Torf, nein Danke - Umweltzerstörung durch Torfabbau

SubstratFür Blumenerde mit Torfanteil werden derzeit von Gartenbau und Hobbygärtnern im Jahr rund zehn Millionen Kubikmeter Torf benötigt. Sollte sich das Verbrauchsverhalten von Industrie und Verbrauchern nicht ändern, so könnten in die Moorressourcen bereits in 50 Jahren erschöpft und damit auch diese artenreichsten Ökosysteme für immer verschwunden sein (Quelle Nabu). Wie können Verbraucher die Zerstörung der Moore beeinflussen? Wir stellen bekannte Alternativen für Torf vor, damit die Pflanzsaison ohne schlechtes Gewissen beginnen kann.

Was ist eigentlich Torf?

Torf besteht aus

wenig zersetzten konservierten Pflanzenresten. Je nach Alter des Torfes sind die Pflanzenreste noch gut (jüngerer Torf) oder gar nicht mehr (sehr alter Torf) erkennbar. Torf entsteht immer in Feuchtgebieten mit Vegetation. Stirbt die Vegetation im Feuchtgebiet ab, dann wird sie im Wasser nicht vollständig zersetzt. Durch immer wieder neue absterbende Pflanzen entsteht ein Druck auf die abgestorbenen Pflanzenreste im Wasser, der diese unter Luftausschluss konserviert. So entsteht Torf.

Was macht Torf so wertvoll?

Moorlandschaften sind in Millionen von Jahren entstanden. In 1000 Jahren wächst die Torfschicht im Moor um rund einen Meter. Pro Jahr beträgt das Wachstum zwischen einem und zehn Millimetern. Damit ein Moor entsteht, sind viele Jahrtausende notwendig. Derzeit schreitet der Abbau von Torf aber schneller voran, als das der Torf nachwachsen kann. In Blumenerde ist Torf ein Wasserspeicher und dient zur Lockerung des Substrates. Es macht den Boden sauer, deshalb ist Torf eine ideale Grundlage für Rhododendren und Azaleen. Torf ist ein sehr reines Pflanzsubstrat ohne Unkrautsamen. Nicht zuletzt beherbergen Moore eine einzigartige Tier und Pflanzenwelt, die mit dem Abbau von Torf verloren geht.

AHA! Moore werden nicht nur trockengelegt sondern durch den Abbau komplett vernichtet.

Torfabbau als Klimakiller

Um Torf zu gewinnen, werden Moore in Deutschland und den baltischen Staaten und in Russland trocken gelegt. Dabei wird das über Millionen von Jahren gespeicherte CO2 der verrotteten Pflanzenteile freigesetzt. In einer 15 cm dicken Torfschicht ist so viel CO2 gespeichert Es entspricht der Menge der Speicherfähigkeit eines hundertjährigem Waldes auf gleicher Fläche. Der CO2 Ausstoß trockengelegter Moore beträgt rund sechs Prozent des gesamten CO2 Ausstoßes. Kohlendioxid, das als extrem klimaschädlich betrachtet wird, trägt zur Erderwärmung bei. Das Gas steigt in die Atmosphäre und verhindert in höher gelegenen Luftschichten die Abstrahlung von Erdwärme in die Atmosphäre. Nur intakte Moore können auch weiterhin Kohlendioxid speichern. Ist Torf einmal trocken gelegt, dann verliert er seine Speicherfähigkeit. Trockengelegte Moore können also auch nicht wieder neu bewässert werden.

AHA! Auch aus Blumentöpfen mit torfhaltiger Blumenerde entsteigt das schädliche CO2.

Alternativen für Torf

style="margin-bottom: 6px; margin-left: 6px; float: right;" class="img-responsive" alt="Komposterde" src="/images/garten/gartenpflege/kompost-erde-56544322-300-fl.jpg" height="200" width="300" />Im Handel erhältliche Blumenerden erhalten Torf zu einem Anteil zwischen 80-90 Prozent. Auch in Bio- Blumenerde befindet sich Torf. Sogar in als "torffrei" deklarierten Blumenerden wurde schon Torf gefunden. Verbraucher können den Abbau von Torf einschränken, indem sie ihre Blumenerde selbst mischen. Ersatzstoffe für Torf gleichen Torf fast zu 100 Prozent. Nur die Funktion des Wasserspeichers können sie in der Regel nicht 1:1 ersetzen.

