Rebschnitt im Frühjahr und Herbst - Anleitung

Etwas Grundlagenwissen vor dem ersten Rebschnitt hat auch praktische VorteileDer Rebschnitt ist wichtig für die Gesundheit des Weinstockes und für die nachfolgende Traubenernte, da dieser erzogen und aufgebaut werden muss, um eine reiche Ernte zu liefern. Weinreben sind extrem schnittverträglich und nehmen Fehler bei der Schnittführung nicht übel, jedoch dürfen die Wurzeln nicht abgetrennt werden. Darüber hinaus sollte nicht zu zögerlich geschnitten werden, geringfügige Schnitte sind hier nicht angebracht. Wenn Rebstöcke nicht beschnitten werden, wachsen diese unkontrolliert, verwildern schnell und bringen nur eine

geringe Anzahl an minderwertigen Trauben hervor.

Grundlagen

In den deutschen Weinbaugebieten werden Weinreben für eine reichhaltige Traubenernte angebaut, während Hobbygärtner eher den dekorativen Wert der Rebstöcke schätzen. Unabhängig für das Motiv des Anbaus brauchen diese einen spezifischen Rebschnitt, damit die Optik und der Ertrag stimmen. Für den Rebschnitt müssen die gegenwärtigen Temperaturen stimmen, damit es zu keinen Schäden kommt. Wenn das Klima in der Anbauregion frostiger und die Rebsorte extrem empfindlich ist, ist später zu beschneiden. Auf diese Weise lassen sich auch Frostschäden aus dem vorhergehenden Winter besser erkennen und im Anschluss korrigieren. Die folgenden Aspekte sind bei dem Anbau und Schnitt von Weinreben zu beachten:
  • Weinreben gehören zu der Pflanzenfamilie der Vitaceae
  • Wein ist ein hoch kletternder Strauch, Sprossranken erreichen Höhen von 10 Metern und mehr
  • Zweige sind braungelb bis rotbraun eingefärbt
  • Blütezeit von Juni bis August, mit zartem Duft
  • Weinstock legt die Blütenknospen schon im Vorjahr an
  • kugelförmige Früchte, entweder süße oder säuerliche Geschmacksrichtung
  • sommergrüne Blätter sind herzförmig bis rundlich
  • im Herbst erstrahlt das Laubwerk mit bunt leuchtender Färbung
  • frostharte und mehrjährige Pflanze
  • Weinreben brauchen ganzjährig und verteilt diverse Pflegeschnitte
  • Schnittzeitpunkte den Wachstumsprozessen anpassen
  • grundlegenden Rebschnitt für die Formgebung in der laubfreien Zeit durchführen
  • ideale Zeitpunkte für das Beschneiden liegen im Spätherbst bis zum Februar-März
  • Temperaturwerte dürfen beim Rebschnitt nicht unter -5 °C Grad liegen
  • Ein Rebschnitt für Einsteiger ist die Fächerformideal sind frostfreie und trockene Tage
  • einjähriges Holz ist Fruchtholz, an diesem wachsen neue Trauben
  • mehrjähriges oder auch altes Holz wird für den Stockaufbau verwendet
Form

Bei der Form gibt es verschiedene Möglichkeiten die Weinreben zu gestalten, diese ist den Standortbedingungen und den persönlichen Wünschen anzupassen. Die diversen Formen sind unterschiedlich schwer in ihrer Durchführung und entweder für Anfänger oder für fortgeschrittene Weinanbauer geeignet. Die folgende Schnittform ist für Hobbygärtner gut geeignet:
  • anfängertaugliche Form für Weinreben ist das Fächerspalier
  • Kombination aus waagerechten und schrägen Kordonarmen, welche sich mehrfach verzweigen
  • Fächer-Erziehung füllt viel Fläche und hat hohen Zierwert
  • Anzahl der Schenkel und Verzweigungen nicht zu hoch ansetzen
  • genügenden Abstand einhalten, ca. 0,5-1,0 Meter
  • Rankspalier hilft bei der richtigen Formgebung der Triebe
Schnittführung

