Flieder schneiden - Anleitung und Zeitpunkt

FliederNatürlich wild gewachsen zeigt der Flieder bereits früh im Jahr seine Blütenpracht, ist eine Zierde für Augen und Nase. Korrekturen müssen bei ihm in der Regel kaum durchgeführt werden. Wird der Flieder zu groß oder zu alt, ist es aber durchaus sinnvoll, zur Heckenschere zu greifen. Bei dieser Maßnahme kommt es bei dem sonst so pflegeleichten Gewächs sowohl auf die richtige Zeit als auch das korrekte Vorgehen an. Worauf zu achten ist, wird im Folgenden verraten.

Notwendigkeit

Ein Verschnitt beim Flieder ist,

wie bereits erwähnt nur selten nötig. Die blühfreudige Bereicherung ist zumeist sogar besonders prächtig, wenn sie in dieser Hinsicht sich selbst überlassen wird. Erforderlich oder zumindest ratsam ist ein Verschnitt des Flieders jedoch in den folgenden Fällen:
  • Altersbedingt nachlassende Blühkraft
  • Beschädigte oder vertrocknete Zweige
  • Befall durch Krankheiten oder Parasiten
  • Zu große Ausmaße für den Standort
Tipp: Auch wer verhindern möchte, dass sich der Flieder unkontrolliert in der nahen Umgebung aussät, sollte zur Schere greifen.  
Zeitpunkt

In der Regel verzeiht der Flieder den Verschnitt und treibt zwar nicht schnell, dafür jedoch kräftig und dicht wieder aus. Hierzu müssen natürlich die Bedingungen am Standort stimmen. Zudem muss der Zeitpunkt passend gewählt werden.
Optimal ist das Schneiden des Flieders nach der Blüte, also Ende Mai oder Anfang Juni. Auf diese Weise muss auf die Pracht nicht verzichtet werden und die optisch störenden, verblühten Rispen können bei dieser Gelegenheit gleich mit entfernt werden.
Wurde der Verschnitt zu diesem Zeitpunkt vergessen, muss allerdings nicht noch ein weiteres Jahr gewartet werden. Ob sanfter Pflegeschnitt und kleine Korrekturen oder radikaler Rückschnitt zur Verjüngung - von Frühjahr bis Herbst ist die Maßnahme am pflegeleichten Gewächs jederzeit möglich. Zu beachten ist hierbei:
  • Frostfreiheit
  • Trockenes Wetter
  • Morgens oder vormittags schneiden, um Trocknen der Schnittflächen zu begünstigen
Flieder schneidenDie frischen Schnittflächen zeigen sich recht anfällig, ziehen Schädlinge und Erreger oft magisch an und ermöglichen diesen ein einfaches Eindringen. Je schneller sie abtrocknen, desto weniger ist der Flieder also in Gefahr. Günstig ist es daher, die Maßnahme bei trockenem und warmem oder heißem Wetter vorzunehmen. Ziehen bereits Regenwolken auf oder ist es schwül, sollte dem Flieder kein Verschnitt zugemutet werden.

Tipp: Damit die frischen Wunden schon möglichst weit getrocknet und damit geschlossen sind, wenn es wieder feucht wird, ist zudem die Tageszeit entscheidend. Optimal ist es morgens oder vormittags zu schneiden, damit sie über den Tag abtrocknen können.  

Blüte erhalten

Flieder bildet Knospen vorrangig an zweijährigen und älteren, verholzten Trieben aus. Werden hauptsächlich oder gar ausschließlich diese Zweige entfernt, bleibt die Blüte also aus oder ist zumindest stark verringert.
Wer sowohl korrigieren als auch die
duftende Pracht genießen möchte, verschneidet daher immer nur in Abschnitten und nicht den ganzen Flieder auf einmal.

Pflegeschnitt

Der Pflegeschnitt ist beim Flieder schnell und einfach durchzuführen. Entfernt werden hierbei lediglich:
  • Beschädigte oder bereits vertrocknete Triebe
  • Verblühte Rispen
  • Überalterte Zweige, die verkahlen
  • Nach innen wachsende Triebe
  • Schwache, kaum beblätterte Sprosse
Um den Flieder zu einem dichteren Wachstum zu verhelfen, ist dieses Vorgehen optimal. Zudem können hierbei die Größe und Form korrigiert werden. Zu beachten ist wiederum, dass

zumindest ein Teil der ein- und zweijährigen Zweige stehen bleibt, ansonsten fällt die Blüte im Folgejahr mickrig aus.
 