Tipp! Lieber auf Torf verzichten und die Pflanzen dafür öfter gießen!

Bekannte Torfersatzstoffe
  • Gartenkompost besitzt mehr

    Nährstoffe als Torf. Er verbessert den Boden und reduziert den Einsatz von künstlichem Dünger. Kompost fällt in jedem Garten an oder kann in einer Kompostierungsanlage gekauft werden. Ein weiterer Vorteil von Kompost ist, dass der Boden, wie beim Einsatz von Torf, nicht versauert.
  • indenhumus besteht aus zerkleinerter kompostierter Rinde. Das Substrat ist mit oder ohne einen Nährstoffzusatz erhältlich. Rindenhumus verrottet deutlich langsamer als Torf. Er ist ein Wasserspeicher und macht den Boden leicht sauer.
  • Kompost aus Laub und Fichtennadeln ist ein Ersatzstoff für die saure Wirkung von Torf. So lassen sich auch Pflanzen, die einen sauren Boden benötigen, ohne Torf anpflanzen.
  • Kokosfasern können Torf sehr gut ersetzen. Sie speichern enorm viel Wasser und zersetzen sich nur langsam.
  • Holzfasern werden aus Holzspänen gewonnen. Sie haben eine Konsistenz wie Torf und sind daher ein guter Wasserspeicher.
  • Hanffasern/Chinaschilffasern und Bimsstein
Diese Zusatzstoffe speichern viel Wasser und dienen zur Verbesserung und Auflockerung des Bodens

Tipp: In Anzuchterde haben sich Holzfasern und Bimssteinchen als Torfersatz bewährt.
Tipp: Kompost und Rindenhumus lockern den Boden auf!

Kokoserde als Torfersatz

Kokoserde besteht aus zerkleinerten Pflanzenfasern der Kokospalme. Sie kann Blumenerde mit Torf komplett ersetzen, wenn durch Dünger genügend Nährstoffe zugeführt werden, denn Kokoserde ist nährstofffrei. Eine lockere Konsistenz erhält Kokoserde durch die Zugabe gehäckselter Kokosnussschalen. Sie ist frei von Schadstoffen, Insekteneiern, Larven und Schimmelsporen, denn sie wird vor ihrer Verpackung sterilisiert und zusammengepresst. Kokoserde wiegt nur einen Bruchteil von Blumenerde und ist von der Größe einer Tablette über Anzuchtquelltöpfchen bis zu kompakten Blöcken erhältlich. Sie speichert große Mengen Wasser und entwickelt unter der Zugabe von Wasser ein Vielfaches ihres Volumens.

Erde ohne Torf kaufen

BlumenerdeBlumenerde, die ohne Torf hergestellt ist, ist mit dem Zusatz "ohne Torf" oder "torffrei" gekennzeichnet. Einige namhafte Hersteller haben diese bereits im Angebot. Sie eignet sich für Hobbygärtner, die ein Pflanzsubstrat nicht selbst herstellen können. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (Nabu) gibt regelmäßig einen Einkaufsführer für torffreie Erden heraus, der sich kostenlos im Internet herunterladen lässt.

Häufig gestellte Fragen

Ist der Abbau von Torf wirklich so schlimm?
Ja, die braunen Flächen der ehemaligen Moore sind bereits auf Google Earth sichtbar.

Lässt sich das Moor nicht ersetzen?
Dazu braucht es jede Menge Zeit. Zum Ausgleich der Klimabilanz müsste das Sechsfache an Wald aufgeforstet werden und 100 Jahre gewartet werden.

Hat Torf auch negative Aspekte für den Garten?
Ja, er enthält kaum Nährstoffe und macht die Erde sauer.

Wo gibt es die einzelnen Inhaltsstoffe, um ein Pflanzsubstrat selbst zu mischen?
Baumärkte und Gartencenter führen Kokos-, Holz- und Hanffasern. Ebenso ist Blähton, Split oder Bimsstein im Baumarkt erhältlich. Kompost mit verschiedenen Inhaltsstoffen ist abgepackt bei regionalen Entsorgen und Kompostwerken erhältlich. Fertige Kokoserde gibt es im Gartenfachmarkt oder online zu kaufen.