Bei Weinreben wird der Rebschnitt normalerweise nach dem Laubabfall angesetzt, wobei noch sehr junge Rebstöcke an erster Stelle in die richtige Form und Wuchsrichtung erzogen werden müssen. Die nachfolgenden Aspekte sind bei der Schnittführung zu beachten:
  • im ersten Lebensjahr den Rebstock einfach wachsen lassen
  • junge Weinrebe zu Beginn erziehen und aufbauen, erst danach beschneiden
  • bei neuen Pflanzen zuerst einen starken Trieb lang und gerade anwachsen lassen
  • Haupttrieb bildet im Anschluss den Stamm des Rebstockes
  • idealerweise lässt sich bei der Rebe eine Art Stammgerüst erkennen
  • beim zukünftigen Hauptstamm alle Seitentriebe entfernen
  • ungemein wichtig ist
    sauberes und extrem scharfes Schneidewerkzeug
  • Werkzeug im Vorfeld desinfizieren

    und schärfen
  • Fruchtholz möglichst in geringer Entfernung zum alten Holz abschneiden
  • hinter der letzten Knospe kleinen Stummel von 1-2 cm stehen lassen
  • Stummel verhindert das Austrocknen der sich darunter befindenden Knospe
  • Beim Rebschnitt sollte man immer einen Hauptstamm erziehenSchnitt stets schräg ansetzen
  • Triebe beim Schnitt nicht unnötig quetschen und verletzen, sonst kommt es zum Bluten
Rebschnitt im Frühjahr

Mit einem Rebschnitt im zeitigen Frühjahr wird die Ausgeglichenheit zwischen dem Wachstum des Weinstockes und dem späteren Fruchterfolg gefördert. Dieser Schnitt wird auch Winterschnitt genannt und ist ein wichtiger Prozess im Lebenszyklus einer Weinrebe. Mit ein wenig Vorbereitung und einem anfänglich vorsichtigen Vorgehen, können bei dem Rebschnitt schnell erste Erfolge erzielt werden:
  • Reben im Frühjahr von Februar bis März beschneiden, dies ist der alljährliche Hauptschnitt
  • je stärker der Rückschnitt ist, desto größer das Wachstum des Stockes
  • das Holz vom Vorjahr erkennen, dies sind alle im vorherigen Jahr gewachsene Triebe
  • vorjährige Triebe sind in der Regel gelb-braun, ockerfarben oder rot-braun
  • vorjahres-Triebe haben im Abstand von 5-15 cm Knospen, beim Ankratzen sind diese innen grün
  • ersten Grobschnitt durchführen, alle dünnen, vorjährigen Triebe bis auf etwa 4-6 Knospen einkürzen
  • geeignete Knospen lokalisieren und markieren
  • ca. 15-20 Augen pro Quadratmeter sollen auf der Fläche verbleiben
  • zweiten Grobschnitt ansetzen, alle als ungeeignet markierten Triebe abschneiden
  • dickere Triebe lassen sich bis zum Hauptstamm wegschneiden
  • bei einem Radikalschnitt können bis zu 90% des Geästes entfernt werden
  • letzter Feinschnitt der verbleibenden Triebe
  • im unteren Bereich Stummel mit nur 2-3 Knospen stehenlassen, sogenannte Zapfen
  • Iim oberen Bereich derartig Triebe mit 4-6 Knospen, sogenannte Strecker
Tipp: Nach dem ersten groben Rebschnitt die Knospen zählen und nur die Guten auswählen, diese sind deutlich dicker und befinden sich in der Nähe eines dickeren Stamm. Wenn diese Partien mit einem farbigen Band markiert werden, ist das Ansetzen des Schnittes einfacher und zielgerichteter.

