Boden im Herbst umgraben - ist das wirklich notwendig?

UmgrabenFür viele Gärtner ist das beinahe schon obligatorische Umgraben im Herbst ein ganz besonderes Ereignis. Immerhin ist es eine der letzten Arbeiten, die noch im heimischen Garten unter freiem Himmel durchgeführt werden kann, bevor der nahende Winter den ersten Schnee bringt und Gärtner dadurch ins Haus verbannt. Andere Gärtner sehen im Umgraben eher eine ebenso lästige wie anstrengende Arbeit, die sie sich lieber ersparen würden. Falls Sie sich nun zu der letztgenannten Gruppe von Gärtnern zählen, dürfte es Sie freuen,

dass sich in den vergangenen Jahren immer mehr anerkannte Experten ausdrücklich gegen das Umgraben aussprechen, da es nicht nur völlig unnötig sei, sondern sogar kontraproduktiv wäre und dem Garten nachträglich schaden könnte. Wenngleich sich die Gegenargumente, die klar gegen das Umgraben im Allgemeinen sprechen, bei näherer Betrachtung als plausibel erweisen, gibt es aber dennoch Situationen, in denen es eben doch ratsam ist, den Garten umzugraben.

Argumente gegen das Umgraben

An sich ist die Liste aller Argumente, die gegen das Umgraben im Herbst sprechen, zu lang, als dass jedes Argument für sich an dieser Stelle in vollem Umfang behandelt werden könnte. Aus diesem Grund sollen im Folgenden bloß die aller wichtigsten Punkte en dé­tail veranschaulicht werden. Einer dieser Punkte ist gleich der, dass der Gartenboden ein wahrer Mikrokosmos mit bis zu zehn Milliarden Bewohnern pro Liter Erde ist. Wenngleich der von Natur aus perfekt abgestimmte Lebensraum durch das Umgraben vielleicht nicht unwiederbringlich zerstört wird, nimmt er in der Regel doch derart großen Schaden, dass Pflanzen es im Nachhinein sehr schwer haben werden, bestmöglich zu gedeihen.

Zu den besagten Bewohnern des Edaphons, wie der bodenkundliche Fachbegriff für die Flora und Fauna des Bodens lautet, gehören unzählige Bakterien, Einzeller, Insekten und Pilze sowie Regenwürmer, Maulwürfe und sonstige Nützlinge, die alle zusammen dazu beitragen, die Bodenqualität nachhaltig zu verbessern. So bauen die vielen Lebewesen im Boden zum Beispiel Humus ab, wodurch er überhaupt erst für Pflanzen verwertbar wird.

Darüber hinaus glauben viele Gärtner, ihre Beete durch das Umgraben unkrautfrei halten zu können. Allerdings trifft diese Annahme nur bedingt zu. Tatsächlich besteht die Gefahr, dass durch das Umgraben Unkrautsamen an die Erdoberfläche gelangen, die unter Umständen schon seit einigen Jahren in den Tiefen der Gartenerde schlummern und nun ganze Beete komplett überwuchern könnten.

Außerdem drohen umgegrabene Gartenflächen schneller auszutrocknen, was wiederum ein vermehrtes Gießen erforderlich machen würde. Folglich wäre das Umgraben in gleich doppelter Hinsicht ein erhebliches Mehr an Arbeit, das sich nach Meinung vieler Experten vermeiden ließe.

Argumente für das Umgraben

gemuesegarten erdeWenngleich
in den meisten Fällen aufgrund der zuvor genannten Argumente vom Umgraben abzuraten ist, sollten Sie Ihre Beete unter bestimmten Umständen aber dennoch zumindest einmal vor der ersten Einsaat umgraben. So zum Beispiel, wenn Ihre Beete über einen langen Zeitraum brachlagen und nun geradezu verwildert sind. Darüber hinaus kann auch die vorherrschende Bodenbeschaffenheit für das Umgraben sprechen. Als diesbezügliches Beispiel sind unter anderem schwere Lehm- respektive Tonböden zu nennen, die sich nur durch eine konsequente Kompostwirtschaft und regelmäßiges Umgraben fruchtbar machen lassen.