Verjüngender Schnitt

Flieder treibt für lange Zeit aus dem alten Holz aus, wenn er am Standort ideale Bedingungen vorfindet. Gerade wenn er selten oder auch jahrelang gar nicht verschnitten wird, zeigt er sich üppig und in volle Blütenpracht. Es kann allerdings vorkommen, dass das Gewächs überaltert. Die Blühkraft lässt nach und selbst die Blätter können etwas licht wirken. In diesem Fall ist ein verjüngender Verschnitt angeraten.

Dieser ist auch dann günstig, wenn der Flieder zu groß für den gewählten Pflanzplatz wird oder schlicht eine unerwünschte Form angenommen hat.  Vorgegangen wird beim verjüngenden Verschnitt des Flieders wie folgt:
  1. Auf einer Höhe von etwa 1,5 Metern wird zunächst der obere Bereich gestutzt.
  2. Im Anschluss werden die Seiten wie gewünscht angepasst.
  3. Während des vorletzten Arbeitsschritts wird der Flieder radikal ausgedünnt. Entfernt werden alle dünnen Triebe, übrig bleiben nur die stärkeren, kräftigen Äste.  
  4. Sämtliche Schnittflächen werden, sofern nötig, geglättet. Dazu können sie mit einem scharfen Messer, einer Säge oder auch einer mechanischen Gartenschere begradigt werden.
FliederDurch das Vorgehen von außen nach innen ist es möglich, sehr genau zu arbeiten und dem Zierholz die gewünschte Form zu verleihen. Zudem kann anfangs eine elektrische Heckenschere eingesetzt werden, da die Schnittflächen ohnehin nachträglich geglättet oder angepasst werden müssen.

Wer sich für den radikalen, verjüngenden Verschnitt entscheidet sollte bedenken, dass die Blüte erst wieder nach zwei Jahren einsetzt.

Tipp: Eine Höhe von einem Meter sollte möglichst nicht unterschritten werden, damit der Flieder wieder kräftig austreiben kann.

Aussaat verhindern

Wenn der Flieder verblüht, beginnt er damit sich selbst auszusäen. Soll diese unkontrollierte Vermehrung verhindert werden, ist auch hier ein Verschnitt angeraten. Entfernt werden zu diesem Zweck ausschließlich die Blütenrispen. Wer diese ohnehin als Schnittblumen für die Vase verwendet, muss natürlich nicht extra zur Schere greifen.

Schnittwerkzeug

Wie beim Verschnitt jedes anderen Gewächses auch, ist Sauberkeit oberstes Gebot. Sinnvoll ist es, die Schnittwerkzeuge im Vorfeld zu desinfizieren, um das Eintragen von Krankheitserregern zu vermeiden. Verwendet werden können Messer, Schere oder Säge. Gerade beim Flieder ist letzteres empfehlenswert, da das Holz bereits in den ersten Jahren sehr hart wird.
Um durch das Schneiden keine Verletzungen oder Eintrittspforten für Parasiten und Keime zu schaffen, sollten die Klingen gut scharf sein. Auf diese Weise ist weder mit ausgefransten Flächen noch Quetschungen zu rechnen.
 
Vermehrung

Die beim Verschnitt des Flieders gewonnenen Kopfstecklinge können ab einer Länge von 15 Zentimetern zur Vermehrung der Pflanze verwendet werden.

Hierzu werden die unteren Blätter entfernt und die Stecklinge zügig nach dem Schneiden in Erde verbracht. Garantiert ist der Erfolg bei dieser Vermehrungsvariante allerdings nicht. Bessere Chancen hat das Abstechen von Wurzelausläufern oder die Bildung von Absenkern.

Fazit

Der Flieder zeigt sich rundum pflegeleicht und anspruchslos - und kann auf einen Verschnitt in der Regel gut verzichten. Richtig durchgeführt kann diese Maßnahme allerdings zu einem üppigeren Wuchs, verstärkter Blühkraft oder außergewöhnlichen Formen führen. Bei sehr alten Gewächsen ist er sogar von Nöten, um den Flieder wieder zum Blühen zu bringen.