Rebschnitt im Herbst

Der Rebschnitt im Herbst ist die tatsächliche Traubenernte, natürlich nur, wenn sich überhaupt Früchte ausgebildet haben. Zusätzlich zu der Ernte der Trauben lassen sich zu dieser Zeit die Weinreben bezüglich ästhetischer Aspekte beschneiden, vor allem wenn immer länger und stärker wachsende Weinranken sich zu ungewollten Konkurrenztrieben neben dem Hauptstamm entwickeln:
  • im Spätherbst alle reifen Weintrauben abschneiden
  • Reifegrad vorher überprüfen, manche brauchen noch einige Tage Sonne
  • Beim Rebschnitt im Herbst werden alle Ruten entfernt, die keine Trauben tragenalle Ruten entfernen, welche keine Trauben tragen
  • tragende Ruten kürzen, sodass maximal vier Blätter am Trieb verbleiben
  • außerdem alle überhängenden und zu lang gewachsenen Triebe abschneiden
Tipp: Wenn während der Zeit der Traubenernte ein unausgewogenes Verhältnis zwischen reifen und unreifen Weintrauben besteht, dann ist der Bereich mit den unreifen Trauben zu entlauben. Auf diese Weise erhalten die Trauben vielmehr Sonne zum Nachreifen.

Fazit der Redaktion

Der Rebschnitt der Weinstöcke ist extrem wichtig und jährlich durchzuführen, dabei ist dieser einfach in der Handhabung und die schnittverträgliche Pflanze verzeiht auch grobe Anfängerfehler. Wenn nicht nur Blätter wachsen sollen, sondern auch Trauben, dann sind einige Schnittmaßnahmen über das Jahr unabdingbar. Dadurch wird die Gesundheit und das Wachstum des Weinstockes und seiner Trauben gefördert, verholzte und unansehnliche Ruten haben keine Chance sich zu entfalten. Entscheidend ist die Auswahl eines forstfreien und klimatisch angenehmen Tages zum Beschneiden, damit sich die Weinstöcke schnell nach dem Schnitt erholen können.

Wissenswertes zum Rebstock in Fächerform

Eine Form, seine Weinrebe in Form zu bringen ist das Fächerspalier. Diese Form ist gut für Anfänger geeignet. Wegen der einfachen Handhabung ist die Fächer-Erziehung der Rebe weit verbreitet. Es handelt sich um eine Kombination waagerechter und schräger Kordonarme, die sich mehrfach verzweigen. So wird viel Fläche gefüllt. Die Zahl der Schenkel und Verzweigungen darf nicht zu hoch sein. Zwischen ihnen muss genug Abstand herrschen, etwa 0,5 bis 1,0 Meter.
  • Im ersten Jahr lässt man die Pflanze einfach wachsen.
  • Zum Anlegen schneidet man den Rebstock am Ende des zweiten Winters bis auf drei ausgereifte Triebe zurück.
  • So wird das Stammgerüst locker und nicht zu dicht.
  • Diese drei Triebe werden locker auseinander gebogen und an Rankhilfen befestigt.
  • Der Winterschnitt erfolgt auf acht bis zehn Augen.
  • Man lässt jedem Arm ca. vier Knospen für künftige Triebe.
  • An deren Enden verbleiben jeweils ein oder zwei Knospen für die Stammverlängerung.
  • Nicht benötigte Knospen werden ausgebrochen.
  • Die Triebe für die Stammverlängerung bringt man den Sommer über in Form und befestigt sie am Gerüst.
  • Alle Triebe dürfen die Trauben behalten.
  • Im Winter werden die äußeren Triebe für die Stammverlängerung auf acht bis zehn Augen geschnitten und angebunden.
  • Die Triebe, welche nicht für die Verlängerung benötigt werden, kürzt man auf kurze Zapfen mit zwei Augen.
  • An den Trieben für die Stammverlängerung verbleiben nur ein bis zwei Knospen pro Trieb. Die anderen werden ausgebrochen.
  • Wer mit dem Rebenschnitt nicht klarkommt, kann sich auch professionelle Hilfe holen.
  • Baumschulen, Rebenhändler und vielleicht auch ein erfahrener Nachbar sind in der Regel gern behilflich, sollte man nicht weiterkommen.