Ein entscheidender Vorteil

des Umgrabens im Herbst im Vergleich zu einem Umgraben im Frühjahr ist im Übrigen, dass der Frost des darauf folgenden Winters die zumeist sehr großen Erdschollen zerkleinert, wodurch auch gleich der Anteil an unschätzbar wertvollen Luftporen in der Erde maßgelblich erhöht wird.

Des Weiteren ist anzumerken, dass Sie sich direkt beim Umgraben die Mühe machen sollten, jede noch so kleine Wurzel so weit irgend möglich zu entfernen, da Ihre ganze Arbeit sonst zumindest in Hinblick auf den Unkrautbefall Ihrer Beete weitestgehend vergebens gewesen sein dürfte.

Tipp: Damit die Beete nach dem Umgraben möglichst lange unkrautfrei bleiben, empfiehlt es sich, im ersten Jahr Kartoffeln anzupflanzen und im Jahr darauf eine sogenannte Gründüngung auszusäen.

Alternativen zum herkömmlichen Umgraben

Wer seine Beete aufgrund der zuvor genannten Argumente oder vielleicht auch einfach wegen des doch immensen Arbeitsaufwands fortan nicht mehr im Herbst umgraben möchte, kann sie auch einfach im Spätsommer oder im Frühherbst nach dem Ende der aktuellen Gartensaison mit einer dicken Mulchschicht bedecken. Neben gewöhnlichem Herbstlaub oder Grünschnitt bieten sich hierfür Ernteabfälle oder (halb) reifer Kompost an. Stattdessen könnten Sie aber auch eine schnell wachsende Gründüngung säen, die Sie allerdings im Frühjahr unbedingt vor der Samenreife abmähen müssen. Eine weitere Methode ist, auf den Beeten wasserdurchlässiges Gartenvlies oder entsprechende Gartenfolie auszulegen.

Da jede der besagten Methoden den Boden hinreichend vor zu starken Temperaturschwankungen, übermäßigem Unkrautwuchs und dem sogenannten Verschlämmen schützt, bleibt es letztendlich Ihnen überlassen, welche Sie präferieren. Allerdings bleibt festzuhalten, dass Sie sowohl den Mulch als auch die Gründung oder das Fließ beziehungsweise die Folie erst kurz vor der ersten Einsaat entfernen sollten, um die Gefahr eines unliebsamen Unkrautbefalls möglichst gering zu halten.

kartoffel pflanzeNachdem Sie die Abdeckung der Beete entfernt haben, können Sie den Boden mithilfe eines geeigneten Kultivators, wie zum Beispiel einem sogenannten Sauzahn, auflockern und anschließend noch mit einem speziellen Grubber oder einer herkömmlichen Gartenharke von etwaigen Unkrautrückständen befreien. Zum Abschluss empfiehlt es sich dann, etwa zwei Wochen vor der Aussaat noch reifen Kompost mit einem Rechen in den Boden einzuarbeiten.

Alternativen stichpunktartig zusammengefasst
  • Beete mit einer Mulchschicht bedecken
  • Gründüngung säen
  • Beete mit speziellem Gartenvlies oder entsprechender Folie aus der Gartenabteilung abdecken
  • Beete regelmäßig harken
  • Beete grubbern
Häufig gestellte Fragen

Brauche ich spezielles Gartenvlies oder kann ich auch einfach herkömmliche Folie verwenden?

Da Gartenvlies im Gegensatz zu herkömmlicher Folie sowohl Wasser als auch Luft durchlässt, ist es schon alleine in Hinsicht auf die zahllosen Lebewesen im Erdreich die deutlich bessere Wahl.

Kann man nicht einfach Kalk streuen, um Unkraut zu vernichten?

Es stimmt, das Kalken gegen bestimmte Unkrautarten helfen kann. Allerdings besteht die Gefahr, dass die Beete dadurch zu stark übersäuern.

Stimmt es, dass das Liegenlassen ausgerissenen Unkrauts gegen neues Unkraut hilft?

Das stimmt leider nur bedingt.