Baumschnitt-Wunden versiegeln - Wundverschluss-Tipps

Baumschnitt-Wunden versiegeln - Wundverschluss-Tipps

Im Handel werden viele Wundverschlussmittel angeboten. Welche sind die Richtigen, bzw. braucht man überhaupt einen Wundverschluss? Oder gibt es andere Methoden, nach einem Baumschnitt dafür zu sorgen, dass die Wunden versiegelt werden?

baum-harz flHeute wohl herrschende Meinung: Kein Wundverschluss

Heute sind die Baumbiologen sich weitgehend einig darüber, dass die klügste Strategie ist, es dem Baum selbst zu überlassen, seine Wunde zu versiegeln.

Denn heute ist erforscht, dass Bäume doch eine etwas andere Strategie haben mit Verletzungen umzugehen

als der Mensch. Die menschlich-fürsorgliche Regung, die Baumwunde durch eine Art Pflaster zu heilen, macht bei einem Baum wenig Sinn. Bäume können einmal verletztes Gewebe nicht erneuern, es wird ersetzt, indem neue Wachstumsschichten angelegt werden. Wenn ein Baum eine äußere Verletzung erleidet, wird die Wachstumsschicht tätig, das Kambium. Das sofort beginnt, einen Wulst aus Wundgewebe zu bilden, dem Kallus, der die Wunde nun verschließt und eine effektive Schutzschicht ausbildet, die das neue Gewebe vor Holz abbauenden Pilzen schützt.

Eine Erkenntnis daraus ist, dass ein Baum eine Verletzung um so schneller und gründlicher einschließen kann, je kleiner sie ist. In der modernen Baumpflege werden deshalb heute Schnittwunden möglichst vermieden oder so klein wie möglich gehalten. Wenn Sie Ihre Schnittmaßnahmen dieser Erkenntnis anpassen möchten, bedeutet das zunächst regelmäßigen und rechtzeitigen Baumschnitt. So können Sie vermeiden, später große störende Äste über 5 cm Durchmesser entfernen zu müssen. Man weiß heute, dass vor allem solche großen Wunden häufig faulen, sie führen nicht selten einige Jahre später zum Tod des gesamten Baumes. Denn die komplette Eigenheilung eines Baumes dauert lange, bei tiefen Wunden durchaus mehrere Jahre.

Wundverschluss und Pilze

Die verschiedenen Baumarten können ihre Wunden unterschiedlich gut abschotten, auch die Kallusbildung geht bei einigen Bäumen schneller. Deshalb kann es durchaus sein, dass das Kambium einmal austrocknet, abstirbt und dann durch Pilze besiedelt wird, die das Holz zersetzen. Wenn das Holz sich genug Feuchtigkeit durch Abschottung der Wunde erhalten kann, finden Pilze keine geeigneten Lebensbedingungen vor. Laubbäume schaffen diese totale Abschottung schnell und ohne jeden Feuchtigkeitsverlust, während Nadelbäume in der Zeit der Wundheilung durchaus Feuchtigkeitsverluste zeigten.

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src="images/stories/baumschnitt3_fl.jpg" height="167" width="250" />Ein Wundschutzmittel wäre also bei Nadelbäumen sinnvoll, wenn es die Feuchtigkeitsverhältnisse in einem Bereich halten könnte, der ein Wachstum der Pilze verhindert. Aber dieses würde ja auf einen Bereich aufgetragen, wo sich nur abgestorbenes Gewebe befindet. Deshalb kann sogar ein pilztötender Wirkstoff im Wundverschlussmittel Pilze im Holzkörper nicht vollständig bekämpfen, sondern nur im Bereich des unmittelbaren Kontakts. In einer Untersuchung dieser Wundverschlussmittel hat sich zudem herausgestellt, dass kein Mittel fähig war, dauerhaft eine mechanische Barriere zu bilden, die das Eindringen Holz zerstörender Pilze in eine Wunde verhindern konnte.

Weil die Wundschutzmittel aber selbst mehr oder weniger durchlässig für Feuchtigkeit sind, besteht bei Anwendung vielmehr die Gefahr, dass sich unter dem Wundschutzmittelfilm Feuchtigkeitsverhältnisse entwickeln, die das Wachstum Holz zerstörender Pilze noch fördern. Vor allem unter dem vollflächig verstrichenen Verschlussmittel entwickelt sich meist ein für Pilzwachstum eher günstiges Klima.

Deshalb wurde insgesamt aus der Untersuchung der Wundverschlussmittel der Schluss gezogen, dass

der Auftrag auf die gesamte Wundoberfläche nicht ratsam sei. Nur ein Bestreichen des Wundrands sei sinnvoll, wenn einem Baum ausnahmsweise doch eine größere Wunde zugefügt werden müsse. Diese Wundverschlussmittel (mit pilztötenden Inhaltsstoffen) könnten dann eventuell das Austrocknen des Kambiums verhindern oder verzögern. Das Kambialgewebe kann so auch ein wenig vor Frost geschützt werden, bis die langwierige Eigenheilung des Baumes abgeschlossen ist.

Voraussetzung: Gesunder Baum und fachgerechter Schnitt

Wenn ein Baum an einem Standort steht, an dem er ohnehin nur mühsam überlebt, wird er auch mehr Mühe haben, seine Wunden abzuschotten. Sie werden Ihrem Baum also viel leichter folgenlose Verletzungen durch den Baumschnitt zufügen können, wenn Sie von Anfang an darauf achten, dass der Baum den optimalen Standort in Ihrem Garten bekommt (oder vielleicht auch einmal auf einen Baum verzichten, für den es in Ihrem Garten keinen guten Standort gibt).

Fachgerechter Schnitt bedeutet in Bezug auf den Wundverschluss zunächst einmal ein Schnitt in der Vegetationsphase, in der der Baum die Möglichkeit hat, die Substanzen auszubilden, die zum Verschluss einer Wunde gebraucht werden.

gartenschere-teleskop flDass Sie dem Baum in der Summe nur die kleinste mögliche Wundfläche zumuten sollten, wurde oben schon erklärt, eine Besonderheit gibt es hier jedoch noch zu beachten: Früher wurde häufig empfohlen, Äste bis sehr nah an den Stamm auszuschneiden, sodass fast eine Kuhle entsteht. Heute wird das Gegenteil empfohlen: Jeder Ast hat am Stamm eine Basis, die nicht verletzt werden sollte, das wäre für den Baum eine tiefe Wunde, an der er schwer zu arbeiten hätte. Äste sollten also so geschnitten werden, dass noch einige Zentimeter Astbasis stehen bleiben und der Schnitt in dem Bereich liegt, in dem der Ast dünner wird, die Oberfläche dieser kleinen Wunde heilt dann schnell.

Sie sollten beim Baumschnitt auch nur mit scharfen Werkzeugen arbeiten, falls die Schnittstelle dennoch ausgefranst aussieht, sollte sie mit einem scharfen Messer nachgeschnitten werden.

Wenn Sie dann auch noch darauf achten, Ihrem Baum auch in anderer Art keine Wunden zuzufügen, die er nur schwer verschließen kann (zackige oder ausgefranste Wunden, durch den Rasenmäher z. B. oder  Pkws, Feuer, Bauarbeiten, Steigeisen), wird er die regelmäßigen Baumschnitt-Maßnahmen sicher wunderbar überstehen, völlig ohne Wundverschlussmittel.