Substrate und Erden für Pflanzen

Substrate für Pflanzen

Der passionierte (Hobby-)Gärtner wählt die Pflanzen, die Heim und Garten zieren sollen, normalerweise sorgfältig aus. Kräftige Triebe, ein gesunder Stamm, die schönsten Blüten ü alles wird kritisch beäugt und nur die besten werden mitgenommen. Doch genauso viel Wert, wie auf den Zustand der Pflanze, sollte man auch auf die Auswahl ihres Zuhauses legen: das Substrat, in dem sie ihre Wurzeln entwickeln wird. Natürlich tut es oftmals auch der nächstbeste Beutel mit Blumenerde aus dem Baumarkt, aber damit sich eine Pflanze wirklich wohl fühlt und ihre besten Ergebnisse bringt, braucht es schon ein

bisschen mehr.

Üblicherweise dürfen Wurzeln keinesfalls die ganze Zeit im Wasser stehen. Sie verfaulen dann und sterben ab ü die Pflanze ist reif für den Kompost. Um dies zu verhindern, schafft man für seine Pflanze ein optimales Mikroklima mit viel Luft und hoher Luftfeuchtigkeit in einem lockeren Substrat, das einerseits zwar Wasser gut speichern kann, andererseits ein Zuviel an Wasser aber verlässlich ableitet. Es verankert die Pflanze im Boden, um sie auch bei Wind und Wetter an ihrem Platz zu halten und ernährt sie gleichzeitig. Die Wurzeln der Pflanze lösen sich die benötigten Salze mit Hilfe des Gießwassers aus dem Substrat heraus. Ein möglichst nährstoffreiches Substrat ist ü außer für Jungpflanzen und Sämlinge, an denen hier Salzkonzentrationsschäden auftreten können - also wünschenswert.
Und, nicht zuletzt, sollte man noch auf einen auf die jeweilige Pflanze abgestimmten pH-Wert, also die Konzentration der Wasserstoffionen, achten, der üblicherweise zwischen ungefähr 5,5-6 (leicht sauer) und 7 (neutral) liegt. Ist der Wert zu hoch oder zu niedrig lässt sich das mit der Beimischung verschiedener Substanzen leicht ändern: sogenannter Düngekalk oder basisches Gießwasser erhöht, Torf oder Essig z. B. verringert den pH-Wert.

Die Mischung machts ...

Für die meisten Pflanzen kann man ein gut geeignetes Substrat auf einfache Weise selbst herstellen. Dafür mischt man grundsätzlich 1/3 normale Gartenerde mit 1/3 Füllstoff (Torf, Cocossubstrat, Sand, Blähton, Perlite etc. ü auch mehrere in einer Mischung) und 1/3 gut verrottetem Kompost. Je nässeempfindlicher eine Pflanze ist, umso höher sollte der Anteil an Füllstoffen sein, er darf sogar mehr als 50 % des Volumens betragen.

Hier eine kurze Übersicht der wichtigsten Füll- und Substratstoffe:

- Blähton: Anorganischer Stoff, hergestellt aus bei einem Brennvorgang aufgeblähten Tonperlen ohne Zusätze, die anschließend

Luftporen aufweisen und gleichzeitig eine in sich abgeschlossene, druckfeste Oberfläche entwickeln. Im Handel ist auch gebrochener Blähton (Lecadan) erhältlich.
- Perlite: Anorganischer, aus vulkanischem Glas hergestellter Füllstoff; frei von Pilzen, Krankheitserregern und Nährstoffen und deshalb auch gut zum Ankeimen geeignet.
- Seramis: Das üblichste Drainage-Material. Dem Blähton nicht unähnlich, allerdings ganz andere Eigenschaften - große Saugkraft, aber kaum luftdurchlässig. Zu Anzuchtzwecken ist Seramis nur bedingt einsetzbar. Wird eine Pflanze ohne den Erdballen in Seramis gesetzt, wird der Wurzelhals viel zu nass - das ist für viele Pflanzen tödlich!
- Baystrat: Schaumstoff speziell für die Pflanzenanzucht
- Grodan: Steinwolle
- Quarzkies: wird aufgrund seines Gewichtes heute nur noch selten verwendet
- Sand
- Torf: Der organische, für Moorlandschaften typische Stoff, ist in sehr vielen Erdmischungen anzutreffen, seine Verwendung ist aufgrund seiner langsamen Entstehung und des Raubbaus an den Mooren allerdings problematisch. Außerdem unterliegen viele Gärtner einem Irrtum, wenn sie mit Hochmoortorf ihren Boden verbessern wollen: Dieser verschlechtert den

Boden nämlicher eher, da er wenige Nährstoffe enthält und zur Versauerung führt.
- Cocossubstrat: Aus den Fastern der Kokosnuss hergestelltes, sehr lockeres Substrat, als Briketts verkauft, wird es vor der Verwendung in Wasser aufgeweicht und ist eine ausgezeichnete Alternative zu den herkömmlichen Stoffen.

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Spezielle Erdmischungen:

Mischungen mit Lehm oder Ton:
Meist haben diese Mischungen einen etwas höheren pH-Wert, was sich für Palmen und viele andere tropische und subtropische Gewächse gut eignet. Hierfür vermischt man ein Grundsubstrat aus überwiegend humosem Material sorgfältig mit 20-40 % strukturstabilem Lehm, man kann aber auch Mischungen aus Kompost- und Gartenerde verwenden, da in den meisten Gärten ohnehin sehr viel Lehm enthält.

Stark saure Erde:
Eine sehr saure Erde mit einem pH-Wert zwischen 4,5 und 5,5 benötigen Arten wie Primula, Camelia, Azaleen oder Gesneria. Bei einem pH-Wert 6 können sie nicht genug Eisen aufnehmen und so nicht ausreichend Blattgrün bilden. Am besten ist, man mischt sich diese Substrate selbst aus kalkarmem Lehm, saurer Lauberde, Nadelerde oder saurem Hochmoor-Weißtorf.

Spezialfall Epiphyten:
Es gibt auch Pflanzen, die überhaupt keine Erde brauchen, die sogenannten Epiphyten. Diese wachsen auf Bäumen, in deren Astgabeln sich Humus angesammelt hat, manche haben sich sogar Felsen als Lebensraum erschlossen. Oftmals dienen ihre Wurzeln rein als Haftorgane oder sie fehlen ganz, wobei sie Wasser und Nährstoffe aus dem Tau oder Regen und den darin gelösten Staubbestandteilen filtern. Zu den Epiphyten gehören Bromeliengewächse ebenso wie manche Farne und natürlich die Orchideen.

von Karin Fasching