pflanzen zu stark in Gang gesetzt. Dadurch atmen sie mehr, ihr Energieverbrauch steigt und sie benötigen schlussendlich mehr Licht - was ihnen auch ein Wintergarten im Winter nicht geben kann.

Geringer Wasserbedarf im Winter

BohnenkrautDa der Stoffwechsel der Pflanzen im Winter auf "Sparflamme" läuft, brauchen die Pflanzen auch weniger Wasser. Der Wasserbedarf ist also recht niedrig. Trotzdem ist es wichtig, die Kräuterpflanzen regelmäßig zu gießen, damit die Blätter nicht austrocknen. Etwa alle 14 Tage sollte mit einem

Finger geprüft werden, ob die Erde noch leicht feucht ist - das gilt auch für die Kräuter im Freien. Doch auch zu viel Wasser schadet den Pflanzen im Winter. Staunässe sollte aufgrund der Gefahr für einen Schimmelbefall vermieden werden.
Kräutergewächse sind im Winter pflegeleicht
Die Gefahr von Schädlingen und Krankheiten befallen zu werden, ist im Winter relativ gering. Wenn überhaupt, so werden die Kräuterpflanzen von Spinnmilben anderer Pflanzen befallen. Bei der Pflege ist zu beachten, dass kein Dünger gegeben wird, da der Stoffwechsel der Kräuter heruntergefahren ist.
Überwintern der Kräuter: kein komplizierter Akt
Um auch mehrere Jahre an Kräutern Freude zu haben, empfiehlt es sich, zur Überwinterung auf einen hellen, kühlen und geschützten Standort zu achten. Zudem sollte auf eine moderate Wassergabe geachtet werden - dann kann im Grunde nicht mehr viel schiefgehen und die Kräuterpflanzen sind für das nächste Frühjahr gut gerüstet.
 
Tipps für verschiedene Kräuter

Wer also Kräuter überwintern möchte, sollte sich im Vorfeld Gedanken machen um was für Kräuter es sich handelt. Milde Winter überstehen Kräuter aus dem Mittelmeerraum relativ gut. Im Gegenteil, ein Überwintern in überheizten Wohnräumen mögen sie nicht. Längere Kaltluftperioden mögen sie allerdings auch nicht.

  • Es ist also ratsam, Kräuter, wie Salbei und Thymian abzudecken. Hierfür eigenen sich Tannenzweige oder, wenn vorhanden, Stroh. Die Tannenzweige sollten jedoch möglichst nicht nadeln, da dies Säure freisetzen kann. Auf keinen Fall sollten sie mit Folie abgedeckt werden, da dies die Kräuter ersticken würde. Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass die Kräuter feucht gehalten werden. Sollte der Standort jedoch zu kalt sein, empfiehlt es sich die Kräuter auszugraben und umzutopfen. 
  • Heimische Kräuter hingegen sind winterfest. Der Schnittlauch sollte sogar einmal richtig durchfrieren, um wieder neu auszutreiben. Auch Liebstöckel oder Petersilie eignen sich zum Überwintern. Je nach Temperaturen, sollte man sie aber auch durch eine Lage Laub oder Fichtenreisig schützen. Bei der Petersilie sollte man darauf achten, ob sie im nächsten Jahr Blüten bekommt. Dann verliert sie an Aroma und man sollte neue Petersilie haben.
  • Idealerweise sollte man dann auch gleichzeitig den Standort wechseln, da sie sonst recht dürftig bleibt. Andere Kräuter, wie z. B. Basilikum eignen sich gar nicht zum Überwintern. Das Lichtangebot bei uns ist viel zu gering und sie würden auch auf der Fensterbank nicht überleben. Diese sollte man dann im Frühling lieber wieder aussäen.
  • Lorbeerbäumchen oder Rosmarin vertragen hingegen keine Minustemperaturen. Diese Kräuter sollten im Winter einen kühlen Platz im Haus bekommen. Hier eignen sich Fensterbänke im Treppenhaus oder kühle Schlafzimmer. Beheizte Räume sind dagegen ungeeignet. Die Kräuter sollten nur sehr sparsam gegossen werden, aber nicht austrocknen. Im Frühling wird der Rosmarin dann in einen größeren Topf umgepflanzt bis er nach den Eisheiligen wieder nach draußen darf.alt